{"id":139621,"date":"2023-10-23T23:37:34","date_gmt":"2023-10-23T21:37:34","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=139621"},"modified":"2023-10-23T23:37:34","modified_gmt":"2023-10-23T21:37:34","slug":"wie-geht-es-mit-dem-canceln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=139621","title":{"rendered":"Wie geht es mit dem Canceln?"},"content":{"rendered":"\n<p>Im der Hauptb\u00fccherei wurde heute in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus die Anthologie &#8220;Canceln:  Ein notwendiger Streit&#8221;, die von Tobias Heyl, Florian Kessler, und Jo Lendle im &#8220;Hanser Verlag&#8221;  mit  Beitr\u00e4gen  von zw\u00f6lf anderen Autoren herausgegeben wurde, vorgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/10\/24\/priessnitz-preis-an-jana-volkmann\/\">Jana Volkmann<\/a> moderierte und diskutierte mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/06\/12\/daniela-strigl-klaus-kastberger-und-der-pop-germanist\/\">Daniela Strigl <\/a>und Mithu Sanyal, die Texte in dem Buch hatten und interessant, da\u00df Mithu Sanyal, die mit ihren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/10\/21\/identiti\/\">&#8220;Identiti&#8221; v<\/a>or  zwei Jahren auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/09\/21\/shortlist-news\/\">deutschen Shortlist <\/a>gestanden ist und derzeit auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/07\/02\/der-siebenunsvierzigste-bachmannpreis\/\">Jurorin beim Bachmannpreis <\/a>ist, zugeschaltet und nicht pers\u00f6nlich anwesend war. Interessant, was es heute alles gibt und deshalb fand die Veranstaltung wahrscheinlich in der Hauptb\u00fccherei statt, weil die vielleicht bessere technische M\u00f6glichkeiten haben. und das Thema Canceln ist auch sehr interessant und wurde auch schon auf den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/11\/27\/wieder-buch-wien-normal\/\">Messen<\/a> und bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/10\/15\/wieder-einmal-gav-gv\/\">GAV-Arbeitskreisen<\/a> diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Was darf man heute noch sagen und was darf man schreiben? Darf eine wei\u00dfe Frau <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/08\/02\/the-hill-we-climb\/\">Amanda Gorman <\/a>\u00fcbersetzen und mu\u00df das Wort &#8220;Negerk\u00f6nig&#8221; aus der &#8220;Pippi Langstrumpf weggestrichen werden und darf man in eine Autorenversammlung, wenn man ein Buch geschrieben hat, das &#8220;Mohr im Hemd&#8221; hei\u00dft?<\/p>\n\n\n\n<p>Vor zehn Jahren hat man damit, glaube ich, noch Stipendien bekommen. Heute habe ich geh\u00f6rt, darf man das nicht mehr so nennen und als ich &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/04\/24\/vorschau-auf-paul-und-paula\/\">Paul und Paula&#8221;<\/a>, geschrieben habe, hat Chris Bader auch gemeint, da\u00df ich weil ja nicht trans, sowas nicht schreiben darf und auch nicht \u00fcber einen Joint, weil ich noch nie einen ggeraucht habe, wie mir die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/08\/doris-nussbaumer-bei-den-wilden-worten\/\">Doris Nussbaumer <\/a>einmal sagte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dann darf man bald \u00fcberhaupt nichts mehr schreiben. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/07\/06\/ebbe-und-flut-im-quentin\/\">Norbert Kr\u00f6ll <\/a>nicht eine Frau als <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/11\/06\/die-kuratorin\/\">Hauptperson <\/a>nehmen und auch nicht \u00fcber den<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/03\/26\/evangelio\/\"> drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg<\/a>, denn den haben wir auch nicht mehr erlebt und dann wird es eng in  der Literatur, die sich ja damit r\u00fchmt, Geschichten zu erz\u00e4hlen, die wir dringend brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Kein vern\u00fcftiger &lt;mensch will Literatur verbieten oder doch?&#8221;, hei\u00dft es in der Buchbeschreibung und Jurenka Jurk zitiert gern ein Zitat von Maxim Gorki, &#8220;da\u00df man nicht einer Bratpfanne gelegen haben mu\u00df, um \u00fcber ein Schnitzel zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird aber eng, denn in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/10\/22\/funfundsiebzigste-frankfurter-buchmesse\/\">Frankfurt<\/a> wurde ja Adania Schibli ausgeladen oder ihre Preisverleihung verschoben, weil sie Pal\u00e4stinenserin ist und das ist ja derzeit ein heikles Thema.<\/p>\n\n\n\n<p> Und jetzt kann man ja Texte zensurieren, ver\u00e4ndern oder zur\u00fcckziehen, wie es beispielsweise auch in der Antohologie &#8220;O boy&#8221; \u00fcber die neue M\u00e4nnlichkeit passierte. Aber was ist mit den Texten, die schon erschienen sind?