{"id":102290,"date":"2021-06-16T00:56:00","date_gmt":"2021-06-15T22:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=102290"},"modified":"2021-06-16T00:56:00","modified_gmt":"2021-06-15T22:56:00","slug":"lesen-statt-telefonieren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=102290","title":{"rendered":"Lesen statt telefonieren"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir leben  in Zeiten, wo jeder ein oder sogar mehrere Handies besitzt, also die Telefonzellen  der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Es ist auch schon lange her, da\u00df ich eine solche ben\u00fctzte, obwohl ich gar kein Handy habe und vor einigen Jahren ist, was ich als eine der wenigen sinnvollen Ma\u00dfnahmen halte, die in letzter Zeit passierten, sind die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">offenen Buchschr\u00e4nken<\/a> wie, die Schwammerln, wie ich immer schreibe, aus dem Boden gescho\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sinnvoll deshalb,weil sonst ja alles registriert,verwaltet und kontrolliert wird und wenn man beispielsweise aus einer M\u00fclltonne hinter einem Supermarkt etwas herausnimmt, kann man verhaftet werden, auch wenn man vielleicht Mndestrentenbezieher ist und die Sachen  brauchen k\u00f6nnte. Aber hier kann man sich einfach B\u00fccher aus dem Kasten nehmen oder hineinlegen, wenn beispielsweise, die Mutter gestorben, ist, man eine Wohnung ausr\u00e4umen wil, etcetera.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/19\/silberbote\/\">2010 wurde der erste in Wien, glaube ich in der Zeglergasse von Frank Gassner<\/a> initiert und da gab es auch ein Geschrei dar\u00fcber, das Ganze &#8220;Obdachlosenakademie&#8221; genannt, obwohl, wenn man da schon sarkastisch sein mu\u00df, &#8220;Bibliothek&#8221;, der passendere Ausdruck gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schr\u00e4nke wurden auch ein bi\u00dfchen vandalisiert oder leer ger\u00e4umt. Da gab es einmal einen alten Mann, der alles leerr\u00e4umte, was Frank Gassner ziemlich \u00e4rgerte. Ich habei in der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_absturzgefahr.html\">&#8220;Absturzgefahr&#8221;,<\/a> dar\u00fcber geschrieben und es gab auch das Gerede, die Leute nehmen sich die B\u00fccher und verkaufen sie dann, was ich eigentlich nicht glaube, da\u00df sich da K\u00e4ufer daf\u00fcr finden und deshalb wurden von Frank Gassner anfangs  auch h\u00e4\u00dfliche Bandagen darauf geklebt,  die die B\u00fccher eigentlich kaputt machten und sp\u00e4ter abgestempelt. Das hat sich inzwischen normalisiert und die Buchh\u00e4ndler hatten, was  eigentlich wundern k\u00f6nnte, nichts dagegen und schrieen nicht auf, da\u00df jetzt der Handel einbricht und die Schr\u00e4nke daher verboten werden m\u00fcssen, sondern stellen sogar selber manchmal ihre Leseexemplare hinein und der Hauptverband regte sich auch nicht auf, sondern stellte einmal sogar Freikarten f\u00fcr die &#8220;Buch-Wien&#8221;zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p> Die Schr\u00e4nke sind voll und ich bin erstaunt, was man alles daran finden kann. Habe schon echte Schmankerln herausgenommen und meine Bildungsl\u00fccken aufgef\u00fcllt. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/22\/ein-mann-wird-alter\/\">Sveto<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/26\/hasenherz\/\">Updike<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/12\/china-geheim\/\">Kisch<\/a>, etcetera, gelesen, an die ich sonst vielleicht nicht gekommen w\u00e4re und auch viele Lesexememplare, die vielleicht Buchh\u00e4ndler oder Rezensenten hineinstellen. <\/p>\n\n\n\n<p> Frank Gassner verstand seine Aktion, glaube ich,  als Kunstprojekt und gar nicht so als Lesef\u00f6rderung. Die Schr\u00e4nke wurden von K\u00fcnstlern entworfen, der in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/05\/zwei-jahre-offene-bucherschranke-in-wien\/\">Zieglergasse beispielsweise von Hermann Nitsch<\/a>, dessen Assistent Frank Gasser einmal war,  erneuert. Es kam dann der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/31\/offener-bucherschrank-und-rosa-winkel\/\">Schrank im Hegerpark<\/a>, wo es eine Zeitlang das &#8220;Rosa Winkel-Buch zu entnehmen gab&#8221;, den in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/17\/lesung-vor-dem-offenen-bucherschrank\/\">Grundsteingasse, wo ich mal gelesen habe<\/a>  und der, der in der Gumpendorferstra\u00dfe Ecke Otto Bauergasse geplant war, hat es nicht gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kamen