{"id":134117,"date":"2023-06-16T00:35:00","date_gmt":"2023-06-15T22:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=134117"},"modified":"2023-06-16T00:35:00","modified_gmt":"2023-06-15T22:35:00","slug":"empusion","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=134117","title":{"rendered":"Empusion"},"content":{"rendered":"\n<p>Und nun zum neuen Buch der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/10\/10\/nobelpreis-an-peter-handke-und-olga-tokarczuk\/\">Nobelpreistr\u00e4gerin von 2018, der 1962 geborenen  Olga Tokarczuk<\/a>,, von der ich glaube ich, das erste Mal etwas h\u00f6rte, als 2000 Polen das Gastland in Frankfurt war und wir dort waren. <\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann hat ein Buch von ihr in der Abverkaufkiste beim &#8220;Morawa&#8221; gelegen, da es aber, glaube ich ,mehr als drei Euro kostete, habe ich es liegen gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter habe ich ein paar B\u00fccher von ihr im Schrank gefunden und den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/01\/05\/der-gesang-der-fledermaeuse\/\">&#8220;Gesang der Flederm\u00e4use&#8221;<\/a> gelesen, nachdem sie den &#8220;Nobelpreis&#8221; bekommen hatte. Das war dann 2019, denn da gab es ja zwei Preistr\u00e4ger, die verk\u00fcndet wurden und da waren wir auch bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/10\/von-der-buch-wien-zur-buch-basel\/\">Buch-Basel,<\/a> wo sie lesen h\u00e4tte sollen, aber wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/08\/nobelpreis-und-fm4-anthologie\/\">Herta M\u00fcller, <\/a>die in Basel war, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/08\/exilliteratur-im-dilemma\/\">nicht gekommen ist.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt das neue Buch und da war ich wegen des unverst\u00e4ndliceh  Titel ein wenig abgeschreckt und habe erst beim Lesen erfahren, da\u00df es eine Antwort auf <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/18\/koenigsallee\/\">Thomas Manns <\/a>&#8220;Zauberberg&#8221; ist oder auch nicht, denn es ist, wie als Unterttitel steht &#8220;eine natur (un)heilkundliche Schauergeschichte&#8221; und schl\u00e4gt man den dreihundertsechzig Seiten Roman auf, sieht man zuerst sch\u00f6ne Bilder von dem schlesischen Kurort G\u00f6rbersdorf, der heute Sokolowsko hei\u00dft. Briefmarken aus dem Jahr 2013 oder so, wo das Buch spielt, gibt es auch zu sehen, denn da wird der Student  Mieczyslaw Wojnicz aus Lemberg geschickt, weil er an Tuberkulose leidet und steigt dort, weil er wenig Geld hat, in einem G\u00e4stehaus ab, das von einem Herrn Opitz gef\u00fchrt wird. Dort lernt er drei Herren kennen, den schwer kranken Thilo aus Berlin, den Herrn Frommer, den Herrn August und den Herrn Lukas, das sind Thelogen, Atheisten, Schriftsteller, etceterta, mit denen am Abend bei einem G\u00e4schen Schw\u00e4rmerei philosophiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Tag geht es ins Kurhaus zu Dr. Semperwei\u00df, das ist seltsamerweise ein Psychoanlytiker und kein Lungenspezialist und der mokiert sich, da\u00df sich Mieczyslaw nicht ausziehen will. <\/p>\n\n\n\n<p>Also ein seltsam schamhaftes B\u00fcrchchen, das auch von der Frau Opitz oder ihren Unterr\u00f6cken irritiert wird, denn am n\u00e4chsten tag findet er sie tot auf dem K\u00fcchentisch liegen. Sie hat sich erh\u00e4ngt, sagt Herr Opitz und die anderen munkeln, er h\u00e4tte sie schlecht behandelt oder gar umgebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Dachboden her klingen seltsame Ger\u00e4usche, das Gurren von Tauben oder anderen Getier und es wird ihm auch erz\u00e4hlt, da\u00df in dem \u00d6rtchen jeden November Leute in St\u00fccke gerissen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonst r\u00e4t Dr. Semperwei\u00df zu Spazierg\u00e4ngen und guten Essen. Das macht Herr Optz auch mit seinen Sch\u00e4fchen. Hr gibt es offenbar einen Rechenfehler der Autorin oder geh\u00f6rt das zu  der Schauergeschichte?