{"id":135403,"date":"2023-07-14T00:10:00","date_gmt":"2023-07-13T22:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=135403"},"modified":"2023-07-14T00:10:00","modified_gmt":"2023-07-13T22:10:00","slug":"karl-marx-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=135403","title":{"rendered":"Karl Marx in Wien"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt ein interessantes Buch, das zwar schon 2013 oder noch fr\u00fcher erschienen ist, aber bez\u00fcglich der aktuellen politischen Situation in letzter Zeit besonderer Pr\u00e4sanz bekam. Wird doch jetzt gerade diskutiert, ob Andreas Babler, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/06\/08\/turbulenzen-beim-sp-parteitag\/\">der neue Vorsitzende der SP\u00d6<\/a>, ein Marxist oder war oder ist, wahrscheinlich war er das in seiner Studentenzeit, aber jetzt gilt das offenbar als Schimpfwort und alle, w\u00e4hrend der Mittelstand zerschlagen wird, f\u00fcrchten sich vor den angeblich nordkoreanischen Zust\u00e4nden, die niemand will.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Karl Marx in Wien&#8221; von Herbert Steiner wiederaufgelegt und herausgegeben von Alexander Weiss, in der &#8220;Edition Tarantl&#8221; erschienen, der kleine feine Verlag von Gerald Grassl der mir mir gelegentlich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/28\/ein-kurzer-sommer-der-literatur\/\">seine<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/02\/07\/november-1918\/\">Publikationen<\/a> gibt und als ich das Buch bei der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/05\/07\/kritische-literaturtage-in-der-brunnenpassage\/\"> &#8220;Krit Lit&#8221; <\/a>auf seinen Stand liegen gesehen habe, hat es mich angesprochen, weil <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/05\/19\/und-marx-stand-still-in-darwins-garten\/\">Karl Marx <\/a>f\u00fcr mich ein kritischer Denker und  kein Feinbild ist und das Buch ist eigentlich verwirrend, enth\u00e4lt es doch verschiedene Artikel \u00fcber Karl Marx beziehungsweise \u00fcber die Tatsache, da\u00df der sich vom 27. August bis 7. September 1948 in Wien  aufgehalten hat. Da gab es die Achtzehnachtundvierziger Revolution und im Vorwort erkl\u00e4rt der Herausgeber aus welchen Artikeln sich das Buch zusammensetzt. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt gleich ein Artikel von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/09\/01\/schoenes-volksstimmefest\/\">Gerald Grassl<\/a>, der sich mit den Wiener Orten, die das Wort Marx enthalten auseinandersetzt. Denn da gibt es ja die Marxergasse, St. Marx und der liebe Augustin hat angeblich oder tats\u00e4chlich auch Marx mit Vornamen geheissen. Den Karl Marx-Hof in Heiligenstadt, dem gr\u00f6\u00dften Wiener Gemeindebau der Zwischenkriegsjahre gibt es auch und der sollte, als die DDR <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/13\/dreissig-jahre-mauerfall\/\">zerbrach<\/a> und die Marx-B\u00fcsten abmontiert wurden, auch umbenannt werden. Er hat das \u00fcberlebt und soll das in der neueren Debatte offenbar wieder, aber schauen wir uns einmal die sozialen Zust\u00e4nde des Jahres1848 an, wo gerade die Eisenbahn erfunden war und die Arbeiter kein Wahlrecht hatten. Wolfgang H\u00e4usler erkl\u00e4rt uns dann in zwei Kapiteln. