{"id":10412,"date":"2011-12-01T00:16:19","date_gmt":"2011-11-30T23:16:19","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10412"},"modified":"2011-12-01T00:16:19","modified_gmt":"2011-11-30T23:16:19","slug":"herr-lehmann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=10412","title":{"rendered":"Herr Lehmann"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich den 2001 erschienenen Kultroman &#8220;Herr Lehmann&#8221; von Sven Regener gar nicht lesen, habe ich ja schon den Film gesehen und von dem  1961 in Bremen geborenen, der als Musikerpopul\u00e4r wurde, gibt es schon einige andere Romane, es ist aber ein tolles Buch, obwohl es langsam und bed\u00e4chtig daher kommt, in zwanzig Kapitel gegliedert ist, die alle  ganz banale \u00dcberschriften haben und manchmal, ganz wenig nur, an Thomas Bernhard erinnert und es ist irgendwie genial in seiner &#8220;Einfachheit.&#8221;<br \/>\n&#8220;Ein kleines Wunder&#8221;, schreibt auch Hellmuth Karasek und Marcel Reich-Ranicki hat angeblich &#8220;schallend gelacht&#8221;, bei der Geschichte von dem fast Drei\u00dfigj\u00e4hrigen aus Bremen, der in Kreuzberg lebt. Die Geschichte beginnt im Sommer 1989 und endet am 9. November, da hat Frank Geburtstag, zu dem alle Herr Lehmann sagen, weil er da ja Drei\u00dfig wird. Sonst hat er nicht viele Ideale, sondern lebt so einfach dahin, jobbt in den Kneipen Erwins, obwohl er keine k\u00fcnstlerischen Abitionen hat und auf den gro\u00dfen Durchbruch wartet, sondern einfach dahinlebt mit Bier und kleinen Drogen, das hei\u00dft am Beginn der Geschichte geht er von der Knepenarbeit nach Hause und trifft, ein bi\u00dfchen besoffen ist er schon, von dem Schnaps den ihm sein Chef Erwin offerierte, einen Hund, der ihn verd\u00e4chtig anknurrt und ihn nicht weiterl\u00e4\u00dft, so da\u00df er schlie\u00dflich die Flasche Whiskey, die er vom &#8220;Einfall&#8221; mitgenommen hat, mit dem Hund teilt, bis die Polizisten kommen und ihn wegen Tierqu\u00e4lerei anzeigen und den Hund mitnehmen, der bei\u00dft sie dann in die Hand.<br \/>\nDas ist das erste &#8220;Der Hund&#8221; genannte Kapitel, dann gehts \u00e4hnlich rasant weiter. Herr Lehmann geht nach Hause, es ist Sonntag morgen, da ruft ihn Muttern aus Bremen an und k\u00fcndigt ihren und Vatis Besuch im Oktober an, obwohl sie ja nicht nach Berlin West kommen wollten, weil man da durch den Osten mu\u00df. Es gibt auch Kommunikationsschwierigkeiten zwischen ihm und der Mutter. Im dritten Kapitel geht Frank zum Fr\u00fchst\u00fcck in die &#8220;Markthalle&#8221;, das ist ein anderes Lokal vom Lokalmatador Erwin, der ein bi\u00dfchen paranoid ist, sich vor Drogenfahndern f\u00fcrchtet und \u00fcberall Geldscheine liegen l\u00e4\u00dft, um sein Personal zu pr\u00fcfen. In der Markthalle arbeitet Franks bester Freund Karl und er verliebt sich gleich in die dicke K\u00f6chin Kathrin und m\u00f6chte von ihr Schweinebraten haben. Es wird aber nichts mit der Liebe der beiden und der beste Freund Karl dreht auch irgendwie durch, so um den neunten November macht er das. Dazwischen kommen die Eltern auf Besuch und Herr Lehmann erlebt eine genauso skurrille Busfahrt zum Ku-Damm und soll auch noch in den Osten, den Verwandten f\u00fcnfhundert Mark von der Oma bringen. Leider kassieren die die Vopos aber ein und lassen Frank nicht in ihr gelobtes Land, so da\u00df er zum besten T\u00fcrken in Kreuzberg geht, einem strengen ohne Alkohol und mit frommen Koransuren an den W\u00e4nden und dort schneit Kathrin h\u00e4ndchenhalten mit Kristall-Rainer hinein, das ist ein Stammkunde aus Erwins s\u00e4mtlichen Kneipen, so genannt, weil er immer Kristallweizen trinkt und von Erwin auch verd\u00e4chtigt wird, ein Schn\u00fcffler zu sein. Aus ist die Liebe und Herr Lehmann zweifelt am Sinn des Lebens, mu\u00df Karl, der durchdreht, wie beschrieben, am neunten November in die Klinik bringen, dann geht er traurig von dort los seinen Geburtstag feiern und ger\u00e4t in die Massen, die vom Osten in den Westen dringen, weil an diesem Abend ja die Mauer fiel.<br \/>\n&#8220;Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.&#8221;, lautet dann der letzte Satz.<br \/>\nSelten habe ich das so lakonisch gelesen. die gro\u00dfe Politik aus der Sicht der Drei\u00dfigj\u00e4hrigen, die keinen wirklichen Sinn im Leben sehen, als sich in diesem Westberlin umgeben von der Mauer wegzusaufen und in der Welt der &#8220;Schizos&#8221; den skurillsten Alltag erleben, w\u00e4hrend die DDR zusammenbricht und dieser &#8220;Spa\u00df, Wahnsinn, Alptraum&#8221;, wie der Spiegel schreibt, wird nur ein bi\u00dfchen angedeutet.<br \/>\nEigentlich kann ich mich gar nicht mehr so genau an den Film erinnern. Die Anna hat, glaube ich, den zweiten Kultroman &#8220;Neue Vahr S\u00fcd&#8221; gelesen, dann gibt es noch den &#8220;Kleinen Bruder&#8221;, der wurde 2008 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt, da habe ich bei meinem Messesurfen, ein paar Podcasts angeh\u00f6rt und bei der Leipziger Buchmesse heuer, ging es um die Logb\u00fccher &#8220;Meine Jahre mit Hamburg Heiner&#8221;.<br \/>\nDie offenen B\u00fccherschr\u00e4nke sind schon interessant, da kann man  die &#8220;alten Klassiker&#8221; lesen und sich 2011 in das Lebensgef\u00fchl des Buches hineinlassen, mit dem Sven Regener &#8220;\u00fcber Nacht zum literarischen Star wurde.&#8221; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich den 2001 erschienenen Kultroman &#8220;Herr Lehmann&#8221; von Sven Regener gar nicht lesen, habe ich ja schon den Film gesehen und von dem 1961 in Bremen geborenen, der als Musikerpopul\u00e4r wurde, gibt es schon einige andere Romane, es &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=10412\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-10412","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10412","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10412"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10412\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10412"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10412"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10412"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}