{"id":1445,"date":"2009-06-18T01:10:20","date_gmt":"2009-06-17T23:10:20","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1445"},"modified":"2009-06-18T01:10:20","modified_gmt":"2009-06-17T23:10:20","slug":"larchenau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1445","title":{"rendered":"L\u00e4rchenau"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeit ist ein sonderbar Ding, die Uhren stehen still, das m\u00e4rkische D\u00f6rfchen hei\u00dft L\u00e4rchenau, das Wirtshaus  &#8220;Zum Ochsen&#8221; und der &#8220;Rosenkavalier&#8221; spielt eine wichtige Rolle im Leben der &#8220;Nur Hausfrau&#8221; Adele Konarske, die das Kind des &#8220;Fiehrors&#8221; ist, der sich aber letztendlich nur als Dorftrottel erweist.<br \/>\nEine Provinzgroteske als Brennspiegel der deutschen Geschichte, steht auf dem Umschlagtext. So kann man also auch den Roman zur Wende schreiben, die deutsch-deutsche Geschichte als Arztroman der letzten sechzig Jahre, aber eigentlich beginnt  es schon im dritten Reich.<br \/>\nDa spielt der gute Arzt Rochus Lingott seinen Patientinnen Bach, Mozart, Beethoven, Sch\u00f6nberg und Swing  zur Erbauung und versteckt das Hitlerbild hinter dem Abbild eines Wasserschierlichs und Schwester Rosie, die Tochter des Milchmanns, die von ihrem Vater mi\u00dfbraucht wird, bekommt bei Wagnerkl\u00e4ngen ein Kind von ihm, n\u00e4mlich Gunther Konarske, der sp\u00e4ter Nobelpreistr\u00e4ger werden will.<br \/>\nW\u00e4hrend  &#8220;Prinzessin&#8221; Adele  aus dem vogtl\u00e4ndischen Dorf Katzgr\u00fcn ihren Vater zuerst f\u00fcr Wilhelm Pieck h\u00e4lt, da sie ja in einer DDR-Schule  zum real existierenden Sozialismus erzogen wird und nach dem Tod der Liese M\u00f6bius,  die sich mit ihrer Zwillingsschwester Lotte  zerstreitet, ein Heimkind wird, in diesem jede Form von Gewalt erlebt, die in dem Roman von Kerstin Hensel wahrscheinlich das einzig Realistische ist, bevor sie vom zum LPG Vorsitzenden gewordenen Bauer Eden nach L\u00e4rchenau geholt wird und sich in den Medizinstudenten Gunther Konarske verliebt.<br \/>\nDer  nennt sie Mauseprinzessin und will, wie erw\u00e4hnt, Nobelpreistr\u00e4ger werden, experimentiert deshalb schon seit Kindertagen mit Spritzen und Ampullen und  gilt als Wunderheiler.<br \/>\nW\u00e4hrend er sich in der Kreisstadt zum Professor hinaufarbeitet, bleibt Adele auch in der DDR zu Hause, liest Westzeitungen, hat die besten Westdelikatessen, w\u00e4hrend sich die DDR-Bauersfrauen \u00fcber das ehemalige Heimkind mokieren und  ihr  die Sonderbehandlung heimzuzahlen versuchen.<br \/>\nDann gibt es noch den Mennichensee mit dem Ungeheuer, in den Rosie Konarske nach Ende des Krieges ihren Vater trieb und Jahre sp\u00e4ter die Mennichenbande, deren Mitglied auch  der \u00fcbergewichtige Konarske-Sohn Timm, ist, der statt zu studieren, Fleischhauer geworden ist, seine Experimente treibt.<br \/>\nEs gibt den Stasi-Spitzel Hanswerner Giersch und w\u00e4hrend Gunther Konarske in Amerika  Kongresse besucht und bei Adele, die sich mit Musik und Alkohol zu tr\u00f6sten wei\u00df, der Fernseher eingeht, passiert die Wende und ab da entgleitet das Ganze total.<br \/>\nZuerst kommt aber Graf  Gutfried nach L\u00e4rchenau zur\u00fcck, bezieht mit seiner Gr\u00e4fin das alte Schlo\u00df und beginnt das Dorf zu schikanieren, Gunther Konarske ist l\u00e4ngst Professor und spritzt Adele Ampullen zur Verj\u00fcngung, nachdem es mit der Tr\u00fcffelschweingewinnung nicht so klappt, die schlie\u00dflich im Kinderkleidchen das Haus verl\u00e4\u00dft, w\u00e4hrend nicht er, sondern der Kollege den Nobelpreis bekommt.<br \/>\nDie Zeit ist ein sonderbar Ding, denn alles \u00e4ndert sich, das tausendj\u00e4hrige Reich zu vierzig Jahre DDR und kommt schlie\u00dflich zur europ\u00e4ischen Union. Nur die Menschen sind  gewaltsam, korrupt, machtbesessen und  dumm geblieben.<br \/>\nWas das mit dem Rosenkavalier zu tun hat, der ja seine Dekadenz in Wien und unter der Herrschaft Maria Theresias erlebte, wei\u00df ich nicht, spielt aber auch bei Uwe Tellkamp eine Rolle und am Schlu\u00df gibt die 1961 in Karl Marx Stadt geborene, am Literatur-Institut Leipzig ausgebildete und in Berlin lebende Autorin Kerstin Hensel noch den Warnhinweis, da\u00df  alles frei erfunden ist.<br \/>\nWers glaubt wird selig und hat vielleicht trotzdem zwanzig Jahre nach der Wende ein St\u00fcck Geschichte gelernt, obwohl das Buch schon 2008 erschienen ist.<br \/>\nIch habe es, obwohl es mich manchmal ein wenig ratlos machte, begierig gelesen, kenne ich ja die Autorin pers\u00f6nlich und habe sie, 1990 und 1992 in der Linienstra\u00dfe, die auch in dem Roman eine Rolle spielt, besucht, sie aber aus den Augen verloren. So da\u00df das bei fix poetry gewonnene Buch, das ich schon vor einem Jahr bei &#8220;Morawa&#8221; in H\u00e4nden gehabt habe, ein Anla\u00df sein k\u00f6nnte, wieder in Kontakt zu kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit ist ein sonderbar Ding, die Uhren stehen still, das m\u00e4rkische D\u00f6rfchen hei\u00dft L\u00e4rchenau, das Wirtshaus &#8220;Zum Ochsen&#8221; und der &#8220;Rosenkavalier&#8221; spielt eine wichtige Rolle im Leben der &#8220;Nur Hausfrau&#8221; Adele Konarske, die das Kind des &#8220;Fiehrors&#8221; ist, der &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1445\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-1445","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1445"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1445\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}