{"id":136273,"date":"2023-08-11T00:47:00","date_gmt":"2023-08-10T22:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=136273"},"modified":"2023-08-11T00:47:00","modified_gmt":"2023-08-10T22:47:00","slug":"vom-folgen-und-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=136273","title":{"rendered":"Vom Folgen und Bleiben"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommen die vier Erz\u00e4hlungen der 1963 in Sangerhausen geborenen Lyrikerin Udine Materni, die am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/03\/27\/von-der-leipziger-messe\/\">Leipziger Literaturinstitut<\/a> studierte und die sich darin mit den Kriegserfahrungen und in der DDR aufgewachsenen Frauen besch\u00e4ftigt. <\/p>\n\n\n\n<p>Vier Frauenleben, Gro\u00dfmutter, Tochter, Enkelkind. Eine Familie k\u00f6nnte man sagen oder auch viele T\u00f6chter, M\u00fctter, Gro\u00dfm\u00fctter und die erste Geschichte besch\u00e4ftigt sich mit dem Sterben der Gro\u00dfmutter, die einen Krebs im Bauch hatte, man sieht Udine Maternis Sprache ist volkst\u00fcmlich, Rosinen in ihren Sauberbraten tat, die wie tote Fliegen aussahen, Schokolade auf den Kokuskuchen go\u00df und dann sozusagen verhungerte, weil ihr Magen die Speisen nicht mehr halten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht es zur Tochter zu dieser oder einer anderen, die nicht einmal einen Namen tr\u00e4gt, weil weder &#8220;Klara, Grete, Henriette, Helga, etc&#8221; zu ihr passt, die hatte zwei M\u00e4nner und h\u00e4tte eigentlich was gelernt. Hatte Abitur, blieb dann gleich beim B\u00e4cker h\u00e4ngen, von dem sie sich sp\u00e4ter trennte, so da\u00df sie zwischendurch bei &#8220;Mitropa&#8221; Br\u00f6tchen mit W\u00fcrstchen aus dem Fenster reichte, sp\u00e4ter, als die niemand haben wollte, in eine Gro\u00dfk\u00fcche kam, w\u00e4hrend sich der zweite Mann am Bahnhoff versoff. Sie tat das auch in ihrer drei Zimmerwohnung, versteckte dort die Schn\u00e4pse im Kasten, sp\u00e4ter die krebskranke Mutter zu pflegen hatte und als die Tochter mit Knd und Teddyb\u00e4ren einmal \u00fcberraschend zum Geburtstag auftauchte, endete das in einem Fiasko.<\/p>\n\n\n\n<p>In &#8220;Sonnenblumen auf blauen Grund&#8221;, stirbt wieder eine Oma. Der Onkel ruft an und fragt die Schwester was er der Toten anziehen soll. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wer ist gestorben?&#8221;, fragt der kleine Sohn und erkundigt sich sp\u00e4ter, ob die Oma Spielsachen hat? Die Mutter wei\u00df es nicht und an der Erdbeetorte, die die Tante bringt, kleben Pudding und Fr\u00fcchte. Dann geht es zu der Wohnung der Oma, in der Stra\u00dfe ,die fr\u00fcher &#8220;Leninstra\u00dfe&#8221; hie\u00df. Der Junge erz\u00e4hlt das seinem Teddyb\u00e4r und dann wird das Kinderzimmer ausger\u00e4umt. Das hei\u00dft, die Tapete hinuntergeri\u00dfen und da starren wieder Teddyb\u00e4ren Sohn und Mutter an. Sehr eindrucksvoll, die Symbole mit denen Udine Materni, die Stimmungen schildert, ich habe mich dagegen gefragt, ob sie nicht aufs Begr\u00e4bnis gehen und wo dieses war?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Flugzeuge&#8221; ist \u00e4hnlich symbolisch. Da gibt es wieder einen Protagonisten ohne Namen. Hier das Baby, das sowohl &#8220;Ernestine, Henriette, Ursula, aber auch Maik, Jonas oder Augustin hei\u00dfen k\u00f6nnte und die Mutter sehnt die Momente herbei, wo sie wieder Frau sein kann, denn den Vater gibt es nur im Telefon oder in den Pralinen oder Lippenstifte die er wahrscheinlich schickt und dann wursteln sich die beiden ab oder n\u00e4hern sich vorsichtig an. Die Mutter geht einkaufen, w\u00e4hrend dem Kind der &#8220;Streubl\u00fcmchenhimmel&#8221; auf den Kopf f\u00e4llt und wenn die Mutter mit dem Kind sprechen will, gibt es keine Antwort und sieht sie nicht an. Dann sprudelt es wieder S\u00e4tze zu der schon sprachlosen Mutter hinaus und am Schlu\u00df stehen sie am Fenster, betrachten die Flugzeuge und die Mutter sagt &#8220;Ich hei\u00dfe Klara, und du?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Vom Folgen  und vom Bleiben verkn\u00fcpft vier Generationen (ich habe nur drei gefunden) miteinander in der Frage, wie man als Frau in der Gesellschaft, die einen umgibt, ist, existiert, sich entwickelt. Eine suchbewegung durch die Zeit.&#8221;, kann man im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/07\/23\/vorschau-auf-bratislava-prag-budapest-oder-ein-dreimaderlhaus\/#comments\">Beschreibungstext <\/a>lesen und am gr\u00fcnen Cover des kleinen &#8220;mikrotext&#8221; erschienen B\u00fcchlein ein altmodisches Kind mit einem altmodischen Kinderwagen sehen, den es wahrscheinlich sowohl in der DDR als auch in der NS-Zeit gegeben hat. Zumindest habe ich solche Fotos, wo meine Mutter meine 1942 geborene Schwester spazierenf\u00fchrt, zu Hause.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommen die vier Erz\u00e4hlungen der 1963 in Sangerhausen geborenen Lyrikerin Udine Materni, die am Leipziger Literaturinstitut studierte und die sich darin mit den Kriegserfahrungen und in der DDR aufgewachsenen Frauen besch\u00e4ftigt. Vier Frauenleben, Gro\u00dfmutter, Tochter, Enkelkind. 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