{"id":1561,"date":"2009-07-09T01:04:38","date_gmt":"2009-07-08T23:04:38","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1561"},"modified":"2009-07-09T01:04:38","modified_gmt":"2009-07-08T23:04:38","slug":"vom-salon-zur-literatur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1561","title":{"rendered":"Vom j\u00fcdischen Salon zur \u00f6sterreichischen Literatur"},"content":{"rendered":"<p>Die letzten Tage waren sehr intensiv, deshalb bin ich auch nicht dazu gekommen, vorher etwas zu schreiben.<br \/>\nAu\u00dferdem wollte ich von der Sommerakademie auf einmal berichten, die am Montag im sechsten Stock bei der Erste Bank am Petersplatz begonnen hat, ein wenig kleiner als bei der BAWAG, aber sonst Kaffee und Getr\u00e4nke in den Pausen und die Leute sehr freundlich. Bei der Stiege standen allerdings immer ein Herr oder eine Dame im blauen Kost\u00fcm und man durfte nicht hinuntergehen, was die wohl zu verbergen haben? Ansonsten sehr viel Information \u00fcber alle Schichten des weiblichen B\u00fcrgertums, um Achtzehnhundert.<br \/>\nVon den Salons zu den Dienstm\u00e4dchen. Bei den Dienstm\u00e4dchen gibt es allerdings nicht  viele Quellen, wurde immer wieder erw\u00e4hnt. Das Material stammte vorwiegend aus  Gerichtsakten und es ging haupts\u00e4chlich um uneheliche Kinder.<br \/>\nAnsonsten ging es um Tageb\u00fccher, in denen die b\u00fcrgerlichen Frauen die Krankheiten ihrer Kinder beschrieben und nebenbei erw\u00e4hnten, da\u00df sie im Gesch\u00e4ft mitarbeiteten.  Um Toleranzpatente und die Tendenz des \u00f6sterreichischen Hofes alle zu adeligen, die nur genug daf\u00fcr zahlten und um j\u00fcdische M\u00e4dchenschulen. Da gab es z.B. eine Gouvernantenausbildung, bei der die Gouvernanten das Schwimmen lernten, wohl damit sie die ihnen anvertrauten Knaben aus dem Wasser ziehen konnten, ob das aber in den damaligen Badeanz\u00fcgen m\u00f6glich war?<br \/>\nAm Dienstag ging es selbst in den Salon, bzw. ins  Palais Mollard in der Herrengasse, wo es im barocken Rahmen mit etwas weniger Security weiterging. Kaffee und Orangensaft gab es aber auch und zu Mittag eine F\u00fchrung durch das Globenmuseum, das im selben Haus untergebracht ist und um vier  eine F\u00fchrung durch das j\u00fcdische Museum, wo es gerade eine Ausstellung \u00fcber das &#8220;Klischee&#8221; zu sehen gibt und man z.B. Marcel Reich-Ranicky als B\u00fccherst\u00fctze, aber auch andere seltsame Dinge betrachten konnte.<br \/>\nDas war sehr interessant, ich habe bei dieser Gelegenheit auch nach meinem Schirm gefragt, den ich bei der Torberg Ausstellung vergessen hatte, leider habe ich ihn nicht wiederbekommen.<br \/>\nAm Montag war ich am Abend mit dem Alfred im Kino. Dienstag auf dem Rathausplatz,  bin aber, da es erstens regnete und es zweitens ein Pop-Konzert gab, gleich wieder gegangen, nachdem ich eine Sophie Hunger Szene aufnotiert habe.<br \/>\nDie GAV-Nachrichten sind auch gekommen, da konnte ich bei dem Bericht der letzten Vorstandsitzung lesen, da\u00df ich die Organisation des Tages der Freiheit des Wortes zur\u00fcckgegeben habe. Na ganz so freiwillig war es nicht und Walter Baco rief zur Mitarbeit an einem Blog-Roman auf, da habe ich inzwischen ein Kapitel geschrieben.<br \/>\nAm Mittwoch ist es gleich weiter mit der Literatur gegangen, denn da gab es in der alten Schmiede noch einen Abend zu den  &#8220;Erz\u00e4hlmustern&#8221;.