{"id":104267,"date":"2021-07-28T00:01:00","date_gmt":"2021-07-27T22:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=104267"},"modified":"2021-07-28T00:01:00","modified_gmt":"2021-07-27T22:01:00","slug":"unsere-spiele-enden-nicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=104267","title":{"rendered":"Unsere Spiele enden nicht"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt etwas Lyrik aus dem &#8220;C. H. Beck-Verlag&#8221;,  n\u00e4mlich der neue Gedichtband des 1966 in Kiel geborenen Dirk von Petersdorff, der in Jena Professor f\u00fcr neue deutsche Literatur an der Friedrich Schiller-Universit\u00e4t ist und auch den &#8220;C. H. Beck-Gedichtekalender&#8221;herausgibt. 2006 hat er in  Kagenfurt beim &#8220;Bachmann-Preis&#8221; gelesen. Von da kenne ich seinen Namen und das kleine blaue Gedichtb\u00e4ndchen umfa\u00dft auf vierundsiebzig Seiten Gedichte in vierAbteilungen oder Kapitel. Der Klappentext nennt sie &#8220;Kleine poetischen Studien der Verwandlung&#8221;. Ein eigenes Vor- oder Nachwort gibt es nicht. Harald Hartung von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat aber am Buchr\u00fccken &#8220;Dirk von Petersdorff ist ein Bote zwischen  Vergangenheit und Gegenwart. Er ist ein leichtf\u00fc\u00dfiger Poet. Er tr\u00e4gt gefl\u00fcgelte Schuhe&#8221;, geschrieben, was auch ganz sch\u00f6n poetisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Also hinein in die vier Abteilungen,  die mit  den &#8220;Familien&#8221; beginnen und da  geht es gleich  &#8220;An eine Dreizehnj\u00e4hrige&#8221;, vielleicht eine  Tochter deren &#8220;schimmelige Joghurtbecher und hartgewordenens M\u00fcsli&#8221; er aus ihrem Zimmer r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei&#8221;Br\u00fccken&#8221; geht es um  die &#8220;Alte  Mutter&#8221; die &#8220;jetzt ihre Br\u00fccke hinuntertappt\/ mit der sinnlos vollgestopften Handtasche,\/ Haare wie Algen, aufs dunkle Ufer zu -&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der &#8220;Durchgeschnittenen Seite&#8221; geht es dann  um den Vater:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Was ich brauchte, hat mir mein Vater aus der Stadt mitgebracht:&#8221; und sehr beeindruckend:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Franziska in Omas  leeren Bungalow&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;im Garten noch das  Windrad,\/ rot und wei\u00df,  so  kreisen die Gedanken,\/ Schneewei\u00dfchen und Rosenrot,\/ das Buch auf Omas Knien, ein M\u00e4rchen\/ wie der ausger\u00e4umte Bungalow jetzt,\/ nur ein Lippenstift an der Fu\u00dfleiste-\/<\/p>\n\n\n\n<p>Franzi, kleines  Schneewei\u00dfchen, wird bald\/ in einer WG einen verzauberten B\u00e4ren\/ den Pelz shamponieren,\/ denn das Rad der Widergeburt\/ dreht sich, rot und wei\u00df, verl\u00e4uft,\/ Korn mit Kirschgeschmack w\u00e4re gut,\/ aberOma hatte h\u00f6chstens Eierlik\u00f6r-&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt ein Gedicht  nach einem  Bildvon August Macke<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Schwellen  zum Leben, zum Tode, Abschiede und Ank\u00fcnfte, alte und neue Liebe, die Gegenst\u00e4ndie des Alltags und die der Pop-wie  der Hochkultur, August Macke und das Skateboard&#8221;, schreibt der Klappentext und wir gehen weiter in den &#8220;Liebesmorgen&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;und z\u00f6gernd wachgew\u00fchlt aus Kissen, Fellen,\/ zur\u00fcck  sich w\u00fchlen in die Zeit der Wellen,\/&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja bei Dirk von Petersdorff wird manchmal gereimt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und in der dritten Abteilung &#8220;An der Schleuse&#8221; gibt es  eine &#8220;Kurzbiografie&#8221;:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;&#8221;Neue  Heimat&#8221; hie\u00df die Baugesellschaft\/ meines Elternhauses. Am offenen Fenster\/ zeige die Antenne des Tranistorradios\/ auf die  wei\u00df ziehenden Wolkenberge.\/ In nebeligen Wintern\u00e4chten h\u00f6rte man\/ ein Schiffshorn klagen vom &lt;kanal her\u00fcber,\/ und die ganze Juninacht blieb\/ ein schmaler Streifen Himmel hell.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu gibts eine &#8220;Erg\u00e4nzung&#8221;:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;&#8221;Kork&#8221;,  rief Christine, als wir in der Nordseestra\u00dfe\/ pf\u00fctzenfroh in Gummistiefeln herumtollten &#8211; &#8220;Dirk&#8221; ist am Anfang schwer auszusprechen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Abteilung vier , die &#8220;Mediationen&#8221; sind der Nobelpreistr\u00e4gerin  Wislawa Szymborska&#8221; gewidmet und enthalten relativ lange Texte.<\/p>\n\n\n\n<p>So gibt es ein &#8220;Aufwachsen mit Vogelstimmen&#8221; &#8220;Pinien&#8221; und &#8220;Beim Olivenbaum&#8221;,&#8221;Eiche mit Efeu&#8221; und vielleicht gar nicht so meditativ<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Deutsch lernen&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Pass&#8221;, diesesWort kennt er schon\/ zu gut, &#8220;Pass- Ersatz&#8221;,\/,vieles kann man zusammen-\/setzen im Deutschen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich habe wieder einen interessanten Dichter kennengelernt und mich eingelesen in die Kurzform der Lyrik und dem, der von den &#8220;Spielen&#8221; bzw. Gedichten noch nicht genug davon bekommen kann, kann ich au\u00dfer dem Lesen des Buchs, noch verraten, das demn\u00e4chst noch etwas von <a href=\"\/2019\/06\/25\/zum-achtzigsten-geburtstag-von-peter-paul-wipplinger\/\">Peter Paul Wiplinger, d<\/a>em unentwegten, kommen wird, der mir so getreulich seine in der &#8220;Edition Pen&#8221; erschienenen <a href=\"\/2021\/02\/20\/__trashed\/\">Gedichtb\u00e4nde <\/a>schickt.<\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt etwas Lyrik aus dem &#8220;C. H. Beck-Verlag&#8221;, n\u00e4mlich der neue Gedichtband des 1966 in Kiel geborenen Dirk von Petersdorff, der in Jena Professor f\u00fcr neue deutsche Literatur an der Friedrich Schiller-Universit\u00e4t ist und auch den &#8220;C. H. 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