{"id":141161,"date":"2023-12-06T00:24:00","date_gmt":"2023-12-05T23:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=141161"},"modified":"2023-12-06T00:24:00","modified_gmt":"2023-12-05T23:24:00","slug":"noch-ein-nika-adventkalenderfenster","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=141161","title":{"rendered":"Noch ein Nika-Adventkalenderfenster"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8220;Sonntag, 6. Dezember<\/p>\n\n\n\n<p>Am Sonntag hatte sie frei, das Kaufhaus, wie die anderen Gesch\u00e4fte auf der Mariahilferstra\u00dfe, waren geschlossen. Nika konnte ausschlafen. Der Wecker hatte sie nicht um sieben aus ihren sch\u00f6nen Trammanntr\u00e4umen gerissen. Sie konnten ihnen stattdessen ungest\u00f6rt nachh\u00e4ngen und sie ausleben. Das Adventkalenderfester, hinter dem sich wahrscheinlich ein kleiner  wei\u00df-lila Nikolo  mit der gro\u00dfen Bishofsm\u00fctze verbarg, blieb verschlossen und auf dem Sessel neben dem Bett lag, fl\u00fcchtig hingeworfen, die rot-wei\u00dfe Weihnachtsfraum\u00fctze.  Denn die hatte sie aufbehalten, als sie gestern zehn Minuten nach sieben in Jeans und ihrer gr\u00fcnen Parka, die Kaufhausgarderobe verlassen hatte, um sich mit Harald Schwabeneder zu treffen,  der prompt und p\u00fcnktlich, an der Stelle,  wo sonst der junge Bursche kauerte, auf sie gewartet hatte.  Die M\u00fctze aufbehalten und damit zur Krampusparty ins &#8220;Jazzland&#8221; gegangen, wenn sie  schon nicht  mit einem stilechten roten Pullover oder R\u00f6ckchen als Krampus-Outfit aufwarten  hatte k\u00f6nnen. Herr Widerling w\u00fcrde schon nichts dagegen haben, beziehungsweise konnte er das nicht, schien sich sein Dienst doch auf Montag bis Freitag zu beschr\u00e4nken, denn sie konnte ihn nicht sehen. So war sie mit der rot-wei\u00dfen Weihnachtsfraum\u00fctze auf Harald Schwabeneder zugegangen, der ihr ein wei\u00dfes Seidenpapier gewickeltes P\u00e4ckchen entgegenstreckte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Eine kleine Krampusgabe f\u00fcr das morgendliche Fr\u00fchst\u00fcck, sch\u00f6ne Frau!  Nur f\u00fcr den Fall, da\u00df der strenge Weihnachtsfraudienst Sie gehindert haben sollte, f\u00fcr den Sonntag einzukaufen!&#8221;, hatte er gesagt und damit ins Schwarze getroffen.  Wenn seine detektivischen F\u00e4higkeiten auch so perfekt ausgepr\u00e4gt waren, brauchten Vera und die Schwester sich vor der Polizei und den rasenden Zeitungsreportern mit ihren spitzen Federn nicht mehr f\u00fcrchten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Stimmt!&#8221;, hatte sie deshalb geantwortet und ihn angestrahlt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Stimmt haargenau! Wie haben Sie das nur herausgefunden?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Berufsgeheimnis, Recherche und Kombination!&#8221;, hatte er zur\u00fcckgegrinst und verraten, da\u00df sich in dem kleinen P\u00e4ckchen ein Briochekrampus mit einer Minirute und Rosinenaugen befinden w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Oder h\u00e4tten Sie lieber einen Nikolo bekommen?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frage, die sie den gesamten Samstag begleitet hatte, wenn sie in ihren Sack griff und weil die Meisten, die Mikol\u00e4use pr\u00e4ferierten, waren diese ausgegangen und es lagen nur noch eine Hand voll \u00fcbergebliebenen Krampusse auf dem kleinen Tischchen, die Nika unkorrekt in die Tasche gesteckt hatte, statt sie in das Magazineursb\u00fcro zu tragen, in dem auch von Herrn  Jovanovic nichts zu sehen war. Die sollten ihr als Notration f\u00fcr den Sonntag dienen oder auch nicht.  Gab es doch Haralds Krampus und Kekse backen, Vanillekipferln, Zimtsterne, Linzer und Rumkugeln, hatte sie sich als Tagesprogramm auch vorgenommen. Mehl, Butter und Eier, die sie dazu ben\u00f6tigte, lie\u00dfen sich wahrscheinlich am West- oder dem neuen Hauptbahnhof besorgen, wo es rund um die Uhr ge\u00f6ffnete Superm\u00e4rkte gab. So lag also die rot-wei\u00dfe Weihnachtsm\u00fctze auf dem Sessel und am Tischchen, die stibitzten Krampusst\u00fccke und kein Adventkranz. Einen solchen gab es bei Nika Horvarth nicht und sie w\u00fcrde ihn auch nicht am Hauptbahnhof besorgen.  