{"id":104051,"date":"2021-07-24T00:33:00","date_gmt":"2021-07-23T22:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=104051"},"modified":"2021-07-24T00:33:00","modified_gmt":"2021-07-23T22:33:00","slug":"fur-ein-leben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=104051","title":{"rendered":"F\u00fcr  ein Leben"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich sage immer, da\u00df man man oft das richti<a href=\"\/2019\/11\/02\/der-sommer-meiner-mutter\/\">ge <\/a>Buch zum richtigen Zeitpunkt erwischt und so ist es auch mit &#8220;F\u00fcr ein Leben&#8221;, des 1960 geborenen Ulrich Woelk, der 2019 mit<a href=\"\/2019\/11\/02\/der-sommer-meiner-mutter\/\"> &#8220;Der Sommer meiner Mutter&#8221;<\/a>, auf der <a href=\"\/deutscher-buchpreis\/\">Longlist des   dBps<\/a> gestanden ist, besch\u00e4ftige ich mich doch gerade in meinem <a href=\"\/2021\/06\/12\/ein-bachmann-text\/\">neuen Projekt <\/a>mit dem <a href=\"\/2021\/02\/20\/literatursplitter-und-alte-frauen\/\">Feminismus<\/a>  und  dem <a href=\"\/2021\/07\/22\/genderwahnsinn\/\">Gendern<\/a> und Ulrich Woelk tut das in seinem Monsterroman, der \u00fcber sechshundert Seiten besitzt auch und das ist ihm wohl ein ironischer Schachzug  zwischen den Genres gelungen. Denn was ist der Roman? Ein feministischer Erotikroman, so k\u00f6nnte man es wohl am besten bezeichnen,der manchmal etwas  ktschig ist oder haarscharf daran vorbeischifft. Kein noch  so  plattes Thema ausl\u00e4\u00dft oder docheines,wasichamSchlu\u00dfanf\u00fchren w\u00fcrde,wie ich den Romanbeendet h\u00e4tte und der dabei h\u00f6chst spannend und auch leicht lesbar ist, obwohl man mehrmals sagte k\u00f6nnte &#8220;Stop, Halt, spar deine Phantasie ein, das geht denn doch zu weit!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Um was geht es? Um zwei Frauen in Berlin nach der Wende. Um Niki oder Nikisha Sri Lamont,1989 f\u00fcnfundzwanzig Jahre alt, die als Kind von Hippieeltern in Afghanistan geboren wurde. Gezeugt wurde sie in <a href=\"\/2014\/06\/28\/das-lied-von-bernadette\/\">Lourdes<\/a> f\u00fcge ich noch an.Vier Jahre in einem Ashram lebte, dann mit ihren Eltern nach Mexiko  ging,  dort Medizin studierte und 1989 als \u00c4rztn in einem <a href=\"\/2019\/04\/03\/licht-ueber-den-wedding\/\">Weddinger<\/a> Krankenhaus  zu  arbeiten   anf\u00e4ngt und  dort gleich  einmal  eine   Fehldiagnose  stellt und um Ljubina Sellen, genannt Lu, Kind einer kroatischen Mutter, die als sie, glaube ich, Dreizehn ist, an Lungenkrebs stirbt, worauf ihr Vater ausrastet und sie hintereinander zu zwei Mietern des Wohnhauses fl\u00fcchtet.<\/p>\n\n\n\n<p>In zwanzig Kapitel, die Namen tragen, wie &#8220;Die T\u00f6chter Egalias&#8221;, &#8220;Die Erfindung des Paradieses&#8221; wird das erz\u00e4hlt und erzhltechnscht ist hier interessant, da\u00df jedes Kaptel eigentlich in sich abgeschlossen ist und zu Beginn ein bi\u00dfchen weiter ist, so da\u00df die Handlung dann r\u00fcckl\u00e4ufig aufgerollt wird und da ist viel zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p> Es beginnt  also,  da\u00df Niki f\u00fcnfundzwanzig ist und da gleich, w\u00e4hrend die Ostberliner die westdeutschen Spit\u00e4ler st\u00fcrmen, einen Patienten mit einer Hodenentz\u00fcndung hat. Dem stellt  sie die falsche Diagnose  und heiratet ihn sp\u00e4ter. Auch das erf\u00e4hrt man gleich auf der ersten Seite. Niki hat ein Helfersndrom, wurde von ihren Hippieeltern, wie beschrieben