{"id":120266,"date":"2022-07-20T08:58:00","date_gmt":"2022-07-20T06:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=120266"},"modified":"2022-07-20T08:58:00","modified_gmt":"2022-07-20T06:58:00","slug":"johanne-amundsen-macht-einen-fund","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=120266","title":{"rendered":"Johanne Amundsen macht einen Fund"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8220;Uff!&#8221;, dachte Johanne Amundsen und strich sich mit der Hand \u00fcber die Stirn. Ihr Blick fiel \u00fcber das Meer das vor ihr lag. Darauf und auf dem schmalen Strich auf dem der Campingbus ihrer Tante Frieda und ihres Onkels Gustav stand, aus dem eigentlich und genaugenommen der gesamte Campingplatz bestand, auf dem sie die n\u00e4chsten drei Wochen verbringen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum war sie so dumm gewesen und was hatte sie bewogen, die n\u00e4chsten drei Wochen auf dem kiesbestreuten Parkplatz direkt unter der Ausfahrtsstra\u00dfe auf der Tag und Nachts die Autos vor\u00fcberrasten zu verbringen und dort ihren wohlverdienten Sommerurlaub zu verleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum nur? Denn eigentlich und genau genommen  gab es in Stockholm auch ein Meer und au\u00dferdem war sie gar keine so besondere Schwimmerin und hielt auch nicht soviel vom Segeln, Surfen, Tauchen. Richtig, einen Tauchkurs wollte sie eigentlich auch nicht absolvieren, sondern sich stattdessen mit der Literatur besch\u00e4ftigen, denn das war ihr Beruf, war sie doch Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin und Dozentin an der Uni. Seit kurzem auch Mitglied der schwedischen Akademie, ein Job, um den sie alle auch beneideten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Freundin Svantje, ebenfalls Literaturwissenschaftlerin und Lektorin in einem  nicht so unbekannten Stockholmer-Verlag, tat das jedenfalls und sie war es eigentlich auch, die sie dazu bewogen hatte, den Vorschlag ihrer Tante anzunehmen doch mit an die Adria zu kommen und den Sommer oder wenigstens drei Wochen davon auf dem kleinen Campingplatz in dem kleinen dalmatischen St\u00e4dtchen Senj zu verbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Da hast du alles was du brauchst, Johanne, dein Onkel und ich machen das schon seit f\u00fcnf Jahren und und jetzt, wo wir uns den neuen Camper angeschafft haben, laden wir dich gerne ein, mit uns zu kommen! Du bist doch eine hervorragende Schwimmerin und hast Erholung verdient! Was sagst du zu meinen Vorschlag? \u00dcberleg es dir! Das kleine dalmatische St\u00e4dtchen hat viel zu bieten! Gibt es da doch eine ber\u00fchmte Festung, die sich besichtigen l\u00e4\u00dft! Haben da doch die Uskoken, die T\u00fcrken im sechzehnten Jahrhundert besiegt und ein Hauptsitz der ber\u00fcchtigten Ustata soll es auch einmal gewesen sein!&#8221;, hatte die Tante,  eine Juristin, die vor kurzem in Pension gegangen war, geschw\u00e4rmt und sie mit diesen Tatsachen zu \u00fcberreden versucht. <\/p>\n\n\n\n<p>Da war sie noch standhaft gewesen und hatte den Kopf gesch\u00fcttelt, denn was interessierte sie die Festung der Uskoken und auch auch der  ultranationale faschistische Freieitsbund Kroatien war ihr eigentlich egal und das war es auch f\u00fcr Svantje, der sie unvorsichtigerweise von Tantes Vorschlag erz\u00e4hlt hatte. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Faschisten waren es und auch die christlichen Uskoken, aber sonst hatte sie einen Begeistungsschrei  nach dem anderen ausgesto\u00dfen und &#8220;Das ist doch gro\u00dfartig, Johanne! Wei\u00dft du was, ich und der Jan schlie\u00dfen uns dir an! Denn du wei\u00dft doch, Jan ist ein begeisteter Segler und ich m\u00f6chte auch schon lange einen Tauchkurs machen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und als sich dann noch ihre andere Freundin Tove diesem Begeisterungssturm angeschlo\u00dfen hatte, war es entschieden gewesen und Johanne war mit ihrer Tante und dem Onkel, der auch ein begeisteter Segler war, in das kleine adriatische St\u00e4dtchen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/25\/jadran-heist-die-adria\/\">&#8220;Jadran hei\u00dft die Adria<\/a>, Johanne, das wei\u00dft du doch? Soviel kroatisch mu\u00df sein und, da\u00df &#8220;Doar dan!&#8221;,  &#8220;Guten Tag!&#8221;, bedeutet, ist dir ebenfalls bekannt?