{"id":119093,"date":"2022-06-22T00:22:00","date_gmt":"2022-06-21T22:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=119093"},"modified":"2022-06-22T00:22:00","modified_gmt":"2022-06-21T22:22:00","slug":"es-geschah-im-november","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=119093","title":{"rendered":"Es geschah im November"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt ein Buch, das ich, das hei\u00dft, einen Auszug daraus bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/05\/18\/funfzehnter-literarischer-lenz-im-centrope\/\">Stephans Teichgr\u00e4bers Festival <\/a>kennenlernte und, da\u00df mir kurz darauf von Barbara Brunner angeboten wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Es geschah im November&#8221; in  dem die 1963 geborene Alena Mornstajnova den Versuch unternommen hat, die Geschichte umzudrehen. Was w\u00e4re wenn die Novemberrevolution von 1989 nicht geklappt h\u00e4tte und der Sozialismus in Tschechien geblieben w\u00e4re?<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Lesung fragte ich mich noch, was dann gewesen w\u00e4re  und konnte mir die Handlung nicht vorstellen. Habe aber begierig das Leseangebot angenommen und das Buch begeistert gelesen. Ein paar Fragen bleiben, denn das, was nach  Alena Mornstajnova nach 1989 in der damaligen tschechoslowakischen Republik passiert w\u00e4re, ist wahrscheinlich das, was dort vorher passierte und das was vielleicht in China oder Nordkorea passiert. Vor 1989 wahrscheinlich, denn die sozialen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/05\/27\/kein-soziales-kreditieren\/\">\u00dcberwachungssysteme <\/a>hat es damals nicht gegeben und in Alena Mornstajnovas Buch, das bis 2019 geht, ist das Internet auch verboten oder den obereren Sicherheitsschichten vorbehalten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die andere Frage ist, was sich Alena Mornstajnova beim Schreiben dachte, die das Buch wahrscheinlich w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">Pandemie <\/a>geschrieben hat und ich habe die darin beschriebenen Zust\u00e4nde nat\u00fcrlich mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/08\/07\/impfzwang\/\">denen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/09\/10\/schutzlockdown-fur-ungeimpfe\/\">von heute<\/a>, der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/12\/16\/leben-als-ungeimpfte\/\">Scharfstellung der Impfpflicht <\/a>beispielsweise oder dem Verbot auf Demonstrationen bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/06\/11\/nicht-hysterisch-sein\/\">Covid verd\u00e4chtigen Personen<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/06\/14\/die-impfgegner-und-die-wissenschaftsfeindlichkeit\/\">, beispielsweise, verglichen.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt auch ganz erwartbar im November 1989. Da sind Marie oder Maja und Joska oder Josef, die in einem tschechischen Provinst\u00e4dtchen leben und dort gerade die Wohnung renovieren. Die Kinder haben sie zu den Gro\u00dfeltern gebracht. Sie waren auch bei einigen Demos und dann wird in der Nacht pl\u00f6tzlich an der T\u00fcr geh\u00e4mmert und die beiden aus dem Bett im Nachthemd und mit nackten F\u00fc\u00dfen in den zu gro\u00dfen Stiefel in die Lastw\u00e4gen gesto\u00dfen und Marie sieht Joska nie wieder. Marie ist die Tochter eines Ingenieurs, der zum Lagerarbeiter degradiert wurde. Deshalb hat sie nicht Medizin studieren d\u00fcrfen, sondern konnte sich nur zur Krankenchwester ausbilden. Sie hat zwei Kinder, das eine ist von einem Chefarzt, das zweite, die Tochter Lenka ist von Joska und es gibt in dem Buch immer wieder geschw\u00e4rzte Briefe, die Marie aus dem Gef\u00e4ngnis an das T\u00f6chterlein geschrieben hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie glaubt sie bei den Eltern in guten H\u00e4nden. Der Sohn wurde vom Chefarzt schon nach wenigen Tagen abgeholt, der mit ihm und seiner Frau in den Westen fl\u00fcchtete. Lenka wurde wegen Unzuverl\u00e4\u00dfigkeit der Gro\u00dfeltern in ein staatliches Heim gebrafht und sollte dort zu einer musterg\u00fcltigen Sozialistin erzogen werden, w\u00e4hrend Marie zu zwanzig Jahre Gef\u00e4ngnis verurteilt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p> Die Kapitel schwenken bald zu Lenka oder Magdalena, Magda genannt, die das sozialistische Erziehungssystem erlebt. Es wird den Kindern immer wieder eingebleut, da\u00df sie die Hoffnung f\u00fcr morgen sind. Daf\u00fcr m\u00fc\u00dfen sie sich nach den Regeln verhalten und alle anderen verraten, die das nicht tun und es wird ihnen auch vorgesagt, da\u00df ihre Eltern sie verraten und sich nicht um sie gek\u00fcmmert h\u00e4tten, so da\u00df der Staat das f\u00fcr sie tut. