{"id":113294,"date":"2022-02-09T00:30:00","date_gmt":"2022-02-08T23:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=113294"},"modified":"2022-02-09T00:30:00","modified_gmt":"2022-02-08T23:30:00","slug":"aus-einer-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=113294","title":{"rendered":"Aus einer Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt noch ein Debut, obwohl der <a href=\"\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/02\/01\/meine-bloggerdebutpreisentscheidung\/\">Bloggerdebutpreis f\u00fcr 2021 ja schon entschieden ist<\/a>. Aber das Buch des 1988 als Kind von DDR-Fl\u00fcchtlingen in Braunschweig geborene Maximilian Zech ist erst vor ein paar Monaten zu mir gekommen, obwohl es, glaube ich, genau vor einem Jahr erschienen ist und ich habe auch etwas gebraucht in den Stil hineinzukommen, beginnt es ja gleich mit einem Arztbrief.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;wir berichten \u00fcber o.g Patientin, welche sich in der Zeit vom 14. 04. in unserer station\u00e4ren  Behandlung befand.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Denn der Roman des in Leipzig  lebenden Journalisten handelt von einem jungen Arzt namens Matthias Bode und am Klappen text steht etwas von &#8220;einer biedermaierlich anmutigen Innerlichkeit&#8221; und , da\u00df das Leben dem Protagonisten, wie ein Traum erscheint. Bei &#8220;Amazon&#8221; kann man lesen &#8220;Die ganzen Kapitel sind ein Mix aus Philosophie, dem eigenen Sein, Gesellschaftskritik und sich selbst in Frage stellen&#8221;, was mich anfangs verwirrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach und nach kommt man in die Geschichte hinein, die nicht wirklich neu ist, wenn auch vielleicht ein wenig ungew\u00f6hnlich bed\u00e4chtig geschrieben. Und da f\u00e4llt mir ein, da\u00df mir bei meinen Erstlingen gesagt wurde &#8220;Da passiert ja nichts!&#8221;, was mich damals auch verwirrte, denn es passierte  schon einiges und das ist auch bei Maximilian Zech  so.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist also der junge Arzt. Er lebt in G\u00f6ttingen, stammt aus der DDR und wir erleben zuerst einmal ein paar Krankengeschichten. Er arbeitet in einem Privatspital in der Onkologie und so besucht er ein paar Krebspatienten, schl\u00e4gt ihnen Transplantationen vor und die loben ihn alle, weil er sehr einf\u00fchlsam ist und ihnen zuh\u00f6rt. Sie sterben aber, wie das auf einer Onkologie so ist,  trotzdem und es gibt auch Probleme mit den Kollegen. Da ist Steffi, auch eine junge \u00c4rztin, die ist verlobt, das ist vielleicht das Altmodische an dem Buch, da\u00df das Wort \u00f6fter auftaucht, denn das ist man, glaube ich, heute ja meistens nicht mehr und Matthias verabredet sich mit Steffi, als sie Probleme mit  dem Verlobten hat, in einem Studentenlokal. Sie kommt aber nicht. Stattdessen spricht ihn ein alter Mann an, der ihn, w\u00e4hrend er sich betrinkt, in philosophische Diskussionen \u00fcber den Sinn des Lebens verwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann tauchen wir langsam in die Vergangenheit. Es gab eine Maja, seine erste Freundin, glaube ich, die ist jetzt verlobt und schwanger und im betrunkenen Zustand schreibt Matthias ihr ein Mail, das ihm dann ein wenig peinlich ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Er nimmt sich dann auch einen pl\u00f6tzlichen Urlaub, weil er nach Italien fahren will und verwirrt damit den Oberarzt &#8220;Haben Sie ein Burnout?&#8221;  und  kommt mit seinem alten Auto aber nicht so weit, sondern nur bis zur \u00f6sterreichischen Grenze und besucht da die kleine Kirche, wo der Gro\u00dfvater einmal Pfarrer war,  bevor er in die DDR emigrierte. Jetzt ist sein Grab verschwunden. Der jetztige Pfarrer, der aus Salzwedel stammt, spricht ihn aber an und  und wir erfahren, seine Mutter ist an Krebs gestorben, als er sechzehn war. Das war schlimm f\u00fcr ihn und auch, da\u00df der Vater bald wieder verheiratete. Deshalb hat er den Kontakt zu ihm auch abgebrochen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ja er ist ein wenig streng,  sieht das auch ein und freut sich, da\u00df Maja sich meldet. Die f\u00e4hrt dann aber mit ihren Bauch zu ihrem Verlobten zur\u00fcck und Matthias statt nach Italien in seinen Heimatort, wo aber jetzt aber in seinem Elternhaus wohnen, mit der Polizei drohen und er nur noch einen Schulfreund trifft. Er geht mit ihm zum Albaner Pizza essen,  steht dann abreisebereit vor seinem Auto, um wieder, was er schon mit einem Patienten und dem alten Mann im Studentenlokal diskutierte, zu sinnieren:<\/p>\n\n\n\n<p> &#8220;Alles k\u00f6nnte ich machen, ja, ich k\u00f6nnte so viel. Doch ich komme nicht los. Ich komme einfach nicht los.&#8221;, lauten die letzten S\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, nat\u00fcrlich ein neues Auto kaufen und doch nach Italien fahren oder sich mit dem Vater vers\u00f6hnen, eine neue Freundin suchen und wieder ins Spital zur\u00fcck oder vielleicht den Beruf wechseln, wenn er nicht der Richtige war, so da\u00df der aus der Zeit Gefallene wieder in sie hineinkommt und eines h\u00e4tte ich jetzt fast vergessen, die Literatur kommt in den Buch auch \u00f6fter vor. Denn Matthias Bode ist sehr an ihr interessiert, schreibt Gedichte, liest Eichendorf und einen Heinrich von Marenholtz, der wie sein Heimatort hei\u00dft, den ich aber bei Google nicht finden konnte, obwohl ein Gedicht von ihm abgedruckt. ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u00e4hnliches Buch \u00fcber die <a href=\"\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/07\/bevor-wir-verschwinden\/\">Erlebnisse eines Arztes auf einer Krebsstation hat David Fuchs geschrieben<\/a>, der aber selber Arzt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt noch ein Debut, obwohl der Bloggerdebutpreis f\u00fcr 2021 ja schon entschieden ist. 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