{"id":121187,"date":"2022-08-19T00:36:00","date_gmt":"2022-08-18T22:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=121187"},"modified":"2022-08-19T00:36:00","modified_gmt":"2022-08-18T22:36:00","slug":"die-welt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=121187","title":{"rendered":"Die Welt"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt ein Reiseroman, zumindest steht Roman unter dem Titel. Dann geht es aber, um die Reisen, die der 1978 geborene Schweizer Schriftsteller Arno Camenisch, der auf Deutsch und R\u00e4toromanisch schreibt und der mit seinen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/10\/04\/goldene-jahre\/\">&#8220;Goldenen Jahren&#8221; <\/a>schon auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/18\/die-neue-deutsche-buchpreisliste-2\/\">Longlist des dBps <\/a>stand, in seinem Leben unternommen hat. Und er hat, wie schon der Titel sagt, so ziemlich die ganze Welt bereist und ich w\u00fcrde das eher d\u00fcnne &#8220;Diogenes-B\u00fcchlein&#8221; als poetischen Reisebericht verstehen in dem es noch philosophische Betrachtungen des Lebens gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das Poetische ist, der Ich-Erz\u00e4hler oder Autor steht Vierundvierzigj\u00e4hrig eines Morgens auf der Terrasse, schaut auf den See und denkt \u00fcber sein Leben und seine Reisen nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn als er Zwanzig war, so um die Jahrtausendwende, das Milit\u00e4r war absolviert, ein Job  gefunden, wo er aufsteigen h\u00e4tte k\u00f6nnen, was er aber nicht wollte. Also verkaufte  er seine G\u00fcter und brach mit ein bi\u00dfchen Geld und einem Gep\u00e4ckst\u00fcck auf die gro\u00dfe Reise, das hei\u00dft nach Hongkong, Australien und S\u00fcdamerika auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter hat er auch einige Jahre in Spanien gelebt und Spanisch hat er in S\u00fcdamerka gerlernt, als er dort den Menschen zuh\u00f6rte und sich mit Taxifahrern anfreundet. Eine Maria gab es auch, mit der er sich einige Monate seines Lebens teilte  und mit ihr im Taxi Studenhotels besuchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er nach einem Jahr zur\u00fcckkam, hatte seine Mutter eine Psychose, verbrachte einige Zeit in der Klinik. Er unterrichtete inzwischen als Sprachenlehrer in Chur und f\u00fchlte sich durch seine Reisen sehr ver\u00e4ndert. Da bringt er das Beispiel eines Mantels, den man ein Jahr im Kasten h\u00e4ngen hat und der, wenn man ihn herausnimmt, nicht mehr passt. Das passiert aber wahrscheinlich jeden Wintermantel denke ich und das Leben ist auch f\u00fcr den Erz\u00e4hler weitergegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sommer 2003 wird von Arno Camenisch als sehr hei\u00df beschrieben, die Klimaver\u00e4nderung zeigt sich  an und er beginnt eine unverbindliche Beziehung zu einer Amelie. Denn Freiheit und Unverbindlichkeit ist ihm sehr wichtig, so fliegt er Ende des Jahres, im Sommer hat er viel Zeit mit seiner Mutter verbracht und hat mit ihr Ausfl\u00fcge unternommen, wieder nach S\u00fcdamerika und beschlie\u00dft dann im n\u00e4chsten Sommer f\u00fcr drei Jahre nach Madrid zu ziehen. Amelie sieht er sieben Jahre sp\u00e4ter in einem Cafe in Z\u00fcrich wieder und zwanzig Jahre sp\u00e4ter steht er auf der Terrasse seines Hauses, blickt auf den See und denkt \u00fcber sein Leben nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieso das Buch Roman genannt wird, ist mir immer noch unklar, obwohl es sehr poetisch geschrieben ist und ein roter Faden durch die Kapitel zieht. <\/p>\n\n\n\n<p>Memoir w\u00fcrde ich es nennen, aber als in einem Interview das ich h\u00f6rte, die Moderatorin den Literaturkritiker fragte, ob das vielleicht Autobiografisch sei, reagierte der sehr emp\u00f6rt und erkl\u00e4rte man d\u00fcrfe keine Schl\u00fcsse von Text auf den Autor ziehen!<\/p>\n\n\n\n<p>Worauf sich die Moderatorin fast entschuldigte. Wieso man das nicht darf, ist mir auch nicht so klar. Das scheint fast wie das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/13\/ueber-das-spoilern\/\">Spoilern<\/a> zu sein, das  ja angeblich out ist. Dann habe ich aber auf den Buchr\u00fccken gesehen und dort steht &#8220;Arno Camenisch erz\u00e4hlt von den Jahren, als er in seinen Zwanzigern war, sein Leben auf den Kopf stellte und \u00fcber die Kontinente zog, die Sorgen fern waren und das Leben um die Liebe kreiste.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Also darf man es vielleicht doch. Geht es in dem Buch doch um die Freiheit und die Unabh\u00e4ngikeit die man sich in seinen  Zwanzigern w\u00fcnscht und die viele dann genauso wenig schaffen, wie die s\u00fcdamerikanischen Kindern, die in den Slums Fu\u00dfball spielen und von der gro\u00dfen Karriere tr\u00e4umen. Arno Camenisch oder der Ich-Erz\u00e4hler hat das auch getan und aufgegeben. Am Buchcover ist ein Auto zu sehen. Ein solches hat sich der Erz\u00e4hler im Sommer 2003 auch gekauft und ist mit seiner Mutter durch das Land gefahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Reiseroman, zumindest steht Roman unter dem Titel. 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