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Herren philosophieren jedenfalls sehr oft und viel von der &#8220;Minderwertigkeit des Weibes&#8221; und bei den &#8220;Notizen der Autorin&#8221; findet  man den Herrn Weininger zitert. Se besuchen die &#8220;Tuntschis&#8221;, das sind gebastelte Figuren an denen sich die K\u00f6hler und Hrten offenbar befriedigen und Wieszyslaw zieht sich immer \u00f6fter in das Zimmer der Toten am Dachboden zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p> Am Schlu\u00df stellt sich heraus, er ist als das n\u00e4chste Opfer auserkoren oder eigentlich nicht, denn das h\u00e4tte Thilo sein sollen. Er stirbt nur vorher und so kommt es zu einem wahren Horrorszenario, Mieszyslaw, dessen Mutter fr\u00fch gestorben ist und dessen Vater und Onkel ihn zum Frauenhasser erzogen und von Arzt zu Arzt schleppen, entkommt und erkennt seine Nonbin\u00e4rit\u00e4t. So geht er, nachdem er einen Schuh verloren hat und am Bein verletzt wurde, schlie\u00dflich noch einmal in das Zimmer der toten Klara Opitz, zieht ihre Keider an, entnimmt ihren Pa\u00df und entschwindet als sie, in die Zukunft, die, wie wir wissen, keine allzu rosige sein wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe den &#8220;Zauberberg&#8221; wie ich schon<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/06\/09\/zum-funfzigsten-todestag-von-christine-lavant\/\"> geschrieben habe<\/a>, als Studentin gelesen und kann mich da nur mehr an den Herrn Settembrini, dem Schriftsteller erinnern, dessen Roman in seinen Zimmer lag, das von der Haush\u00e4lterin, ver\u00e4chtlich &#8220;interessant&#8221; genannt wurde und der Hans Castorp hat sich, glaube ich, deshalb nach Davos zur\u00fcckgeogen, um den ersten Weltkrieg zu entgehen. Zumindest bleibt er sieben Jhre dort.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist es anders und ich mu\u00df gleich sagen, das Buch hat mir sehr gefallen, obwohl ich Anfangs nicht ganz sicher war, ob es f\u00fcr eine Nobelpreistr\u00e4gerin nicht vielleicht zu flach oder sogar zu kitschig w\u00e4re?<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es wahrscheinlich nicht, sondern eine hintergr\u00fcndige Abarbeitung mit den Krisen unserer Zeit mit der Klimakatastrophe oder ob man k\u00f6stliches Gulasch essen soll, wenn man erf\u00e4hrt, da\u00df die Kaninchen mit einem Schu\u00df vorher so erschreckt wurden, da\u00df sie an einem Herzinfark starben, so da\u00df ihr Herz besonders blutig wurde und die jetzt so aktuelle<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/07\/22\/genderwahnsinn\/\"> Genderfrage<\/a> oder die wieviel Geschlechter es nun gibt, wurde in eine Schauergeschichte gepackt, sehr listig und hintergr\u00fcndig verarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Was der Herr Weininer und seine seltsame Ansichten \u00fcber die Frauen des neunzehnten Jahrhunderts damit zu tun hat, habe ich nicht verstanden, denn es ist, obwohl es in einem schlesischen Kurort des Jahres 1913 spielt ein sehr aktuelles Buch.<\/p>\n\n\n\n<p>Und um nicht zu vergessen, das Buch hat mich zweimal an <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/01\/19\/der-erste-weltkrieg-aus-raphaela-edelbauers-sicht\/\">Raphaela Edelbauer<\/a> erinnert. Erstens an ihr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/09\/28\/das-fluessige-land\/\">&#8220;Fl\u00fcssiges Land&#8221; <\/a>und dann auch an die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/03\/11\/die-inkommensurablen\/\">&#8220;Imkommensurablen&#8221;<\/a>, das ja auch einen eher unverst\u00e4ndlichen Titel hat und sich auf die vor erste Weltkriegzeit bezieht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und nun zum neuen Buch der Nobelpreistr\u00e4gerin von 2018, der 1962 geborenen Olga Tokarczuk,, von der ich glaube ich, das erste Mal etwas h\u00f6rte, als 2000 Polen das Gastland in Frankfurt war und wir dort waren. 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