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Zimmergenossin Jana ist anderer Ansicht und verr\u00e4t Magda da\u00df ihre Mutter einmal mit ihr fl\u00fcchten mu\u00dfte aber von einer Erzieherin verraten wurde und Magda wird auch Zeugin, wie die kleine Zuzana von ihrer Mutter w\u00e4hrend eines Spaziergangs entf\u00fchrt wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Kinder werden \u00e4lter und Jana gr\u00fcndet ,um Gutpunkte zum Studieren zu bekommen, einen Leseclub, da m\u00fcssen die B\u00fccher von der Erzieherin gegengezeichnet werden und als die Kontrolle kommt, wird der  inspizierende Genosse Zeuge, wie einer der Z\u00f6glinge ein Referat \u00fcber ein verbotenen Buches herunterstottert, so da\u00df die Erzieherin versetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p> Das war eine Intrige einer anderer, die einmal eine Verbrennung bei Lenka verursachte, als sie zwang ins zu hei\u00dfe Wasser zu steigen und bei den B\u00fcchern ist interessant, da\u00df eines, ein erlaubtes &#8220;Die junge <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/17\/vom-partisanenworkshop-zur-wiener-filmdystopie\/\">Garde&#8221; von Fadejew ist und das hat Stephan Teichgr\u00e4ber in seinen Revolutionsworkshop besprochen, <\/a>w\u00e4hrend das Verbotene, das die Erzieherin ihre Stelle kostete &#8220;Die Kinder vom Arbat&#8221; von Anatoli Rybakow stammt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lenka wird Kinderbuchautorin und Chefredakteuerin in einem Kinderbuchverlag und bekommt von Jana eines Tages die Adresse ihrer Mutter zugesteckt. Die wurde 2004 auf Bew\u00e4hrung entlassen und zur Arbeit in einen Schweinestall in ein Grenzd\u00f6rfchen gestreckt. Wohnt dort aber ein bei einer alten kr\u00e4uterkundigen Frau, die sie in die Kr\u00e4uterkunde einf\u00fchrt und ihr das Haus verkauft. Das ist deren Tochter  nicht recht. So kommt es zu recht &#8220;unsozialistischen Intrigen&#8221; und als Lenka, die Mutter besucht, kommt es zu Mi\u00dfverst\u00e4nnnissen, denn die ist ja sehr mi\u00dftrauisch und die Briefe, die ihr Marie schickt, bekommt sie auch erst nach f\u00fcnf Jahren, als sie ihre alten Sachen im Verlag abholt, weil sie inzwischen im Mutterschaftsurlaub war und, als die Ger\u00fcchte, um Marie zu stark werden, versucht sie mit ihrem nunmehrigen Lebenspartner in den Westen zu fl\u00fcchten und wird dabei erschossen und das Buch endet ganz optimistisch in dem sich Lenka zum drei\u00dfigsten Jahrestag der niedergeschlagen Revolution mit einer Kerze in der Hand zu den Demonstranten stellt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ganz so vers\u00f6hnlich wird das nicht sein, denn dann ist ja ihre musterg\u00fcltige Karriere zu Ende aber mir hat das Buch sehr gut gefallen,  obwohl ich immer noch nicht ganz verstehe, was Alena Mornstajnova damit ausdr\u00fccken wollte, da wir ja trotz erfolgreicher Revolution nicht wirklich in einem Schlaraffenland der Freiheit leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das ich, das hei\u00dft, einen Auszug daraus bei Stephans Teichgr\u00e4bers Festival kennenlernte und, da\u00df mir kurz darauf von Barbara Brunner angeboten wurde. &#8220;Es geschah im November&#8221; in dem die 1963 geborene Alena Mornstajnova den Versuch unternommen &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=119093\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[46,133,4293,5856,5903],"class_list":["post-119093","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-46","tag-alena-mornstajnova","tag-niedergeschlagene-revolution","tag-tschechien","tag-umgekehrte-utopie"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119093","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=119093"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119093\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=119093"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=119093"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=119093"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}