bald die Nachahmer. Der Bezirk oder eine Partei stellte in der Josefst\u00e4dterstra\u00dfe einen hin und kupferte von Frank Gassner, der sich dar\u00fcber \u00e4rgerte, ab. Es gibt den &#8220;Wortschatz&#8221; am Margaretenplatz. F\u00fcr mich eine reiche Quelle, weil ich da ja oft vorbei gehe und irgendwann bin ich auf die Zelle bei der &#8220;Seedose&#8221;am Viehofner See gesto\u00dfen. Das war die  erste ehemalige Telefonzelle und eigentlich eine gute Idee, die Zellen, wenn man sie nicht mehr braucht, weil alle Leute Handies haben, in B\u00fccherzellen umzufunktionieren und damit der Lesef\u00f6rderung zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p> Eine gute Idee f\u00fcr mich, die ja reichlich davon profitiere, ob  die Leute dann wirklich mehr lesen, wei\u00df ich nicht und w\u00fcrde da auch skeptisch sein und kann mich auch an das wahrscheinlich schon zitierte Beispiel erinnern, das ich auch einmal bei einer IG-GV vorgegtragen habe. Da stand ich in der Zieglergasse. Es lagen viele sch\u00f6ne alte &#8220;Jugend und Volk-B\u00fccher&#8221; darin. Ein M\u00e4dchen st\u00fcrzte sich darauf. Die Mutter hielt sie davon ab und warnte &#8220;Das ist ja die alte Rechtschreibung und dann machst du wieder Fehler und bist verwirrt!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und ob wirklich soviele  Migrantenkinder kommen und durch die B\u00fccherschr\u00e4nkefunde lesen lernen, wie sich vielleicht die Politiker w\u00fcnschen, wei\u00df ich nicht und ebenfalls  ist es mir unbekannt, ob es in Wien auch  B\u00fcchertelefonzellen gibt oder doch, die vor dem Theater in der Wiedenr Hauptstra\u00dfe ist eine solche, aber die ist rot angestrichen und wird von dem Theater betrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>In St. P\u00f6lten gibt es, um wieder zum Thema zur\u00fcckkommen, den bei der &#8220;Seedose&#8221;, den ich vor circa zehn Jahren entdeckte. Da habe ich auch schon<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/07\/07\/im-inneren-des-klaviers\/\"> sch\u00f6ne B\u00fccher<\/a> gefunden und sie, beziehungsweise das Notizbuch das ich einmal darin fand, in meinen<a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_notizbuch.html\"> zweiten Corona-Buch<\/a> erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit zwei Jahren gibt es die B\u00fccherzelle in Altmannsdorf. Da haben Verlage, als sie er\u00f6ffnet wurden, sch\u00f6ne B\u00fccher hineingelegt. So habe ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/06\/23\/cox-oder-der-lauf-der-zeit\/\">Ransmayer &#8220;Cox&#8221;<\/a> gelesen und lege selber \u00f6fter<a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/buecher.html\"> meine B\u00fccher<\/a> hinein, habe ich in  Harland noch ein paar Schachteln von den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/19\/jack-unterweger-film-und-open-hause\/\">&#8220;Hierarchien&#8221; <\/a>gefunden und so habe ich mir vorgenommen immer ein Buch hineinzulegen, wenn ich  zu den Schr\u00e4nken fahre. Leider vergesse ich \u00f6fter, was vielleicht nicht soviel macht, denn Altmannsdorf ist ja eher klein. Da w\u00fcrden meine Hierarchien bald auffallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist  auch interessant, welche B\u00fccher, die Leute hineinstellen. Frank Gasser wollte, glaube ich, anfangs soziologische Studien dar\u00fcber machen. Ich wei\u00df nicht, ob er es getan hat. In Wien findet man viele Leserexemplare und auch viel zeitgen\u00f6\u00dfische Gegenwartsliteratur. Die habe ich auch schon in der &#8220;Seedose&#8221; gefunden und zum Muttertag in  Altmannsdorf <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/01\/08\/junge-hunde\/\">Cornelia Travniecs &#8220;Junge Hunde&#8221;<\/a> und ein Skriptum einer Fahrschule. Das habe ich genommen, weil ich dachte, da\u00df die Anna vielleicht ihre Fahrk\u00fcnste auffrischen will und die &#8220;Jungen Hunde&#8221;, die ich schon gelesen habe, f\u00fcr<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/23\/marktbesuch-in-der-zombie-apokalypse\/\"> Doris Kloimstein, mitder ich ja eifrig B\u00fccher tausche<\/a> und die Anna hat mir, als wir das letzte Mal in Harland waren gesagt, da\u00df es da jetzt einige neue B\u00fccherzellen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p> In Harland beim Amtshaus, da habe ich schon beim Vorbeifahren gedacht, das schaut fast so aus und dann noch eine in Stattersdorf. Das ist eine Initiative der \u00d6VP, die damit wahrscheinlich das Lesen