{"id":1154,"date":"2009-04-18T11:23:07","date_gmt":"2009-04-18T09:23:07","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1154"},"modified":"2009-04-18T11:23:07","modified_gmt":"2009-04-18T09:23:07","slug":"ezahlperspektiven","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1154","title":{"rendered":"Ez\u00e4hlperspektiven"},"content":{"rendered":"<p>Heute wieder mein aktueller Schreibbericht. Der ist in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen.<br \/>\nWie schaut es also aus, in der Schreibwerkstatt der Eva Jancak, einer, wie ich gerne sage, seit sechsunddrei\u00dfig Jahren schreibenden Frau?<br \/>\nBettina Balaka, hat mich an dieser Stelle einmal unterbrochen und gemeint, sie w\u00fcrde schon immer schreiben. Also gut, schreiben habe ich nicht in der Schule gelernt, sondern bei einem Herrn Aschenbrenner, zu dem mich meine Mutter vorher, weil ich einen Stigmatismus hatte und der mir die richtige S-Aussprache offenbar solange mit B\u00fcchern beibrachte, bis ich sie lesen konnte. Ab da hab ich auch geschrieben, literarisch aber erst ab dem Zeitpunkt meiner Matura. Da kann ich mich erinnern, da\u00df ich das ein- zwei Jahre vorher festgelegt habe. Und seither nicht mehr  aufgeh\u00f6rt. Obwohl die Feedbacks eher negativ waren.<br \/>\n1978 habe ich mich  getraut, die mir gut erscheinende Erz\u00e4hlung &#8220;Einladung zum Tee&#8221; zwei Freunden zu zeigen und habe in meiner Erinnerung, da\u00df sie endlos dar\u00fcber n\u00f6rgelten und als Schlu\u00dfsatz sagten, &#8220;Du schreibst schlecht, ich kann dir aber auch nicht sagen, wie es besser geht!&#8221;<br \/>\nDas verfolgt mich immer noch. Nach zwanzig B\u00fcchern und nicht zu wenigen Beitr\u00e4gen in Anthologien und Literaturzeitschriften.<br \/>\nElfriede Haslehner war mir eine strenge Kritikerin, die letzte, die mir sagte, da\u00df sie ihre Schwierigkeiten mit meinem Schreiben hat, war bekanntlich Christa Nebenf\u00fchr.<br \/>\nIch denke aber, nicht nur als Psychotherapeutin, da\u00df jemand, der sechsunddrei\u00dfig Jahre unaufh\u00f6rlich schreibt, gar nicht schlecht sein kann. Vielleicht schreibt er nur anders und wenn man gleich schreit, &#8220;Das interessiert mich nicht!&#8221;, kann es sein, da\u00df man es nicht  bemerkt!<br \/>\nAm Anfang habe ich sicher schlecht geschrieben, wie auch Daniel Kehlmann f\u00fcr seinen ersten Text nicht gleich den Nobelpreis bekommen hat, aber vielleicht mehr Lob und Aufmunterung.<br \/>\nIch hatte auch sicher sehr mit der Hemmung zu k\u00e4mpfen und den Stimmen von au\u00dfen und innen.<br \/>\n &#8220;Darfst du das \u00fcberhaupt? Oder tue ich dem hehren Goethe nicht etwas an, wenn ich es selbst versuche?&#8221; &#8211; O-Ton Andre Heller aus einem Ex libris Interview oder, wie mir  einige Leute sagten &#8220;Es m\u00fcssen ja nicht alle schreiben!&#8221;<br \/>\nAlle nicht nat\u00fcrlich, nur die, die es wollen und ich will!<br \/>\nBis es aus mir herausgeflossen ist, hat es Jahre gedauert. Am Anfang war ich sehr verkrampft und bin es vielleicht noch immer. Ich kann mich erinnern, da\u00df wir einmal bei Valerie Szabo-Lorenz gesessen sind, die erz\u00e4hlte, da\u00df die Ideen nur so aus ihr heraussprudeln und sie beim Schreiben einer Geschichte schon an die n\u00e4chste denkt. Wow, habe ich gedacht, das w\u00fcrde ich auch gern tun.<br \/>\nIn den letzten Jahren ist es so gewesen. Ich habe geschrieben und geschrieben, so da\u00df seit 2000 fast zwanzig B\u00fccher erschienen sind.<br \/>\nIn den letzten Jahren habe ich meist einen Roman und eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung in einem Jahr herausgebracht. Diesmal habe ich f\u00fcr die &#8220;Radiosonate&#8221; l\u00e4nger gebraucht. Daf\u00fcr ist das &#8220;Haus&#8221; fast geisterhaft schnell aus mir herausgeflossen. Beide Texte sind noch unver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nBei der &#8220;Radiosonate&#8221; warte ich, weil ich es versprochen habe, eine Verlagsantwort bis Ende des Monats ab. Das &#8220;Haus&#8221; hat noch der Alfred in Bearbeitung und ich habe mich im Februar ausgebrannt gef\u00fchlt.