{"id":103918,"date":"2021-07-20T15:24:40","date_gmt":"2021-07-20T13:24:40","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=103918"},"modified":"2021-07-20T15:24:40","modified_gmt":"2021-07-20T13:24:40","slug":"ruckkehr-nach-wien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=103918","title":{"rendered":"R\u00fcckkehr nach Wien"},"content":{"rendered":"\n<p>Hier, <a href=\"\/2021\/07\/19\/bestandsaufnahme-2\/\">wie versprochen,<\/a> das erste Kapitel meines momentanen Works on progress &#8220;Wo wir waren oder hundert Steiten Depression&#8221;, das <a href=\"\/2021\/02\/18\/ziemlich-verpasster-doppelpack\/\">Mieze Medusa,<\/a> beziehungsweisem den <a href=\"\/2021\/02\/20\/literatursplitter-und-alte-frauen\/\">&#8220;Alten Frauen in der Literatur&#8221;<\/a> gewidmet ist:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;&#8221;Das ist mein<a href=\"\/2020\/03\/15\/hassposting-an-corona-oder-veranstaltungsstop-ii\/\"> Corona-Zeugnis<\/a>!&#8221;,sagte Amelia Spelberg   seufzend und blickte skeptisch  die Gro\u00dfmutterr an, die  gerade   aus dem Haus kam.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Gratuliere, Kindchen  und  la\u00df dich  von  dem Gerde nicht anstecken!  Deine  Matura ist genauso wertvoll, wie die,vor zwei Jahren, als es die <a href=\"\/2020\/06\/06\/pandemische-zeiten\/\">Pandemie <\/a>noch nicht gab! Du mu\u00dft nu ran dich glauben und stolz auf dich sein! Ich finde es auch sch\u00f6n, wenn du in meine Fu\u00dfstapfen trittst und in Wien Gender studieren willst, auch wenn das deinem Vater,wie ich f\u00fcrchte, nicht sehr gef\u00e4llt!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Richtig ,Oma!&#8221;, antwortete Amelia und legte das Zeugnis auf den K\u00fcchentisch.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Das stimmt vielleicht ein bi\u00dfchen! Aber davon la\u00dfe ich mich nicht abschrecken und du sollst dich auch nicht \u00e4rgern,wenn der Papa immer \u00fcber die bl\u00f6den Emanzen schimpft, die nichts als meckern, statt etwas Ordentliches zusammenzubringen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Daran bin ich, wie, ich f\u00fcchtei, schuld!&#8221;, sagte  Lore Spielberg ein wenig schuldbewu\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Denn ich habe, als der Richard klein war, nicht gemeckert, sondern im Institut f\u00fcr h\u00f6here Studien geforscht und mit der Angie und der  Elfi versucht, den Feminsmus aufzubauen! Da ist deinVater, wie ich f\u00fcrchte, zu kurz gekommen und hat sich vernachl\u00e4\u00dfigt gef\u00fchlt! Es tut mir leid, da\u00df er so empfindet! ich konnte nicht anders, hoffe aber, da\u00df dein Vater nicht so ungl\u00fccklich war! Beruflich hat er es als stellvertretender Chefredakteur einer bedeutenden Tageszeigung  zu etwas gebracht!&#8221;, sagte Lore Spielberg, strich mit der Hand \u00fcber die Stirn und f\u00fcgte &#8220;Aber jetzt la\u00dfen wir das heikle Thema und konzentrieren uns auf deine Matura! Ich habe dein Lieblingsessen zubereitet! Vielleicht magst du dein Zeugnis verr\u00e4umen! Dann decke ich den Tisch und du nimmst Platz!&#8221;, hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ich helfe dir nat\u00fcrlich, Oma und glaube auch, da\u00df es der Papa zu etwas brachte, obwohl es mit dem Gl\u00fcck ein wenig schwierig war! Hat er den Selbstmord der Mama, doch noch immer nicht ganhz weggesteckt! Mit seiner Zeitung ist er aber, glaube ich, zufrieden!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Dann gr\u00fc\u00dfe ihn von mir, wenn du ihn am Montag sehen wirst! Da wirst du doch nach Wien fahren und mich verlassen!&#8221;, bedauerte Lore Spielberg und stellte die Sch\u00fc\u00dfel, die sie aus dem Backrohr genommen hatte, auf den Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Stimmt, Oma! Ich hoffe nur, da\u00df du nicht zu traurig bist, da\u00df ich in Wien studieren werde und zum Papa ziehe!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nur ein bi\u00dfchen, Liebling!