{"id":101028,"date":"2021-05-19T00:02:00","date_gmt":"2021-05-18T22:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=101028"},"modified":"2021-05-19T00:02:00","modified_gmt":"2021-05-18T22:02:00","slug":"apropos-casanova","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=101028","title":{"rendered":"Apropos Casanova"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt das zweite Buch, der Sparte \u00dcbersetzung, das heuer f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/04\/13\/die-neuen-leipziger-buchpreisbucher\/\">&#8220;Leipziger Buchpreis&#8221;<\/a> nominiert  wurde und ich mu\u00df schreiben, die \u00fcbersetzten B\u00fccher bergen f\u00fcr mich \u00dcberraschungen und sehr viel unbekanntes.<\/p>\n\n\n\n<p>So sind die &#8220;V\u00f6gel&#8221;, glaube ich  das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Don Passos &#8220;USA-Trilogie&#8221; habe ich zwar schon seit November in Badezimmer liegen unddieser Autor war mir im Gegensatz zu Tarjei  Vesaas und Miklos Szentkuthy auch schon bekannt und ich habe den &#8220;Manhatten Transfer&#8221; auch schon mal gelesen oder \u00fcbeflogen von einem Miklos Szentkuthy  habe ich aber noch nie etwas geh\u00f6rt und sein &#8220;Apropos  Casanova aus dem &#8220;Brevier des heiligen Orpheus&#8221; scheint ein \u00e4hnliches Gustost\u00fcckler, wie Theodor Sappers &#8220;Kettenreaktion Kontra&#8221; zu sein und es istauch in einem speziellen Verlag, der &#8220;Anderen biblothek&#8221; begr\u00fcndet von Hans Magnus Enzensberger, in einer speziellen Ausgabe erschienen, die man fast f\u00fcr die sch\u00f6nsten B\u00fccher nomieren k\u00f6nnte, herausgegeben von Christian D\u00f6ring, \u00fcbersetztvon Timea Tank\u00f6, die ja f\u00fcr den<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/preis-der-leipziger-buchmesse\/\"> Preis nominiert wurde.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/19\/der-fall-des-okonomen\/\">Gy\u00f6rgy Dalos<\/a> hat das Nachwort geschrieben. Das Buch ist in rot und schwar zgehalten, dieSeitenzahlen werden unterande rgeschrieben und es gibt und das ist auch ungew\u00f6hnlich ein mehrere Seiten langes Inhaltsverzeichnis, das man fast,wie einen Kurzroman lesen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/19\/ein-uberlebenskunstler\/\">Gy\u00f6rgy Dalos<\/a> beschreibt das Lebend es eher unbekannten ungarischen Autors, der  als Miklos Pfisterer  in einer b\u00fcrgerlichen katholischen Familie in Budapest geboren wurde und von 1908 und 1988 lebte. Das Brevier ist 1937 erschienen und wurde gleich der Blasphemie rverd\u00e4chtigt, aber auch von den &lt;kommunisten verfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Apropos Casanova&#8221; ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beschreibt &#8220;Das Leben eines Heiligen&#8221;, n\u00e4mlich das von &#8220;Alfonso Maria de Liguori  1696-1787&#8221;, da war mir das Ganze noch ein bi\u00dfchen unverst\u00e4ndlich. Dann ging es hinein in das Leben Giacomo Casanovas, 1725-1798, dessen Eltern, wie das erste Kapitel gleich verk\u00fcndet, Schauspieler waren. In l\u00e4ngeren oder k\u00fcrzeren Kapitel wird das Leben beschrieben, das in Venedig begann,  wo die Verf\u00fchrer \u00f6fter M\u00f6nchskutten trugen, um bei den Damen vorgelassen zu werden. Er erw\u00e4hnt eine Bettina, ein Fr\u00e4ulein Vesian, eine  Philosophin und beschreibt auch, die Erotik oder den Sex in Kutschen, was beim  damaligen Stra\u00dfenzustand und den Dienern, die hinten aufsa\u00dfen und den verschlossenen Damenkleidern invielen Schichten, wohl besonders aufregend war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die freie Liebe, der Inzest, die lesbischen Beziehungen werden beschrieben und regen zum Nachdenken, wie sich das erotische oder sexuelle Verst\u00e4ndnis im Lauf der Zeit, im Sinne der Me too -Debatten, wohl ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reisen nach Neapel, Rom oder nach Alexandria werden beschrieben, da mu\u00df der Giacomo auch in Quarant\u00e4ne, die er auf einen Balkon, &#8220;Halb Zimmer, halb freie