{"id":10507,"date":"2011-12-07T00:14:53","date_gmt":"2011-12-06T23:14:53","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=10507"},"modified":"2011-12-07T00:14:53","modified_gmt":"2011-12-06T23:14:53","slug":"stellenweise-glatteis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=10507","title":{"rendered":"Stellenweise Glatteis"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Stellenweise Glatteis&#8221; von Max von der Gr\u00fcn, das n\u00e4chste Buch von meiner hundert B\u00fccher Liste und auch ein Fund aus dem B\u00fccherschrank, handelt zuf\u00e4lligerweise auch von Weihnachten, zumindest beginnt der Roman, der in den Siebzigerjahren von einem Betriebsrat eines Dortmunderbetriebes, der von einem Hauptvertreter der Literatur der Arbeitswelt geschrieben wurde, handelt im Advent und der H\u00f6hepunkt der Handlung spielt auch auf der Weihnachtsfeier in der Kantine, wo die Belegschaft am 24. Dezember zwangsweise verpflichtet wird und von der Gesch\u00e4ftsleitung, einen Kalender, Schnaps und zwei Packerln Zigaretten geschenkt bekommt.<br \/>\nDas waren noch Zeiten, wo ein Betriebsrat die Hauptrolle in einem Roman spielt, der, wie im Klappentext steht, nach einem authenitischen Fall, geschrieben wurde.<br \/>\nKarl Maiwald gelernter Schlosser und  dann Fahrer in einem Dortmunder Betrieb, hat, wie soviele andere Arbeiter, seine Gesundheit f\u00fcr die Firma ruiniert. Jetzt leidet er an den Bandscheiben und wurde deswegen zum Fahrzeugwarten degradiert. Er ist verheiratet, hat eine Tochter, die sich als Kinderg\u00e4rtnerin f\u00fcr die Arbeit mit Behinderten ausbilden l\u00e4\u00dft und lebt in einem Reihenhaus in einer Stra\u00dfe, wo auf der anderen Seiten, die Villen der Zahn\u00e4rzte, Rechtsanw\u00e4lte etc der Stadt leben.<br \/>\nKlassenkampf pur also, waren das noch Zeiten, wo der Betriebsrat das Sagen hatte, Karl hat aber auch eine Erfindung gemacht und wird deshalb zum Chef  bestellt, um sich dort hundert Mark und eine Belobigung abzuholen. Dort mu\u00df er warten, dr\u00fcckt zuf\u00e4llig auf den Knopf eines K\u00e4stchens und kann pl\u00f6tzlich h\u00f6ren, was seine Kollegen so erz\u00e4hlen.<br \/>\nDenn die Gegensprechanlage, die vor einiger Zeit installiert wurde, ist in Wahrheit ein Abh\u00f6ranlage, Karl entlockt der Sekret\u00e4rin Fr\u00e4ulein Schindler das Geheimnis, da\u00df die Akten, die sie von den Tonb\u00e4ndern angelegt hat, in einem Tresor lagern, so bricht Karl in der Nacht mit einem Kollegen dort ein, holt die Akten und lagert sie im Partykeller des Freundes seiner Tochter. Eine steckt er in die Jackentasche und nimmt sie mit zur Weihnachtsfeier, wo dann ein Christbaum brennt. Vorerst geschieht aber nichts anderes, die Gewerkschaft vertr\u00f6stet, der Betriebsleiter wird ausgewechselt und Karl fristlos entlassen. Das kann zwar durch einen Streik r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden, die Gewerkschaftszeitung berichtet aber trotzdem nicht von den Akten, die weiter im Partykeller bzw. bei Karl lagern, weil sie niemand haben will, wird doch der Betrieb von der Gewerkschaftsbank aufgekauft, so da\u00df sich Karl schlie\u00dflich an einen Kommunisten wendet, der ihm Flugbl\u00e4tter druckt, die er  mit Hilfe der italienischen Gastarbeiter, die in einigen Baracken hausen, in den Betrieben verteilt.<br \/>\nIn anderen Baracken werden T\u00fcrken angesiedelt, aber weil die niemand haben will, werden sie angez\u00fcndet, wobei Karls Tochter ein Auge verliert und Karl, der das eigentlich aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht mehr darf und schon wieder entlassen wurde, weil er die Akten schlie\u00dflich am Betriebsgel\u00e4nde verbrennt, f\u00e4hrt einen hochexplosiven Laster und erleidet einen Unfall, am Schlu\u00df verteidigt ihn ein bekannter Industrieanwalt von der anderen Stra\u00dfenseite umsonst und Karl erh\u00e4lt einen neuen Job bei seinem &#8220;Fast-Schwiegervater&#8221; traut der Sache aber trotzdem nicht so recht und denkt im letzten Kapitel st\u00e4ndig &#8220;Ich h\u00e4tte zufrieden sein m\u00fc\u00dfen. War es aber nicht.