{"id":1683,"date":"2009-08-15T08:37:59","date_gmt":"2009-08-15T06:37:59","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1683"},"modified":"2009-08-15T08:37:59","modified_gmt":"2009-08-15T06:37:59","slug":"die-reise-nach-bratislava","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1683","title":{"rendered":"Die Reise nach Bratislava"},"content":{"rendered":"<p>Mein gestriges Sommerevent war zweifellos die Reise nach Bratislava, eingeladen von einer dieser Werbefirmen, Fr\u00fchst\u00fcck, Mittagessen, Schiffahrt, Bus, alles kostenlos, dazu wurde noch ein Gewinn von 5000 Euro und sieben Pfund landestypische Spezialit\u00e4ten versprochen. Also nach f\u00fcnf aufgestanden und nach Wien gefahren, der Bus stand schon in der Gumpendorfer Stra\u00dfe, zwei Trankler warteten darin und beschwerten sich, da\u00df sie jetzt schon eine Stunde durch Wien gondelten, wo sie doch nach Sopron wollten.<br \/>\nSie stiegen dann bei einer Tankstelle aus, um sich Bier zu besorgen und ich dachte \u00fcber die Namensvorschl\u00e4ge meiner Leserin Maria Heidegger nach.<br \/>\nMarie Hunger oder doch Sophie Essen, was als Gegenteil von Hunger ja auch zur Krise passt?<br \/>\n&#8220;Lassen wir uns \u00fcberraschen!&#8221;, habe ich ihr geschrieben und &#8220;Tut mir leid, ich finde die sprechenden Namen literarisch!&#8221;<br \/>\nAber ich habe in der letzten Woche ohnehin einige Namen umge\u00e4ndert. So wurde aus Frau Karner eine Hedy Koschitzky, aus Konrad Katterer ein Konrad Leichtfried und aus Helena Grabova, Valeries und Felix Zimmerwirtin in Bratislava eine Frau Bilakova, was eine H\u00fctte beim Wasserfallweg in der Hohen Tatra ist.  Pst, nicht weitersagen!<br \/>\nAlso nach Bratislava, was ich gut gebrauchen konnte, kommt Valerie Oswald ja auch dort hin und spaziert mit Felix Baum den Burgberg hinauf, also ist es fein, kostenlose Studien zu machen, um das Lokalkolorit zu kennen.<br \/>\nZwar war nur eine Schiffahrt auf der Donau verspochen und die Promotion fand in einem St\u00e4dtchen namens Stupava, achtzehn Kilometer von Bratislava entfernt, statt und, um noch bei den klingenden Namen zu verbleiben: Als die GAV den Tag der Lyrik in Leipzig machte, zeigte ich dort Milan Richter, unserem slowakischen Mitglied, &#8220;Die Fluchtbewegungen&#8221;, in der es ja eine serbische Putzfrau namens Milia gibt und es gibt auch eine experimentelle Lyrikerin, die in Bratislava wohnt und Mila Haugova hei\u00dft.<br \/>\n&#8220;Ist das die Mila Haugova?&#8221;, hat Milan Richter sogleich gefragt, man kommt den Verwechslungen nicht aus und weil ich wirklich oft dasselbe schreibe: In &#8220;Und Trotzdem&#8221; f\u00e4hrt die krebskranke Helga Schwarz mit dem Fahrrad die Donau hinunter, geht auch am Burgberg von Bratislava spazieren und i\u00dft die guten weichen Weckerln bei Ihrer Zimmerwirtin Frau Haugova.<br \/>\nIch a\u00df meines gestern im Restaurica von Stupava und ging durch die Stadt spazieren, die klein und sehr idyllisch ist. Es gibt ein altes Wasserschlo\u00df mit einem wundersch\u00f6nen gro\u00dfen Park, das als Altersheim dient, in dem gerade ein Festzelt errichtet wurde, eine versteckte Synagoge, 1807 im polnischen Stil erbaut, eine Plattenbausiedlung, die in der deutschen Stadtbeschreibung als Sehensw\u00fcrdigkeit erw\u00e4hnt war und zwei Kirchen.