{"id":1208,"date":"2009-05-01T21:04:43","date_gmt":"2009-05-01T19:04:43","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1208"},"modified":"2009-05-01T21:04:43","modified_gmt":"2009-05-01T19:04:43","slug":"1-mai","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1208","title":{"rendered":"1. Mai"},"content":{"rendered":"<p>Obwohls nicht ganz literarisch ist, m\u00f6chte ich heute von den Maiaufm\u00e4rschen und meinem Verh\u00e4ltnis dazu schreiben. Oder doch nat\u00fcrlich. Denn in meinen Texten geht es immer wieder darum.<br \/>\nBin ich ja in einem sozialistischen Haushalt in einem der sch\u00f6nen alten Gemeidebauten des roten Wiens, aus den Mitteln der Wohnbausteuer errichtet, aufgewachsen und als Kind mit meinem Vater und meiner Schwester immer von der Hernalser Remise mitmarschiert. Einmal auch in einem wei\u00dfen Kleid mit rotwei\u00dfroten Streifen mit den Kinderfreunden und als ganz kleines M\u00e4dchen hat mir jemand einen Buschen Maigl\u00f6ckchen in die Hand gedr\u00fcckt, den ich dem B\u00fcrgermeister Jonas \u00fcbergeben mu\u00dfte, beides war in der Zeitung.<br \/>\nAb meiner Matura bin ich, glaube ich, nicht mehr mitgegangen und war nur kurz Mitglied bei der SP\u00d6 und das nicht freiwillig. Und diese Zwangsvereinnahmung, da\u00df man wegen der Wohnung oder dem Job verdonnert wurde, hat mir auch immer mi\u00dffallen, sowie die Verb\u00fcrgerlichung der Genossen, die ich im Gemeindebau hautnah miterleben konnte.<br \/>\nMein Vater war aber ein aufrechter Sozialist mit hundert Funktionen und Gesch\u00e4fterln, die Mutter weniger und bei mir ist der Sozialismus im Herzen geblieben.<br \/>\nDazwischen habe ich aufs Volksstimmefest gefunden und 2001 nach der Regierungswende, war, glaube ich, das erste Mal die Rede, wieder auf den Maiaufmarsch zu gehen. Ich meinte den der SP\u00d6, die Anna sprach von den Kommunisten, wir waren dann dort und haben die Ruth Asp\u00f6ck mit der roten Nelke auf den R\u00fcckweg vom Rathausplatz getroffen, ich habe meine Zettel f\u00fcr den 10. Mai verteilt, den ich damals das erste Mal, noch im NIG H\u00f6rsaal 1, organisiert habe. Wir sind auch auf den schon leeren Rathausplatz gegangen und haben ihn f\u00fcr das Cover der &#8220;Viertagebuchfrau&#8221; fotografiert, denn da geht die Heldin nach der Wende das erste Mal wieder mit.<br \/>\nIch habe das erst vor drei Jahren wieder getan. Mit den Margaretner Sozialisten, die sich von Trommlern in Trance trommeln lassen und die Frau Stadtrat Renate Brauner tanzte auf der Seite mit.<br \/>\nBis zur Trib\u00fcne bin ich nicht gekommen, denn da stand die Ulli M. am Spalier und rief erstaunt &#8220;Was machst denn du da? Bist du eine Sozialistin?&#8221;<br \/>\nWir sind gemeinsam zur Albertina gegangen, wo der Zug sich teilte, vorn der eine, dahinter der zweite Teil, dazwischen sehr viel Polizei zum Schutz vor den Meinungsdifferenzen.<br \/>\nDas Jahr darauf gab es schon den BAWAG-Skandal, ich war in Harland und bin mit dem Rad nach St. P\u00f6lten und auf den dortigen Rathausplatz, da gab es anschlie\u00dfend das Maibaumklettern. Ansonsten ist es in Harland \u00fcblich auf den Jahrmarkt nach Wilhelmsburg zu radeln, denn das haben wir fr\u00fcher mit der Anna oft getan.