{"id":10486,"date":"2011-12-05T23:16:10","date_gmt":"2011-12-05T22:16:10","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10486"},"modified":"2011-12-05T23:16:10","modified_gmt":"2011-12-05T22:16:10","slug":"lockergedichte-und-kratochvil-roman","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=10486","title":{"rendered":"Lockergedichte und Kratochvil-Roman"},"content":{"rendered":"<p>Zwei unterschiedliche Termine in der alten Schmiede. Zuerst um sechs die sogenannte &#8220;Stunde der literarischen Erleuchtung&#8221;. Herbert J. Wimmer las und kommentierte &#8220;Locker und Spontangedichte&#8221; von Andreas Okopenko und nahm dazu f\u00fcnf oder sechs Gedichtb\u00e4nde auf den Lesetisch mit. Begonnen hat er mit denen, die 1983 bei Freibord erschienen sind und las daraus ein &#8220;Traumgedicht&#8221;, das offenbar auch in dieser ber\u00fchmten Humanic-Werbung verwendet wurde. Dann gab es noch ein lustiges &#8220;Z\u00f6libat&#8221; genanntes &#8220;Der liebe Gott ist ganz allein, so sei es auch sein Priesterlein&#8221;.<br \/>\nLockergedichte sind also ganz spontan entstandene Drei oder Vierzeiler, manchmal sind die Texte auch l\u00e4nger, die Andreas Okopenko offenbar sehr gern geschrieben hat und dabei mit der Sprache spielte. Herbert J. Wimmer, der alle seine Lieblingsgedichte gelesen hat, hat etwas davon gesagt, da\u00df die Lockergedichtzeit zwischen 1973 und 83 gewesen ist, die Spleenges\u00e4nge &#8220;Warum sind die Latrinen so traurig&#8221;, sind aber 1969 bei Residenz erschienen, Herbert J. Wimmer hat auch daraus gelesen, das d\u00fcrften eher l\u00e4ngere Texte sein. Dann gibt es noch die sp\u00e4ter erschienenen Texte in den B\u00fcchern &#8220;Immer wenn ich heftig regnet&#8221;, &#8220;Affenzucker&#8221; und &#8220;Streichelchaos&#8221; bei Ritter erschienen, das wie Herbert J. Wimmer erw\u00e4hnte noch erh\u00e4ltlich ist und das er von hinten nach vorne las.<br \/>\nNach einer halben Stunde war er fertig und es war eine gute Erinnerung an den Dichter, dessen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/11\/tag-der-zivilcourage-und-fest-fur-andreas-okopenko\/\">Fest zum achtzigsten <\/a>Geburtstag ich fast vers\u00e4umte und bei dessen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/15\/grinzinger-friedhof\/\">Begr\u00e4bnis<\/a> ich auch im vorigen Juli war.<br \/>\nDann war aber noch viel Zeit bis zum n\u00e4chsten Programmpunkt, n\u00e4mlich der zweisprachigen Lesung der &#8220;Femme Fatale&#8221; von Jiri Kratochvil, so bin ich ein bi\u00dfchen \u00fcber den Graben und den Kohlmarkt gegangen und habe mir die Weihnachtsbeleuchtung und die Punschst\u00e4nde angeschaut bzw. die Weihnachtsschokoladen im Mannershop.<br \/>\nNachher ging es in den Keller und ich habe ein paar Gesichter wieder getroffen, obwohl das ja eine andere Literaturgattung ist, aber von Jiri Kratochvils Roman &#8220;Femme Fatale&#8221; habe ich in der letzten Zeit recht viel geh\u00f6rt, so da\u00df ich neugierig war.