<\/p>\n\n\n\n<p>Also den &#8220;Negerk\u00e4nig&#8221; raus aus der &#8220;Pippi Langstrumpf&#8221; und &#8220;Von Wiinde verweht&#8221; neu \u00fcbersetzen, um die &#8220;rassistischen W\u00f6rter&#8221; hinauszustreichen und das f\u00fchrt zu einem interessanten Thema \u00fcber das ich mich schon l\u00e4nger wundere, da\u00df immer wieder neue und, jetzt die &#8220;Wahren \u00dcbersetzungen&#8221;, herauskommen und, da\u00df &#8220;Schuld und S\u00fchne&#8221; auf einmal pl\u00f6tzlich &#8220;Verbrechen und Strafe&#8221; hei\u00dft, was ich nicht verstehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Also jetzt ein Buch mit  Beitr\u00e4gen \u00fcber B\u00fccher, die einen pr\u00e4gten und die heute nicht mehr als korrekt gelten und da hat sich die 1971 geborene Mithu Sanyal Enid Blyton und ihre Jugendb\u00fccher ausgesucht, die sie als Kind geliebt und viel gelesen hat, obwohl die sehr rassistisch waren und da war auch interessant zu h\u00f6ren, da\u00df da die \u00dcbersetzer viel ver\u00e4ndert haben, so da\u00df &#8220;Hanni und Nanni&#8221; im Original ganz anders hei\u00dfen. Da bin ich dagegen \u00fcber das Ver\u00e4ndern und eigentlich auch \u00fcber das Hinausstreichen des &#8220;N-Wortes&#8221;, weil das ja der damalige Sprachgebrauch war und solange sich nicht die Einstellung ver\u00e4ndert, wird man die Worte immer um\u00e4ndern m\u00fc\u00dfen, was wie ich h\u00f6rte, jetzt schon  dem Wort &#8220;schwarz&#8221; passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mu\u00df gestehen, da\u00df ich  Enid Blyton nicht sehr gelesen habe und die &#8220;Pippi Langstrumpf&#8221; eigentlich nur der anna, aber nicht selber als Kind und weiter interessant ist <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/07\/27\/vom-verschwinden-zum-kochen-bei-den-o-tonen\/\">Daniela Strigls<\/a> Beitrag, die sich mit Amanda Gorman besch\u00e4ftigte bzw, den Wirbel, den es wegen der niederl\u00e4ndischen \u00dcbersetzung gegeben hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein wei\u00dfe Frau darf das nicht, wo kommen wir da hin? Obwohl es nat\u00fcrlich stimmt, da\u00df der fr\u00fchere Kanon wei\u00df und alt war, w\u00e4hrend h\u00f6chstens die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/10\/22\/privatissimum-zu-die-waffen-nieder\/\">adeligen Frauen schreiben durften<\/a> und dann nur einige erfolgreich wurden. Aber wenn man das jetzt den Wei\u00dfen verbietet, kommt man auch nicht weiter. Auf der Uni hat sich bez\u00fcglich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/07\/22\/genderwahnsinn\/\">Gendern <\/a>und politischer Korrektness in den letzten Jahren einiges ver\u00e4ndert, so da\u00df die Studenten jetzt mehr auf ihre Gef\u00fchle achten und nicht darin verletzt werden wollten. So gibt es immer wieder Triggerwarunungen und manchmal wird dabei sehr \u00fcbertrieben, wenn sich zum Beispiel, wie diskutiert wurde, Studenten weigern, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/06\/25\/ein-anderes-land\/\">James Baldwin<\/a> zu lesen, weil er das Neger-Wort verwendete. Da denke ich, mu\u00df man differenzieren, wenn  das junge Schwarze tun und sagen, der war konservativ, dann ist es wahrscheinlich verst\u00e4ndlich. Tut das eine wei\u00dfe Studentin, dann finde ich das eher dumm, aber vielleicht will die \u00fcberhaupt und nicht lesen und dr\u00fcckt sich nur darum und da habe ich auch einmal geh\u00f6rt, da\u00df der Ausdruck &#8220;Onkel Toms H\u00fctte&#8221; verbobten wurde, weil der ja  kein rebellischer Sklave war, aber h\u00e4tte Harriet Beecher Stowe, das Buch nicht geschrieben, h\u00e4tte sich da vielleicht nichts ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant, schreibe ich wieder und finde die derzeitigen Diskussionen sehr \u00fcberhitzt, wenn man beispielsweise, wie auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/31\/abschlussveranstaltung-mit-bernhard-strobels-palme-und-peter-henischs-leben\/\">Daniela Strigl <\/a>meinte, jeden der anderen Meinung ist, gleich als Nazi oder faschistisch beschimpft und das Gespr\u00e4ch abbricht, wie das derzeit geschieht, gibt es keine Diskussionen mehr und das ist eigentlich sehr schade.<\/p>\n\n\n\n<p>Also weiter schreiben was und wie man es will und sich nicht abschrecken lassen und die Diskussion war sehr interessant, auch weil wir ja das das Beispiel <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/09\/19\/zu-thomas-bernhards-wien\/\">Thomas Bernhard <\/a>haben, der sich in &#8220;Holzf\u00e4llen&#8221; und beim &#8220;Heldenplatz&#8221; auch kein Blatt vor dem Mund nahm und da kann man auch zu <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/02\/09\/daniel-kehlmanns-zukunftsrede\/\">Daniel Kehlmann <\/a>und sein &#8220;Lichtspiel&#8221; \u00fcberblenden, wo er \u00fcber G. W. Papst geschrieben hat und dabei auch sehr viel erfunden hat, wor\u00fcber sich, glaube ich, die Papst-Enkel emp\u00f6rten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im der Hauptb\u00fccherei wurde heute in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus die Anthologie &#8220;Canceln: Ein notwendiger Streit&#8221;, die von Tobias Heyl, Florian Kessler, und Jo Lendle im &#8220;Hanser Verlag&#8221; mit Beitr\u00e4gen von zw\u00f6lf anderen Autoren herausgegeben wurde, vorgestellt. 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