in Lourdes gezeugt, als die von Paris kommend nach Indien  aufbrachen. In Mexiko wurde sie dann f\u00fcr einen Engel gehalten. Deshalb konnte sie sich auch ihr Studium finanzieren, hat sie doch den Sohn eines Bauern geheilt und den dann zu einem Kind verholfen. Der kann ihr nichts als einen Lottoschein als Dank schenken mit dem gewinnt sie dann aber gleich einmal 123 574,87 DM gewinnt, was f\u00fcr das  Studium reicht und  man  sieht schon, wohin es geht. <\/p>\n\n\n\n<p>Es passiert wirklich viel    in diesem Buch und manches ist, wie erw\u00e4hnt sehr \u00fcbertrieben, so da\u00df man denkt, jetzt h\u00f6r mal auf  und man kann es zul\u00e4\u00dfig sein, da\u00df sich ein<a href=\"\/2021\/01\/31\/ich-hasse-manner\/\"> Mann<\/a> auf diese Art und Weise lustig \u00fcber den<a href=\"\/2021\/04\/20\/der-verkaufte-feminismus\"> Feminsmus <\/a>und die Lesbenbewegung macht?<\/p>\n\n\n\n<p>Lu fl\u00fcchtet, nach dem Tod der Mutter, als der Vater in seiner Verzweiflung zu trinken beginnt und dann alles zusammensch\u00e4gt, zuerst in die Nachbarwohnung zu dem Musiker Hans, der Katzen hat, die Musikernamen tragen und sich  mit der Stille in der Musik besch\u00e4ftigt und weil sie das nicht aush\u00e4lt etwa ssp\u00e4ter einen Stock hinunter zu Victor Belkow, der aus dem Osten geflohen ist oder abgeschoben wurde und der sie einmal erschreckte, weil sie seinen Penis sah, als er einen Ventilator verr\u00fcckte. Das f\u00fchrte zu ihrem Entschlu\u00df  niemal Sex mit Liebe zu haben, aber vielleicht war daran auch ihr Vater schuld, der sich immer Frauen aus dem Osten bolte, sie dann in seine Draga zu verwandeln versuchte und sp\u00e4ter wieder alles kurz und klein zuzsammenschlug,was zu einem Koma f\u00fchrte, so da\u00df er in das Krankenhaus kam, wo Niki \u00c4rztin war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wohnte inzwischen bei einem Maler in Untermiete, wo  sie ein Vagina-Diptychon in ihrem Zimmer hatte, das sie mit B\u00fcchern verstellte, der Niki st\u00e4ndig fragte, ob sie vielleicht lesbisch sei und vermutete, da\u00df mit ihrer Sexualit\u00e4t etwas nicht in Ordnung sei. Um das aufzukl\u00e4ren, reiste sie nach Lourdes, macht da die Bekanntschaft mit einem Pater Leo, der sie einteilte, die behinderte Bernarda, die nach einem Impfschaden im Rollstuhl sa\u00df, zu betreuen. Die sollte, um die Aufmerksamkeit der Presse zu erregen, auf einer Bahre  zur Prozession getragen werden. Dasklappte aber nicht, also legte sich die hilfsbereite Niki darauf, fl\u00fcchtete aber kurz darauf, weil, die Sanit\u00e4ter,  die Bahre fallen lie\u00dfen und das neue Wunder von Lourdes war geboren, das nat\u00fcrlich in die Zeitung kam. Die las Clemens Rubener, der sich als ein ausgebrannter Schriftsteller entpuppte, der mit seinem zweiten Roman nicht und nicht weiterkam, in seiner Writer  in Residence Wohnung in Aix en Provence. Erinnerte sich an seine\u00c4rztin und reiste nach Berlin, um sie zuheiraten,was sie auch prompt tat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Hochzeit lie\u00df sie sich ganz nach indischen Brauch  den ganzen K\u00f6rper bemalen,  wurde aber auf der Hochzeitsfeier ins Spital zur\u00fcckgerufen,denn der Komapatient Herbert Sellen war pl\u00f6tzlich wach gdeworden, stand am Dach und wollte hinunterspringen und das Krankenhaus war ratlos. Mutig pirschte Niki sich im Hochzeitskleid  an ihn heran, wo Herbert Sellen dann vor ihre F\u00fc\u00dfe fiel und versuchte