{"id":188,"date":"2008-09-16T23:25:38","date_gmt":"2008-09-16T21:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=188"},"modified":"2008-09-16T23:25:38","modified_gmt":"2008-09-16T21:25:38","slug":"verabredungen-mit-mattok","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=188","title":{"rendered":"Verabredungen mit Mattok"},"content":{"rendered":"<p>Louise Doughty (Ein Roman in einem Jahr) und Andreas Eschbach empfehlen in ihrem Ratgebern f\u00fcr das Schreiben viel zu lesen.<br \/>\nAnderes lesen, um den Schreibenden auf die Schliche zu kommen und ihre Baupl\u00e4ne f\u00fcr die Textkonstruktion nachvollziehen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nWeil das  logisch klingt, habe ich mir von meinen ungelesenen B\u00fccherbergen ein paar der j\u00fcngeren Bachmannpreisautorinnen in das Badezimmer gelegt.<br \/>\nEines davon, das ich mir im Vorjahr bei Buchlandung um einen Euro kaufte (da gab es relativ viele Bachmannpreistr\u00e4gerinnen, die ihre Erst- und  Zweitb\u00fccher in deutschen Literaturverlagen herausgebracht haben dabei) ist Julia Schochs &#8220;Verabredungen mit Mattok&#8221; (Piper).<br \/>\nDie 1974  geborene gilt  als  ostdeutsches Fr\u00e4uleinwunder und hat 2005 einen der Bachmannpreise gewonnen. 2004 ist ihr erster Roman erschienen, ich glaube, ich habe sie im Herbst 2005  auch im Radiokulturhaus bei einer Lesung geh\u00f6rt, wo sie mir durch ihren Ernst aufgefallen ist.  Au\u00dferdem \u00fcbersetzt sie Fred Vargas Kriminalromane, was ich interessant finde.<br \/>\nDas 131 Seiten umfassende Buch habe ich mir  als n\u00e4chsten Lesestoff herausgesucht, um von einer weit j\u00fcngeren zu lernen, beziehungsweise zu sehen, wie sie es bei ihrem ersten Roman machte.<br \/>\nEinen Ostseetext habe ich mit &#8220;M\u00f6wenflug oder Sedelmeyers Begnungen&#8221;  2001 allerdings auch schon geschrieben.<br \/>\nIn diesem Kurzroman, den ich auch mehr f\u00fcr eine Novelle halten, als Endzeitnovelle  w\u00fcrde ich es von der Stimmung her bezeichnen, geht es um einen nebeligen Fr\u00fchsommer in einem Ostseebad.<br \/>\nAn der K\u00fcste ist gerade ein Tanker auseinander und eine Umweltkatastrophe ausgebrochen, w\u00e4hrend die Katastrophe f\u00fcr die Taschentrickk\u00fcnstlerin Claire in der Unheilbarkeit ihres Ekzems der rechten Hand liegt.<br \/>\nSie bekommt die Diagnose auf Seite eins verk\u00fcndet, wirft daraufhin dem Mediziner eine schwere asiatische Dekorationskugel  am Gesicht vorbei,  um  anschlie\u00dfend  Mattok kennenzulernen und mit ihm am Strand spazieren zu gehen, wo die Helfer ihre  Rettungsversuche starten, das Ostseebad immer leerer und das Hotel immer unbewohnbarer wird.<br \/>\nClaire weigert sich jedoch abzureisen, besucht mit Mattok, der mit einem Koffer voller Kleingeld, das von einem Bankraub zu stammen scheint, herumzieht, das Geburtshaus eines ber\u00fchmt gewordenen Dichters, von dessen Existenz die Kartenver\u00e4uferin bis zur Museumser\u00f6ffnung nichts wu\u00dfte und in dessen aus der Gro\u00dfstadt herbeigeschafften Arbeitszimmer, Hausschuhe und  unlesbare Manuskripte ausgestellt werden.<br \/>\nSie gehen ins Kino, essen  in  dem nur mehr notbeleuchteten Hotel Cornedbeef und Brotscheiben, das sie auf einem Geschirrwagen bereitgestellt finden, bis Mattok nach einem  Fluchtversuch in eine schmutzige D\u00fcne f\u00e4llt und Claire an den Strand hinauszieht und ihre  H\u00e4nde solange in das angesammelte \u00d6l steckt, bis sie von den  Helfern in das Lieblingslokal zur\u00fcckgetragen wird.<br \/>\nEine charmante schr\u00e4ge Liebesgeschichte, lese ich in den mir ausgedruckten Rezensionen, minimalistisch und k\u00fchl erz\u00e4hlt. Genau geschildert und sch\u00f6ne, teilweise sehr originelle, Bilder w\u00fcrde ich selbst beschreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Louise Doughty (Ein Roman in einem Jahr) und Andreas Eschbach empfehlen in ihrem Ratgebern f\u00fcr das Schreiben viel zu lesen. Anderes lesen, um den Schreibenden auf die Schliche zu kommen und ihre Baupl\u00e4ne f\u00fcr die Textkonstruktion nachvollziehen zu k\u00f6nnen. 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