Denn sie war nicht religi\u00f6s. Das schien nur Max Schr\u00f6der zu sein, der mit seinen Hauspantoffeln und der falsch zusmmengekn\u00fcpften Jacke losgezogen war, um sich einen solchen zu besorgen. Er hatte auch einen bekommen. Davon hatte sie sich \u00fcberzeugt, als der alte Mnn eine knappe Stunde sp\u00e4ter, nachdem sie ihn und Jessica mit Krampussen und Nikol\u00e4usen versorgt hatten, an der Seite der munteren Kleinen mit den roten &#8220;Pippi Langsgtrumpf-Z\u00f6pfen&#8221; und der grauen Strickm\u00fctze auf den Kopf, mit einem solchen zur\u00fcckgekommen war. Den Adventkranz hatte Jessica in der einen Hand getragen, die andere hatte sie in den alten Mann geh\u00e4ngt, um ihn zu st\u00fctzen und ein &#8220;Merkur-Einkaufssackerl&#8221; in dem sich wahrscheinlich das ben\u00f6tigte Brot, die Milch und das Kartoffelpprree befanden, baumelte auch an ihren Arm.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Alles bestens, Weihnachtsfrau!&#8221;, hatte sie munter ausgerufen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Brot, Milch und Tiefk\u00fchlspinat ist gekauft, damit Onkel Max nicht hungert! Ich trage ihm die Sachen hinauf! Er wohnt schr\u00e4g gegen\u00fcber im zweiten Stock! Er hat mir seine Fenster schon gezeigt! Dann komme ich zur\u00fcck und gehe in die Handschuhabteilung, um f\u00fcr die Oma welche zu besorgen! Da kann der Chef nichts dagegen haben und die Mama bekommt eine Bonbonniere! So weit reicht mein Geld!  Der Papa geht leer aus! Selber schuld, wenn er sich mehr um den Dominik, der ihm noch nichts kaufen kann, als  sich um mich zu  k\u00fcmmern! Das hei\u00dft, wenn Ihnen noch ein Krampus \u00fcberbleiben sollte, k\u00f6nnte ich ihm den geben, damit sich seine neue Flamme und er \u00e4rgern,  weil sie denken, da\u00df ich ihn f\u00fcr einen solchen halte!&#8221;, hatte sie weitergeplaudert und war mit dem alten Mann \u00fcber die Stra\u00dfe verschwunden. Nika war jetzt aufgewacht und rieb sich verschlafen die Augen. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Sehr sch\u00f6n !&#8221;, murmelte sie solcherart vor sich hin. Der Abend mit Harald Schwabeneder im &#8220;Jazzland&#8221; war das gewesen. Obwohl er, wie sie zugeben mu\u00dfte, nichts mit detektivischer Kleinarbeit zu tun hatte! Davon war nicht die Rede gewesen! Absolut nicht, ganz das Gegenteil und sie nannten sich auch nicht mehr &#8220;Sie&#8221;, sondern hatten mit einem Glas Holunder-Prosecco Bruderschft getrunken. Das hei\u00dft sie hatte sich einen solchen s\u00fc\u00dfen Schlatz bestellt. Er war bei einem eher m\u00e4nnlichen Bier geblieben und sie war nun sicher, da\u00df er sich genauso in sie verliebt hatte, wie es bei ihr der Fall war. Denn das w\u00fcrde ihre Eltern freuen, die sich \u00fcber Ruths Partnerschaft und die aus einen &#8220;One night stand&#8221; entstandene Zoe-Philipa ohnehin die gr\u00f6\u00dften Sorgen madchten. Un  wenn sie, was anzunehmen war, die &#8220;Kronenzeitung&#8221; und &#8220;Heute-\u00d6sterreich&#8221;  lasen, hatten sich diese mit Sicherheit in den letzten Tagen verst\u00e4rkt. Also w\u00fcrden sie aufatmen und sich freuen, wenn sie zur Weihnachtsfeier ihren Traummann mitnahm und mit ihrer j\u00fcngeren Tochter zufrieden sein!<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Halt!&#8221;, rief sie sich an dieser Stelle erschrocken zur Ordnung zur\u00fcck und zog die imagin\u00e4ren Z\u00fcgeln an.  Nur nicht so vorschnell galoppieren! Noch war es nicht so weit und Harald Schwabeneder noch lange nicht zur Weihnachtsfeier eingeladen, die auch noch zwei Wochen entfernt war. Noch war es nichts mit einem Besuch bei ihren Eltern. Hatte sie dazu keine Zeit. Denn sie mu\u00dfte, wenn sie schon den ganzen Samstag Zettel verteilend auf der Stra\u00dfe gestanden hatte, am Sonntag ausschlafen, sowie Kekse backen, denn am achten Dezember, dem Feiertag zu Maria Empf\u00e4ngnis, konnte sie das nicht. Denn da hatten die Kaufh\u00e4user auf der Mariahilferstra\u00dfe sebstverst\u00e4ndlich ge\u00f6ffnet. Hatte sich die Kaufmannschaft gegen\u00fcber der Erzdi\u00f6zese  doch durchgesetzt und sie w\u00fcrde mit Sack und einer M\u00fctze auf der Stra\u00dfe stehen und k\u00f6nnte ihren lieben Harald, um vielleicht doch die Sache mit dem Mord auf Veras Klo weiteraufzuk\u00e4ren, nur