{"id":115306,"date":"2022-03-30T00:14:00","date_gmt":"2022-03-29T22:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=115306"},"modified":"2022-03-30T00:14:00","modified_gmt":"2022-03-29T22:14:00","slug":"kerbungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=115306","title":{"rendered":"Kerbungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die 1933 geborene <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/18\/noch-farb-ich-meine-haare-rot\/\">Elfriede Haslehner<\/a> und die 1939 geborene Hilde Langthaler, genannt Bruni, was sie sp\u00e4ter aber gar nicht wollte, waren in den sp\u00e4ten Siebzigerjahren, als ich in den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/24\/vierzig-jahre-matura-vierzig-jahre-schreiben\/\">&#8220;Arbeitskreis schreibender <\/a>Frauen&#8221; gekommen bin, sicher meine pr\u00e4gensten literarischen Begegnungen. Als sich der &#8220;Arbeitskreis&#8221; 1984 aufl\u00f6ste, beziehungsweise ich in keinen Verein eintreten wollte, habe ich mit den Beiden und mit der in den Neunzigerjahren verstorbenen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/17\/veza-canetti-lebt\/\">Valerie Szabo<\/a> noch jangelang in den verscheidensten Wohnungen und Cafes zum literarischen Austausch getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/20\/elfriede-haslehners-und-maria-gornikiewicz-neue-bucher\/\">Elfriede<\/a> hat erst k\u00fcrzlich ihre von der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/02\/10\/geburtstagsfeiern-mit-ruth\/\">Ruth<\/a>, die ich erst sp\u00e4ter kennenlernte, organisierten <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/03\/07\/frauen-revolution-in-kuba\/\">&#8220;Gedenklesung&#8221; im Lesetheater <\/a>gehabt, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/01\/28\/erinnerung-an-hilde-langthaler\/\">die Bruni ist Anfangs 2019<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/02\/11\/brunis-begraebnis\/\">gestorben<\/a> und hat da auch einige <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/05\/28\/noch-einmal-hilde-langthaler\/\">Gedenklesungen gehabt <\/a>und jetzt habe ich von ihrem Mann, dem lieben Richard, der ihr ein r\u00fchrender Nachla\u00dfverwalter ist, einen Bildband mit seinen Holzschnitten, die er, glaube ich, seit den Sechzigerjahren betreibt und vierzig ihrer Lyrik- oder Prosatexte herausgegeben, so da\u00df ich im Monat M\u00e4rz, wo wir ja noch immer der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/03\/11\/lyrik-ubersetzung\/\">Lyrik<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/03\/03\/von-den-podium-portraits-zur-muttersprache-und-zuruck\/\"> gedenken<\/a> mich wieder an eine wichtige <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/26\/funfzehn-autoren\/\">Wegbereiterin meiner literarischen Karriere,<\/a> die ja keine ist, gedenken kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein Verh\u00e4ltnis zu der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/12\/motto-spiegelschrift\/\">Bruni <\/a>war immer etwas schwierig und wir haben auch einige Auseinandersetzungen gehabt. Sie war mir glaube ich zu unsicher und z\u00f6gernd und das habe ich nur schwer ausgehalten und sie hat sich wahrscheinlich an meiner Unsicherheit gest\u00f6rt. Besser ist das erst geworden, als ich &#8220;losgelassen&#8221;  habe und sie nicht mehr unbedingt \u00fcberzeugen wollte, da\u00df ich eine gute Freundin bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vorwort zu dem Band hat <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/21\/susanne-ayoubs-paul-antschel-film\/\">Susanne Ayoub<\/a> geschrieben mit der die Bruni sehr befreundet war und sie hat das beschrieben, was ich auch so sehen w\u00fcrde. Die Bruni war sehr bem\u00fcht, hat ihre Texte immer wieder \u00fcberarbeitet, war nie damit zufrieden und hat sie auch mehrmals und \u00f6fter herausgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Geboren wurde sie 1939 in Graz, als Tochter einer \u00c4rztin, ihr Onkel war Theodor Sapper auch ein eher schwieriger Lyriker, die Gro\u00dfmutter <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/23\/die-familie-pfaffling\/\">Agnes<\/a> hat ein immer noch existierendes Kinderbuch geschrieben, das ich einmal im Schrank gefunden habe. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie war in den Siebzigerjahren als ich sie kennenlernte und ist das wahrscheinlich immer,  sehr engagiert und hat sich an tausenden Projekten beteiligt, was wahrscheinlich auch ihre Unzufriedenheit mit sich ausmachte. Sie hat Medizin studiert und war in den Siebzigerjahren auch noch als \u00c4rtzin t\u00e4tig. Sie hat den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/09\/betrachtungen-zum-muttertag\/\">&#8220;Wiener Frauenverlag&#8221;<\/a> mitbegr\u00fcndet und den &#8220;Ohrbuch-Verlag&#8221; wo sie zum Teil afrikanische Literatur herausgegeben hat, hat viele Reise nach Afrika und auch anderswohin gemacht und hat, glaube ich, auch einige Semester lang Film studiert und jetzt durch das Buch mit den sch\u00f6nen Holzschnitten des lieben Richard, die man unbedingt ansehen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p> Es gibt derzeit p\u00fcnktlich zu seinem Achtziger auch eine Ausstellung und von den Texten, wo man das Z\u00f6gern und das Zaudern und die Snnlosikgeit des Lebens deutlich ablesen kann, habe ich einige schon gekannt bzw, sondern sie in ihren fr\u00fcheren Publikationen enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;ADRIA 1993- Sarajevo&#8221; hei\u00dft der erste Text, da erlebt sie an den Badestr\u00e4nden den Krieg<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;bei all der herrlichkeit des meeres und der sonne?