{"id":1190,"date":"2009-04-26T22:52:35","date_gmt":"2009-04-26T20:52:35","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1190"},"modified":"2009-04-26T22:52:35","modified_gmt":"2009-04-26T20:52:35","slug":"klimmen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1190","title":{"rendered":"Klimmen"},"content":{"rendered":"<p>Die Erz\u00e4hlung einer WG von <a href=\"http:\/\/www.andreastift.at\/\">Andrea Stift<\/a> ist wohl mehr eine Erz\u00e4hlung \u00fcber verletzte Gef\u00fchle, Beziehungswechsel, Alltagserlebnisse von beispielsweise einer Essen vorbei schleppenden Mutter  deren Sohn gar nicht anwesend ist, Alk und Drugs, vor allem aber \u00fcber Sex und Rudelficken.<br \/>\nEine h\u00f6chst sinnliche Erz\u00e4hlung also, der Reigen des einundzwanzigsten Jahrhunderts, Feuchtgebiete auf steirisch, etc.<br \/>\n&#8220;Wenn es nicht bei &#8220;Wieser&#8221; erschienen w\u00e4re, w\u00e4re es wohl ein Beststeller geworden!&#8221;, schreibt Werner Schandor weise, andere Rezensenten sehen das sich Austobenm\u00fcssen der Jugend in dieser Erz\u00e4hlung, die aus 84 Kurzkapiteln mit trendigen \u00dcberschriften besteht.<br \/>\n&#8220;Eine wundersch\u00f6ne eigenbr\u00f6tlerische Studie  \u00fcber  jene Welt der Jugendlichen, von der gesetzte Erwachsene kaum etwas mitbekommen&#8221;, meinte Helmuth Sch\u00f6nauer.<br \/>\nDer nicht sofort verst\u00e4ndliche Titel kommt vom russischen Wein, denn das sind die Pflanzen, die die esoterische Annabell in zwei raumdominierenden T\u00f6pfen in ihrem Zimmer stehen hat.<br \/>\nAnnabell konsumiert zum Fr\u00fchst\u00fcck Misosuppe und ist mit Martin und der Ich-Erz\u00e4hlerin, die Germanistik studiert und Seminare \u00fcber Oswald von Wolkenstein besucht oder nicht besucht, zur Schule gegangen.<br \/>\nZur Wohngemeinschaft kam es, weil sich Annabell in den dauerbekifften Stefan verliebte, die Ich-Erz\u00e4hlerin wohnte noch im Studentenheim, ihr Freund  in einer Altbauwohnung mit verdrecktem Klo am Gang. Geld war zwar kaum vorhanden, die Wohnung aber bald gefunden.<br \/>\nDann geht es los in den vierundachtzig Kurzkapiteln, die von vorn nach hinten springen und von dort wieder zur\u00fcck.<br \/>\nDie Beziehungen werden ver- und ausgetauscht, Gruppensex und Dreier geh\u00f6ren zur Tagesordnung, Beleidigtsein und verletzte Gef\u00fchle und nat\u00fcrlich sehr viel Alkohol und die allerfeinsten Haschischkekse, die von einem Besucher namens Simon gebacken werden.<br \/>\nSchwangerschaft und Abtreibung kommen vor, aber auch sehr sch\u00f6ne Stimmungsbeschreibungen von Prag und Rom, wo die Ich-Erz\u00e4hlerin den abwesenden Stefan sucht, aber nichts mit ihm hat, w\u00e4hrend sie doch vorher so w\u00fctend war, da\u00df Martin, obwohl die Beziehung ohnehin schon lang nicht passt, Annabell am Damenklo beim Kotzen half, w\u00e4hrend sie es mit einem Typen an der Kirchenmauer versuchte. Es gibt aber auch noch Au\u00dfenfreunde, der Ire und der Tiroler beispielsweise und Beziehungen, bei denen man sich gar nicht mehr erinnern kann, wer jetzt bei wem die Nacht verbrachte.<br \/>\nDer leicht ironische Ton wird in den Kritiken gelobt, das Dar\u00fcberstehen \u00fcber all den elenden Versuchen, sein Leben zwischen Kunst, Drugs, Sex und Alk zu meistern, w\u00e4hrend das Studium den Berg hinunter geht, die Wohnung aber nach einem Putzplan aus dem Internet mit biologisch abbaubaren Putzmitteln aus der Billigdrogerie ges\u00e4ubert wird.<br \/>\nDie Sprache ist sch\u00f6n, hat viele stimmige Bilder, sanft und poetisch auf der einen Seite, dann gibt es aber auch die Kraftausdr\u00fccke aus der Pornowelt, dem Englischbuch, bzw. der CD-Booklets, vielleicht auch aus dem steirischen Dialekt.<br \/>\nAll das ist eine Mischung, wo man nachher nicht recht wei\u00df, wo man ist und auch nicht, wie es den jungen Menschen dieser WG wirklich geht und wie sie den Weg in die B\u00fcrgerlichkeit und Spie\u00dfigkeit schaffen werden?<br \/>\nAls Psychotherapeutin kennt man diese Geschichten aus der Praxis, hat sie in der eigenen Studienzeit an psychisch nicht sehr stabilen Freundinnen erlebt und wei\u00df inzwischen auch, was aus ihnen geworden ist.<br \/>\nDa\u00df Sex und Alk und Drugs ein Thema sind, das gerne gelesen wird, wei\u00df man auch. Man kann herrlich dar\u00fcber schimpfen, seine Phantasie ausleben, sich begeilen oder was auch immer.<br \/>\nUnd wenn es dann noch in einer poetisch sch\u00f6nen Sprache geschieht, hat auch die Literaturgeschichte etwas davon.<br \/>\nEin Buch f\u00fcr die Erotiknacht bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; w\u00fcrde ich vorschlagen.<br \/>\nDenn es ist ja sicher interessant, wie die jungen Frauen heute die Sexualit\u00e4t in die Hand nehmen, was sie dar\u00fcber meinen und wie sie sie beschreiben.<br \/>\nDazu passt gut das alte Interview mit Elfriede Jelinek \u00fcber den 1989 erschienenen Roman &#8220;Lust&#8221;, in dem die Sexualit\u00e4t  als Unterdr\u00fcckung der Frau gesehen wird.<br \/>\nIn diesem Buch ist das nicht so, trotzdem geht es, denke ich, weder der esoterischen Annabell, noch der Ich-Erz\u00e4hlerin wirklich gut und die M\u00e4nner, und das ist interessant, bleiben \u00fcberhaupt ziemlich schemenhaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erz\u00e4hlung einer WG von Andrea Stift ist wohl mehr eine Erz\u00e4hlung \u00fcber verletzte Gef\u00fchle, Beziehungswechsel, Alltagserlebnisse von beispielsweise einer Essen vorbei schleppenden Mutter deren Sohn gar nicht anwesend ist, Alk und Drugs, vor allem aber \u00fcber Sex und Rudelficken. &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1190\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-1190","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1190","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1190"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1190\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1190"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1190"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1190"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}