<br \/>\nDazu kamen noch einige Schwierigkeiten mit der Bezahlung meiner Honorare, die sich  aber gekl\u00e4rt haben d\u00fcrften und die Meldungen zur Wirtschaftskrise, die auch nicht besonders stimmungsaufhellend sind und auch meine Schwierigkeiten mit dem Literaturhaus, die eine Entscheidung n\u00f6tig machen.<br \/>\nDa habe ich mich in den Literaturquiz gefl\u00fcchtet und war mit Schuldgef\u00fchlen ein paar Wochen weg.<br \/>\nWu\u00dfte zwar, da\u00df ich das wahrscheinlich brauche, aber auch, mich holt niemand heraus, wenn ich es nicht selber tue. Nachdem klar war, da\u00df ich nicht wirklich weiter als 282.900 Punkte (aufgerundet) komme, habe ich sehr unkonzentriert mit dem Konzept des &#8220;Wirtschaftsromans&#8221;  (Arbeitstitel) begonnen. Mit einem schlechten Gef\u00fchl, denn es ist dasselbe Muster.<br \/>\nAndererseits ist es die Eva Jancak, das, was ich kann und bin und vielleicht darf ich mir aus diesem Grund erlauben, daran zu bleiben.<br \/>\nDer Peter Clar schreibt auch nicht viel anders, er traut es sich aber und ist sehr selbstbewu\u00dft. Ich bin es nicht, war es schon gar nicht mit 29 Jahren. Wer wei\u00df, wo ich heute w\u00e4re, wenn ich damals  soviel Selbstbewu\u00dftsein gehabt h\u00e4tte, habe ich vorgestern  dem eifrigen Mailsender Stephan Eibel mitgeteilt und heute gibt es schon achtzehn Seiten und neun Szenen.<br \/>\nEs gibt die, in die neue Freiheit entlassene Lektorin Sophie Hunger und die Nebenstr\u00e4nge der Hertha Werner und des Felix Baum.<br \/>\nPeter Pessl hat bei seinem Himalaya-Roman Reisegef\u00e4hrten aus der Vergangenheit eingef\u00fchrt, bei mir denke ich, k\u00f6nnte es eine Franka Stein sein, die Sophie Hunger am Donaukanal begegnet oder sich dort ausdenkt, die dann die entsprechenden Durchhalteparolen gibt.<br \/>\nVampire sind ja derzeit in, man denke nur an die Stephenie Meyer Debatten, aber auch an einige Fragen im Literaturquiz, die mich zu dieser Idee brachten.<br \/>\nZu Ostern habe ich damit begonnen und bis zur Karwoche eher lustlos vor mich hinged\u00fcmpelt, die beiden Abende in der alten Schmiede haben mir aber etwas Aufwind verschafft und gestern habe ich, weil ich zu einem Supervisonsgespr\u00e4ch ins Donauspital mu\u00dfte, in der U-Bahn und im Donauzentrum zwei Szenen verfa\u00dft und bin nun wieder zuversichtlich.<br \/>\nUnd um meinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, es gab nat\u00fcrlich auch ein paar Leute, denen meine Texte gefielen, einer davon war Gerald Bisinger, der mir 1987 oder 1988 geraten hat, mein &#8220;Zwischen H\u00fctteldorf und Heiligenstadt&#8221; doch an Jochen Jung zu schicken und auch meinen &#8220;Brief an die Herren der Akademie&#8221; in der &#8220;Rampe&#8221; und in einer seiner ORF-Sendungen brachte und das ist auch eine Vampirgeschichte.<br \/>\nDas ist der \u00dcbergang zu Elfriede Gerstl-Bisinger, an deren Ehrenbegr\u00e4bnis am Dienstag, 14 Uhr, am Zentralfriedhof, Halle 2, ich nicht teilnehmen kann, weil ich Stunden habe und es auch die Besprechung f\u00fcr die Margaretner Kunst- und Kulturmesse gibt und was den &#8220;Wirtschaftsroman&#8221; betrifft, da haben nat\u00fcrlich schon andere l\u00e4ngst dar\u00fcber geschrieben.<br \/>\nElfriede Jelineks &#8220;Kontrakte des Kaufmanns&#8221; wurde im Akademietheater gelesen und in K\u00f6ln gerade uraufgef\u00fchrt und Robert Menasses &#8220;Faust&#8221;-Version kommt n\u00e4chsten Samstag  im Staatstheater Darmstadt heraus.<br \/>\nVersteige dich nicht so, wird jetzt wahrscheinlich Elfriede Haslehner sagen. Ich bleibe aber trotzdem daran.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wieder mein aktueller Schreibbericht. Der ist in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen. Wie schaut es also aus, in der Schreibwerkstatt der Eva Jancak, einer, wie ich gerne sage, seit sechsunddrei\u00dfig Jahren schreibenden Frau? 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