{"id":135785,"date":"2023-07-28T00:02:00","date_gmt":"2023-07-27T22:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=135785"},"modified":"2023-07-28T00:02:00","modified_gmt":"2023-07-27T22:02:00","slug":"die-metamorphosen-der-eja-augustin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=135785","title":{"rendered":"Die Metamorphosen der Eja Augustin"},"content":{"rendered":"\n<p>Lauter Applaus drang aus dem Haupthof des Museumsquartiers, die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/07\/20\/fragmentierte-o-tone\/\">&#8220;O-T\u00f6ne&#8221;<\/a>, das sehr beliebte Literaturfestival, da\u00df sich Eja Augustin gern und regelm\u00e4\u00dfig anzuh\u00f6ren pflegte, war zu Ende und sie konnte nach Hause gehen. <\/p>\n\n\n\n<p>So stand sie also auf, packte ihre Handtasche und sch\u00fcttelte den Kopf. Denn eigentlich hatten ihr die  die Aussagen der Autorin nicht gefallen. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/07\/13\/zwanzigster-o-tone-beginn\/\">Letzte Woche war es \u00e4hnlich gewesen<\/a>. Da hatte die Autorin den Moderator kritisiert und statt auf seine Frage zu antworten auf seine roten Schuhe hingewiesen und mehrmals betont, da\u00df er vor kurzem &#8220;Staatspreistr\u00e4ger&#8221; geworden war. Gut, sie hatte sich \u00fcber seine vielleicht zu anma\u00dfenden Kritikerfragen ge\u00e4rgert und zur\u00fcckgeschossen. Das war okay und voll in Ordnung und das w\u00fcrde sie, wenn sie in diese Situation kommen w\u00fcrde, genauso tun, denn sie war ebenfalls eine schreibende Frau. Zwar keine ber\u00fchmte, sondern nur eine sich in Au\u00dfenseitersituation befindende Selfpublisherin. Aber eine, die sich sehr f\u00fcr Literatur interessierte, viel las und daher auch das Gratisangebot der Stadt Wien, beziehungsweise der Literaturabteilung gern annahm. <\/p>\n\n\n\n<p>Also durfte die Autorin, den sie interviewenden Moderator gerne kritisieren, die diesmalige Autorin hatte aber eigentlich nichts anderes getan, als die  Literatur f\u00fcr sinnlos und unwichtig zu erkl\u00e4ren. Etwas, was sie \u00fcberhaupt nicht so sah, denn sie nahm ihr Schreiben sehr ernst, auch wenn sie, wie sie immer h\u00f6ren konnte, es l\u00e4ngst nicht so gut beherrschte, wie die ehemaligen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/06\/26\/wieder-normaler-bachmannpreis\/\">&#8220;Bachmann-Preistr\u00e4gerin&#8221;<\/a>, die jetzt sogar eine der wichtigsten Literaturzeitschriften  \u00d6sterreichs herausgab, obwohl sie wahrscheinlich halb so alt, wie Eja Augustin war. <\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht war ihr ihr Ruhm zu Kopf gestiegen oder hatte es sie \u00fcberfordert, pl\u00f6tzlich von einer Lesung, von einem Interview zum anderen herumgereicht zu werden? Das w\u00e4re verst\u00e4ndlich und da k\u00f6nnte Eja ihr keinen Vorwurf machen. Schlie\u00dflich hatte sie ja einmal Psychologie studiert. Trotzdem war es aber unbefriedigt von der Autorin nichts anderes geh\u00f6rt zu haben, als, da\u00df das Leben und das Schreiben sinnlos war und das schien jetzt modern zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Hatte sie doch in letzter Zeit \u00f6fter Romane gelesen, wo die Autoren erkl\u00e4rten, da\u00df sie ihren Text selbst <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/12\/12\/nil\/\">nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen<\/a>, oder den Inhalt vollends auf den Kopf stellten und da hatte Eja sich gedacht, da\u00df das wohl deshalb war, weil  schon so viele B\u00fccher geschrieben worden waren und wollte man da auffallen, musste man  da vielleicht schlapsige Antworten geben. Das w\u00e4re eine Erkl\u00e4rung, mit der sie etwas anfangen konnte, aber eine, die ihr nicht so besonders gefiel, denn sie nahm ihr Schreiben ernst, wurde aber zu solchen Veranstaltungen nicht eingeladen,<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Da sind Sie nicht gut genug! Haben Sie doch keinen Verlag! Wer will Sie lesen? Wenn wir Sie einladen haben wir lauter leere St\u00fchle und das wollen wir nicht! Das k\u00f6nnen wir uns nicht leisten!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und es stimmte. Der Hof des Museumsquartiers war sehr voll. Das Publikum hatte begeistert geklatscht und dr\u00e4ngte sich jetzt auch um den B\u00fccher- beziehungsweise, um den Signiertisch, um sich ein Autorgramm von der Autorin zu holen und das war vielleicht ein weiteres Problem \u00fcber das man sich \u00e4rgern konnte. Die Leute lasen immer wieder und schrieben daf\u00fcr mehr. F\u00fcnfundzwanzig Prozent der Schulabg\u00e4nger konnten, wie sie neulich geh\u00f6rt hatte, nicht mehr sinnerfassend lesen, wenn sie die Schule verlie\u00dfen und die die es noch konnten, lasen vielleicht lieber Comics, Chick Lits oder gingen vielleicht gleich ins Internet, um dort zu chatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie las sehr viel und w\u00fcrde sich jetzt auch die Buchpreisb\u00fccher wieder holen. Die zwanzig B\u00fccher, die f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\">&#8220;Deutschen Buchpreis&#8221;<\/a> nominiert w\u00fcrden und die zehn von der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/\">&#8220;\u00d6sterreichischen <\/a>Buchpreisliste&#8221;, w\u00e4hrend ihre selbstgemachten B\u00fccher niemand lesen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/06\/18\/will-ich-einen-roman-schreiben\/#comments\">&#8220;Das interessiert uns nicht, wir sind lieber f\u00fcr Qualit\u00e4t!