{"id":190,"date":"2008-09-17T09:50:59","date_gmt":"2008-09-17T07:50:59","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=190"},"modified":"2008-09-17T09:50:59","modified_gmt":"2008-09-17T07:50:59","slug":"die-gefahren-der-vielseitigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=190","title":{"rendered":"Die Gefahren der Vielseitigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt gibt es doch einen Blog-Beitrag \u00fcber die &#8220;Friedrich Torberg&#8221;- Ausstellung von mir. Eigentlich dachte ich, ich h\u00e4tte es schon in den &#8220;Wiener Literatur Schaupl\u00e4tzen&#8221; abgehandelt. Ich bin eben  eine Vielschreiberin, meine Freundin Elfriede Haslehner, ist deshalb auch unzufrieden mit mir.<br \/>\nNach meiner letzten Stunde und nur einer einzigen korrigierten Szene bin ich gestern  mit meinem gr\u00fcnen Leiner-Promotion- Schirm fr\u00fchzeitig, wie ich glaubte, hingegangen.<br \/>\nAber obwohl ich schon zwanzig Minuten vorher da war, gab es nur mehr Stehpl\u00e4tze,  die freien Sitze waren  reserviert und mit Jacken belegt und man sah die Leute winken und ihre Freunde auf die Pl\u00e4tze lotsen.<br \/>\nNun gut, das habe ich schon erlebt und eine Stunde vorher schaffe ich es nicht. Als ich es einmal im Jugendstiltheater tat, sa\u00df ich ganz hinten, w\u00e4hrend die sp\u00e4ter gekommenen, die nicht eingenommenen VIP-Pl\u00e4tze st\u00fcrmten.<br \/>\nEs gab ein paar Er\u00f6ffnungsreden und einen streitbaren Fritz Muliar, der laut &#8220;Haben Sie aber einen schiachen Hintern!&#8221;, r\u00fcgte, als einer der Kuratoren einem in der ersten Reihe etwas zufl\u00fcstern wollte.<br \/>\nAber eigentlich war Fritz Muliar von der falschen Farbe, hat sich Torberg, wie man h\u00f6ren konnte,  Zeit seines Lebens gegen die Kommunisten und die Sozialdemokraten eingesetzt. Muliar,  die die Regel best\u00e4tigende Ausnahme,  hat ein Anti Brecht Gedicht gelesen und eines, das die Sehnsucht nach dem Ausseer-See in New York zeigte.<br \/>\nDann gab es  eine Ehrung mit der Torberg-Medaille an einen verdienten Herrn und eine Rede einer Torberg-Nichte, bevor es in den ersten Stock gehen sollte. Ging es aber nicht.<br \/>\n&#8220;Keinen Zutritt mit Schirm!&#8221;, sagte streng ein Herr zu mir. An der Garderobe war man aber damit besch\u00e4ftigt, denen, die schon nach Hause wollten, ihre Jacken  zu geben.<br \/>\nAlso habe ich ihn auf einen der inzwischen freien Sitze abgelegt und bin nach oben gest\u00fcrmt, um meine Torberg Erinnerungen aufzuwecken. Denn ich habe, habe ich in meinem Bibliothekskattlog nachgesehen, vier B\u00fccher von ihm. Den Sch\u00fcler Gerber auch im Film gesehen, von &#8220;Hier bin ich mein Vater&#8221;, das mich sehr beeindruckt hat, Ausz\u00fcge aus dem Fortsetzungsroman, der sozialistischen Zeitung &#8220;Frau&#8221; und dann noch &#8220;-und glauben es w\u00e4re die Liebe&#8221; und &#8220;Auch das war Wien&#8221;.<br \/>\nWas ich alles gelesen habe. Die &#8220;Tante Jolesch&#8221; nicht. Das dachte ich, interessiert mich nicht, aber vielleicht ist das  ein Vorurteil und wenn ich mich nicht irre, hat Friedrich Torberg auch die junge Brigitte Schwaiger entdeckt und gef\u00f6rdert.<br \/>\nDer Ausstellungsrundgang  war sehr interessant, die schon bekannten B\u00fccher-Ausgaben wiederzufinden und an den einzigen j\u00fcdischen Minnes\u00e4nger und die Theaterkritiken erinnert zu werden.  Die Zeitschrift &#8220;Forum&#8221; wurde vom CIA finanziert, was ich nicht gewu\u00dft habe. Ich habe mir lang das Torberg-Interview und seinen Lebensbericht angeschaut und war  von der suggestiven Art des Meisters und seiner sanften Stimme  beeindruckt. Irgendwie hat er ja die Sechziger und die siebziger Jahre gepr\u00e4gt.<br \/>\n &#8220;Mein ist die Rache&#8221; wird wiederaufgelegt, dieses Buch ist mir bisher entgangen. Es soll, hat einer der Redner gesagt, in der kurzen Novelle  mehr \u00fcber den Holocaust zu erfahren sein, als in Littells tausenddreihundert Seiten. Was  verst\u00e4ndlich ist. Torberg war ein Betroffener und einer der ersten Zeitzeugen, w\u00e4hrend Littell, das Recherchierte, nach kreativer Writing Manier zu  einem spannenden Roman zu schreiben versuchte, was bei diesem Thema Widerstand ausl\u00f6sen mu\u00df. Er hat  es nicht erlebt.  Torberg schon.<br \/>\nIch bin  lange mit Kopfh\u00f6rern bei der kleinen Videowand gestanden und habe einigen Besuchern zugewinkt. Annas ehemaliger Zeichenlehrerin zum Beispiel,  Daniela Striegl habe ich  beim Betrachten der Vitrinen beobachten k\u00f6nnen.<br \/>\nIn dem Zimmer wo man die &#8220;Tante Jolesch&#8221; h\u00f6ren konnte, nur kurz ausgehalten und als ich  meinen Schirm holen wollte, war der Vortragssaal  zugesperrt.<br \/>\nWarum habe ich ihn nicht  in den Schirmst\u00e4nder des Kaffeehauses abgestellt? Zum Teufel mit der Hemmung und der Sch\u00fcchternheit. Aus diesem Grund bin ich auch nicht von einem der Herrn zum anderen gelaufen, um ihn  wiederzubekommen, sondern gegangen und  mich etwas mi\u00dfmutig in die Badewanne gelegt, Julia Schoch fertigzulesen.<br \/>\nEs ist aber ein authentischer Bericht \u00fcber ein aktuelles St\u00fcck Wiener Literaturgeschichte und meiner Gef\u00fchlswelt, der dann fehlen w\u00fcrde und heute h\u00f6rte ich im &#8220;Leporello&#8221;, es gibt noch ein neues Buch.<br \/>\nEinen Briefwechsel, Torberg soll ja 50.000 Briefe in der Nacht geschrieben und der Welt und der Wien-Bibliothek hinterlassen haben. Ein Torberg-Kishon- Briefwechsel  wurde am Montag in der Nationalbibliothek vorgestellt, von dem ich bisher  keine Ahnung hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt gibt es doch einen Blog-Beitrag \u00fcber die &#8220;Friedrich Torberg&#8221;- Ausstellung von mir. Eigentlich dachte ich, ich h\u00e4tte es schon in den &#8220;Wiener Literatur Schaupl\u00e4tzen&#8221; abgehandelt. 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