{"id":1380,"date":"2009-06-02T00:10:12","date_gmt":"2009-06-01T22:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1380"},"modified":"2009-06-02T00:10:12","modified_gmt":"2009-06-01T22:10:12","slug":"bachmannpreisgefluster","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1380","title":{"rendered":"Bachmannpreisgefl\u00fcster"},"content":{"rendered":"<p>Am Dienstag wurden, habe ich bei meiner R\u00fcckkehr gelesen, in Klagenfurt bei einer Pressekonferenz die Namen bekannt gegeben, die heuer bei dem Wettbewerb lesen d\u00fcrfen und da mich im vorigen Jahr die Blogberichte zwischen den Lesungen auf die Idee zum Literaturgefl\u00fcster gebracht haben, will ich \u00fcber diese sicher wichtige Literaturveranstaltung schreiben, die es seit 1977 gibt und die zuerst ziemlich angefeindet war, sich inzwischen aber als der Literaturpreis durchgesetzt hat, bei dem alle lesen wollen, weil dort die Verlage und die Medien sind.<br \/>\nAls 1977 Humbert Fink und Marcel Reich Ranicky auf die Idee zu dieser Veranstaltung kamen, hatten sie es schwer, Teilnehmer zu finden. Sie haben, glaube ich, die Gro\u00dfen angeschrieben und die haben nach der Reihe abgesagt. Die IG-Autoren haben in einem ihrer B\u00fccher dar\u00fcber berichtet. Die Idee der \u00f6ffentlichen Lesung und der Life-Kritik ist von den Autorenverb\u00e4nden als entw\u00fcrdigend abgelehnt worden.<br \/>\nIch h\u00e4tte, glaube ich, immer gerne lesen wollen und habe mich auch zweimal daf\u00fcr &#8220;beworben&#8221;, obwohl man das am Anfang gar nicht konnte. Zumindestens offiziell hie\u00df es, du mu\u00dft eingeladen werden und das hat Brigitte Guttenbunner aus dem Arbeitskreis schreibender Frauen, die 1978 oder 1979 gelesen hat, auch so gemacht. Sie hat ihren Text &#8220;H\u00e4nde falten&#8221; hingeschickt und ist  eingeladen worden. Den ersten Preis hat bekanntlich Gert Jonke gewonnen und dann war es, glaube ich, zu DDR Zeiten, auch die Gelegenheit f\u00fcr die DDR Autoren, sich im Ausland zu pr\u00e4sentieren und an Westgeld zu kommen, sie wurden rundum eingeladen, zumindest hat mir das Kerstin Hensel so erz\u00e4hlt, wie ich sie 1989 anl\u00e4\u00dflich ihrer Lesung pers\u00f6nlich kennengelernt habe.<br \/>\nDie \u00d6sterreicher waren, finde ich, immer unterrepr\u00e4sentiert, jedes Jahr werden zwei oder drei auserw\u00e4hlt, heuer sind es vier, einmal hat Ludwig Laher ganz allein gelesen und da hat mir Ruth Asp\u00f6ck gleich gesagt, er wird den Preis nicht gewinnen.<br \/>\nUnd den sogenannten Bachmannpreis Preis haben bisher auch nur zwei \u00d6sterreicher bekommen, n\u00e4mlich Gert Jonke 1977 und 1995 v\u00f6llig \u00fcberraschend Franzobel, den vorher kaum jemand gekannt hat und der dadurch ber\u00fchmt geworden ist.<br \/>\n1996 bin ich hingefahren, habe mich in ein Hotel eingemietet und mir die Veranstaltung angeh\u00f6rt und das war sehr spannend. Die Texte hat man damals aus Verlagsgr\u00fcnden nicht bekommen, wenn man nicht angemeldet war.<br \/>\nJetzt kann man sie sich im Internet ausdrucken, es war aber interessant mitzuraten. Josef Winkler ist zum zweiten Mal angetreten, Lydia Mischkulnig, Richard Obermayr, Arno Geiger, Felizitas Hoppe, Yoko Tawada etc. haben gelesen und ich bin bis zum Ende mit der  Meinung der Jury konform gelegen. Mir hat der Text von Yoko Tawada am besten gefallen, dachte aber, das trauen sie sich nicht, der Winkler, der aus seinem Indientext gelesen hat, wird den Preis bekommen. Dann tauchte aber ganz am Schlu\u00df Jan Peter Bremer mit seinem Monolog &#8220;Der F\u00fcrst spricht&#8221; auf und alle waren begeistert, was ich nicht verstanden habe.<br \/>\nSeit einigen Jahren kann man sich die Veranstaltung im Internet anschauen, was ich regelm\u00e4\u00dfig betreibe und habe dadurch schon viele deutsche Autoren und Autorinnen kennengelernt, deren Texte es sp\u00e4ter billig bei der Buchlandung gibt.<br \/>\nDer Text, den Arno Geiger 1996 gelesen hat, der damals noch ganz unbekannt war, hat mir sehr gefallen, er hat dann bald ein paar B\u00fccher bei Deutike gehabt. 2004 hat er  noch einmal gelesen, ist auch nicht so besonders aufgefallen, hat dann aber mit seinem Roman  &#8220;Es geht uns gut&#8221; einen gro\u00dfen Erfolg gehabt.<br \/>\nDas Lesen dort ist also schon sehr wichtig und jetzt hat sich die Einstellung dazu auch total ver\u00e4ndert und seit einigen Jahren braucht man auch die Empfehlung eines Verlages, damit man sich bewerben darf.