&#8221;<br \/>\nStellenweise Glatteis also. Soweit der Roman des 1926 in Beireuth geborenen und 2005 in Dortmund gestorbenen Schriftstellers, einem wichtigen Vertreters des Werkkreises der Literatur der Arbeitswelt, den ich, wenn schon nicht pers\u00f6nlich, dann doch vom ober\u00f6sterreichischen Max von der Gr\u00fcn Preis der Arbeitswelt kenne, zu dem ich in den Achtigerjahren regelm\u00e4\u00dfig meine Texte eingeschickte, aber nie etwas gewonnen habe. Einmal bin ich mit der &#8220;Slavica&#8221; zwar, wie mir einer der Juroren sagte, in die n\u00e4here Auswahl gekommen und zu einer Art Schreibwerkstatt wurde ich 1987 auch nach Linz eingeladen, f\u00fcr einen Preis gereicht hat es aber nicht. Inzwischen ist der Preis auch eingestellt worden und der sogenannte Buchpreis, der Nachfolger, nimmt keine selbstgemachten B\u00fccher, obwohl ich es zweimal versuchte und sowohl die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_glueck_in_der_nische.html\">&#8220;Globalisierungsnovelle&#8221;<\/a> als auch <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_tauben.html\">&#8220;Tauben f\u00fcttern&#8221;<\/a> hinschickte. Die Literatur der Arbeitswelt ist inzwischen auch nicht mehr so modern, obwohl es den Werkkreis unter Gerald Grassl etc immer noch gibt, der sich bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/04\/sv-cocktail-krilit-alpha-literaturpreis\/\">KriLit im November<\/a> auch exclusiv vorstellte und der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/14\/von-den-pennern-zu-den-festwochen\/\">duftende Doppelpunkt unter Petra \u00d6llinger<\/a>, hat im Fr\u00fchjahr ja auch eine Anthologie zu Arbeitswelt herausgebracht und in einem mehrteiligen Gewinnspiel auch an die Literatur der Arbeitswelt und an Max von der Gr\u00fcn erinnert und ich lese als realistische Autorin solche Romane auch gern, literaturkritisch l\u00e4\u00dft sich vielleicht sagen, da\u00df die Handlung nicht ganz ausgefeilt und gestrafft ist. So k\u00f6nnte man nat\u00fcrlich nach dem Sinn fragen, den es hat, gestohlene Akten monatelang in einem Partykeller zu lagern und dann demonstrativ aber heimlich im Werksgel\u00e4nde zu verbrennen? Die Themen sind aber sehr interessant und in Zeiten, wie diesen, in denen wir leben, k\u00f6nnte man auch neidisch werden, von einer so starken Gewerkschaft zu lesen, obwohl die nat\u00fcrlich auch angeprangert und ihr Versagen genau beschrieben wird.<br \/>\nIm B\u00fccherschrank findet man  gelegentlich solche B\u00fccher, so habe ich noch &#8220;Wenn der tote Rabe vom Baum f\u00e4llt&#8221; in meinem neuen B\u00fccherregal stehen und &#8220;Fl\u00e4chenbrand&#8221; in Harland, das schon fr\u00fcher zu mir gekommen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Stellenweise Glatteis&#8221; von Max von der Gr\u00fcn, das n\u00e4chste Buch von meiner hundert B\u00fccher Liste und auch ein Fund aus dem B\u00fccherschrank, handelt zuf\u00e4lligerweise auch von Weihnachten, zumindest beginnt der Roman, der in den Siebzigerjahren von einem Betriebsrat eines Dortmunderbetriebes, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=10507\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-10507","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10507"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10507\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}