{"id":115881,"date":"2022-04-10T00:36:00","date_gmt":"2022-04-09T22:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=115881"},"modified":"2022-04-10T00:36:00","modified_gmt":"2022-04-09T22:36:00","slug":"alles-was-wir-nicht-erinnern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=115881","title":{"rendered":"Alles was wir nicht erinnern"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt eines von den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/02\/17\/neuer-preis-der-leipziger-buchmesse\/\">zwei nominierten Sachb\u00fcchern des heurigen Leipziger Buchpreises,<\/a> nicht das Gewinnerbuch, sondern Christianes Hoffmann Fu\u00dfreise auf den Spuren ihres Vaters, der 1945 mit seiner Familie aus dem sch\u00f6nen Ort Rosenthal, heute Rozyna,  in Niederschlesien, vertrieben wurde, so da\u00df sie 1967 in dem Hamburger Vorort Wedel aufgewachsen ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie war Journalistin, hat ein paar Jahre in Moskau als Korrespondentin gelebt und ist jetzt erste stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung und das Buch ist eine Mischung ihrer Erinnerung und schwappt von der Gegenwart in die Vergangenheit hin und her. Der Vater ist 218 gestorben und sie war seit sie ein junges M\u00e4dchen war, mit ihrer Familie ein paar Mal im Rosenthal gewesen und ihre ganze Kindheit hat sie dieser Ort gepr\u00e4gt. <\/p>\n\n\n\n<p>Was ist Heimat, dort wo man wohnt oder woran man sich erinnert, ist eine immerkehrende nicht beantwortete Frage und  nach des Vaters Tod, den sie auch genau beschreibt, macht sie sich mit Rucksack und Wanderschuhen auf den Weg, diese Flucht, der Vater hat damals ein paar Monate gebraucht \u00fcber die Tschechei nach Deutschland zu kommen, noch einmal zu Fu\u00df nachzuvollziehen. Davon schreibt sie in ihrem Buch. Es ist J\u00e4nner 2020, die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">Pandemie <\/a>naht, in irgendeinem Hotel wird sie durch einen russischen Sender davon informiert. Sie bricht die Reise dann ein paar Wochen und ein paar D\u00f6rfer sp\u00e4ter ab und kann dann nicht mehr zur\u00fcck, weil <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/06\/06\/pandemische-zeiten\/\">Pandemie und Grenzsperre<\/a>. Macht sich also erst im Juni 2020 wieder auf den Weg und dazwischen erz\u00e4hlt sie von ihrer Famliie, dem Vater, die Gro\u00dfeltern den Onkel Manfred, sie hat auch zwei T\u00f6chter und  besucht auch Jan und Jadwiga, die jetzt in dem Vaterhaus leben und auch aus ihrer Heimat vertrieben wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie bricht 2005 mit den Enkelkindern zuerst nach G\u00f6rlitz auf, um dann in das Dorf zu kommen, wo die Polen zwar sehr freundlich sind,   mit Kaffee und selbstgebackenen Kuchen aufwarten, aber eigentlich nicht wissen, was sie mit diesen alten Deutschen anfangen sollen?<\/p>\n\n\n\n<p> Sie haben andere Sorgen. Die Frauen pflegen in Deutschland alte Menschen, das sind ihre Deutschen, die Kinder brechen zum Studium nach Amerika oder auch nach Deutschland auf. Die H\u00f6fe verfallen, obwohl es jetzt Rosen in den G\u00e4rten gibt, die fr\u00fcher zur Zeit des neunj\u00e4hrigen Vater, der beim schnellen Aufbruch auf seinen halben Matrosenanzug verzichten mu\u00dfte, die Bluse blieb am Tisch liegen, wer sie wohl bekommen hat, als die rote Armee nahte?<\/p>\n\n\n\n<p>Auf ihren Fu\u00dfweg hat sie interessante Begegnungen, aber auch R\u00fcckenschmerzen, weil sei das Wandern nicht gewohnt ist. Ein freundlicher Apotheker empfiehlt ihr eine Salbe.  Es riecht irgendwo nach s\u00fc\u00dfen Bl\u00e4tterteigkuchen. Sie kauft das St\u00fcckchen. Es schmeckt aber, wie immer nicht so gut, wie es riecht. Ein alter Mann r\u00e4t ihr auf den Weg aufzupassen, weil da ein Sumpf ist. Sie ignoriert seinen Rat, h\u00e4lt sich an die App und versinkt fast, seine alten Schokoladenzuckerl st\u00e4rken und helfen ihr heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dreimal beschreibt sie, da\u00df sie in ein Haus kommt wo ein alter Mann &#8220;dasitzt, als wenn er schon gestorben w\u00e4re&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese oftmal wiederholte Formulierung, fand ich etwas irritierend. Sonst ist es aber ein interessantes Buch,  wo sie manchmal auch einen neunj\u00e4hrigen Jungen, der sie begleitet, visualsiert oder das Buch damit literarisch aufp\u00e4ppeln will, wo man viel lernen und seine Geschichtskenntnisse auffrischen kann und mit Sprache und \u00dcbersetzung, das gro\u00dfe <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/03\/20\/leipzig-liest-trotzdem\/\">heurige Buchpreisthema<\/a> hat es auch etwas zu tun, mit Flucht und Vertreibung und der vielleicht immer noch nicht aufgearbeiteten Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch eine interessante Wiederholung, die freundlichen Begegnungen, die sie hat, m\u00fcndet oft in der Frage, was sie hier macht ?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Auf den Weg des Vater!&#8221; Allein?&#8221;, etwas, was die polnischen Bauern nicht verstehen und Ausl\u00e4nderfeinden ist sie auf ihren Weg auch \u00f6fter begegnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt eines von den zwei nominierten Sachb\u00fcchern des heurigen Leipziger Buchpreises, nicht das Gewinnerbuch, sondern Christianes Hoffmann Fu\u00dfreise auf den Spuren ihres Vaters, der 1945 mit seiner Familie aus dem sch\u00f6nen Ort Rosenthal, heute Rozyna, in Niederschlesien, vertrieben wurde, so &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=115881\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[2060,2202,3977,4639,4990,6002],"class_list":["post-115881","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-buchpreisbloggen","tag-fluchtgeschichte","tag-fussreise-von-polen","tag-memoir","tag-preis-der-leipziger-buchmesse","tag-sachbuchschiene","tag-vergangenheitsbewaeltigung"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115881","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=115881"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/115881\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=115881"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=115881"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=115881"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}