{"id":1176,"date":"2009-04-23T00:14:32","date_gmt":"2009-04-22T22:14:32","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1176"},"modified":"2009-04-23T00:14:32","modified_gmt":"2009-04-22T22:14:32","slug":"wg-sebalds-orte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1176","title":{"rendered":"W.G. Sebalds &#8220;Orte&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>W.G. Sebald, der Name ist mir ein Begriff, auch wenn ich nicht genau wei\u00df, woher.<br \/>\nWirklich gelesen habe ich von dem 2001 verstorbenen Autor nicht viel.<br \/>\nAber ich tippe mal auf Anthologien, vielleicht auf die, die man fr\u00fcher in Deutschland zum Welttag des Buches (der sich wieder j\u00e4hrt) bekommen hat oder auch von den H\u00f6rbuchproben, er k\u00f6nnte auch einmal  bei einer &#8220;Literatur im  M\u00e4rz&#8221; Veranstaltung gewesen sein.<br \/>\nIch habe mir jedenfalls im Literaturhausprogramm die Veranstaltung angestrichen.<br \/>\n &#8220;Film\/Lesung\/Gespr\u00e4ch&#8221; und es war eine Offenbarung.<br \/>\nEine Begegnung mit dem Dichter des Todes, der von diesem Thema besessen war und gern Friedh\u00f6fe besucht hat. Wenn das nicht passt!<br \/>\nThomas Honickel hat einen Film dar\u00fcber gemacht  &#8220;Sebald. Orte&#8221;, der zum ersten Mal in \u00d6sterreich gezeigt wurde. Clemens J. Setz hat aus &#8220;Schwindel.Gef\u00fchle&#8221; gelesen und  Bonmots eines jungen Dichters von sich gegeben, der sein zweites, sehr dickes Buch, vor ein paar Wochen im Literaturhaus vorgestellt hat. Dann gab es noch ein Podiumsgespr\u00e4ch mit den beiden und mit Marcel Atze von der Wien-Bibliothek, das G\u00fcnther Eisenhuber vom Residenz-Verlag geleitet hat.<br \/>\nIch habe viel erfahren. Denn eigentlich habe ich von dem 1944 in Allg\u00e4u geborenen Dichter, der f\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahre in England gelebt hat, Literaturwissenschaftler war  und in den letzten zehn Jahren vor seinem Tod literarisch sehr bekannt geworden ist, nicht viel gewu\u00dft.<br \/>\nMit &#8220;Germanistenprosa&#8221; wurde er beschimpft,  war umstritten, hat sich offenbar sein ganzes Leben mit dem Schuldgef\u00fchl, 1944 in Deutschland geboren,  gl\u00fccklich aufgewachsen und erst zwanzig Jahre sp\u00e4ter begriffen zu haben, da\u00df der Vater Nazi war, herumgeschlagen. (Dar\u00fcber habe ich auch im &#8220;Haus&#8221; geschrieben und  heute wieder korrigiert.)<br \/>\nW.G. Sebald hat es intensiver getan. Am intensivsten wahrscheinlich mit dem Roman &#8220;Austerlitz&#8221;, der sich mit der Suche nach der Erinnerung besch\u00e4ftigt, aber auch in den anderen B\u00fcchern. Da sucht einer nach dem Sinn des Lebens und kommt darauf, es gibt ihn nicht. Und eigentlich schreibt er von sich selbst.<br \/>\nIn dem St\u00fcck das Clemens J. Setz aus &#8220;Schwindel.Gef\u00fchle&#8221; gelesen hat, geht es um zehn Tage in Wien, in denen der Autor oder Ich-Erz\u00e4hler, Marcel Atze erkl\u00e4rte, in diesem Fall ist es dasselbe, den ganzen Tag spazieren geht, in der Leopold- Inneren- und Josefstadt und sich nur in Cafes aufh\u00e4lt aber  nicht mit der Stra\u00dfenbahn zu fahren traut und das so intensiv betreibt, bis ihm die Schuhe in Fetzen von den F\u00fc\u00dfen fallen und ihm der Hotelportier seltsam nachschaut, dann f\u00e4hrt er nach Klosterneuburg und geht mit Ernst Herbeck in Kritzendorf spazieren.<br \/>\nEs geht um Spiegelungen und Verschl\u00fcsselungen und permanente Begegnungen mit schon Toten, die wichtige Hinweise geben, die man nur erkennen kann, wenn man sich intensiv mit dem Werk besch\u00e4ftigt.<br \/>\nSo f\u00e4hrt der Erz\u00e4hler von Austerlitz z.B. mit dem Bus nach Theresienstadt, um dort Hinweise \u00fcber seine Mutter zu bekommen und sieht im Bus Casanova, der vor einer schwarzen Wand einen seiner Romane schreibt, was dann ein Hinweis auf Auschwitz ist.<br \/>\nClemens J. Setz hat auch ein erlebtes oder gut erfundenes Spiegelerlebnis gebracht. Er f\u00e4hrt im Zug nach Wien ins Literaturhaus und h\u00f6rt eine Sebald CD, dann steigt er um in Bruck und sieht einen Mann, der genau wie der tote Dichter  aussieht und als er sich umdreht,  ist er verschwunden.<br \/>\n &#8220;Nat\u00fcrlich glaube ich nicht, da\u00df das der Geist W.G. Sebalds war!&#8221;<br \/>\nUnd ich besch\u00e4ftige mich in meinem Wirtschaftsroman ja auch gerade mit solchen Spiegelungen. So k\u00f6nnte Franka Stein auch eine Friedhofsgeherin sein.<br \/>\nEs war also ein sehr interessanter Abend, der einem Dichter gewidmet war, der, wie Robert Huez in seiner Einleitung erw\u00e4hnte, in \u00d6sterreich noch nicht so rezipiert wird.<br \/>\nNachher gab es Wein und ein interessantes Gespr\u00e4ch mit der Bibiane und Sascha Manowicz, den ich fragte, ob er nicht beim Begr\u00e4bnis war oder ich ihn \u00fcbersehen habe?<br \/>\nEr hat nichts davon gewu\u00dft, hat er mir geantwortet. Dabei war es  im Standard und die GAV hat die Parten ausgemailt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W.G. Sebald, der Name ist mir ein Begriff, auch wenn ich nicht genau wei\u00df, woher. Wirklich gelesen habe ich von dem 2001 verstorbenen Autor nicht viel. 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