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/07\/15\/nestroy-im-weinhaus-sittl\/\">Johann Nestroy<\/a> hat in dieser Zeit gelebt und da gibt es ja das &#8220;Liederliche Kleeblatt des Lumpazivagabundus&#8221;, wo drei Handwerker, das gro\u00dfe Gl\u00fcckslos bekommen, zwei wieder verelendigen, w\u00e4hrend der Dritte, die Meistertochter heiratet, in den B\u00fcrgerstand aufsteigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerhard Hauptmann hat das Drama \u00fcber die &#8220;Weber&#8221; geschrieben und die Leute waren sehr arm, hatten nichts zu essen, w\u00e4hrend die Aristokraten auf den B\u00e4llen tanzten und ein  Gedicht von Gustave Leyoy wird auch zitiert:<\/p>\n\n\n\n<p> &#8220;Was wir begehren von  der Zukunft Fernen? Dass Brot und Arbeit uns ger\u00fcstet sehen, dass unsere Kinder in  der Schule lernen Und unsere  Greise nicht mehr betteln gehen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen wir zu dem gek\u00fcrzten Beitrag von  Herbert Steiner, dem langj\u00e4hrigen Leiter der &#8220;Dokumentationsstelle des \u00f6sterreichischen Widerstands&#8221;, der 1978 ein Buch mit diesen Titel herausgegeben  hat, das mit der Beschreibung der Lage beginnt. Die Arbeiter, damals wurde offenbar viel gebaut, wollten eine Bezahlung an den Regen- und Feiertagen, es gab den Zehnstundentag und viel Elend. Dann sollte der Lohn noch um f\u00fcnf Kreuzer herabgesetzt werden. Das gab einen Aufstand mit vielen Verletzen und einigen Toten im Prater und dann reiste Karl Marx, Drei\u00dfigj\u00e4hrig und gerade das &#8220;Kommunistische Manifest&#8221; geschrieben aus Berlin mit der Nordbahn an und hielt an verschiedenen Arbeiterbildungsvereinen einige Vortr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p> Davon gibt es es Lithografien. Marx an einem Wirtshaustisch mit einigen Arbeitern, wie darunter steht, die tragen aber alle Anz\u00fcge und Hemden und sehen eher b\u00fcrgerlich aus. Eine Emanze mit Gewehr gibt es auch zu sehen, denn die haben einen Arbeiterfrauenverein im Volksgarten gegr\u00fcndet, wurden von den M\u00e4nnern aber ausgelacht und verspottet und Johann Nestroy sieht mit Gewehrauch bei der Ferdinandbr\u00fccke stehen. Hat der doch das revolutin\u00e4re St\u00fcck &#8220;Freiheit im Kr\u00e4hwinkel&#8221; geschrieben, das damals aufgef\u00fchrt worden war. Am siebenten Septebmer ist Marx wieder abgereist und hat einen Artikel dar\u00fcber in der &#8220;Rheinischen Zeitung&#8221; geschrieben, die er mitherausgegeben hat und wenn man die damaligen Zust\u00e4nden mit den heutigen vergleicht, wo die Verelendigung der Massen durch die hohe Inflation und die allgemeine Ver\u00e4ngstlichung und Entm\u00fcndigung offenbar vorangetrieben und die Leute vielleicht zur FP\u00d6 getrieben werden, kommt einer das Schauern. Eine starke Arbeiterbewegung mu\u00df wieder her und ein bisschen Aufwind scheint die SP\u00d6 durch ihren neuen Vorsitzenden und die KP\u00d6 ja auch zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Helmut H\u00e4usler beschreibt dann wie es mit der 1848-Revolution weiterging, die dann im Oktober oder November niedergeschlagen wurde. Georg Herweghs &#8220;Resumee&#8221; ist dann auch noch abgedruckt, bevor die Historikerin Herbert Steiners Biografie 1923-2001, der als Sohn j\u00fcdischer Eltern emigrieren mu\u00dfte, wiedergibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein interessantes Buch, vor allem wenn man die Situation des Proletariats von damals mit der heutigen Situation vergleicht. Karl Marx also lesen, bevor man ihn verbrennen oder verdammen will, w\u00fcrde ich raten und in DDR-Zeiten hat man das &#8220;Kommunstiische Manifest&#8221; in den entsprechenden linken Buchhandlungen ganz billig bekommen. Aber das ist wahrscheinlich vorbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein interessantes Buch, das zwar schon 2013 oder noch fr\u00fcher erschienen ist, aber bez\u00fcglich der aktuellen politischen Situation in letzter Zeit besonderer Pr\u00e4sanz bekam. 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