<br \/>\nDas Buch ist von Christa Rothmeier und ihrer Tochter aus dem Tschechischen \u00fcbersetzt bei Braum\u00fcller erschienen, ein Verlag der sich offenbar besonders um die tschechische Gegenwartsliteratur bem\u00fcht, war da ja erst eine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/25\/tschechische-erzahltradition\/\">Veranstaltung<\/a> mit tschechischen Erz\u00e4hlern, die Christa Rothmeier ebenfalls moderierte. Diesmal wurde von Ronald Pohl eingeleitet, den Kurt Neuman als Spezialisten der osteurop\u00e4ischen Literatur vorstellte und der erz\u00e4hlte auch ein bi\u00dfchen was \u00fcber den Roman, der im November 1989 beginnt. Da kommt eine junge Frau, in dem Roman wird sie als M\u00e4dchen beschrieben, von Prag nach Br\u00fcnn, dort wurde sie am Wenzelsplatz auf der Demo zusammengeschlagen, jetzt trifft sie im Haus der Kunst ein und lernt den Erz\u00e4hler einen Turnlehrer kennen, den die Femme Fatale&#8221; dann auch gleich verf\u00fchrt, bzw. ihn einmal in der Woche in einem Fitne\u00dfstudio eines Stundenhotels trifft, die Femme Fatale namens Katka hat auch einen Wenderoman geschrieben, mit dem sie gleich sehr ber\u00fchmt wird, so da\u00df sie ein Stipendium nach New York erh\u00e4lt und dort kreative Writingkurse gibt und um eine Wiedergeburt bzw. um eine trommelnde Doppelg\u00e4ngerin geht es auch.<br \/>\nDer 1941 in Br\u00fcnn geborene Jiri Kratochvil las einen Teil des ersten Kapitel und dann noch ein St\u00fcck des dritten auf Tschechisch, Kurt Neumann das zweite, dann gab es noch ein Gespr\u00e4ch, wo Jiri Kratochvil etwas \u00fcber den postmodernen Roman und seinen Schreibstilen erkl\u00e4rte, es geht auch viel um Fiktion und surreale Elemente, das was ich h\u00f6rte, klang aber durchaus realistisch. Der Versuch eines \u00e4lteren Mannes, die Wende an Hand einer sch\u00f6nen jungen Frau ironisch distanziert zu erz\u00e4hlen, ein interessanter Roman, es gab auch ziemlich viel Publikum, so ist unter anderen Cornelius Hell gekommen, den ich gleich etwas zum gestrigen Ex Libris fragen konnte. Denn da hat er die &#8220;Elenden von Lodz&#8221; besprochen, ein Buch von dem ich schon auf meinem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/17\/buchmessen-surfing\/\">Frankfurter Buchmessensurfing<\/a> h\u00f6rte und mich wunderte, da\u00df es niemand mit der &#8220;Fliegenf\u00e4ngerfabrik&#8221; von Andrzei Bart verglich, da es da ja offenbar, um genau das gleiche Thema und den Judenrat Chaim Rumkovski geht. Das Buch ist auch 2011 erschienen und wurde, glaube ich, zu Ostern in Ex Libris vorgestellt, in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/12\/judische-literatur-aus-polen-tschechien-und-ungarn\/\">Hauptb\u00fccherei<\/a> war es auch, dann kam der Bestseller aus Schweden und kein Mensch spricht mehr davon, was ja sehr interessant ist oder, wie mir Cornelius Hell erkl\u00e4rte, da\u00df man bei so vielen B\u00fcchern, nicht alle kennen kann. Ich werde aber auch nur eines lesen und die &#8220;Femme Fatale&#8221;, auf die Kurt Neumann  hinwies, da\u00df man sie am B\u00fcchertisch erwerben kann, wahrscheinlich nicht.<br \/>\nDer Abend war in seiner Vielfalt sehr interessant und auch, da\u00df mich jemand fragte, ob ich wieder im Literaturgefl\u00fcster dar\u00fcber schreiben werde? Nat\u00fcrlich, denn das  tue ich regelm\u00e4\u00dfig seit drei ein halb Jahren und da ist es interessant, da\u00df das heute der neunhunderterste Artikel ist, da habe ich gestern vergessen, die runde Zahl zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei unterschiedliche Termine in der alten Schmiede. Zuerst um sechs die sogenannte &#8220;Stunde der literarischen Erleuchtung&#8221;. Herbert J. Wimmer las und kommentierte &#8220;Locker und Spontangedichte&#8221; von Andreas Okopenko und nahm dazu f\u00fcnf oder sechs Gedichtb\u00e4nde auf den Lesetisch mit. 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