{"id":102907,"date":"2021-07-01T00:46:00","date_gmt":"2021-06-30T22:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=102907"},"modified":"2021-07-01T00:46:00","modified_gmt":"2021-06-30T22:46:00","slug":"10-tage-im-herzen-der-ferne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=102907","title":{"rendered":"10 Tage im Herzen der Ferne"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein neugierig machender Titel und ein Buch \u00fcber Albanien, was f\u00fcr mich der Ausschlag war, mich daf\u00fcr  zu interessieren. Im Sommer einen Roadtrip machen. Eine Reise in ein mir unbekanntes Land, das ist interessant und, wie dann in dem Buch zu lesen stand, da\u00df von einem Manager namens Nico Mateew stand, der bulgarische Wurzeln zu haben scheint, mehr biografische Angaben waren nicht zu finden, kommt oft manches anders, als man denkt und das ist dann  der Reiz daran. So ist das Buch, das ist auch interessant im &#8220;Book on Demand Verfahren&#8221;, das die &#8220;Randome Verlagshausgruppe&#8221; anbietet, erschienen ist, sondern eher die Geschichte eines Ausstiegs mit anschlie\u00dfender Sinnerf\u00fcllung. Wieder etwas Philosphoisches, aber leichter zu lesen als der Liebeskrimi von Sabine Haupt und auch gut nachvollziehbar. Beginnen tut es mit den Ferien bei der Gro\u00dfmutter und ihren Kalenderspr\u00fcchen. Der Sinnvollste davon lautet &#8220;Wer wenig braucht ist frei&#8221;, etwasm was das Kind oder Jugendliche damals nicht verstanden hat. Dann kommt das \u00d6pkonomiestudium und der der Einstieg in eine Firma, was alles im ersten Teil &#8220;Der Werdegang&#8221; an Hand von leicht erfa\u00dfbaren Metaphern erkl\u00e4rt wird. So erlebt er gleich die Pensionsfeier eines Kollegen. Der Chef lobt ihn sehr, am n\u00e4chsten Tag ist er vergessen. Ein Kollege fragt ihn, warum er den ganzen Tag in den Computer schaut? Die Kollegen tragen alle Anz\u00fcge und Kost\u00fcme und verbergen darin ihre Pers\u00f6nlichkeit. Eines Tages \u00fcbergibt ihm der Chef ein paar Schachteln mit dem Auftrag das Archiv zu ordnen. er verschiebt die Schachteln, weil er nicht wei\u00df, was er damit anfangen soll. Eine Woche sp\u00e4ter r\u00e4umt der Portier die Schchteln weg und der Chef bringt neue, was fast an<a href=\"\/2019\/11\/21\/kafka-wege-in-berlin-und-einundzwanzigster-nanotag\/\"> Kafka<\/a> erinnernd k\u00f6nnte. So geht es ins erste, zehnte, elfte Jahr. Er findet eine Frau, bekommt drei Kinder und f\u00e4hrt einmal zu der v\u00e4terlichen Familie nach Bulgarien, wo ihn der Onkel erstaunt fragt, was er so macht? Er kommt zur\u00fcck, erleidet einen Bandscheibenvorfall, mu\u00df in die R\u00f6hre und beschlie\u00dft sich dann nochmals Urlaub zu nehmen und nach Albanien zu fahren und dort einen Film \u00fcber das Land und seine K\u00fcche zu drehen. Dazu sucht er sich zwei Filmemacher ,einen Chinesen und einen Amerikaner, bucht sich einen Fremdenf\u00fchrer und bricht in das arme Land auf,\u00fcber das er sich vorher bei &#8220;Wikipedia&#8221; informierte. im Flugzeugkommen sieschon mit dem abgeschobenen Edy ins Gespr\u00e4ch, der Chinese hat sich f\u00fcr das arme land underdressend angezogen und  f\u00e4llt damit auf und der Fremdenf\u00fchrer bringt sie statt, wie ausgemacht zu einem Taxifahrer, zu seinen Schwiegereltern, wo das erste Essen stattfindet. Der Schwiegervater serviert Raki, das selbstgebraute Nationalgetr\u00e4nk und hat Schwierigkeiten, die, wie auch die anderen, vorgefertigen Fragen, wie &#8220;Was verdienen Sie?&#8221; und &#8220;Was sind ihre gr\u00f6\u00dften Sorgen?