{"id":1558,"date":"2009-07-05T23:01:41","date_gmt":"2009-07-05T21:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1558"},"modified":"2009-07-05T23:01:41","modified_gmt":"2009-07-05T21:01:41","slug":"in-der-ehemaligen-synagoge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1558","title":{"rendered":"In der ehemaligen Synagoge"},"content":{"rendered":"<p>Der Sommer hat so seine Rituale. So verbringe ich den Juli und August schon seit einigen Jahren in Harland bei St. P\u00f6lten und komme nur tageweise nach Wien, um meine Praxis zu machen.<br \/>\nEnde Juni ist das Bachmannlesen und dann die Sommerakademie des Instituts f\u00fcr j\u00fcdischen Geschichte \u00d6sterreichs und zwar beginnt das meistens Sonntag Abend in der ehemaligen Synagoge in St. P\u00f6lten mit einem Festakt.<br \/>\nDazu wird das Wiener Publikum, der Verteiler stammt von den Wiener Vorlesungen, in Bussen hingefahren und um halb zehn wieder zur\u00fcck.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Mogen geht es los in Wien, drei Tage mit Vortr\u00e4gen zu einem bestimmten Thema, voriges Jahr waren es die Zahlen, heuer ist es der b\u00fcrgerliche Salon.<br \/>\nDazu gibt es einen Katalog, der vom Vorjahr liegt  gegen Spenden auf, am Sonntag ein Buffet und am Dienstag ist meist ein Besuch im j\u00fcdischen Museum Wien angesagt.<br \/>\nEin kleines aber feines Institut, das da in der ehemaligen Synagoge unter Martha Keil forscht und arbeitet und  in der  Sommerakademie sozusagen seine j\u00e4hrliche Leistungsschau von sich gibt.<br \/>\nDie Stimmung war in den letzten Jahren immer sehr besonders. Am Wochenende waren wir in Harland, der Bachmannpreis wurde meistens an diesem Wochenende vergeben, so da\u00df, wenn ich am Montag nach Wien gekommen bin,  etwas nachzuh\u00f6ren oder auszudrucken hatte, da es ja bisher kein Internet in Harland gab und dann war es auch sehr hei\u00df und so ist man in Sommerkleidern durch die Stadt gegangen, wo sich die Touristen tummelten.<br \/>\nBis vor einem Jahr fand die Tagung im Festsaal der BAWAG im Hochholzerhof statt. Heuer wird es wegen dem Skandal bei der Ersten Bank am Petersplatz und im Palais Mollard sein, zu Mittag bin ich immer schnell in die Krongasse gegangen, habe gegessen und die Telefonate erledigt und dann zur\u00fcck,  anschlie\u00dfend vielleicht noch ein paar Stunden machen und am Abend  Rathausplatz. Auf diese Weise habe ich in den letzten Jahren das Hauptstadtfest, das es seit 1986 gibt, vers\u00e4umt, weil ich den Donnerstag und den Freitag f\u00fcr meine Stunden brauchte, aber heuer war das Bachmannlesen schon vor einer Woche und die erste Woche Sommerfrische ist auch schon vorbei.<br \/>\nIch war beim Hauptstadtfest und komme gerade von der Er\u00f6ffnung. Das heurige Thema &#8220;Salondamen und Dienstboten&#8221; ist auch besonders interessant, obwohl mir  Ruth Asp\u00f6ck, als ich sie am Donnerstag fragte, ob ich sie sehen werde, etwas anderes sagte.<br \/>\nDer Bus aus Wien war schon da, als wir kamen, einige bekannte Gesichter, obwohl, wahrscheinlich wetterbedingt, weniger Leute gekommen waren.<br \/>\nMartha Keil hielt die Einleitung, B\u00fcrgermeister Stadler, der, wie ich h\u00f6rte, auch Historiker ist, hat lang er\u00f6ffnet. Dann gab es Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Mendelssohn und Renate Stockreiter, das ist die Graphikerin des Katalogs, die auch eine sch\u00f6ne Stimme hat, las Beschreibungen zum Arnsteinschen Salon von G\u00f6nnern bis zur Geheimpolizei und dann noch Esther  Gads, die auch um achtzehnhundert lebte, \u00c4u\u00dferungen \u00fcber Herrn Kampes  &#8220;Behauptungen, die die weibliche Gelehrsamkeit betreffen&#8221;, die dieser f\u00fcr seine Tochter niederschrieb, mit dem ungef\u00e4hren Inhalt, da\u00df schreibende Frauen das Letzte sind, was Esther Gad lebhaft dementierte.<br \/>\nHeute findet man das lustig und so hat das Publikum auch gelacht. Die Veranstaltung war eher kurz, nachher gab es  Br\u00f6tchen und  Wein, der rote war schnell aus, im vorigen Jahr hat es aber, glaube ich, \u00fcberhaupt nur wei\u00dfen gegeben.<br \/>\nIch habe mich ein bi\u00dfchen mit den Stammbesucherinnen unterhalten und einer meine neuen B\u00fccher gezeigt, die mir von ihren Spazierg\u00e4ngen am St. Marxer Friedhof erz\u00e4hlte und vom hundersten Geburtstag ihrer Mutter, die zu dieser Zeit schon begraben war. Sie wollte ihr erst hundert Kerzen entz\u00fcnden, hat dann aber ein Geschenk f\u00fcr eine arme Musikerin daraus gemacht.<br \/>\nSo h\u00f6rt man die sch\u00f6nsten Geschichten, der Bus ist bald abgefahren und morgen geht es nach Wien zum Symposium.<br \/>\nHeute habe ich wieder geschrieben, bzw. meinen vorl\u00e4ufigen Plan gemacht. Das geht dann immer schnell bei mir. Gestern hatte ich noch keine Ahnung, wie es mit der Sophie Hunger weitergeht, jetzt habe ich die Szenen 71 &#8211; 79 aufnotiert, die dann die Letzten sein werden.<br \/>\nKarl Lakner stirbt, Franka Stein h\u00e4lt ihm die Begr\u00e4bnisrede und Valerie und Felix Baum kommen wahrscheinlich nur bis Prag. So werde ich den ungef\u00e4hren Zeitplan der letzten zwei Jahre auch einhalten, was ich aber schon tun werde, da\u00df ich das ganze  mehr um\u00e4ndere, als es bisher der Fall ist. Mal sehen, ob das stimmen wird.<br \/>\nAnsonsten gibt es zu vermelden, da\u00df es im deutschen Fernsehen eine neue B\u00fcchersendung mit Ijoma Mangold und Amelie Fried &#8220;Die Vorleser&#8221; geben wird. Das Literaturcafe berichtete davon und Amelie Fried, deren Interview ich mir anh\u00f6rte, ersucht in diesem ihr keine Books on Demand zuzusenden, weil sie die bestimmt nicht lesen oder zur\u00fccksenden, sondern nur wegwerfen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sommer hat so seine Rituale. So verbringe ich den Juli und August schon seit einigen Jahren in Harland bei St. P\u00f6lten und komme nur tageweise nach Wien, um meine Praxis zu machen. 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