{"id":137263,"date":"2023-09-15T00:26:00","date_gmt":"2023-09-14T22:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=137263"},"modified":"2023-09-15T00:26:00","modified_gmt":"2023-09-14T22:26:00","slug":"der-bauch-des-wals","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=137263","title":{"rendered":"Der Bauch des Wals"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8220;Zwei Essays \u00fcber Kunst und Politik&#8221;, sind in dem eher d\u00fcnnen &#8220;Diogens-B\u00fcchlein&#8221; enthalten, das ich im Postkasten vorgefunden habe, als ich von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/08\/31\/doch-nach-frankreich-gefahren\/\">Frankreich <\/a>zur\u00fcckgekommen bin und interessant sind da vor allem die Autoren, die die Essays geschrieben haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder haupts\u00e4chlich einer davon, n\u00e4mlich der 1903 geborene <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/12\/02\/reise-durch-ruinen\/\">George Orwell,<\/a> dessen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/21\/utopie-workshop\/\">&#8220;1984&#8221; <\/a>ja in den letzten Jahren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">besondere Ber\u00fchmtheit bekommen hat <\/a>und ich mich ja bekanntlich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/09\/05\/1984-revisited\/\">auch damit besch\u00e4ftigt habe.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Ator ist der 1948 in Hamphire geborene Ian Mc Ewan, der 2021 eine &#8220;Orwell memorial lecture&#8221; gehalten hat und sich da mit dessen 1940 erschienen Essay &#8220;Im Inneren des Wals&#8221; mit dem Titel &#8220;George Orwell au\u00dferhalb des Wals&#8221; besch\u00e4ftigte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Diogenes&#8221; hat jetzt beide Texte abgedruckt, die sich, wie schon geschrieben, mit der Kunst und der Politik besch\u00e4ftigt und da hat George Orwell mit dem 1935 erscheinen Roman &#8220;Wendekreis des Krebes&#8221; von Henry Miller besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt er auf den Lyriker A. Houseman, der ihn in seiner Jugend sehr beeindruckt hat, worauf er auf die Dichter der Neunzehnhundertzwanzigerjahre kommt und sie denen der Neunzeh drei\u00dfiger gegen\u00fcberstellt, die in England offenbar alle kommunistisch waren, worauf er zu dem Schlu\u00df kommt, da\u00df ein Dichter nicht politisch sein darf, weil er dann nicht mehr ehrlich seine Meinung \u00e4u\u00dfern kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt er wieder zu Henry Miller beziehungsweise zu Jonas und dem Wal zur\u00fcck, was offenbar als Metapher zu verstehen ist, da\u00df man sich als Schriftsteller nicht politisch \u00e4u\u00dfern, sondern sich lieber in den Bauch des Wales zur\u00fcckziehen kann, wo er vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/03\/06\/der-laerm-der-zeit\/\">&#8220;L\u00e4rm der Zeit&#8221;<\/a> nichts mitbekommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Unterschied zwischen den Schriftstellern, die vor oder nach den ersten Weltkrieg schrieben wird erkl\u00e4rt und auch, da\u00df Henry Miller, als er ihn auf seinen Weg nach Spanien in Paris traf, nicht verstehen konnte, wie man sich am spanischen B\u00fcrgerkrieg beteiligen kann, weil er ein aufrechter nach vorne schauender Pazifist war, der seine Meinung aber niemanden aufdr\u00e4ngen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mc Ewan erw\u00e4hnt dann in seinem Essay den Besuch Millers auf Orwells Weg nach Spanien und betont, da\u00df die Beiden sehr unterschiedlich gewesen w\u00e4re. Miller war freiwillig im Exil in Paris und daher so etwas wie im Inneren des Wals, w\u00e4hrend sich Orwell politisch bet\u00e4tigte.<\/p>\n\n\n\n<p>1957 hat Albert Camus, der mit Geoge Orwell, das Schicksal der Tuberkuose teilte und ein ebenso starker Raucher war, die sich aber nie getroffen haben, den Nobelpreis bekommen und in seiner Rede \u00fcber &#8220;Den K\u00fcnstler in seiner Zeit&#8221; erw\u00e4hnt. McEWan kommt dann zudem englischen Schriftsteller <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/21\/eine-dame-von-welt\/\">Henry James <\/a> und seinem  Text&#8221;Die Kunst der Dichtung&#8221; und meint, da\u00df  Prinziipen erw\u00e4hnt, die auch Orwell anerkennt &#8220;Eine Kunst, die es unternimmt, das Leben so unmittelbar nachzuschaffen, kann sich nur entfalten, wenn sie vollkommen frei ist.