f\u00f6rdern will und als ich mit der Anna, der Lia und dem Alfred zuerst beim  beim B\u00e4cker und dann am Spielplatz war, habe ich auch vier Bilderb\u00fccher f\u00fcr die Lia gefunden. Im Stattersdorfer Schrank gab es den \u00e4lteren Bestseller &#8220;Schande&#8221; von Nobelpreistr\u00e4ger J.M. Coetzee und sonst eigentlich Kinderb\u00fccher, ChickLits, Krimis und was sonst, die Leute lesen und Peter Klein, der ehemalige Programmleiter von \u00d61, beklagte letzten Samstag im &#8220;Standard&#8221; unter dem Titel &#8220;Unterbelchtete Bestseller und blinde Flecken&#8221;, da\u00df die Leute meistens nicht das Lesen, was die Kritiker empfehlen und das, was auf den Bestsellerlisten steht,ist dann das, was Denis Scheck oft in die M\u00fclltonne schmei\u00dft. Das ist auch ein altes Problem beim <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/09\/deutscher-buchpreis\/\">&#8220;Deutschen Buchpreis&#8221;<\/a>, das die Kritiker Hochwergtiges ausw\u00e4hlen und die Buchh\u00e4ndler dann st\u00f6hnen, weil die Leute, das nicht kaufen und keine Krimis, ChickLits, Fantasy etcetera, was sie vielleicht kaufen w\u00fcrden, auf diese Listen kommen. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/10\/12\/buchpreisaufregungen\/\">Petra Hartlieb, die engagierte Buchh\u00e4ndlerin und auch Krimis und Liebesromanautorin, hat sich dar\u00fcber beklagt, als sie in derJury f\u00fcr den dBp war und wurde von den Kritikern<\/a>, die sich angegriffen f\u00fchlten, angefeindet. Sie hat aber, glaube ich, recht und ich bin ja eine, die alles liest.<\/p>\n\n\n\n<p> Also <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/wp-admin\/post.php?post=99089&amp;action=edit\">ChickLits<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/03\/21\/abels-auferstehung\/\">Krimis<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/04\/07\/dave\/\">Fantasie<\/a>, aber meistens zeitgen\u00f6\u00dfische Gegenwartsliteratur und in letzter Zeit,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/bloggerdebutshortlist\/\"> das<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/preis-der-leipziger-buchmesse\/\"> von<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/schweizer-literaturpreis\/\"> den<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\"> Buchpreislisten<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/\">und <\/a>alles <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">nat\u00fcrlich nicht. Denn ich kann ja nicht hunderttausend Millionen B\u00fccher lesen, obwohl ich das gerne w\u00fcrde, sondern lese cirka <\/a>hundertf\u00fcnfzig bis hundertf\u00fcnfundsiebzig im Jahr, was schon sehr viel liest. Peter Klein meint in seinem Artikel, da\u00df man dreitausend B\u00fccher in seinem Leben lesen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/10\/abschied-vom-literaturprofessor\/\">Wendelin Schmidt-Dengler<\/a> ausgerechnet und ist von einem Buch pro Wochen, also f\u00fcnfzig im Jahr ausgegangen. Da kenne ich aber Statistiken, da\u00df die Deutschen acht und die \u00d6sterreicher neun B\u00fccher im Jahr lesen w\u00fcrden oder ist es umgekehrt und viele junge Leute lesen gar nicht mehr, obwohl sich das Buch erstaunlich gut gehalten hat. Wird es ja immer noch gedruckt und die E-Books, die ich  nicht so gerne lese, halten sich eher zur\u00fcck. Das gute alte Buch hat sich also erhalten und wurde nicht so, wie man vor etwa zehn Jahren  f\u00fcrchten konnte und von den E-Bookreadern verdr\u00e4ngt, wom itich wieder zu den B\u00fccherzellen zur\u00fcckkomme. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt n\u00e4mlich noch einen, wie mir die Anna letzten Freitag zufl\u00fcsterte, n\u00e4mlich den beim Bootshaus und daran bin ich am Samstag, als ich  zum Markt wollte,  vorbeigefahren und habe auch etwas f\u00fcr den Alfred, passend zum Vatertag gefunden, n\u00e4mlich einen  noblen Bildband \u00fcber &#8220;Toskanische Landh\u00e4user&#8221; und wenn am achten  Juli , die Oma dort ihren Geburtstag feiert und sie mich mit meinen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/05\/24\/gesund-frei-widerstandig\/\">vierten G<\/a> nicht hineinlassen, kann ich mich mit dem Takeaway-Kaiserspritzer, den ich vielleicht doch bekommen, zur Bushaltestelle setzen und in den eventuellen Funden schm\u00f6kern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben in Zeiten, wo jeder ein oder sogar mehrere Handies besitzt, also die Telefonzellen der Vergangenheit angeh\u00f6ren. 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