{"id":101124,"date":"2021-05-21T00:55:00","date_gmt":"2021-05-20T22:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=101124"},"modified":"2021-05-21T00:55:00","modified_gmt":"2021-05-20T22:55:00","slug":"vom-aufstehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=101124","title":{"rendered":"Vom Aufstehen"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/05\/16\/daheim\/\">Buch<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/05\/12\/echos-kammern\/\">drei<\/a> der Belletristikliste der f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/04\/13\/die-neuen-leipziger-buchpreisbucher\/\">&#8220;Preis der Leipziger Buchmesse&#8221;<\/a> nominierten<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/preis-der-leipziger-buchmesse\/\"> B\u00fccher<\/a>, &#8220;Ein Leben in Geschichten&#8221;, der 1940 in Berlin geborenen Helga Schubert, Psychologin und Schriftstellerin,von der ich noch enen anderen Geschichenband &#8220;Blickwinkel&#8221; aus der &#8220;Edition neue Texte&#8221;, erschienen 1985 im &#8220;Aufbau-Verlag&#8221; in meinen Regalen stehen habe, denn ich habe mich jadamals oder eigentlich \u00fcberhaupt sehr die die DDR-Literatur interessiert und mir die sch\u00f6nen alten &#8220;Aufbau-B\u00fccher&#8221; in den Buchhandlungen, die, diese hatten oder beim Volksstimmefest, in Budapest, etcetera, regelm\u00e4\u00dfig gekauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Helga Schubert war in den sp\u00e4ten Achtzigerjahren einige Zeit in der Jury des Bachmannpreises. H\u00e4tte  dort auch lesen sollen, aber von derDDR keine Ausreisegenehmigung bekommen, was mich etwas wundert, lasen dort doch regelm\u00e4\u00dfig DDR-Autoren und haben auch gewonnen. 1989, glaube ich, auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/17\/buchmessenreport\/\">Kerstin Hensel<\/a>, mit der ich durch<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/11\/26\/frieda-paris-liest-meta-marz\/\"> Christine Haidegger<\/a> vermittelt, im Briefwechsel stand. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/06\/21\/bachmannlesen-in-corona-zeiten\/\">Im letzten Jahr <\/a>wurde Helga Schubert aus dem D\u00f6rfchen in dem sie mit ihren Mann wohnt, zugeschaltet und hat, glaube ich, mit der Titelgeschiche des jetzt erschienenen Bandes gewonnen und jetzt gibt es das &#8220;80 Jahre Leben in 29 Erz\u00e4hlungen&#8221; zu lesen und das finde ich interessant, hat die alte Dame doch wirklich  fast ein Jahrhundert Geschichte erlebt und ich bin, was den &#8220;Preis der Leipziger Messe&#8221;, betrifft, gespannt. Habe da ja meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/20\/friederike-mayroecker-mit-weggefaehrten\/\">Favoritin<\/a>, deren Buch ich wahrscheinlich nicht lesen werde, aber sonst w\u00e4re ich sehr daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt in der H\u00e4ngematte oder mit dem &#8220;Idealen Ort&#8221;, denn die kleine Helga, die 1947 eingeschult wurde, rief am letzten Schultag, die Mutter an, erz\u00e4hlte ihr von ihrem Zeugnis, lie\u00df sich mahnen, wenn nicht alles &#8220;sehr gut&#8221; war. Dann stieg sie in den Zug, um die Ferien bei der Gro\u00dfmutter zu verbringen, die die Enkeltochter im Dorf als die Tochter ihres gefallenen Sohnes vorstellte und der ist 1941 in Russland gefallen. &#8220;Die gn\u00e4dige Frau!&#8221;, die Mutter wurde in einem Brief vom Kompaniechef davon unterricht, was die alt gewordene Helga Schubert, an das Brecht Gedicht &#8220;Und was bekam des Soldaten Weib aus dem weiten Russenland?