anschlie\u00dfend treffen. Heute aber nicht! So schnell ging das nicht! Heute w\u00fcrde er nicht zu ihr kommen und sie ihn nicht treffen! Obwohl sie Besuch erwartete, so da\u00df es gut war, das Adventkalenderfenster zu \u00f6ffnen, Santa Claus zuzuwinken und dann in der Kche  Kaffee aufzusetzen und im Eisschrank nachsehen, was f\u00fcr den Backvorgang zu besorgen war? Denn am Nachmittag w\u00fcrde Sandra Winter kommen, die dann schon die ersten Kekse verkosten sollte. Sie w\u00fcrde ihre Freundin Fatma Challaki mitbringen, die seit Anfang September in ihren Wohngemeinschaftszimmer wohnte und seit Oktober im ersten Semester vergleichende Literaturwissenschaften studierte, w\u00e4hrend Sandras Sponsion demn\u00e4chst stattfinden w\u00fcrde und sich anschlie\u00dfend auf die Suche nach einem Praktikumsplatz oder einer Volont\u00e4rstelle machen w\u00fcrde. Heute w\u00fcrden aber die Beiden zu ihr kommen, Kaffee trinken, Kekse essen und sie w\u00fcrde der jungen Syrierin, die um Asyl in \u00d6sterreich angesucht hatte, weil die IS in Damaskus ihren j\u00fcngeren Bruder erschossen hatte, von dem jungen Burschen am Kaufhauseingang erz\u00e4hlen, beziehungsweise hatte sie das bei Sandra schon getan, als die sie gestern in der Mittagspause angerufen hatte, um sie  zu ihrer Sponsion einzuladen. Da hatte sie das schon getan, denn Sandra hatte gemeint, da\u00df Fatma sich sicher mit ihm auf Arabisch unterhalten, beziehungsweise das versuchen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Sie ist zwar etwas sch\u00fcchtern, meine muslimische Freundin, die im Mai an der deutschen Schule in Damaskus maturiert hat und im Juli \u00fcber Lampedusa nach \u00d6sterreich gekommen ist. Tr\u00e4gt ein Kopftuch und gibt M\u00e4nnern nicht die Hand! Aber einen traumatiserten Fl\u00fcchtling wird sie schon fragen k\u00f6nnen, wie es ihm geht und ob er Hilfe braucht? Noch dazu, da sie vor kurzem ihren Bruder verloren hat! Wei\u00dft du was, ich bringe sie einfach zu dir mit und du kannst ihr alles erz\u00e4hlen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit, so gut und wunderbar und jetzt, obwohl Sonntag war, sich anziehen und zum Westbahnbhof fahren, um  Mehl, Butter, eine Packung Eier und ein paar P\u00e4ckchen Vanillezuckder, sowie ein Gl\u00e4schen Rum f\u00fcr die gleichnanmigen Kugeln zu besorgen, damit sie ihre G\u00e4ste bewirten und sich selbst ein bi\u00dfchen weihnachtliche Stimmung bereiten konnte, dachte Nika. Nahm einen Schluck Kaffee, bi\u00df in den Briochekrampus, der s\u00fc\u00df war und gut schmeckte.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>So das ist jetzt das sechste T\u00fcrhen meiner <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/04\/ein-adventkalender-im-august\/\">&#8220;Nika, Weihnachtsfrau&#8221;<\/a>, die ich im Rahmen des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/21\/der-advent-war-im-november\/\">&#8220;Nanowrimos&#8221; 2015<\/a> geschrieben habe. Damals war die Einstellung zu den Fl\u00fcchtlingen die gr\u00f6\u00dftenteils aus Syrien kamen,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/31\/demo-fuer-menschlichkeit-und-buechersegen\/\"> noch anders.<\/a> Da hat sich leider seither viel ge\u00e4ndert. Also ein kleiner R\u00fcckblick in bessere Zeiten, wo wir auch noch kein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/12\/26\/weihnachten-im-corona-land\/\">Corona<\/a> hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Anfang findet man hier: <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_nika.html\">1<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/12\/02\/in-den-corona-advent\/\"> 2 <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2022\/12\/03\/das-dritte-nika-turchen\/\">3<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2023\/12\/04\/ein-stuckchen-aus-dem-adventkalender\/\"> 4<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/05\/samstag-5-dezember\/\"> 5<\/a> und dann aufmerksam sein. Denn es gibt derzeit noch mindestens dreizehn andere T\u00fcrchen, die ich in den letzten Jahren eingestellt habe und werde gelegentlich darauf verlinken <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Sonntag, 6. 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