<br \/>\nHelmut Schranz, Heinz D. Heisl und Gundi Feyrer haben ihre Arbeiten vorgestellt und auf dem Weg habe ich Ilse Kilic, Fritz Widhalm und Lisa Spalt getroffen.<br \/>\nThema war die literarische Brechung von Lebensl\u00e4ufen und zwar bei eher experimentellen Schreibweisen.<br \/>\nStellte doch als erstes der Grazer Helmut Schranz, der die Zeitschrift &#8220;Perspektive&#8221; mitherausgibt, sein bei Ritter erschienenes Buch &#8220;Birnall&#8221; vor und da ging es zwar um eine Figur namens Birnbaumer, aber sonst konnte ich nicht viel Lebensgeschichtliches, sondern eher Aphorismen erkennen, sch\u00f6ne S\u00e4tze wie &#8220;Graffitis werden an die Wand gespr\u00fcht&#8221; und in der Mitte gibt es ein Inventar mit all den W\u00f6rtern, die darin vorkommen.<br \/>\nEin wenig hat mich der Stil an Ilse Kilic erinnert, sie meinte aber, sie w\u00fcrde ihre Themen eher begrenzen.<br \/>\nDie Diskussion ging dann im Schmiedemuseum weiter, w\u00e4hrend im anderen Raum der Tiroler Heinz D. Heisl von Petra Messner vorgestellt wurde, die das wieder sehr genau und sorgf\u00e4ltig machte und in dem bei Dittrich erschienenen Roman &#8220;Abriss&#8221; geht es einerseits, um die Bew\u00e4ltigung einer Kindheit und die Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit des Vaters, andererseits aber auch um Kursiv-Schrift, Nebenhandlungen  und Sprachmelodien, weil der Musiker Heinz D. Heisl vom H\u00f6ren kommt und seine Werke gern mit Gert Jonke diskutierte. Es gibt Wortsch\u00f6pfungen wie &#8220;Matrosenkappenmann&#8221; oder &#8220;Genossenschaftsmilchsammelstelle&#8221; aber auch leere Seiten, weil der Autor viel Luft braucht.<br \/>\nBei beiden Autoren ist mir aufgefallen, da\u00df sie sehr selbstbewu\u00dft wirkten. Helmut Schranz wurde von seinem Lektor eingeleitet, der das in eher komplizierten Worten machte. Helmut Schranz hat inzwischen sein Hemd hergezeigt, das dasselbe Muster hat, wie eine Grafik in dem Buch und Heinz D. Heisl hat erz\u00e4hlt, da\u00df er den Verlag gewechselt hat und sich bei dem Berliner Verlag viel wohler als bei Haymon f\u00fchlt und er hat auch einen Agenten, der seine Verlags- und Pressearbeit macht. Da hat er jetzt viele Rezenssionen in kleinen Zeitungen und verkauft seither viele B\u00fccher.<br \/>\nDanach bin ich gegangen, denn am Karlsplatz gibt es im Juli ein Kino unter Sternen und da gab es eine Lesung von Kurt Palm und  seinen Film &#8220;In Schwimmen zwei V\u00f6gel&#8221; und da geht es auch um das Schreiben und Erz\u00e4hlperspektiven.<br \/>\nWie ein Autor mit seinen Figuren umgeht und die r\u00e4chen sich dann an ihm.<br \/>\nDer schon verstorbene Grazer Dichter Wolfgang Bauer spielt dabei eine kleine Rolle und Karl-Ferdinand Kratzl, mit dem ich einmal Psychologie studierte, eine gr\u00f6\u00dfere.<br \/>\nEine Zeitlang waren unsere Kinder auch in derselben Kindergruppe, dann ist er ber\u00fchmt geworden. Als er das noch nicht war, das ist jetzt ein geheimer Fl\u00fcstertip, hat er sich einmal auf einem Volksstimmefest hundert Schilling von mir ausgeborgt und mir daf\u00fcr einen Band seiner Gedichte gegeben. Ich habe sie mir inzwischen durchgesehen, leider steht auf dem Schnellhefter kein Name, so da\u00df ich es nicht beweisen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten Tage waren sehr intensiv, deshalb bin ich auch nicht dazu gekommen, vorher etwas zu schreiben. 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