&#8221;, erinnerte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorher gibt es noch die &#8220;Vierte Strophe&#8221; des Schlafliedchen, das die Mutter der kleinen Helga vorsang:<\/p>\n\n\n\n<p> &#8220;M\u00fcde bin ich, geh zur Ruh, schlie\u00dfe meine \u00c4uglein zu, Vater, lass die Augen Dein \u00fcber meinem Bettchen sein&#8221;, die also lautet:&#8221;Kranken Herzen sende Ruh, m\u00fcde Augen schlie\u00df zu, Gott im Himme halte Wacht, gib uns eine gute Nacht&#8221;, die die kleine Helga nie sag.<\/p>\n\n\n\n<p>Die DDR wurde bald gegr\u00fcndet und als der Sohn der geschiedenen Helga Schubert, 1977 eine Lehrstelle suchte und F\u00f6rster werden wollte, wurde sie vom Direktor des Institus f\u00fcr das er sich bewarb, gleich &#8220;Haben Sie verwandte ersten Grades im Westen?&#8221;,gefragt, denn dann hatte der Bewerbling keine Chance und die Sekret\u00e4rin brauchte gar nicht erst einen Kaffee f\u00fcr die Mutter kochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam der 9. November 1989, mein Geburtstag, f\u00fcge ich an,  die Wende und der Fall der Mauer, die alles wendete und man in den Westen durfte. Die vorher verpassten Gelegenheiten werden aufgez\u00e4hlt und die Schriftstellerin wurde von einem deutschen Literaturprofessor vor kurzem gefragt, ob sie sich als DDR-Schriftstellerin verstanden h\u00e4tte? Wenn ja, warum, wenn nein ,warum nicht?<\/p>\n\n\n\n<p> Da gibt es die verschiedensten Antworten  und  die M\u00e4rchen werden erw\u00e4hnt. Da gibt es ja das von des &#8220;Kaisers neuen Kleider&#8221;, an das ich in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">letzten Zei<\/a>t auch \u00f6fter denken mu\u00dfte und mich fragte, warum da nicht mehr Leute &#8220;Er ist doch nackt!&#8221;, schrieen und dann wird die Frage beantwortet, warum Helga Schubert ihren Osterrbaum immer erst sehr sp\u00e4t schm\u00fcckt? Die Ostereier erst immer kurz vor der Auferstehung darauf h\u00e4ngt denn in der Nachkriegszeit hat die Religionlehrerin den Kindern, die Geschichte noch viel schreckhafter erz\u00e4hlt, als man das heute tun w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt noch ein Verlagslektor in den kleinen Ort in dem Helga Schubert mit ihrem Mann lebt. Sie f\u00fchrt ihn herum und erz\u00e4hllt ihm, was da alles  einmal geschehen ist. Zum Beispiel gab es RAF-Terroristen, die dort im Mitropa-Restaurant ihre Bockw\u00fcrste a\u00dfen und Helga Schubert erkl\u00e4rt  dabei, wie das Geschichten schreiben, offenbar ihre Spezialit\u00e4t, geht und so springt  Helga Schubert in ihren Geschichten durch ihr Leben. Springt nach vor und auch zur\u00fcck. So erz\u00e4hlt sie, wie sie f\u00fcr einen Kollegen &#8220;Uwe Johnson&#8221; in den Osten schmuggelte. Dann geht es in die Gegenwart und zu den  Pflegeschwestern, die t\u00e4glich kommen, um ihren Mann zu betreuen und wieder zur\u00fcck zu den &#8220;Wahlverwandtschaften&#8221; oder zu der wahrscheinlich schwierigen Beziehung zu ihrer hundertein  Jahre alt gewordenen Mutter. Die hatte eine gro\u00dfe Liebe zu ihrer Urenkelin Milli, einen Altersdiabetes,der nicht von den  S\u00fc\u00dfigkeiten abhielt und eine Flucht vorden Russen  mit der kleinen Helga gab es auch, die das ihrer Tochter immer wieder vorhielt, so da\u00df diese relativ lange Geschichte recht distanziert klingt &#8220;Die Vater  meiner Mutter&#8221;oder &#8220;Die Schwiegermutter meiner Mutter&#8221; hei\u00dft es da sehr oft und ist wohl literarisch bewu\u00dft gew\u00e4hlt, aber nicht immer ganz einfach zu lesen und dann geht es an die Ostsee, wo die Schiffe nach Schweden und D\u00e4nemark fuhren und sich  1961 die junge Helga Schubert ausrechnete, da\u00df sie in vierzig Jahren nach ihrer Pensionierung dorthin reisen k\u00f6nnen w\u00fcrde, dann sind es aber durch die Wende nur achtundzwanzig Jahre gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gehts schon zum &#8220;Alt sein&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ncht alt werden, nicht alt geworden sein, sondern, alt sein. Nicht Angst vor dem Alter, nicht Angst vor Siechtum und Tod, sondern: alt sein.