&#8221;,  gefahren. Stand da jetzt schon seit zwei Tage auf dem Kiestreifen, blickte auf das Meer und \u00fcberlegte, ob das wirklich eine gute Idee  gewesen war, die n\u00e4chsten zwanzig Tage auf einen kiesbestreuten Parkplatz zu verbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut, es war alles da, wie ihr der Onkel, ein pensionierter Bankbeamter, der ihre Entt\u00e4uschung bemerkt zu haben schien, versicherte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Klo mit zwei Duschen am Beginn des Camps, wo sich auch ein Restaurant befand, da\u00df so ber\u00fchmt war, da\u00df es in s\u00e4mtlichen F\u00fchrern vermerkt stand. Aber das war eigentlich egal und hatte nichts zu bedeuten, denn der Onkel war au\u00dfer ein begnadeter Segler auch ein begeisteter Grillmeister und so standen zwei Kugelgrills neben seinem neuen wei\u00dfen Campingbus und kaum, da\u00df er von seinem Turn zur\u00fcckgekommen war, verwandelte er sich in denselben. Band eine gr\u00fcne Sch\u00fcrze \u00fcber seine meist schwarze oder blaue Badehose und fing zu grillen an. Dann sa\u00dfen den Rest des Abends auf zwei Tischen auf dem schmalen Kiesstreifen, die die Tante unter Sventjes und Toves tatkr\u00e4ftiger Mithilfe aufstellte und die \u00fcbrigen Campinplatzben\u00fctzer behinderte ihre Zelte oder Busse auzusuchen, was gestern zu einem heftigen Streit gef\u00fchrt hatte. <\/p>\n\n\n\n<p>Sventje und Tove waren sowohl von den Seglturns und des Onkels Kochkunst begeistert und G\u00fcnthi oder G\u00fcnther, der \u00dcberraschungsgast aus \u00d6sterreich, den Tove, die ebenfalls mit ihr vor f\u00fcnfzehn Jahren Literatur studiert hatte, angeschleppt hatte, tat das auch, beziehungsweise stand er, w\u00e4hrend der Onkel begeistert grillte und die Tante Tisch und Sessel aus den Bus r\u00e4umte oder die Salate zubereitete, unbeweglich neben der Arbeitsplatte, um mit stoischer Ruhe, die Gl\u00e4ser zu polieren aus denen sp\u00e4ter dann, der Wein und das Wasser getrunken wurde, das die Freundinnen aus dem naheliegenden &#8220;Konzum-Markt anschleppten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Gro\u00dfartig, Johanne, das ist doch eine gute Idee, da\u00df uns deine Tante eingeladen hat, den Sommerurlaub mit ihr zu verbringen!&#8221;, schw\u00e4rmten sie begeistert. Sie fand, sie konnte es nicht verhehlen, eigentlich langweilig. War gestern mit dem Onkel und den Freundinnen auf der Burg gewesen und hatte die Kanonen bewundert, die \u00fcberall in dem St\u00e4dtchen aufgestellt waren. Am Morgen liefen sie dorthin in die &#8220;Pekaria&#8221;, die schon um sechs ge\u00f6ffnet hatte, um Schokoladecroissants zu besorgen und die dann mit dem Nescafe zu verzehren, die die Tante ihnen zubereitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war doch eher eint\u00f6nig und auch das Schwimmen und das Segeln konnte sie nicht so begeistern, wie die Tante und die Freundnnen, aber auch Toves neuer Schwarm, der ber\u00fchmte G\u00fcnthi oder G\u00fcnther, der in einem \u00f6sterreichischen Radiosender besch\u00e4ftigt war, schien etwas skeptisch, stand er doch mit seiner blauen Badehose und der Goldkette, die er um seinen Hals geschlungen hatte und der gro\u00dfen Brille eher abwartend am Campingplatzrand und schaute genauso intensiv auf das Meer, wie er abends die Gl\u00e4ser polierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war eigentlich langweilig und auch der die Strandpromenade, die sie nach dem Grillevent machten, um in einer der vielen Beachbars einen Cocktail einzunehmen, konnte ihre Begeisterung nicht erwecken, noch dazu da der &#8220;Hugo&#8221;, den ihr die junge Kellnerin gestern abend serviert hatte, aus einem undefinierten gr\u00fcnen Saft bestanden hatte. Von einer Limettenspalte und einem Minzbl\u00e4ttchen keine Spur. Nur die obligatorischen Eisw\u00fcrfeln waren in dem Drink enthalten gewesen. Da hatte auch der ber\u00fchmte G\u00fcnthi erstaunt geschaut und gl\u00fccklich an seinem Colafl\u00e4schen genuckelt, das er sich, der wohl ein Antialkoholiker war, bestellt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Langweilig war es und eigentlich hatte sie auch keine Lust mit dem neuen Schwarm ihrer Freundin Tove \u00fcber die \u00f6sterreichische Literatur zu diskutieren, wie diese ihr vorgeschlagen hatte, als sie wohl auch ihre Unlust bemerkt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Hatte sie ganz ehrlich und wiederum genau genommen, nicht, denn sie hatte mit ihrem Job in der schwedischen Akademie, wo sie ja den n\u00e4chsten Nobelpreistr\u00e4ger mitbestimmen sollte, genug zu tun und auch besagter G\u00fcnthi schien keine besondere Lust zu haben, das mit ihr zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Da bin ich froh dar\u00fcber!