{"id":1704,"date":"2009-08-18T01:04:02","date_gmt":"2009-08-17T23:04:02","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1704"},"modified":"2009-08-18T01:04:02","modified_gmt":"2009-08-17T23:04:02","slug":"sohne-und-planeten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1704","title":{"rendered":"S\u00f6hne und Planeten"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich doch den 2007 erschienenen Roman &#8220;S\u00f6hne und Planeten&#8221; des Grazers Clemens J. Setz gelesen, der Mathematik und Germanistik studierte, 2007 mit seinem Debutroman gefeiert wurde, 2008 beim Bachmannwettbewerb gewann und den ich zuletzt im April im Literaturhaus  bei W.G. Sebalds &#8220;Orte&#8221; h\u00f6rte, wo auch sein zweiter Roman vorgestellt wurde.<br \/>\nHerwig Bitsche wird sich freuen oder auch nicht, denn ich habe das Buch im Oktober bei diesem Kirchenflohmarkt in  Spratzern um einen Euro gekauft und eigentlich schon wegger\u00e4umt gehabt, jetzt habe ich es wieder hervorgenommen, denn es ist ja interessant, was junge M\u00e4nner schreiben, die 1982 geboren wurden, obwohl mich ein Roman \u00fcber V\u00e4ter und S\u00f6hne, wie ich anfangs dachte, nicht besonders reizte.<br \/>\nEs sind aber vier ineinander verwobene  Novellen und da ist es wieder spannend, da\u00df einen so jungen Mann so ernste Themen interessieren. Das Germanistik- und Mathematikstudium merkt man dieser  kompliziert aufgebauten Novellensammlung an und die erste Erz\u00e4hlung &#8220;Kubische Raumaufteilung&#8221; habe ich schon gekannt, n\u00e4mlich im Radio bzw. bei einer Lesung geh\u00f6rt.<br \/>\nEs geht um Rene Templ, dem genialen vierundzwanzigj\u00e4hrigen Dichter, der eine Geliebte namens Natalie, einen Sohn und eine Gattin hat und aus seinem Haus ausziehen soll, weil diese Wohnumgebung f\u00fcr das S\u00f6hnchen nicht f\u00f6rderlich ist.<br \/>\nKevin hat n\u00e4mlich Atembeschwerden und soll beim HNO zur \u00dcberpr\u00fcfung seiner Lungenfunktion in eine Dolmetscherkabine, traut sich das nicht, der Vater bietet an, ihn zu begleiten, bricht das Experiment aber ab und fl\u00fcchtet auf das Klo, zuletzt schrumpft er auf Zwergengr\u00f6\u00dfe, so da\u00df er schlie\u00dflich in dem Buch in seiner Schreibtischlade verschwinden kann, um sich der Verantwortung der Vaterrolle zu entziehen und das Bild aus Natalies Wohnung ist auch aus dem Rahmen gefallen.<br \/>\nMan denkt an Franz Kafka und im zweiten Teil  &#8220;Fuge zu Ehren des Sonnensystems&#8221; wird es noch literarischer, obwohl es um das Sterben geht oder um eine Schwimmrunde alternder Dichter und Germanisten zu der Ernst Mauser geladen hat, weil er aus seinem Haus auszuziehen will, nachdem seine Gattin Anna gestorben ist.<br \/>\nHier ist der geschrumpfte Rene Templ der j\u00fcngste Gast und gl\u00e4nzt  in seiner dichterischen Genialit\u00e4t, w\u00e4hrend es in der  &#8220;Stillen Post&#8221; um die Rahmenhandlung am Tag des Begr\u00e4bnisses von Victor Senegger, dem Sohnes eines der  G\u00e4ste, der vorigen Schwimmrunde geht. Die spielt in der Schule w\u00e4hrend einer geplatzten Deutschschularbeit in der Kafka  als Schreibimpuls und Eineitungsstatement das Thema ist.<br \/>\nDer Vater wird zum Nachla\u00dfverwalter der Texte seines Sohnes, die immer wieder in kurzen Einsch\u00fcben in der Erz\u00e4hlung auftauchen und es geht auch um eine Nina, die in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt, w\u00e4hrend sie in Novelle IV &#8220;Die neuere Katharer Forschung&#8221; mit ihrem siebenj\u00e4hrigen Wunderkind Andreas zusammenwohnt, das sich bereits f\u00fcr Kirchengeschichte interessiert.<br \/>\nNina wird besucht von einem jungen Dichter, der ein Manuskript einer begabten Jungautorin im Rucksack tr\u00e4gt und mit Mutter und Sohn essen geht, sich als Vegetarier \u00fcberwindet, Andreas H\u00fchner-Nuggets aufzuessen, wovon sich der Sohn so gedem\u00fctigt f\u00fchlt, da\u00df er in einer Kurzschlu\u00dfreaktion das Manuskript der Jungautorin verbrennt, aber das war schon Victors Sprung in den Tod, worauf sich der Kreis  schlie\u00dft und eine sehr komplizierte Handlung \u00fcber die Beziehung dichtender V\u00e4ter zu ihren S\u00f6hnen beendet, die ineinander so verwoben ist, da\u00df man das Ganze auch anders erz\u00e4hlen k\u00f6nnte und ich au\u00dferdem viel ausgelassen habe.<br \/>\nIm zweiten Teil gibt es ein &#8220;Korrekturen&#8221; genanntes Kapitel, in dem Karl Senegger die Korrekturen von Victors ungez\u00e4hlten Manuskriptseiten an den Helian &#8211; Verlag schickt und das f\u00fchrt mich zu meinem &#8220;Aktuellen Korrigierbericht&#8221;,  denn da hat sich mit meiner Stammleserin wieder eine lange Diskussion \u00fcber den bem\u00fchten Dilettantismus, sprechende Namen und, ob und wie man Schreiben lernen kann, was ja gut zu diesem komplizierten Romandebut passt, ergeben.<br \/>\nIch hab ja manchmal Schwierigkeiten mit Frau Heideggers deftigen Feststellungen und bin mir auch nicht sicher, ob das nun eine konservative \u00e4ltere Dame mit Hauptschulbildung bzw. Germanistikstudium ist oder doch ein linker Kabarettist, der mich auf den Arm nehmen will?<br \/>\nAus beruflichen Gr\u00fcnden neige ich dazu, sehr viel ernst zu nehmen und bin wahrscheinlich auch so ein interessierter flei\u00dfiger Dilettant.<br \/>\nAchtung, ich meine das nicht abwertend, denn ich bin ja f\u00fcr die Kreativit\u00e4t f\u00fcr alle und habe weder Germanistik studiert, noch die Schule f\u00fcr Dichtung besucht, aber das Literaturgefl\u00fcster und hoffe, ich renne damit nicht mehr, wie noch Don Quichotte, gegen Windm\u00fchlen an.<br \/>\nSo finde  ich die Diskussion trotzdem spannend und habe viel gelernt dabei, denn nat\u00fcrlich glaube ich an das &#8220;learning by doing&#8221; und daran, da\u00df man sich immer weiter entwickelt, ganz egal, wo man schon steht. Zur Rechtschreibung kommt noch ein Artikel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich doch den 2007 erschienenen Roman &#8220;S\u00f6hne und Planeten&#8221; des Grazers Clemens J. Setz gelesen, der Mathematik und Germanistik studierte, 2007 mit seinem Debutroman gefeiert wurde, 2008 beim Bachmannwettbewerb gewann und den ich zuletzt im April im Literaturhaus &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1704\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-1704","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1704\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}