{"id":1443,"date":"2009-06-17T20:56:01","date_gmt":"2009-06-17T18:56:01","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1443"},"modified":"2009-06-17T20:56:01","modified_gmt":"2009-06-17T18:56:01","slug":"bloomsday-und-apostoloff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1443","title":{"rendered":"Bloomsday und Apostoloff"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war wieder der 16. Juni, der Tag an dem James Joyces &#8220;Ulysses&#8221; spielt und seine Fangemeinde spielt verr\u00fcckt, trinkt Bier, bzw. veranstaltet Lesemarathone.<br \/>\nIn Wien nur gelegentlich, so hat vor ein paar Jahren das Lesetheater den ganzen Tag an verschiedenen Orten aus dem Roman gelesen. Ich war, wie ich mich erinnern kann, am Donaukanal und im WUK dabei, dazwischen habe ich mit Margot Koller telefoniert und meine Diagnostik gemacht.<br \/>\nDen Roman selbst habe auch ich nicht gelesen, ich wollte zwar, weil ihn Patrik Kames dem Alfred schenkte, so ist er lange im Harlander Badezimmer herumgelegen, als ich aber so weit war, zu beginnen, ist die Anna gekommen und hat ihn mitgenommen.<br \/>\nPech, da aber mein SUB sehr gro\u00df und das Schreiben ohnehin das Wichtigste, ist das nicht so schlimm und als ich voriges Jahr nach Feldkirch gefahren bin, um meine Frauenlesung dort abzuhalten, habe ich am Bahnhof eine Inschrifttafel gefunden, da\u00df der Meister hier einmal angekommen ist und gestern hat sich Wien live mit seinem Chef Helmut Schneider der Sache angenommen und ab neunzehn Uhr im Cafe Korb Anzeigenaquisiteure, aber auch Prominente, wie Otto Brusatti aus dem Roman lesen lassen und das Beste, es gab eine Live stream \u00dcbertragung aus dem Internet, im \u00d61 am Morgen einen Leporello, der darauf hinwies und Otto Brusatti hat sich im Pasticcio auch darauf bezogen.<br \/>\nIch konnte also meine Stunden machen und da ich mich nicht unbedingt zur &#8220;Ulysses&#8221; Fangemeinde z\u00e4hle, bin ich nachher mit &#8220;L\u00e4rchenau&#8221; in die Badewanne gestiegen und als ich mit dem zweiten Teil fertig war, habe ich mir den Rest der Lesung gegeben und berichte davon, damit das Literaturgefl\u00fcster nicht zu unvollst\u00e4ndig ist und heute war ich in der alten Schmiede, denn da gabs unter dem Titel &#8220;Literatur studieren und erleben&#8221; eine gemeinsame Veranstaltungsreihe mit dem Institut f\u00fcr Germanistik und da wurde die Preistr\u00e4gerin des Leipziger Buchpreis 09 Sibylle Lewitscharoff eingeladen und las aus ihrem preisgekr\u00f6nten Roman &#8220;Apostoloff&#8221; und da die Vorlesungen im Institut f\u00fcr Germanistik offenbar fr\u00fcher anfangen, begann es schon um siebzehn Uhr. Ich hatte  Gl\u00fcck, da\u00df ich vorige Woche bei der Bolius Veranstaltung daraufkam und noch keine Stunden eingetragen hatte, so da\u00df ich p\u00fcnktlich war.<br \/>\nViele junge Menschen im Publikum, aber auch Mechthild Podzeit-L\u00fctjen, weil, wie Kurt Neumann sagte, auch das literarisch interessierte Publikum wissen soll, was auf der Universit\u00e4t passiert.<br \/>\nUnd das war interessant, der Roman von der Ich-Erz\u00e4hlerin, die hinten im Auto sitzt, vorne ihre fiktive Schwester und der Chauffeur Apostoloff und den erh\u00e4ngten Vater nach Bulgarien \u00fcberf\u00fchrt und dabei monologartig ihre Gef\u00fchle au\u00dfert.<br \/>\nSibylle Lewitscharoff meinte, sie brauchte die fiktive Schwester als Puffer der Aggressionen der Ich-Erz\u00e4hlerin und erz\u00e4hlte von ihrem Vater, der in der Stuttgarter bulgarischen Gemeinde, wie alle anderen Exil-Bulgaren, sofort eine blonde Schw\u00e4bin heiratete und sich  mit zweiundvierzig Jahren erh\u00e4ngte, das war der bulgarische Geheimdienst oder die Mutter vermuteten die bulgarischen Verwandten und es kommt  noch eine sch\u00e4bische Gro\u00dfmutter beim Sp\u00e4tzlekochen und ein  besonderer Schuhkasten vor.<br \/>\nDas Buch hei\u00dft &#8220;Apostoloff&#8221; und nicht &#8220;Die Asche meines Vaters&#8221;, weil Lewitscharoff Romane, meistens Namen als Titel haben, wie beispielsweise &#8220;Montgomery&#8221;, den ich gelesen habe.<br \/>\nDie \u00c4hnlichkeit mit der &#8220;Asche meiner Schwester&#8221; ist mir auch aufgefallen, denn da f\u00e4hrt ja die Schwester mit einem Hund und einem Psychologen nach Marokko, um die Asche auszustreuen, hier geht es um die \u00dcberf\u00fchrung des Sarges, obwohl ich das nicht ganz verstanden habe, weil der Vater ja offenbar fr\u00fcher gestorben ist, mich das aber nicht zu fragen traute.<br \/>\nEs ging  auch um &#8220;Holzf\u00e4llen&#8221; und um Thomas Bernhard in der Diskussion und \u00fcber die Frage, wor\u00fcber  Schriftsteller schreiben d\u00fcrfen oder nicht, wenn sie gut sein wollen. \u00dcber die Eltern ja, \u00fcber Freunde und Geschwister nicht, meinte Sibylle Lewitscharoff, das habe ich auch nicht ganz verstanden, es war aber sehr beeindruckend, wie geheimnisvoll und spannend die Autorin gelesen hat, die auch meinte, da\u00df man das Tragische spannend beschreiben mu\u00df.<br \/>\nDas wars, ich bin dann gleich gegangen, ohne Mechthild Podzeit L\u00fctjen mein neues Buch zu zeigen, ich hatte nur &#8220;Das Haus&#8221; in der Tasche, weil ich vorher in Baumgarten bei einem Supervisions-Vorgespr\u00e4ch war und jetzt gehe ich in die Badewanne, um  &#8220;L\u00e4rchenau&#8221; fertigzulesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war wieder der 16. 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