&#8221;, dachte Johanne und wandte ihren Blick von dem immer noch Gl\u00e4ser polierenden G\u00fcnther ab, um sich in Richtung Toilette zu begeben, vor der immer ein \u00e4lterer Herr mit einer schwarzen Badehose und einem gro\u00dfen Bauch sa\u00df, der die Toilettenbesucher mi\u00dftrauisch musterte und dessen Aufgabe es zu sein schien, die normalen Badeg\u00e4ste vom Besuch derselben abzuhalten, da diese nur, wie gro\u00df in mehren Sprachen am Eingang stand, den Campingplatzbenutzern vorbehalten war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sich vor dem Abendessen noch schnell die Haare zu richten, war sicher eine gute Idee und brachte sie vielleicht in eine bessere Stimmung und die Fische, die der Onkel briet, waren wirklich ausgezeichnet. Da gab es gar nichts zu meckern. Also tief durchatmen und dem Toilettenw\u00e4chter freundlich zunicken, der sie schon als Campben\u00fctzer kannte und nichts gegen ihren Eintritt hatte und griff in ihren Hosentasche, um den Kamm herauszuziehen und sich vor einen der beiden Spiegel zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da lag vor ihr ein wei\u00dfes S\u00e4ckchen in das sie neugierig hineinschaute. Vielleicht kam sie dadurch in eine bessere Stimmung? Ihre Neugier war auf jeden Fall geweckt, hatte sie doch schon gesehen, da\u00df sich drei B\u00fccher in deutsche r Sprache, die sie recht gut beherrschte, so da\u00df sie sich mit besagten G\u00fcnthi unterhalten konnte, darin befanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hatte er sie mitgenommen, um sich auf sein n\u00e4chstes Radiofeature vorzubreiten, das er nach dem Urlaub machen sollte? Aber nein, das war nicht m\u00f6glich, befand sie sich doch im Frauenabteil und G\u00fcnthi w\u00fcrde seine B\u00fccher, wenn \u00fcberhaupt, auf der anderen Seite vergessen. Also hineingeschaut, um herausbekommen, um welche B\u00fccher es sich handelte und wer sie wohl auf dem Campingplatz in dem kleinen adiratischen St\u00e4tchen in dem sie ihren Urlaub verbrachte, vergessen hatte?<\/p>\n\n\n\n<p>Drei  B\u00fccher in deutscher Sprache befanden sich darin und eines hie\u00df wie sie erkannte <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_klara.html\">&#8220;Claire &#8211; Klara &#8211; Clarisse oder wilder Lavendl&#8221; <\/a>und zeige am Cover eine Radfahrerin, die in einem schwarzen Hosenanzug und einem beigen Schal den Adriastrand entlang zu fahren schien. Das andere <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/03\/28\/die-gestohlenen-jahre\/\">&#8220;Das gestohlene Jahre&#8221;<\/a> und beiden waren von einer Eja Augustin geschrieben, von der sie noch nie etwas geh\u00f6rt hatte. Das Dritte war etwas dicker und stammte von dem ihr wohl bekannten Autor Helmut Krausser und hie\u00df, was auch interessant schien &#8220;Wie das mit Jeanne begann&#8221;, was vielleicht mit ihr zu tun haben k\u00f6nnte, mutma\u00dfte sie und beschlo\u00df, das wei\u00dfe Plastiks\u00e4ckchen dem Tolettenw\u00e4chter zu \u00fcbergeben. Vielleicht konnte er damit etwas anfangen und den Besitzer oder die Besitzerin ausfindig machen. Den umschw\u00e4rmten G\u00fcnthi konnte sie beim anschlie\u00dfenden Abendessen auf der Campingstra\u00dfe auch befragen, ob er die B\u00fccher am Damenklo vergessen hatte?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Uff!&#8221;, dachte Johanne Amundsen und strich sich mit der Hand \u00fcber die Stirn. Ihr Blick fiel \u00fcber das Meer das vor ihr lag. Darauf und auf dem schmalen Strich auf dem der Campingbus ihrer Tante Frieda und ihres Onkels Gustav &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=120266\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,17],"tags":[1030,3957,5204,5267],"class_list":["post-120266","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reisebericht","category-textbeispiel","tag-campingpltz","tag-meer","tag-schwedische-touristen","tag-senj"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/120266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=120266"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/120266\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=120266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=120266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=120266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}