{"id":10226,"date":"2011-11-28T00:25:21","date_gmt":"2011-11-27T23:25:21","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10226"},"modified":"2011-11-28T00:25:21","modified_gmt":"2011-11-27T23:25:21","slug":"ein-wunderbarer-wunstling","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=10226","title":{"rendered":"Ein wunderbarer W\u00fcstling"},"content":{"rendered":"<p>Hier kann ich gleich an das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/26\/short-cuts-i\/\">Kurze Prosa Festival der Erich-Fried-Tage<\/a> ankn\u00fcpfen, habe ich doch Eva Bakos &#8220;Ein wunderbarer W\u00fcstling&#8221;, ein Buch, aus dem offenen B\u00fccherschrank, f\u00fcr einen Roman gehalten, bin erst beim Lesen der ersten Geschichte &#8220;Der geborene Liebhaber&#8221;, irgendwann mittendrin draufgekommen, da\u00df es noch sechs andere Geschichten gibt und war zuerst einmal entt\u00e4uscht, war das Szenario von der Journalistin, die fr\u00fcher einmal ein sch\u00fcchternen graues Entlein war, sich dann von  Anna Schraffelseder in Annette Verron umbenannte, nach Deutschland ging, um Karriere zu machen und jetzt nach Wien gekommen ist, um einen alternden Burgschauspieler zu interviewen, doch sehr interessant. Eigentlich war es eine Interview-Serie. Sie hat sich schon mit etlichen ber\u00fchmten \u00e4lteren M\u00e4nnern unterhalten und ist eine M\u00e4nnerhasserin, vorher hat sie einen Schauspieler namens Max Norden aufgebl\u00e4ttert, jetzt hat sie das mit Clemens Corlano vor, aber der entpuppt sich als sehr charmanter alter Herr, ist offen und freundlich und erz\u00e4hlt ihr, da\u00df er der Sohn eines Rastlbinders sei und eigentlich homosexuell und alle seine Liebhaberinnen nur Scheinbeziehungen. Annette ist auch ehrlich und erz\u00e4hlt ihm von ihren Mi\u00dferfolgen, dann l\u00e4dt er sie zum Essen ein, eine junge Frau taucht auf und er schenkt Wein aus seinem Weingut aus und erkl\u00e4rt,da\u00df alles was er vorher erz\u00e4hlte, gelogen war, so da\u00df sie ihm das Tonband zur\u00fcckgibt und geht. Danach entpuppt sich die junge Frau als Nichte, der Liebhaber Max Norden taucht auf und Clemens Corlano hat seinen Freund durch seine Schauspielkunst  ger\u00e4cht. Achtundvierzig Seiten hat die Erz\u00e4hlung. Auf dem Buchr\u00fccken steht etwas von &#8220;Wien, behauptet Eva Bakos, ist in der Hand der Patriarchen&#8221;.<br \/>\nDas Buch ist 1977 erschienen und Eva Bakos, die 1929 in Wien geboren und 2003 dort gestorben ist, war Leiterin der \u00d6sterreich Redaktion der Zeitschrift Brigitte und hat mehrere B\u00fccher geschrieben.<br \/>\n&#8220;Heirate nur keine Wienerin&#8221;, von dem ich hoffe, da\u00df es ein Roman ist, habe ich noch auf meine Leseliste zu stellen und der Erz\u00e4hlband ist wohl das, was man sich als das Wiene Klischee f\u00fcr deutsche Illustrierte oder das deutsche Lesepublikum vorstellen kann. Hier werden die Liebhaber in allen ihren Formen abgehandelt. Das K\u00fcnstlermilieu kommt bevorzugt vor, aber auch  slowenischen M\u00f6beltischler und starke Frauen, die den Namen Dragica f\u00fchren, was das Klischee dann wieder etwas unterbricht. Um noch einmal auf den Roman-Kurzgeschichten-Konflikt zur\u00fcckzukommen. Der Wechsel von der einen in die n\u00e4chste Geschichte ist mir immer etwas schwer gefallen und ich habe ein paar Seiten gebraucht, bis ich in das neue Szenario hineingekommen ist, obwohl das Milieu sehr \u00e4hnlich war, weil es ja meistens um die Beziehung von M\u00e4nnern zu Frauen, um Eros und Erotik gegangen ist. Da schwenke ich noch einmal zu den Short-Cuts zur\u00fcck, wurde beim Roundtable Klaus N\u00fcchtern doch gefragt, ob das Besprechen von Kurzgeschichten schwieriger w\u00e4re.<br \/>\n&#8220;Nein!&#8221;, sagte er, &#8220;Denn man kann auch leichter schummeln und mu\u00df nicht alles lesen!