&#8221;<\/a>, war eine Antwort, die sie \u00f6fter h\u00f6ren konnte und jetzt dr\u00e4ngten sich tats\u00e4chlich einige Leute, um den B\u00fcchertisch oder stellten sie sich am Signiertisch an, um ein Autogramm von der ehemaligen &#8220;Bachmann-Preistr\u00e4gerin&#8221; zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ob die alle gelesen werden?&#8221;, fragte sich Eja Augustin kritisch, die jetzt selbst um den B\u00fcchertisch herumstrich, sich aber keines kaufen w\u00fcrde, weil sie ihr ganz ehrlich zu teuer waren und hatte auch ihre Zweifel daran, weil sie  \u00f6fter die sehr gehypten B\u00fccher von den Buchpreislisten in den offenen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">B\u00fccherschr\u00e4nken<\/a> oft noch originalverpackt fand.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Da hat wieder eine Schwiegermutter ein Buch von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/25\/die-longlist-leseproben\/\">Reinhard Jirgl <\/a>oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/26\/das-bessere-leben\/\">Ulrich Petzer <\/a>zu Weihnachten bekommen und f\u00e4ngt nicht viel damit an, weil sie lieber Kimis oder vielleicht auch gar nichts liest&#8221;, dachte sie kritisch und dann wieder an ihre <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/\">sechzig selbstgemachten B\u00fccher,<\/a> die sie im Laufe ihres Lebens schon geschrieben hatte. Und das Thema schreiben, war auch eines, da\u00df sie sehr interessierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gab es da ja schon &#8220;Den verr\u00fcckten Traum der Thea Leitner&#8221;, wo  eine erfolglose Autorin in dem ber\u00fchmten &#8220;Star-Verlag&#8221; eingesperrt wird und sich dann in den Verleger verliebt, sowie &#8220;Das literarische Leben der Dora Faust&#8221;, wo eine erfolglose Autorin einen Roman schreiben will und da \u00fcber sehr viele Geschichten stolpert. Eine literarische Agentur an die sie das Buch geschickt hatte, hatte  nicht viel damit anfangen k\u00f6nnen und eine Schriftstellerkollegin hatte sich \u00fcber den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/11\/aktueller-korrekturbericht\/#comments\">sprechenden <\/a>Namen sehr mokiert. Denn eine Thea Leitner gab es ja. Gut, das waren vielleicht Anfangsfehler und wahrscheinlich w\u00fcrde es jeden Namen, den man einem Protagonisten verlieh, im wirklichen Leben schon geben und neben dem &#8221; Literarischen Leben&#8221; und dem &#8220;Verr\u00fcckten Traum&#8221; k\u00f6nnte sie auch  Metamorphosen stellen. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Die Metamorphosen der Eja Augustin&#8221; und unter diesen Titel ihre Schreibgedanken in ihren Blog stellen oder als einundsechzigstes  selbstgemachtes Buch herausgeben. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Eine interessante Idee!&#8221;, dachte Eja Augustin.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Habe ich heuer ja ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/01\/01\/positiv-ins-jubilaumsjahr\/\">Jubil\u00e4umsjahr,<\/a> schreibe ich nun schon <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/05\/24\/funfzig-jahre-matura-funfzig-jahre-schreiben\/\">f\u00fcnfzig Jahre,<\/a> habe seit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/07\/03\/funfzehn-jahre-literaturgefluster\/\">f\u00fcnfzehn Jahren <\/a>einen literarischen Blog in dem ich meinen Senf \u00fcber den Literaturbetrieb verspritze und feiere im November meinen siebzigsten Geburtstag. Da k\u00f6nnte ich ein literarisches Geburtstagsfest machen und siebzig Minuten aus meinen <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/buecher.html\">sechzig B\u00fcchern<\/a> oder aus meinen &#8220;Metamorphosen&#8221; lesen!&#8221;, dachte sie und l\u00e4chelte der Autorin, die jetzt vom Signiertisch aufschaute aufmunternd zu.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Es ist doch nicht alles so sinnlos, wenn man erfolgreich ist und das Schreiben und das Lesen ist sch\u00f6n und wenn sich Ihre Leser \u00fcber Ihre B\u00fccher freuen, sollten Sie das vielleicht auch tun!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lauter Applaus drang aus dem Haupthof des Museumsquartiers, die &#8220;O-T\u00f6ne&#8221;, das sehr beliebte Literaturfestival, da\u00df sich Eja Augustin gern und regelm\u00e4\u00dfig anzuh\u00f6ren pflegte, war zu Ende und sie konnte nach Hause gehen. 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