ihr Strumpfband zu k\u00fc\u00dfen, weil er glaubte, sie w\u00e4re Draga und man das nach kroatischen Brauch so machte. Kurz darauf fiel er wieder ins Koma. Niki verlie\u00df aber ihren Ehemann, um eine Beziehung mit Lu zu  beginnen, die inzwischen Schauspielerin geworden ist und   in einem alternativen Theater im Sommernachtstraum statt dem Lysander eine Lysandra spielte. Dazu war sie auch am ganzen K\u00f6rper mit Henna bemalt und stand, als die Nachricht aus dem Krankenhaus kam, gerade nur  mit einem Mantel bekleidet,  in der Pause vor dem Theater. Die Beiden zogen zusammen und ein besonderes Detail ist Ulrich Woelk auch  noch eingefallen, lie\u00df er Niki doch schwanger sein und das war dann eine unbefleckte Empf\u00e4ngnis, denn die Ehe wurde ja nicht vollzogen und Sex vor der Trauung wird von der Kirche ja nicht anerkannt.<\/p>\n\n\n\n<p> Die beiden Frauen reisten mit dem kleinen Pablo ein paar Jahre sp\u00e4ter nach Mexiko zu Nikis Eltern, wo Lu wieder bei einem Film mitzuspielen begann.  Sie verlie\u00df,weil sie ja nicht gl\u00fccklich werden durfte, Niki, verheiratete sich in LA, begann noch einmal in einem Film zu spielen und bekam dann auch noch den Morbus Wilson, den Niki diesmal richtig diagnostizierte und wir sind mit Ulrich Woelk durch ein halbes Jahrhundert der  Lesben- und Frauengeschichte gewandert und ich kann nur wiederholen, sehr gut recherchiert, das Ganze sicher auch ironisch zu interpretieren. Aber leicht und gut zu lesen, obwohl es manchmal, wie schon geschrieben haarscharf an der Grenze zum Kitsch dahinschrammt und auch wieder viel zuviel des Guten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat mir wirklich gut gefallen, wieder eines der 2021 Highlighst, neben  den<a href=\"\/2021\/05\/14\/die-vogel\/\"> &#8220;V\u00f6gel&#8221;<\/a> und der<a href=\"\/2021\/06\/26\/muttermilch\/\"> &#8220;Muttermilch<\/a>&#8221;  und da geht es ja auch um Sex und lesbische Liebe und ich bin jetzt nur neugierig, ob das Buch wieder auf die deutsche Buchpreisliste kommt? Ich w\u00fcrde es empfehlen, denn &#8220;Der Sommer meiner Mutter&#8221; hat mir, glaube ich,  nicht sogut gefallen<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie h\u00e4tte ich den Roman beendet? Meine Leser wissen es wahrscheinlich. Ich h\u00e4tte Clemens Rubener einen Roma schreiben lassen, in dem er Nikis seltsame Verwandlungen schldert mit dem er dann den deutschen Bchpreis gewinnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sage immer, da\u00df man man oft das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt erwischt und so ist es auch mit &#8220;F\u00fcr ein Leben&#8221;, des 1960 geborenen Ulrich Woelk, der 2019 mit &#8220;Der Sommer meiner Mutter&#8221;, auf der Longlist des dBps &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=104051\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1986,3466,3932,5892],"class_list":["post-104051","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-feminismus","tag-lesbische-liebe","tag-mauerfall","tag-ulrich-woelk"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104051","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=104051"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104051\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=104051"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=104051"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=104051"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}