&#8221;<br \/>\nIch habe alle gelesen und glaube schon, da\u00df ich Geschichten nicht so gerne lese, weil das Besprechen der verschiedenen Szenarien schwieriger ist. Wie soll man da alles auf einer Seite unterbringen? Ich mu\u00df zwar auch nicht alle Geschichten erw\u00e4hnen, die n\u00e4chste hei\u00dft aber  &#8220;Kein hoffnungsloser Fall&#8221; und ist \u00e4hnlich liebensw\u00fcrdig romantisch. Da hat eine Frau einen Sektionschef in ihr Bett gebracht, geht aber nicht, denn im Bett seines Freundes kann der anst\u00e4ndige Kerl keinen Orgasmus kriegen. so gehen sie das n\u00e4chste Mal in seine Wohnung. Jugendstil, roter Pl\u00fcsch, und Bilder von der Alma Mahler an den W\u00e4nden, da kann die Witwe nicht und schleppt ihn in ein Bordell, dort geht es und aus dem Nebenzimmer kommt die Tochter des altmodischen Beamten und nennt ihren Papa liebevoll &#8220;Sek&#8221;, was von Sektionschef kommt.<br \/>\nDas ist ein Wien, das ich nicht kenne und auch nicht glaube, da\u00df es in den Siebzigerjahren so war, aber sicher das, was man gerne \u00fcber Wien lesen will und in der Titelgeschichte &#8220;Ein wunderbarer W\u00fcstling&#8221; geben Willy Bittner und Dragica Skofic den Tod von Verena Bittner, die mit achtundzwanzig Jahren tragisch verschieden ist bekannt. Willy Bittner ist der wunderbare W\u00fcstling, Dragica seine langj\u00e4hrige Geliebte und die, die das Gesch\u00e4ft schupft. Eine Jugendstilwohnung am Wiener Naschmarkt gibt es auch und eine Ballettsch\u00fclerin, die wegen dem sch\u00f6nen Willy ihre Karriere aufgibt, ihn heiratet und dann lange in einer Dreiecksbeziehung mit Willy und Dragica, die eigentlich homosexuell ist, lebt, erst als sie ausbrechen und Choreographin werden will, kommt es zur Katasthrophe, bzw. zum t\u00f6dlichen Autounfall.<br \/>\nMit der schw\u00fclen Erotik geht es weiter im &#8220;Eidechserl&#8221;, das ist Anni, die Tochter eines Eidechsenforschers, die bei einer alten Tante in der Schikanedergasse aufw\u00e4chst, da gibt es die Werkstatt des Tischlers Branko Filipovic und von dem munkeln die Tanten, da\u00df er die kleinen M\u00e4derln verf\u00fchrt. Anni wird neugierig und steigert sich auch in eine solche Phantasie hinein, sp\u00e4ter wird sie Sprechstundenhilfe und folgt ihrem Internisten brav ins Bett. Dort agiert sie aber sehr traumatisiert, so da\u00df sie sehr oft ihre Stellen wechselt, bis sie mit achtundzwanzig, wie vierzehn aussehend zu Tischer Filipovic in seine Werkstatt geht und dann mit ihm nach Dalmatien f\u00e4hrt, dort wird sie dann von seinem Neffen ermordet. Heute w\u00fcrde man mit dem Mi\u00dfbrauchsthema vielleicht ein wenig anders umgehen. Bei der n\u00e4chsten Geschichte &#8220;Nachhilfe&#8221; geht es aber auch um eine Lehrerin, die in einer ungl\u00fccklichen Beziehung lebt und einem kleinen Italiener-Buben Nachhilfestunden gibt.<br \/>\n&#8220;Der Freund bedeutender Frauen&#8221; ist eigentlich ein Frisuer, schafft es aber fast die Karriere einer S\u00e4ngerin durch  falsche Beratung zu zerst\u00f6ren und &#8220;Riesinnen&#8221; ist echt brutal. Wird da ja eine Familie von einer reschen K\u00f6chin zu Tode gef\u00fcttert. Der sch\u00f6ne Karl, lebt in einem Haus mit seiner Frau, der Schw\u00e4gerin mit Kind und der Schwiegermutter. Die K\u00f6chin Fini gibt es auch und die kocht allen ihre Lieblingsspeisen, so da\u00df der Cholesterinspiegel steigt, die Frau im vierten Monat immer ihr Kind verliert, obwohl Karl doch unbedingt einen Sohn haben will, die Schw\u00e4gerin kommt ins Sanatorium verliert und zuletzt erliegt Karl einem Herzinfarkt erliegt, w\u00e4hrend Fini gl\u00fccklich eine sch\u00f6ne Tochter von ihm bekommen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier kann ich gleich an das Kurze Prosa Festival der Erich-Fried-Tage ankn\u00fcpfen, habe ich doch Eva Bakos &#8220;Ein wunderbarer W\u00fcstling&#8221;, ein Buch, aus dem offenen B\u00fccherschrank, f\u00fcr einen Roman gehalten, bin erst beim Lesen der ersten Geschichte &#8220;Der geborene Liebhaber&#8221;, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=10226\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-10226","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10226","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10226"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10226\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}