&#8221; zu beantworten. Am n\u00e4chsten Tag kommt der Fremdenf\u00fchrer zu sp\u00e4t in das Hotel,  dann kommen sie auch zu sp\u00e4t zu dem Biobauern, wo das n\u00e4chste Interview stattfinden soll. Das macht aber nichts, stellt sichheraus, denn der Koch, den sie am  Nachmittag interviewen, w\u00e4re auch zu sp\u00e4t gekommen. Der ging in den Neunzigerjahren nach Italien als Hilfsarbeiter, lernte dort das Kochen,  errichtete in Rom ein Restaurant und ging dann, eine typische Antwort, um seinem Land etwas zur\u00fcckzugeben nach Albanien zur\u00fcck und errichtete auch ein Restaurant, wo er die traditionelle K\u00fcche  etwas revolutionieren wollte. Vier Gro\u00dfm\u00fctter sollen das laut plan in der k\u00fcche ausprobieren und \u00fcber das land schimpfen. Sie kommen aber herausgeputzt, bekommen im  Extrazimmer serviert und sind eigentlich recht zufrieden oder merken keinen Unterschied. Der Kindergarten Nr. 34 wird besucht, denn die sind, wie, glaube ich, auch in der SU alle nummeriert und tragen keine putzigen Namen, wie &#8220;Schneewittchen&#8221; oderso.Die Kinderg\u00e4rtnerinnen tragen, was f\u00fcr uns ein wenig altmodisch wirkt, sterile wei\u00dfe  Kittel und die K\u00f6chinhei\u00dft Salije, was auf Albanisch die &#8220;Tugendhafte&#8221; bedeudet, was Nico Mateew immer genau anf\u00fchrt, will ihrem Land auch was zur\u00fcckgeben und kocht daher immer frisch mit naturbelassenen Lebensmittel und sch\u00fcttelt den Kopf auf die Frage, ob das biologisch ist, weil sie mit diesem Begriff nichts anf\u00e4ngt und auch interessant in Albanien gibt es keinen McDonald`s weil, wie der Fremdenf\u00fchrer meint, sich niemand daf\u00fcr interessiert oder die Lebensmittel nicht aus heimiischen Anbau h\u00e4tten stammen d\u00fcrfen. Sie reisen dann nach  Berat der Stadt mit den tausend Fenstern und erleben unverge\u00dfliche Stunden bei einer Familie in einem kleinen Haus, wo sie keine Ahnung haben, wo die Bewohner schlafen, verspeisen dann in einer Tankstelle, den von einem TV-Koch bekommenen kuchen, besuchen ein Galadinner, das der Pr\u00e4sident f\u00fcr seine B\u00fcrger gibt. Da kommen sie zu sp\u00e4t, weil der Fremdenf\u00fchrer vorher auf einer Autobahn halt macht, um sich mit einer Frau, die dort auf einem Fahhrad Popcorn verkauft, zu unterhalten. Kommen aber doch rechtzeitig und erfreuen sich an den Tanzenden, die alle gl\u00fccklich &#8220;Albanien, Albanien!&#8221;, singen, was man in Deutschland wohl nicht so tun k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<p>Von einem Restaurant geht es zum anderen. Eines befindet sich in einem Bunker, in einem anderen Spitzenrestaurant werden in Vorraum die Speisen billig an die Leute verkauft, die sich die Sternpreise nicht leisten k\u00f6nnen. Ein anderer Restaurantbsitzer dreht den Fragebogen, den Nico Mateew mitgebracht hat, einfach um und stellt die Fragen an die Filmemacher. Aber da ist es schon klar, da\u00df die Aussteiger, die Seele und die Zufriedenheit in dem kleinen, angeblich so armen Land, das auf Nachhaltigkeit setzt, weil ihm gar nichts anderes \u00fcberbleibt, gefunden haben. Nach zehn Tagen geht es dann zur\u00fcck .Nico Mateew erflebt ein Weihnachtsfest mit seiner Familie und reist dann sp\u00e4ter mit dieser nochmals hin, um die Gro\u00dfmutter Domenica zu besuchen und auch die T\u00f6chter erkennen, da\u00df es in Albanien gl\u00fcckliche Menschen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein interessantes Buch, das einen sehr  ungew\u00f6hnliches Blick auf ein bisher wahrscheinlich unbekanntes Land bietet. Ein richtiges Sommerbuch k\u00f6nnte man meinen, das Lust auf eine Reise nach Albienen macht, die der <a href=\"\/literaturgefluester.wordpress.com\/blogwart\/\">Alfred<\/a> auch  starten will, obwohl Nico Mattew seine unverge\u00dfliche Reise ja im Dezember machte und zehn Tage, sowohl f\u00fcr einen Film, als auch f\u00fcr einen Selbsterfahrungstrip wahrscheinlich viel zu kurz sind.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neugierig machender Titel und ein Buch \u00fcber Albanien, was f\u00fcr mich der Ausschlag war, mich daf\u00fcr zu interessieren. Im Sommer einen Roadtrip machen. 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