{"id":1150,"date":"2009-04-17T00:13:52","date_gmt":"2009-04-16T22:13:52","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1150"},"modified":"2009-04-17T00:13:52","modified_gmt":"2009-04-16T22:13:52","slug":"erzahlmuster-i-und-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1150","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlmuster I und II"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Abende in der alten Schmiede mit vier interessanten Erz\u00e4hlern und zwei Erz\u00e4hlerinnen.<br \/>\nAm Mittwoch begann es im Schmiedemuseum mit Peter Pessl, der aus dem zweiten Teil seiner Himalaya-Aufzeichnungen &#8220;Das wei\u00dfe Jahr&#8221;, eingeleitet von Christine Huber, gelesen hat. Und das ist ein interessanter Text, ein sprachphilosophischer Himalaya-Reisef\u00fchrer oder einer in konkreter Poesie.<br \/>\n&#8220;Was kann man damit machen?&#8221;, hat Christine Huber gefragt.<br \/>\n&#8220;Man kann das Buch nehmen und damit zum Himalaya fahren!&#8221;, hat Peter Pessl geantwortet und alle haben gelacht.<br \/>\nEs ist aber noch komplizierter, denn in dem Text gibt es  einige Reisegenossen, die alle  sinnigerweise mit dem Buchstaben P. wie Pessl anfangen, aber r\u00f6mische Renaissancemaler oder etwas \u00e4hnliches sind und es gibt auch eine Art Tagebuch mit einer Beschreibung von Orten, von denen der Autor nicht verr\u00e4t, ob er das Ganze nicht  erfunden hat und an dem Tag nicht vielleicht ganz woanders war.<br \/>\nPeter Pessl war jedenfalls ein halbes Jahr in der Gegend und plant vier B\u00fccher dar\u00fcber zu schreiben, weil ihm die Sprache wichtig ist.<br \/>\nMit Peter Pessl, der sich f\u00fcr mein Kommen extra bedankte, habe ich ein Buch getauscht, allerdings nicht die Himalaya-Aufzeichnungen, sondern einen im fr\u00f6hlichen Wohnzimmer erschienenen und mit Ilse Kilics Zeichnungen versehenen Kriminalroman &#8220;Der Brief mit der Aufschrift&#8221;. Peter Pessl ist einer den ich schon lange kenne, aber eigentlich noch nichts von ihm gelesen habe, er ist aber Stammgast beim &#8220;Tag der Freiheit des Wortes&#8221; und seine H\u00f6rspiele kenne ich auch.<br \/>\nDann gabs einen Ortwechsel, n\u00e4mlich in das literarische Quartier und da las Peter Clar aus seiner Prosa &#8220;Nehmen Sie mich beim Wort&#8221;, erschienen im Sonderzahl Verlag und das war eine \u00dcberraschung. Zwar kenne ich Peter Clar schon von der letzten Volksstimmefestlesung und auch von einem Elfriede Jelinek Symposium, weil er Mitarbeiter beim Jelinek-Forschungszentrum ist.<br \/>\nEr hat aber einen neuen frischen Ton und ist ein sehr selbstbewu\u00dfter junger Mann, der 1980 geborene, der offensichtlich ausgezogen ist, um die die Erz\u00e4hlung zu zertr\u00fcmmern. Es geht um X und Y, eine Frau und einen Mann. Der Mann spaziert die H\u00fctteldorferstra\u00dfe hinunter und der Erz\u00e4hler gibt sich selber st\u00e4ndig Anweisungen und gl\u00e4nzt in Sprach- und Wortkaskaden.<br \/>\nEiner, wie ich mir dachte, der sich das Buch &#8220;Wie schreibt man einen verdammt guten Roman&#8221; aufgeschlagen hat, um die Schreibschulen damit zu karikieren und wahrscheinlich auch, um mit seiner Gelehrsamkeit zu gl\u00e4nzen,  die ihm offensichtlich Freude macht,  es hat mich aber auch an Karen Wiborgs Blogroman &#8220;Sechzig Grad&#8221; erinnert. Und ist vielleicht auch eine Sprachmonatage, im Sinne der Jelinek, die, wie der Autor anmerkte, ihm sehr im Ohr liegt, ein Hund der am Jupiterweg wohnt oder dorthin in Pflege gegeben wird, kommt beispielsweise vor und dann meinte der Autor abschlie\u00dfend, da\u00df es trotz gegenteiliger Bem\u00fchung viel zu erz\u00e4hlend geworden ist. Jetzt schreibt er einen Text, mit dem er den Kriminalroman zertr\u00fcmmern will, der dann vielleicht doch einer werden wird.