Natur&#8221; verbringtund dabei einer sch\u00f6nen Sklavin huldigt, beziehungsweise heute ein wenig unverst\u00e4ndlich, das Sklaventum preist. <\/p>\n\n\n\n<p>Weiter gehen die Kommentare \u00fcber die Lekt\u00fcre von Casanovas Werk zu den Pallazzi, wo der Begnadete neben Kardin\u00e4len und Marchesen meist Unterschlupf gefunden hat. Sehr genau werden die G\u00e4rten im Renaissancestil beschrieben und hier wird behauptet, da\u00df es &#8220;In tialien keine Natur gibt und bei der &#8220;Errichtung von G\u00e4rten Natur und Sch\u00f6nheit unbekannte Begriffe&#8221;, w\u00e4ren &#8220;und es lediglich den alleinselig machenden Lxus gibt.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik spielt  in diesen Szenarien nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Rolle, die Mozartopern, Don Giovanni beispielsweise und  Papst Benedik XIV, zu dem  Casanovaoffenbar jederzeit Zutrtt hatte und ihm darum bat in der Fastenzeit Fleisch essen und verbotene B\u00fccher lesen zu d\u00fcrfen. Dann mu\u00df er in der Liebe zwischen einem Kardinal und einer Marchesa vermitteln, die er im Hauskleid vorfand, was damals wohl  etwas \u00c4hnliches wie ein Negligee oder noch weniger bedeutete und  er ihr im Namen des Kardinals unbeholfene Briefe oder Gedichte schreiben mu\u00dfte, damit sie nicht erkannte, da\u00df sie von ihm waren. Am Balkon haben sich  die Beiden getroffen, dem Mittelding zwischen Natur und Schlafzimmer, wie wir schon wissen, w\u00e4hrend sich der Kardinal in diesem befand, was in der Inhaltsangabe mit &#8220;Der schlummernde Kardinal, Casanova und die Marchesa am Balkon&#8221;, beschrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Vollends erotisch phiilosophierend wird es dann, wenn es weg von Casanova und zu &#8220;Abelard und Heloise&#8221; oder zu Tinorettos &#8220;Susanna im Bade&#8221; geht. Da hat ja Szenkuthy das ber\u00fchmte Bild im Kunsthistorischen Museum in Wien gesehen. 1937 ist er dann mit seinem Freund Istvan S\u00f6ter  nach Italien gereist und hat da die Tintoretto-Sonderausstellung im Palast derFamilie Bevilaquva in Venedig gesehen, die ihm sehr beeindruckt hat, da sich da das Bild, das in der seiner Vorstellung hatte, von dem Realen unterschied, so da\u00df er nach Budapest zur\u00fcckgekommen, mitseiner Frau Dora Eppinger noch einmal nach Venedig reiste, um das Bild erneut zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gehts wieder zur\u00fcck zu Casanova, seine Beziehung zum Geld wird reflektiert und wieder sein Verh\u00e4ltnis zu Musik. Er spielte offenbar nicht nur Karten im Theaterfoyer, sondern auch Violine in kleinen Theatern, schenkte seinen Geliebten ein Klavier und Noten in einem Korb und am Schlu\u00df werden Casanova noch Andrew Marvells &#8220;Betrachtungen \u00fcber die Liebe&#8221;gegen\u00fcber gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wenn wir nicht im18. Jahrhundert leben k\u00f6nnen, so sollten wir uns mit der Liebe nicht befassen&#8221;, hei\u00dft es auf Seite zweihunderteinundvierzig des Romans einer geisigen Reise.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant, interessant Miklos Szenkuthys Casanova-Lekt\u00fcre und die philosophischen Betrachtungen, die er sich dar\u00fcber macht. Ein interessantes Buch, wieder eines, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/16\/kaff-auch-mare-crisium\/\">das ich nicht so ganz verstanden habe<\/a>, weil ich mich nur eher schnel ldarber gelesen habe, aber einen interessanten mir bisher unbekannten Schriftsteller kennenlernte und nat\u00fcrlich sollte, k\u00f6nnte, m\u00fc\u00dfte man sich mitden Schriften Casanovas oder zumindestens seiner Biografie weiter befassen und dar\u00fcber seine eigenen Betrachtungen anstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das zweite Buch, der Sparte \u00dcbersetzung, das heuer f\u00fcr den &#8220;Leipziger Buchpreis&#8221; nominiert wurde und ich mu\u00df schreiben, die \u00fcbersetzten B\u00fccher bergen f\u00fcr mich \u00dcberraschungen und sehr viel unbekanntes. 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