<br \/>\nWas ich wieder nicht ganz verstehe, denn was passiert, wenn ich es ohne trotzdem tue? Vorher habe ich keine Antwort bekommen, bekomme ich jetzt eine Mahnung und einen Strafbescheid?, habe ich, als es eingef\u00fchrt wurde, gefragt, was von Michaela Mondschein nicht verstanden wurde.<br \/>\nNun ja, man darf sich mit einer Verlagsempfehlung bewerben und jeder Juror darf  zwei Autoren vorschlagen. F\u00fcr die jungen Autoren ist es sicher eine Chance, auch wenn sie nicht gewinnen und es gibt seit einigen Jahren auch den Literaturkurs, f\u00fcr die noch J\u00fcngeren und Klagenfurt ist, so hei\u00dft es, der sch\u00f6nste Betriebsausflug der Literatur und es gibt, glaube ich, auch eine eigene Fu\u00dfballmannschaft.<br \/>\n2005 habe ich mich mit Harald Klauhs von der  Presse angelegt, als der ein paar Tage bevor der Wettbewerb begonnen hat, meiner Meinung nach sehr abgehobene Kommentare von sich gegeben hat und alles sehr viel besser wu\u00dfte.<br \/>\nDamals haben Susanne Heinrich gelesen und Gerhild Steinbuch und Gabriele Petricek nicht, weil deren Text schon ver\u00f6ffentlicht war.<br \/>\nF\u00fcr mich ist es trotzdem spannend und ich verfolge den Wettbewerb mit gro\u00dfer Begeisterung und habe mir heute gleich, als ich meine Mails durchhatte, die Namen der vierzehn Auserw\u00e4hlten angesehen, vier \u00d6sterreicher bzw. \u00d6sterreichinnen sind dabei, von denen ich Linda Stift und Andrea Winkler kenne, beide sehr begabte Nachwuchsautorinnen. Dann noch Phillip Wei\u00df und Caterina Satanik aus \u00d6sterreich, die, wie ich gelesen habe, noch nie etwas ver\u00f6ffentlicht hat, vielleicht ist sie das Wundertalent, aber wie erw\u00e4hnt, die Preistr\u00e4ger sind meistens Deutsche und einer wird pro Veranstaltung regelm\u00e4\u00dfig niedergemacht, wie im letzten Jahr der Schweizer Pedro Lenz.<br \/>\nEs ist aber eine wichtige Veranstaltung, auch wenn es daneben noch sehr viel anderes gibt und das habe ich damals auch Harald Klauhs gemailt.  2006 hat Kathrin Passig v\u00f6llig \u00fcberraschend den Hauptpreis gewonnen und dazu gesagt, sie h\u00e4tte den Text auf die Veranstaltung hin konstruiert.<br \/>\nEs stellt sich nat\u00fcrlich auch die Frage, wie das der Bachmann gefallen h\u00e4tte und was der Preis \u00fcberhaupt mit ihr zu tun hat? Lyriker d\u00fcrfen ja nicht lesen.<br \/>\nCornelia Travnicek hat herausgefunden, da\u00df von den zehn angek\u00fcndigten Literaturkurspl\u00e4tzen (jetzt hei\u00dft es bis zu zehn in der Ausscheibung) nur neun vergeben wurden.<br \/>\nDas ist interessant, in Zeiten wie diesen wird  \u00fcberall eingespart, das geh\u00f6rt offenbar zum Zeitgeist.<br \/>\nIch frage mich, was passiert, wenn alle, die sich jetzt dar\u00fcber \u00e4rgern und gerne die Vertretung f\u00fcr den verlorenen Zehnten w\u00e4ren, hinfahren, sich mit einem Schild in den Park vor das ORF Theater setzen, ihre Texte lesen und sich selber ihren Preistr\u00e4ger suchen?<br \/>\nMit entsprechender Unterst\u00fctzung lie\u00dfe sich sicher ein bi\u00dfchen Action daraus machen, in den Siebzigerjahren h\u00e4tte sich vielleicht auch Josef Haslinger als Ersatzlektor angeboten und wenn dann noch das Fernsehen in der N\u00e4he ist &#8230;<br \/>\nJa, das sind die Stoffe aus denen meine Romane sind,  dar\u00fcber oder \u00fcber etwas \u00c4hnliches habe ich schon geschrieben und es sind auch die sozialen Aspekte, die mich interessieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Dienstag wurden, habe ich bei meiner R\u00fcckkehr gelesen, in Klagenfurt bei einer Pressekonferenz die Namen bekannt gegeben, die heuer bei dem Wettbewerb lesen d\u00fcrfen und da mich im vorigen Jahr die Blogberichte zwischen den Lesungen auf die Idee zum &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1380\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-1380","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1380","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1380"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1380\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1380"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1380"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1380"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}