{"id":104300,"date":"2021-07-29T00:23:00","date_gmt":"2021-07-28T22:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=104300"},"modified":"2021-07-29T00:23:00","modified_gmt":"2021-07-28T22:23:00","slug":"aussichten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=104300","title":{"rendered":"Aussichten"},"content":{"rendered":"\n<p>Gedichte 2020-2021. Ich bin ja keine dieGedichte schreibt, <a href=\"\/2021\/01\/24\/am-ende-der-stadt\/\">lese<\/a> <a href=\"\/2021\/01\/12\/gesellschaft-poetisch-verandert\/\">aber<\/a> <a href=\"\/2021\/01\/09\/drei-fliegen\/\">gelegentlich<\/a><a href=\"\/2020\/06\/17\/verwortungen\/\"> welche<\/a> und gehe auch regelm\u00e4\u00dfig zu  den <a href=\"\/2021\/06\/09\/tag-der-lyrik-und-musikalische-erzahlungen\/\">Tagen der Lyrik<\/a>, den<a href=\"\/2021\/05\/04\/be-und-entgrenzung-im-dichterloh\/\"> Lyrik<\/a>&#8211;<a href=\"\/2021\/01\/18\/zwei-tote-dichter-in-dichterloh\/\">Festival<\/a>s etcetera und jetzt das <a href=\"\/2021\/03\/02\/ausgestosen\/\">dritte Buch<\/a> und der <a href=\"\/2021\/02\/20\/__trashed\/\">zweite Gedichtband<\/a> in diesem Jahr, des 1939 in Haslach geborenen Peter Paul Wiplinger, bei dessen <a href=\"\/2019\/06\/25\/zum-achtzigsten-geburtstag-von-peter-paul-wipplinger\/\">achtzigen Geburtstagsfest<\/a> ich war und der mir seit einiger Zeit so getreulich mit handschriftlicher Beilage, seine Werke schickt und ich mu\u00df schreiben, wieder eine \u00dcberraschung, habe ich bei den <a href=\"\/2021\/04\/13\/die-neuen-leipziger-buchpreisbucher\/\">Nominierten des Leipziger Buchpreise<\/a>s mein <a href=\"\/2021\/05\/14\/die-vogel\/\">Lieblingsprosabuch <\/a>gefunden, dann ist das der beste Gedichtband den ich seit langen gelesen habe, obwohl ich mir ja erst gestern Lyrischen von <a href=\"\/2021\/07\/28\/unsere-spiele-enden-nicht\/\">Dirk Peterdorff <\/a>vorgenommen habe und da ist es meist so, da\u00df man sch\u00f6ne Sprache gedichtet dargeboten bekommt, &#8220;Poesie in gestiefelten Schuhen&#8221; und vom  Leben meist keine Spur, so da\u00df man oft zweimal lesen mu\u00df, um die Gedankenspr\u00fcnge des Dichters zu  erfassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df es auch anders gehen kann, hat der Zweiunaachtzigj\u00e4hrige eindr\u00fccklich bewiesen und thematisiert das auch selbst &#8220;Dichtung auf ihre Alltagstauglichkeit\/ \u00fcberpr\u00fcfen dieses Satzfragment\/ fiel mir dabei l\u00e4cherlicherweise ein.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist es, Peter Paul Wiplingers Gedichte sprechen von Krankheit, von der Angst vor dem Tod, etcetera und er stellt  auch gleich die Frage vom &#8220;Regelwerk&#8221; der Kunst, etwas was ich meinen kritischen <a href=\"\/2021\/07\/12\/urlaub-in-wien\/#comments\">Freund Uli <\/a>ins Ged\u00e4chtnis legen will: &#8220;solch klugschei\u00dferspr\u00fcche darf man\/ in einem Gedicht nicht verwenden\/ sagst du und ich entgegne\/ wer zum teufel stellt denn\/ solche regeln auf und verbietet mir\/ klugschei\u00dferspr\u00fcche in einem gedicht\/ zu verwenden \/ &#8211; na ja sagst du noch von deinem krebs\/ solltest du auch nicht sprechen\/ jedenfalls nicht so offen und nicht im gedicht\/darauf ich w\u00fctend und zugleich unsicher\/ ich soll also das jetzt wichtigste in meinem leben\/aus meinem schreiben ausklammern weil unfein\/ ich soll diesen schei\u00dfkrebs und die schei\u00dfspr\u00fcche,\/nicht so nennen wie ich das im wirklichen leben tue\/ weil das dem regelwerk der \u00e4sthetik nicht entspricht\/ weil die wahrheit nicht fein genug ist f\u00fcr die poesie\/&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, das ist es nicht, obwohl es wahrscheinlich viele Dichter bisher so taten, aber allzu zu privat und pers\u00f6nlich soll es nat\u00fcrlich auch nicht sein &#8220;es ist nicht so\/da\u00df ich nicht weine\/ja nat\u00fcrlich bin ich\/auch sentimental\/ aber das ist meine\/ privatangelgen heit\/ das hat nichts verloren\/ in  einem gedicht&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und da sind wir schon bei den Schreibanleitungen, wie man zum dichten kommt. Aber zur\u00fcck zum Anfang zu den Gedichten, die zwischen 2020 und 2021 geschrieben wurden und dabei, glaube ich, alle pers\u00f6nliche Befindlichkeiten des Autors umfassen. Philosophie ist nat\u00fcrlich auch dabei, wenn es um die Lebensaussichten geht: &#8220;aussicht gibt es \/ keine mehr sagt er\/ \u00fcberall ist nur nebel \/aber das hinaufsteigen \/ und das hinuntersteigen\/ das lohnt sich\/ denn das ist ein erlebnis&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p> Da haben wir schom im ersten Gedicht den Sinn des Lebens lapidar zusammengefa\u00dft und dann kommt die &#8220;Einberufung&#8221; zur  Krebsoperation ins AKH. Etwas was den Dichter sehr besch\u00e4ftigt. Das Gespr\u00e4ch mit dem Professor und das Gespr\u00e4ch mit der Krankenschwester nachher, die sein Bett frisch \u00fcberziehen soll und er zu schwach ist, ihr zu sagen, da\u00df er das nicht merh braucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Angst vor dem Tod und dem Sterben kommt auch immer wieder vor und da w\u00fcrde ich Peter Paul Wiplinger gerne einen Satz mitgeben, den ich bei einem Vortrag von Professor Musalik einmal h\u00f6rte, wo es um das Sterben ging.