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wahr. Die Pflegeschwester wird beim Hinausgehen nach ihren D\u00e4mmerungserfahrungen gefragt und sie erz\u00e4hlt von ihren Nahtoderlebnissen.<\/p>\n\n\n\n<p> Zu <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/05\/ostern-in-coronazeiten\/\">Ostern<\/a> geht es manchmal zu Fastenseminaren. &#8220;Von allem genug&#8221;, pregdigt dort die Fastenleiterin und im Sommer geht sie zu der jungen Kurpastorin, der sie beichtet, da\u00df sie das vierte Gebotnicht halten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ich kann sie nicht lieben, so wie sie mich nicht lieben kann. Du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben, auf dass es  dir wohl gehe&#8230;&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Irrtum, sagt die Pastorin. Von Liebe ist in dem Gebot nicht die Rede. Sie brauchen sie nurzu ehren.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht es \u00fcber den &#8220;Ersten Tag im Jahr&#8221;, zur Titelgeschichte, die eigentlich und genau genommen eine Zusammenfassung des vorher geschrieben ist. Sie liegt im Bett und denkt \u00fcber ihr Leben nach. Da kommt die Pastorin und das vierte Gebot vor und noch einmal die Mutter, die die Urenkelin mehr liebte als die Tochter und  noch in ihrer Todesstunde sagte, da\u00df sie sie dreimal t\u00f6ten h\u00e4tte k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant, interessant der Gang durch das Leben von Helga Schubert. Schade, da\u00df ihre Psychotherapeutenerfahrung weitgehend fehlt. Der Krieg und die DDR  ist f\u00fcr die Verlage nat\u00fcrlich wichtiger und spannend wieder, wer wird gewinnen oder ist die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/03\/von-friederike-mayrocker-zu-ceja-stojka\/\">FM<\/a> eine Konkurrenz?<\/p>\n\n\n\n<p> F\u00fcr den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/04\/peter-henisch-versus-evelyn-grill\/\">Peter Henisch <\/a>beim <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/08\/der-erste-oesterreichische-buchpreis\/\">\u00f6sterreichischen Buchpreis<\/a> war sie es. In Leiphzig ist das wohl anders, obwohl Helga Schubert sie auch erw\u00e4hnte und davon geschrieben hat, da\u00df sie einmal in ihrem Wohnzimmer sa\u00df und ihr gestand, da\u00df sie&#8221; keinen Tag hier leben&#8221; k\u00f6nne. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buch drei der Belletristikliste der f\u00fcr den &#8220;Preis der Leipziger Buchmesse&#8221; nominierten B\u00fccher, &#8220;Ein Leben in Geschichten&#8221;, der 1940 in Berlin geborenen Helga Schubert, Psychologin und Schriftstellerin,von der ich noch enen anderen Geschichenband &#8220;Blickwinkel&#8221; aus der &#8220;Edition neue Texte&#8221;, erschienen &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=101124\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[749,2345,2591,4639],"class_list":["post-101124","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-belletristik","tag-geschichten","tag-helga-schubert","tag-preis-der-leipziger-buchmesse"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101124","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=101124"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101124\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=101124"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=101124"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=101124"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}