<br \/>\n&#8220;In zehn Jahren haben wir einen gro\u00dfen Erz\u00e4hler!&#8221;, habe ich Stephan Eibel Erzberg gemailt und der war  der dritte des ersten Abends mit seinem Roman &#8220;Sofort verhaften&#8221;, den ich schon sehr gut kenne. Im vorigen Mai gab  eine Nonstopauff\u00fchrung in Hubsi Kramars Kleintheater. Ich war nicht dort, weil es Eintritt kostete, f\u00fchrte dar\u00fcber aber einen regen Briefwechsel mit Stephan Eibel und im Dezember war er diesbez\u00fcglich  in &#8220;Von Tag zu Tag&#8221; und hat sich dabei eine Klage der F-Partei eingehandelt, die diese aber, wie ich h\u00f6rte, wieder zur\u00fcckgezogen hat.<br \/>\nDer Roman ist  sehr interessant, einerseits politisch, andererseits tauchten bei seiner Lesung Leute auf, die ich von den Psychiatrie Fortbildungen des AKHs bzw. von den Supervisoren-Reflexionsrunden kenne.<br \/>\nLydia Mischkulnig hat die Lesung eingeleitet, Stephan Eibel Erzberg  brillant diskutiert und Lydia Mischkulnig war am zweiten Tag als erste dran.<br \/>\nEingeleitet von Alexandra Millner, mit der ich mich l\u00e4nger unterhalten habe. Lydia Mischkulnig, deren ersten Roman &#8220;Halbes Leben&#8221; ich vor Jahren einmal bei einer &#8220;Rund um die Burg&#8221;-Veranstaltung gewonnen habe, ist eine Sprachk\u00fcnstlerin der poetischen Art, die sehr eindrucksvoll beschrieben hat, wie bei ihr das Entstehen von Sprache entsteht und alles dreht sich um das Sterben. Das  ist das gro\u00dfe Thema in allen ihren Texten und die vorgelesene Geschichte &#8220;Untergang einer Hauptperson&#8221; war auch sehr beeindruckend und wieder ging es um Erz\u00e4hlperspektiven, war das ja das Generalthema der beiden Abende und so hat auch Eugenie Kain in ihrem &#8220;Schneckenk\u00f6nig&#8221;, einem Erz\u00e4hlband mit einer gleichnahmigen Geschichte, die ich schon einmal bei einer &#8220;Linken Wort&#8221; &#8211; Lesung geh\u00f6rt habe, auch eine Erz\u00e4hlung, in der die Musen der Erz\u00e4hlerin  Schreibanweisungen geben, die es dann aber doch nach ihrem Kopf macht. Sie war  aber sicher die realistischste Schreiberin der beiden Abende.<br \/>\nDer letzte Erz\u00e4hler war Clemens Berger mit seinen Erz\u00e4hlungen &#8220;Und hieb ihm das rechte Ohr ab&#8221;, der von dem ihm einleitenden Lektor auch sehr intensiv nach seinen Erz\u00e4hlperspektiven und Ich-Erz\u00e4hlern befragt wurde, wobei der Autor allerdings charmant l\u00e4chelte und sich um die konkreten Antworten dr\u00fcckte.<br \/>\nZwei interessante Abende also, bei denen viel zu lernen war und ich sicher einiges f\u00fcr die eigene Schreibarbeit mitnehmen kann, die es auch noch gibt.<br \/>\nUnd bei Anni B\u00fcrkl gab es am Mittwoch ihren ersten  &#8220;Schreibsalon&#8221;, wo, wie sie auf ihrem Blog beschreibt, das Thema &#8220;Wie verfolge ich ein gr\u00f6\u00dferes Schreibprojekt&#8221; behandelt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Abende in der alten Schmiede mit vier interessanten Erz\u00e4hlern und zwei Erz\u00e4hlerinnen. 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