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wo wir sind, ist der tod nicht und wo der Tod ist, sind wir nicht!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Also braucht man sicht da vor nicht f\u00fcrchten, hat er gelautet. Lieber sein Leben genie\u00dfen bis zu  den letzten Stunden, so gut es geht. Einen Baum pflanzen, ein Gedicht schreiben. In diesem Fall viele sch\u00f6ne Gedichte, die ehrlich sind und keinem Regelwerk folgen m\u00fc\u00dfen, w\u00fcrde ich empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;ich bin jener\/ der im 81. lebensjahr ist\/ ich bin jener\/ der krebs hat \/ich bin jener\/ der gedichte schreibt\/ ich bin jener \/der am liebsten  einfach nur so dahinleben m\u00f6chte \/ich bin jener\/ der wei\u00df, da\u00df alles einmal sein ende haben wird&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema <a href=\"\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">Corona<\/a>, das Peter Paul Wiplinger bedrohlicher, als ich zu erleben scheint, kommt auch nat\u00fcrlich vor:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Corona 2020 Berichterstattung\/ wirtschaft\/wirtschaft\/wirtschaft\/kein Wort von\/sterben sterben\/sterben sterben\/kein h\u00e4ndehalten\/in der todesstunde\/15 minuten- abschied\/ dann sterben\/tox\/welch erb\u00e4rmliche\/unmenschlichkeit&#8221; und f\u00fcr mich zum erstenmal poetisch thematisiert, die Corona-Impfung:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;wir fahren mitder u1\/nach der corona-impfung\/von jenseits der donau heim\/zum stephansplatz und dann\/ mit der u3 zum rochusmarkt&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;TODESGEDANKEN&#8221; sind es, die Peter paulWiplinger, manchmal qu\u00e4len und  sie in eindrucksvollen pragmatischen  S\u00e4tze verpackt:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;ich ziehen meine\/ schwarzen socken an und denke an den tod\/ ich  ziehe meine schwarze hose an\/ und denke an den tod\/ ich ziehe meine wei\u00dfen bosxershorts an und denkepl\u00f6tzlichach\/ verdammt noch mal\/war das leben sch\u00f6n\/ wenn man sie auszog\/<\/p>\n\n\n\n<p>Da kann kam Peter Paul Wiplinger vielleicht auch verzieihen, da\u00df er nach  dem er im Krankenhaus den Besuch des Priesters verweigerte und man ihm stattdessen eine Psychologin schickte, bedauerte, da\u00df sie &#8220;v\u00f6llig unerotisch&#8221; aussah und er dann dazu kommt es als &#8220;unsinnig&#8221; zu empfinden, da\u00df er sein Leben f\u00fcr den Nachla\u00df sch\u00f6n ordentlich in bene-ordner verpackte. Das mu\u00df sein denke, ich damit Spuren bleiben, damit man alles nachlesen kann, die ich, das im  <a href=\"\/2021\/07\/03\/dreizehn-jahre-literaturgefluster\/\">Blog<\/a>, statt in Ordner mache und auch die Nationalbibliothek nicht anfrage, ob sie von mir vielleicht etwas haben will?<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr beeindrucken die &#8220;Aussichten des alten Dichters, der auch, wie schon erw\u00e4hnt Schreibanleitungen gibt &#8220;entweder teilt mir das gedicht etwas neues mit oder eben nicht&#8221; &#8220;eine einzige wortlkauberei\/ ist das sagst du abf\u00e4llig zu mir\/ dashat doch mit einem gedicht\/ nicht das geringste zu tun\/&#8221; und sehr viel Lebensweisheit bringt, manchmal etwas melancholisch ist und vielleicht auch trauig, so da\u00df ich mit einem Liebesgedicht schlie\u00dfen will:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;ETWAS WIE LIEBE<\/p>\n\n\n\n<p>wie ist mein herz so m\u00fcd  nach dir\/ \/verflogen ist  die gier\/ der jungen leidenschaft\/ jetzt sitze ich verloren\/ in meiner dunkehaft\/ wie ist mein herz\/ so m\u00fcd nach dir\/ im kerzenschein\/ da bin ich dein \/obwohl wir l\u00e4ngst\/verloren sind&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Also auch ein wenig melancholisch, obwohl Peter Paul Wiplinger, der sich in den diversen IGs auch sehr f\u00fcr seine Kollegen, vor allem f\u00fcr die aus Osteuropa einsetzte, auf ein langes erf\u00fclltes dichterisches Schaffen zur\u00fcckblicken kann und ich mir auch  noch viele sch\u00f6ne Gedichtb\u00e4nde von ihm w\u00fcnsche.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sch\u00f6n finde ich auch noch ,da\u00df Peter Paul Wiplinger &#8220;da\u00df&#8221; mit scharfen&#8221; \u00df&#8221;schreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedichte 2020-2021. 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