<br \/>\nIch spazierte durch den Friedhof, was ein Eldorado f\u00fcr die Namensfindung ist und ich als Geheimtip weitergebe. Vielleicht sollte ich, bevor ich meinen n\u00e4chsten Roman schreibe, zur Namensfindung auf den Friedhof gehen.<br \/>\nHier ruhten jedenfalls eine Familie Bauer und eine Frau Schwarzova, nach Ferdinand Schwarz gestorben und viele Jans und Frantiseks nat\u00fcrlich auch.<br \/>\nIm Gasthaus wurde inzwischen eifrig Q-10 beworben, ich sa\u00df neben einem \u00e4lteren Mann, der mich auf ein Glas Wein einlud und erz\u00e4hlte, da\u00df er in Moskau Baumeister war und gerne fischen geht und einigen Damen, die mir auch ihr Leben erz\u00e4hlten, aber unzufrieden mit dem Fr\u00fchst\u00fcck waren und auf den Kellner schimpften.<br \/>\nHerr Mark, der Werbeleiter ,zeigte f\u00fcnfhundert Euro in einem Kuvert und teilte solche dann an die sechs G\u00e4ste aus, die den gr\u00f6\u00dften Wert auf ihre Gesundheit legten, nach dem reichhaltigen Mittagsmen\u00fc, das statt Gulaschsuppe aus einem z\u00e4hen Schnitzel bestand, wenn man daf\u00fcr auf die sieben Pfund Spezialit\u00e4ten verzichtete, verschwand das Werbepaar und hinterlie\u00df Aufregung bei den G\u00e4sten, weil man nicht wu\u00dfte, ob man noch auf die Reisetombola warten sollte, es war aber ohnehin schon dreiviertel drei.<br \/>\nHerr Mark kam zur\u00fcck und brachte Rubbellose, damit man die versprochenen f\u00fcnftausend Euro gewinnen konnte. Auf meinem stand f\u00fcnfzig Cent, ich holte sie mir aus der Trafik ab und diskutierte lang mit einem anderen \u00e4lteren Herrn, ob das nicht blo\u00df der Lospreis gewesen w\u00e4re, weil man f\u00fcr einen Gewinn drei gleiche Zahlen haben h\u00e4tte m\u00fcssen. Ich spiele ja nicht Lotto.<br \/>\nAuf gings nach Bratislava und da wir mit keinem Schiff, sondern mit einem Bimmel-Bahn genannten Wagen durch die Stadt auf den Burgberg hinauffuhren, hatte ich auch etwas f\u00fcr meinen Roman.<br \/>\nDenn jetzt k\u00f6nnen Valerie Oswald und Felix Baum durch das Wiener Tor spazieren, beim Parlamentsrestaurant auf die Donau hinuntersehen und ihren Schweisbraten und das Zlaty Bazant in dem Gasthaus bestellen, vor dem wir  lange standen, weil sich der Fahrer wegen eines gro\u00dfz\u00fcgig geparkten Postbuses nicht den Berg hinunterfahren traute.<br \/>\nZur\u00fcck nach Wien, wir blieben zwar noch einige Male stehen, weil die Trankler speiben mu\u00dften oder das behaupteten und als ich in der Krongasse  meine Mails durchschaute, wartete eine weitere \u00dcberraschung.<br \/>\nDenn, das habe ich noch nicht erw\u00e4hnt, eigentlich h\u00e4tten wir uns bei Petra Rau in Pressbaum zu einer Sommer-Supervison treffen sollen, die ich ihr mit etwas schlechten Gewissen absagte,  aber sie hat ohnehin nicht stattgefunden.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein gestriges Sommerevent war zweifellos die Reise nach Bratislava, eingeladen von einer dieser Werbefirmen, Fr\u00fchst\u00fcck, Mittagessen, Schiffahrt, Bus, alles kostenlos, dazu wurde noch ein Gewinn von 5000 Euro und sieben Pfund landestypische Spezialit\u00e4ten versprochen. 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