&#8221;,bedeuerte Lore Spielberg und stellte eine Flasche Wein auf den Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Zum Fest des Tages ein Schl\u00fcckchen Wein! Aber sonst verstehe ich, da\u00df du in Wien studieren willst! Das habe ich vor zweiundf\u00fcnfzig Jahren auch getan! Damals bin ich in ein Studentenheim gezogen! Habe dort die Angela und die Elfi kennengelernt und etwas sp\u00e4ter auch den Theo!&#8221;, sagte sie und ihre Stirn hatte sich noch einmal verw\u00f6lkt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Den Gro\u00dfvater, den ich nur alle heiligen Zeiten zu Gesicht bekomme, weil er dich noch vor Papas Geburt verlassen hat und inzwischen, glaube ich, noch einmal Opa wurde!&#8221;,erg\u00e4nzte Amelia unger\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Stimmt! Aber sein Enkel aus seiner Ehe ist noch sehr klein! Hat er doch erst viel sp\u00e4ter seine Leonie geheiratet, weil ihm das Studium wichtiger war, als mit F\u00fcnfundzwanzig Vater zu werden! So wurde aus mir, wie es das Schicksal bei den Frauen noch immer will, eine alleinerziehende Mutter und Richard hat sich vernachl\u00e4\u00dfigt gef\u00fchlt, weil es nicht so leicht war, mit Zwanzig Mutter zu werden. Ich mir, weil in dem Studentenheim kein Platz f\u00fcr alleinstehende M\u00fctter war, eine Wohnung suchen mu\u00dfte und die Elfi und die Angela waren, wie ich f\u00fcrchte, von dem Kleinen auch nicht so begeistert und haben &#8220;Verpatz dir doch nicht dein Leben, Lore, Abtreibungen sind zum Gl\u00fcck jetzt erlaubt!&#8221;, oft genug auf mich eingeredet und haben nicht verstanden, wenn ich den Kopf gesch\u00fcttelt habe! Nat\u00fcrlich w\u00e4re das leichter gewesen! Das darfst du aber deinem Vater, der ohnehin so etwas zu ahnen schein, nicht verraten, Melia!&#8221;, sagte sie entschlossen und h\u00e4ufte der Enkeltochter eine Portion Quiche auf den Teller.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nimm dir Salat, Liebling! Er ist aus dem Garten, wie du wei\u00dft und lassen wir die traurigen  Thehmen, ist heute doch ein Freudenstag! Aber die Vergangenheit holt eine nat\u00fcrlich ein und selbstverst\u00e4ndlich ist es traurig, da\u00df ich dich verliere! Habe ich mich inzwischen doch daran gew\u00f6hnt, junges Blut im Haus zu haben! Jetzt mu\u00df ich mich an die Einsamkeit gew\u00f6hnen, aber das werde ich schon! Auch wenn ich bald siebzig bin, kann ich immer noch dazu lernen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Richtig, Oma!&#8221;, sagte Amelia und hob das Glas.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Prost und auch wenn man das nicht soll, schon im Voraus alles Gute zum Geburtstag! In drei Wochen sehen wir uns wieder, um deinen Siebziger zu feiern! ich werde den Papa mitbringen und du hast auch G\u00e4ste eingeplant! Wird  der Opa kommen?&#8221;, erkundigte sie sich neugierig.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Das wei\u00df ich noch nicht so genau! ich habe den Theo zu dem ungereglm\u00e4\u00dfiger Kontakt besteht, weil ich ihn manchmal auf Kongre\u00dfen und Tagungen getroffen habe, eingeladen! Da kann er auch die Leonie, seine T\u00f6chter und den Enkel mitbringen und dann werden auch die Angela und die Elfi erscheinen, denn du wei\u00dft, ich will meine Memoiren schreiben, beziehungsweise ein Feminismusbuch und die Beiden, die jetzt auch Pensionistinnen sind, helfen mir dabei! Also werde ich nicht einsam sein! Auch wenn ich dich vermissen werde! Dein Vater wird sich aber freuen, sein T\u00f6chterlein bei sich zu haben, das ich ihm vor zehn Jahren, als ich meine Pension angetreten habe und in mein Elternhaus zur\u00fcckgezogen bin, entf\u00fchrte und du auch fr\u00fcher oft bei mir gewesen bist!