{"id":105822,"date":"2021-08-30T00:38:00","date_gmt":"2021-08-29T22:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=105822"},"modified":"2021-08-30T00:38:00","modified_gmt":"2021-08-29T22:38:00","slug":"meine-eltern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=105822","title":{"rendered":"Meine Eltern"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt ein Doppelpack, n\u00e4mlich ein Buch aus dem &#8220;Claasen-Verlag&#8221;, das man von vorne und von hinten lesen kann. Also zwei B\u00fccher in einem, beide von dem 1964 in Sarajewo geborenen Aleksandar Hemon,der seit 1992 in den Vereinigen Staaten lebt und dort offenbar ein bekannter Autor ist. Jetzt hat er im Doppelpack vorne von seinen &#8220;Eltern&#8221; und hinten von seinen Bosnien-Erfahrungen geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant einen mir bisher vollkommen unbekannten Autor kennenzulernen, der \u00fcber einen humorvollen, leicht ironischen Stil verf\u00fcgt. So beginnt er jedenfalls in Buch eins, also das, das ich als Erstes gelesen habe, \u00fcber seine Eltern, die Mutter Andja, 1937 geboren ,sowie den 1936 geborenen Vater Petar geschrieben, beiden haben sich in Belgrad w\u00e4hrend ihres Studiums kennengelernt. Haben sich f\u00fcr Musik und Filme interessiert. Sind also ins Kino und tanzen gegangen. Haben sich dann in Sarajewo angesiedelt und dort zuerst den Sohn Aleksandar, sp\u00e4ter die Schwester Kristina geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vater hat als Ingenieur viel im Ausland gearbeitet und als der Krieg ausbrach, ist die Shwester mit ihrem Freund nach Beglgrad gegangen, Aleksandar ist in den USA geblieben und die Elternemigrierten 1993 nach Kanada.<\/p>\n\n\n\n<p>Das zweite Kapitel ist dem&#8221;Heimatland&#8221; Jugoslawien gewidmet, was   f\u00fcr  die Mutter, die Jugend bedeutete, wo sie in einer Jugendbrigade an der &#8220;Autobahn  der Br\u00fcderlichkeit&#8221; baute und dazu Tito-Lieder sang. Als der 1980 starb, fiel das ganze Land in Agonie, w\u00e4hrend der Vater, dessen Familie aus der Ukraine stammte, an der Stadt Vucijak hing,wo er den gr\u00f6\u00dften Teil seines Lebens in Bosnien verbrachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Wort &#8220;katastrofa&#8221; wird ein Kapitel gewidmet, das f\u00fcrdie kriegsbedingt traumatiserten Eltern eine gro\u00dfe Bedeutung hat. Die Eltern sind sehr tierliebend. Der Vater ist Imker, der seine ganze Freizeit mit den Bienen verbringt. Der Ingenieur arbeitet in Kanada als Hausmeister und Fabriksarbeiter und hat  mit den Waschb\u00e4ren zu k\u00e4mpfen. Schwierigkeiten hat er mit dem kanadischen Wohlstand, wo  Waschmaschinen und andere Sachen einfach auf den Stra\u00dfenrand gestellt werden. Der Vater sammelt sie auf und hat inzwischen einen Schuppen,  wo er sich mit Reparaturen besch\u00e4ftigt, w\u00e4hrend die Mutter mit ihren Tieren, den Hunden, Wellensittiche und Eichh\u00f6rchen spricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt ein Kapitel \u00fcber das Essen, wo wieder die Sparsamkeit und  das nicht Wegwerfen k\u00f6nnen, sowie die Essenszeiten ein Thema ist. Eines \u00fcber die Musik. Die v\u00e4terliche Familie hat viel gesungen und die Eltern haben dem kleinen Buben auf sehr unterschiedliche Art und Weise Geschichten erz\u00e4hlt, was in dem Kapitel &#8220;Literatur&#8221; thematisiert wird. Da\u00df die Eltern in Belgrad geheiratet haben, hat man schon im ersten Kapitel erfahren. Sp\u00e4ter erf\u00e4hrt man, da\u00df die Mutter unter der damals \u00fcblichen Haushaltsteilung, die Frau ist im Haus bei den &lt;kindern, der Vater reist in der Welt herum, sehr gelitten hat und das letzte Kapitel ist dem Sterben und dem Tod gewidmet. Da wollten sich die Eltern vor Jahren ein Grab kaufen und haben den Sohn um finanzielle  Unterst\u00fcrzung gebeten. Er hat entsetzt abglehnt. Die eltern haben es trotzdem gekauft und am Schlu\u00df schreibt Aleksandar Hemon, da\u00df er in dem Buch eine m\u00f6gliche Trennung von den Eltern verarbeit, bzw.vorweg genommen hat:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wo soll ich jemals wieder solche Eltern finden?&#8221;, lautet der letzte Satz.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Doppelpack, n\u00e4mlich ein Buch aus dem &#8220;Claasen-Verlag&#8221;, das man von vorne und von hinten lesen kann. 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