{"id":114870,"date":"2022-03-13T00:30:00","date_gmt":"2022-03-12T23:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=114870"},"modified":"2022-03-13T00:30:00","modified_gmt":"2022-03-12T23:30:00","slug":"operation-kasper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=114870","title":{"rendered":"Operation Kasper"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt ein hundertzwanzig Seiten Roman des 1932 in Zagreb geborenen Bora Cosic, der sowohl in Berlin, als auch in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/12\/kroatienurlaub\/\">Rovinj<\/a>, lebt  den ich in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/31\/die-rolle-meiner-familie-in-der-weltrevolution\/\">Montenegro gelesen habe<\/a>, als ich mich dort mit kroatischer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/21\/literarische-reisevorbereitungen\/\">Literatur besch\u00e4ftige<\/a>n wollte. In der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/06\/07\/bora-cosics-reisen\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221; habe ich ihn auch einmal geh\u00f6rt<\/a> und seine Frau hat sich sehr nett mit mir unterhalten, als ich allein beim Wein und den N\u00fcssen gestanden bin und &#8220;Der &#8220;gro\u00dfe, alte, listig-heitere Mann der serbischen Avantgarde&#8221;, wie die neue Z\u00fcrcher Zeitung Bora Cosic nannte, hat mit &#8220;Operation Kaspar&#8221; einen pointierten, hintersinnigen Roman geschrieben, der den alten Migrantentraum von Bildung und einem besseren Leben gnadenlos zerplatzen l\u00e4sst&#8221;, steht am Buchr\u00fccken und wurde von Brigitte D\u00f6bert \u00fcbersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p> In drei Kapitel wird diese Parabel, wie ich es nennen w\u00fcrde, erz\u00e4hlt, &#8220;Der Stall&#8221;, &#8220;die Stra\u00dfe,&#8221; der &#8220;Garten&#8221; und der Traum der Migranten wird in einer gro\u00dfen aber vertotal verm\u00fcllten Wohnung, die sich wie ich mir vorstellen k\u00f6nnte, in Belgrad befindet, begonnen. Da lebt ein mittelaltes Paar. Die Frau tr\u00e4gt Unterkleidung, wie das dort offenbar so \u00fcblich war und r\u00e4umt und putzt oder versucht das wenigstens. Der Mann tr\u00e4gt Hut in der Wohnung, denn sie gehen nicht hinaus, f\u00e4hrt Fahrrad um den K\u00fcchentisch, was ein bi\u00dfchen an <a href=\"\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/15\/hassposting-an-corona-oder-veranstaltungsstop-ii\/\">Lockdown eins<\/a>, als das Buch wahrscheinlich geschrieben wurde, erinnern k\u00f6nnte, spielt Geige und liest Zeitung. Sie sprechen nicht viel miteinander und eines Tages nehmen sie einen gro\u00dfen leeren Koffer und gehen damit auf die Stra\u00dfe. Den Verbindungsmann, der ihnen Papiere und Geld bringen soll, treffen sie nicht, so stehen sie vor einer Filmwand am Hauptplatz und werden von der Polizei angesprochen, die sie aber nicht versteht und auch die Dolmetscherinnen zucken nur die Achseln. So werden sie zu einem Professor Daumer gebracht, der seine Russen f\u00fcr die Spargelernte verloren hat und sollen die ersetzen. Der will ihnen, wie der Professor in &#8220;My fair lady&#8221;, das westliche Leben oder die Sprache und  die Bildung beibringen. Scheiter aber daran und am Ende kommen die Russen erschie\u00dfen die Beiden und murmeln dann entt\u00e4uscht &#8220;Teufe auch, das sind gar nicht Nikita und seine Frau!&#8221; und man bleibt vielleicht nachdenklich zur\u00fcck, hat man doch gar nicht das Klischee gelesen, das man sich vielleicht von den serbischen Emigranten erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Kaspar Hauser&#8221; f\u00e4llt einem ein, darauf spielt der Titel auch an, wurde meiner Meinung nach aber nicht wirklich getroffen. Aber nat\u00fcrlich hat der alte serbisch-kroatische Intellektuelle, der glaube ich, auch flie\u00dfend Deutsch spricht, einen anderen Blick auf die Sache als ich und hat einen, wie schon geschrieben, satirischen Kurzroman \u00fcber die europ\u00e4ische Situation und ihre zerplatzen Migrationsbewegungen geschrieben, die jetzt durch den Angriffskrieg auf die Ukraine vielleicht wieder eine neue Sichtweise bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein hundertzwanzig Seiten Roman des 1932 in Zagreb geborenen Bora Cosic, der sowohl in Berlin, als auch in Rovinj, lebt den ich in Montenegro gelesen habe, als ich mich dort mit kroatischer Literatur besch\u00e4ftigen wollte. 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