<\/p>\n\n\n\n<p> angst  -wovor &#8211; und warum ich? <\/p>\n\n\n\n<p>Und daneben sieht man am Holzschnitt, Sonnenschirme, Badende auf Decken und dar\u00fcber schwirren die Flugzeuge.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;allein \u00fcber die br\u00fccke<\/p>\n\n\n\n<p>und doch so allein gehen wir<\/p>\n\n\n\n<p>\u00fcber die br\u00fccke-<\/p>\n\n\n\n<p>so mutterseelenallein.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;an deiner hand<\/p>\n\n\n\n<p>an deiner hand will ich durch die blumen gehn<\/p>\n\n\n\n<p>und auf keine treten<\/p>\n\n\n\n<p>denn eine zarte blume ist die liebe<\/p>\n\n\n\n<p>zertritt sie nicht&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Der gelassenere Richard war wohl ihr Lebensmensch und die Beziehung war, glaube ich, sehr gut und hat ihr vielleicht auch Halt und St\u00fctze gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;als wir uns damals kennengelernt haben in hamburg,<\/p>\n\n\n\n<p>warst du einmal bei mir im tropenkurs.<\/p>\n\n\n\n<p>du hast mich da besucht<\/p>\n\n\n\n<p>es wurde von der bilharziose gesprochen von einem wurm,<\/p>\n\n\n\n<p>der sich in die haut eingr\u00e4bt<\/p>\n\n\n\n<p>und ich hab damals so einen gedanken gehabt,<\/p>\n\n\n\n<p>ich m\u00f6chte auch sowas sein,<\/p>\n\n\n\n<p>das sich in dich,in deine haut eingr\u00e4bt,<\/p>\n\n\n\n<p>und immer bei dir ist<\/p>\n\n\n\n<p>und von dir herumgetragen wird<\/p>\n\n\n\n<p>und mit dir mein leben verbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>so ist es auch gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>mein geliebter goggi,ich danke dir!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;endloser tag<\/p>\n\n\n\n<p>warum qu\u00e4lt es mich<\/p>\n\n\n\n<p>was soll der Tag, der endlose<\/p>\n\n\n\n<p>und wohin f\u00fchrt er<\/p>\n\n\n\n<p>warum kann ich nur mit meinen augen sehen<\/p>\n\n\n\n<p>und mit meinen sinnen f\u00fchlen<\/p>\n\n\n\n<p>immer wieder, wieder, wieder<\/p>\n\n\n\n<p>endet niemals diese qual?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;im hamsterrad<\/p>\n\n\n\n<p>ich trete, trete<\/p>\n\n\n\n<p>h\u00f6re nicht auf zu treten, wenn auch immer auf der stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>seit anbeginn, seit ich mich erinnern kann.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben ist das Hamsterrad mit einem Bruni-Gesicht zu sehen und der n\u00e4chste Text hei\u00dft passend<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;im kopf-ein m\u00fchlenrad&#8221;, die &#8220;unsichtbare netze&#8221; gibt es auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Texte, die sich mit dem Los der agerikanischen Frauen besch\u00e4ftigen, die t\u00e4glich ihre Lasten zum Markt schleppen, obwohl es ja Ochsen g\u00e4be, aber was h\u00e4tten sie sonst zu tun?, sinniert der Pfarrer, den die Bruni danach fragt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zum Schlu\u00df, damit das nicht zu endlos wird, zwei meiner Lieblingstexte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;von f\u00e4den gezogen<\/p>\n\n\n\n<p>in normen geschn\u00fcrt<\/p>\n\n\n\n<p>marionetten<\/p>\n\n\n\n<p>hastend<\/p>\n\n\n\n<p>vom heute ins morgen&#8221; und<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;wir kommen aus der ewigkeit<\/p>\n\n\n\n<p>wir gehen in die ewigkeit<\/p>\n\n\n\n<p>und in der kurzen zeit dazwischen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>schauen wir st\u00e4ndig auf die uhr&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gedicht gibts glaube ich schon im Blog. Trotzdem waren in dem B\u00fcchlein auch einige Neuentdeckungen und so kann ich noch einmal Abschied nehmen von einer Weggef\u00e4hrtin, deren Unischerheit mich manchmal etwas genervt hat. Aber das bin ich  auch selber und so stark und so direkt, wie sie kann ich meine Gef\u00fchle, wohl  nicht ausdr\u00fccken, obwohl ich wahrscheinlich mehr und l\u00e4nger <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/03\/06\/die-idee-ist-schon-da\/\">schreibe und dann auch nicht so unzufrieden mit meinen Texten bin.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1933 geborene Elfriede Haslehner und die 1939 geborene Hilde Langthaler, genannt Bruni, was sie sp\u00e4ter aber gar nicht wollte, waren in den sp\u00e4ten Siebzigerjahren, als ich in den &#8220;Arbeitskreis schreibender Frauen&#8221; gekommen bin, sicher meine pr\u00e4gensten literarischen Begegnungen. 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