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Was sollte der Papa auch, der in seinem Beruf aufsteigen mu\u00dfte, mit einem S\u00e4ugling anfangen, nachdem die Mama, als ich sechs Wochen war, den Medikamentenschrank pl\u00fcnderte und sich die Pulsadern aufgeschnitten hat? Er w\u00e4re, wenn du dich nicht, um mich gek\u00fcmmert h\u00e4ttest, verloren gewesen, Oma, wie er \u00f6fter sagte! Also brauchst du keine Schuldgef\u00fchle haben, denn du hast viel ausgeglichen, was du vielleicht mit Zwanzig vers\u00e4umtst, als dich der Opa verlassen  hat und die Mama  sp\u00e4ter mich! jetzt werde ich dich verlassen, um Gender zu studieren und nicht den Medikamentenschrank pl\u00fcndern, denn ich bin trotz meiner <a href=\"\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">Corona-Matura <\/a>und der verlorenen Generation, der ich angeblich angeh\u00f6re, nicht depressiv! Also Prost, Oma! Dein Quiche schmeckt ausgezeichnet! Deine Kochk\u00fcnste werde ich vermissen und den Garten, obwohl ich mich, ganz ehrlich, auf die Stadt freue und darauf, da\u00df man wieder hinaus darf! Auf den Donaukanal und den Karlsplatz, obwohl es da, wie ich in den Nachrichten h\u00f6rte, gro\u00dfe Unruhen und Polizeieins\u00e4tze gab!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Kein Grund depressiv zu sein und damit du das nicht wirst, hole ich die Erdbeeren, die aus dem Garten stammen! Ich habe sie schon mariniert! M\u00f6chtest du Schlagobers dazu?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Den Garten werde ich vermissen, obwohl es in Wien den Donaukanal, den Karlsplatz, die Donauinsel, sowie den Stadtpark gibt und f\u00fcrs Einkaufen den Naschmarkt! Ich also eine Gl\u00fcckspilzin bin, denn die Maturareise, wo wir nach Wien gefahren w\u00e4ren, ist <a href=\"\/2021\/05\/24\/gesund-frei-widerstandig\/\">Corona bedingt <\/a>ausgefallen! Deshalb habe ich mich entschlossen gleich nach Wien zu ziehen, als es mir der Papa angeboten hat und den Sommer dort genie\u00dfen! Das habe ich aus Egoismus entschieden und hoffe, dich nicht gekr\u00e4nkt zu haben! Aber wenn deine Freundinnen kommen, ist das fein!&#8221;, sagte Amelia tr\u00f6stend.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Aprpos, Depression, Oma! Was habe ich da auf deinen Schreibtisch entdeckt? &#8220;Hundert Seiten Depression&#8221;, ist auf dem Mansukript gestanden, das neben deinem Lapop liegt! Werden  deine Memoiren so hei\u00dfen?&#8221;, erkumdigte sie sich neugierig. Lore Spielberg, die Amelia, die Schlagoberssch\u00fc\u00dfel hinschob, nickte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Stimmt, Melia! So lautet der vorl\u00e4ufige Arbeitstitel! Das ist mir  vor ein paar Tagen eingefallen! Aber lassen wir das heikle Thema! Deine Matura ist trotz Corona, ein freudigs Ereignis! Wir genie\u00dfen das Wochenende! Am Montag bringe ich dich zum Zug und in drei Wochen kommst du mit dem Richard wieder! Vielleicht ist dann auch dein Gro\u00dfvater da! Wenn nicht, werden wir ihn nicht vermissen! Haben wir ihn doch auch vorher nicht gebraucht und jetzt konzentrieren wir uns auf das Mittagessen!&#8221;&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier, wie versprochen, das erste Kapitel meines momentanen Works on progress &#8220;Wo wir waren oder hundert Steiten Depression&#8221;, das Mieze Medusa, beziehungsweisem den &#8220;Alten Frauen in der Literatur&#8221; gewidmet ist: &#8220;&#8221;Das ist mein Corona-Zeugnis!&#8221;,sagte Amelia Spelberg seufzend und blickte skeptisch &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=103918\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[4896,6178],"class_list":["post-103918","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-textbeispiel","tag-romanauszug","tag-wer-wir-waren"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/103918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=103918"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/103918\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=103918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=103918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=103918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}