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Da sind wir schon bei der Fantasie, die frei bleiben mu\u00df und &#8220;1984&#8221; das  Ausdr\u00fccken wie Gedankenpolizei&#8221; und &#8220;Doppeldeck&#8221; pr\u00e4gte, die inzwischen im allgemeinen Sprachgebrauch sind, ein Roman der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/09\/06\/die-satanischen-verse-am-heldenplatz\/\">Salman  Rushdie<\/a> nicht gefallen hat, weil er den Eindruck macht, da\u00df &#8220;Kampf zwecklos sei&#8221; und kommt dann zu dem ber\u00fchmten Wal zur\u00fcck und der Tatsache, da\u00df es der heutige Schriftsteller schwer hat, drinnen zu bleiben. Das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/09\/ich-hasse-dieses-internet\/\">Internet<\/a>, das<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/07\/05\/ich-bin-kein-dummes-buch\/\"> Handy<\/a> etcetera holt ihn st\u00e4ndig heraus und mit der Einsamkeit in der sich die Fantasie frei entfalten kann, ist es vorbei oder sehr schwierig geworden und wenn sich der K\u00fcnstler politisch \u00e4u\u00dfern soll, sich also f\u00fcr die Freiheit der Unterdr\u00fcckten einsetzen, mu\u00df er den Wal auch verlassen und da gibt es ja so brandheisse Themen, wie den Klimawandel, den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/17\/dear-oxbrigde\/\">Brexit<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/03\/in-zeiten-der-ansteckung\/\">, Corona <\/a>und die Unterdr\u00fcckung der Meinungsfreiheit, die ja abgeschafft werden soll, f\u00fcge ich hinzu und in dem chinesischen Sozialsystem kann Orwells &#8220;1984&#8221; auf  h\u00f6chstmoderne Art und Weise forgef\u00fchrt werden und wie kann sich der moderne Schriftsteller innerhalb des Wales am besten mit solchen Themen auseinandersetzen?<\/p>\n\n\n\n<p>Da zitiert Mc Ewan einen Haiku aus dem siebzehnten Jahrhunderts &#8220;Der alte Teich Ein Frosch springt hinein Vom Wasser ein Ger\u00e4usch&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend George Orwell in seinem Essay nur eine einzige Frau zitiert, kommen die bei Mc Ewan \u00f6fter vor. Denn Margaret Atwood, Barbara Winterson, Hilary Mantel etc besch\u00e4ftigen sich ja mit politischen Themen und haben den Walspeck solcherart verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Froscharten sind inzwischen ausgestorben. Es gibt inzwischen viel weniger als im siebzehnten Jahrhundert und daran kann man den Stand der Natur ablesen und so haben sich laut Mc Ewan die Bedingungen  Walinneren inzwischen sehr ge\u00e4ndert. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein sehr interessantes Buch und ein  interessanter Versuch die beiden  Texte hintereinander zu lesen. Denn die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/10\/03\/nicht-hinterfragen\/\">Meinungsfreihei<\/a>t ist, in Zeiten, wie diesen, wo \u00fcberall die soziale \u00dcberwachung droht, sehr wichtig und der oder die Schriftstellerin <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/05\/12\/die-freiheit-des-wortes-ist-nicht-genug\/\">h\u00f6chstwahscheinlich besonders gefordert sich politisch zu <\/a>o\u00e4u\u00dfern, als die innere Bequemlichkeit zu verlassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauche mehr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/08\/19\/corona-im-text\/\">Covidromane <\/a>w\u00fcrde ich fordern, die sich mit dieser Zeit kritisch au\u00dfereinadersetzen. Die, die sich mit dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/11\/13\/aufruhr-der-meerestiere\/\">Umweltschutz besch\u00e4ftigen<\/a>, sind, glaube ich, schon da.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Zwei Essays \u00fcber Kunst und Politik&#8221;, sind in dem eher d\u00fcnnen &#8220;Diogens-B\u00fcchlein&#8221; enthalten, das ich im Postkasten vorgefunden habe, als ich von Frankreich zur\u00fcckgekommen bin und interessant sind da vor allem die Autoren, die die Essays geschrieben haben. 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