<br \/>\nVoriges Jahr dann die Wiener Wiederholung, diesmal allein zum Rathausplatz, weil sp\u00e4ter dran, die Margaretner Sektion habe ich am Ring getroffen und am Spalier stand die Ruth Asp\u00f6ck und bot mir ihre zweite Nelke an.<br \/>\nIch habe sie nicht genommen, nur die roten Radieschen von den Simmeringer G\u00e4rtnern. Wir haben die Brigitte Schwaiger getroffen. Alfred Gusenbauer hielt seine letzte Mairede. Als ich zur Albertina kam, waren die Kommunisten schon fort und ich bin allein \u00fcber den Ring gelaufen, um den Alfred zu treffen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1210\" style=\"width: 178px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1210\" src=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/20090501-111237.jpg?w=300\" alt=\"Vor dem Parlament\" title=\"Vor dem Parlament\" width=\"168\" height=\"300\" class=\"size-medium wp-image-1210\" \/><p id=\"caption-attachment-1210\" class=\"wp-caption-text\">Vor dem Parlament<\/p><\/div>\n<p>Heuer habe ich es mit der Ruth, als wir sie am Sonntag an der Traisen getroffen haben,  gleich so ausgemacht und bin wieder nicht an der Trib\u00fcne vorbeimarschiert und mache das wahrscheinlich auch nicht mehr, das w\u00e4re wohl zuviel.<br \/>\n&#8220;Wo stehst du?&#8221;, hat mich Robert Egelhofer gleich gefragt und ich habe ihm &#8220;Hier!&#8221; geantwortet. Diesmal keine Radieschen, aber offenbar um Volksn\u00e4he zu beweisen, sind die Gro\u00dfen diesmal mitmarschiert und so kam auf einmal der Herr Faymann mit seiner Sektion und kannte jemanden, der neben uns stand. Er kam auf uns zu, gab allen die Hand und vor mir hatte ich pl\u00f6tzlich mehrere Kamerateams.<br \/>\n&#8220;Jetzt kommen wir ins Fernsehen!&#8221;, habe ich zu Robert und Ruth gesagt und habe jetzt  ein echtes Faymann Autogramm. Ob sich das in Notzeiten verkaufen l\u00e4\u00dft, ist zwar unklar, aber noch geht es uns ohnehin sehr gut.<br \/>\nObwohl ich, als ich gestern Milch kaufen wollte und dabei beim Caritaslager am Mittersteig vor\u00fcber mu\u00dfte, das kaum konnte, dr\u00e4ngten sich doch dort sicher an die hundert zum Teil sehr bed\u00fcrftig aussehende Menschen, um zu der &#8220;Jobmeile&#8221; zu kommen, die Information \u00fcber Arbeitspl\u00e4tze und Essen und Trinken versprochen hat. Das ist jetzt Teil eines Kapitels meines Wirtschaftsromans und wir haben wieder eine Art Hamburger beim Mercato Rosso vor der L\u00f6welstra\u00dfe, der allerdings sehr teuer war, gegessen. Dann waren wir noch kurz im Museumsquartier und beim Anfang der Marcus Omofuma (der ja heute vor zehn Jahren bei seiner Abschiebung ums Leben kam.) Demo beim Omofumastein,<br \/>\nUnd die Grace M. Latigo, die sehr emotionell moderierte, kenne ich, seit ich 1998 mu\u00df das gewesen sein, wegen den Kosmos-Theaterfrauen, die damals einen anderen Frauenraum wollten, am Ballhausplatz gelesen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohls nicht ganz literarisch ist, m\u00f6chte ich heute von den Maiaufm\u00e4rschen und meinem Verh\u00e4ltnis dazu schreiben. Oder doch nat\u00fcrlich. Denn in meinen Texten geht es immer wieder darum. 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