{"id":1966,"date":"2009-09-19T21:23:08","date_gmt":"2009-09-19T19:23:08","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1966"},"modified":"2009-09-19T21:23:08","modified_gmt":"2009-09-19T19:23:08","slug":"rund-um-die-burg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1966","title":{"rendered":"Rund um die Burg"},"content":{"rendered":"<p>Zum achtzehnten Mal fand nun schon dieses Festival zwischen dem Cafe Landtmann und dem Burgtheater statt und ist, wie die Veranstalter betonten, ein gro\u00dfer Erfolg geworden, das vom literarischen Leben Wiens nicht mehr wegzudenken ist.<br \/>\nWie Frau Heidegger mag man sich nun fragen, was es bringt, da Nonstop zuzuh\u00f6ren?<br \/>\nDie Veranstalter hatten beim Opening auch die Antwort.<br \/>\n&#8220;Rund um die Burg&#8221;, soll das Buch und das Leseverhalten f\u00f6rdern. Es gibt ein gro\u00dfes B\u00fccherzelt, das ebenfalls rund um die Uhr ge\u00f6ffnet ist und wenn man das Programm betrachtet, war es, wie die Poet Night, nur auf einem viel h\u00f6heren Mainstreamniveau und das Honorar wird auch h\u00f6her sein.<br \/>\nGelesen haben die gro\u00dfe Namen. Erika Pluhar hat er\u00f6ffnet, dann kam Hugo Portisch, dem es in seiner Pension in die Toskana zog, wo er nun Oliven pflanzt, gefolgt von den Lebensansichten Peter Michael Lingens, der auch Siebzigj\u00e4hrig, seine Meinungen \u00fcber Sex, Politik, ect, f\u00fcr seinen j\u00fcngsten Sohn Erich niederschrieb, damit aber sicher einen Verkaufserfolg hat, denn Biografien bekannter M\u00e4nner lesen sich ja gern.<br \/>\nNat\u00fcrlich gab es auch Literatur und weil ich irgendwie ehrgeizig bin, leiste ich mir diesen Spleen, am Freitagabend mit einer gro\u00dfen Tasche, mit  Broten, Kaffee und einem Pullover hinzugehen und als Einzige, au\u00dfer dem Fotografen und vielleicht der Veranstalterin, die Nacht  durchzuhalten.<br \/>\nDas ist interessant, leicht ist es nicht und so ist es mir am Anfang auch nicht gleich gelungen und ich bin einige Male, um halb zwei oder drei am fr\u00fchen Morgen, wenn es kalt und die Erotik-Nacht nicht besonders aufregend war, gegangen und habe mich dann jedesmal ge\u00e4rgert. Vier, f\u00fcnf oder sechs Mal habe ich es inzwischen geschafft, auch wenn es immer noch ein wenig peinlich ist, wenn mich dabei jemand sieht.<br \/>\nDer Fotograf wei\u00df es inzwischen, aber bei Rolf Schwendter habe ich vor ein paar Jahren sehr herumgestottert und heute ging es mir mit Zdenka Becker, die bis Mitternacht da war und um acht Uhr Morgen gelesen hat, \u00e4hnlich.<br \/>\nBegonnen hat es mit Erika Pluhar, dann kam die Er\u00f6ffnung mit den Herren von Raiffeisen und der Wien Holding, die das Ganze sponsern, dem Wissenschaftsminister und einem Vertreter des B\u00fcrgermeisters und Marie-Christine Giuliani, die den Abend moderieren sollte, hat die Herren damit genervt, als sie fragte, was sie gerade lesen?<br \/>\nSachb\u00fccher der Minister und die Sponsoren, der Herr Gemeinderat hat  Julya Rabinowichs &#8220;Spaltkopf&#8221; aus der Jackentasche gezogen.<br \/>\nDann kam Peter Henisch mit seinem neuen Roman &#8220;Der verwirrte Messias&#8221;, den ich sehr mag und Andre Kurkov aus der Ukraine mit &#8220;Der Milchmann in der Nacht&#8221;, wo sich eine stillende Frau, die Milch abpumpen l\u00e4\u00dft, in der dann die Politiker baden. Kurkow mag ich auch sehr gern.<br \/>\nDie B\u00fccher der Kurier- oder Profil-Redakteure interessieren mich weniger. Ausnahme war Susanne Scholl, die Russland Expertin des ORF mit ihrem Portraitbuch &#8220;Ru\u00dfland mit und ohne Seele&#8221;.<br \/>\nAntonio Fians Buch habe ich schon gekannt. So ging es bis Mitternacht, Peter Rosei hat da noch gelesen und der Verleger Jochen Jung aus seinem Beziehungsroman &#8220;Das s\u00fc\u00dfe Messer&#8221;.<br \/>\nUm Mitternacht gibts die Kriminacht, da war ich vorige Woche auch zu \u00fcbereifrig und habe sowohl Eva Rossmann, als auch Thomas Raab schon geh\u00f6rt, Alfred Komarik mit seinem neuen &#8220;Polt&#8221;  aber nicht.  Simon Polt bekommt ein Kind von seiner Freundin Karin, genauso, wie der Lemming, Serien Held von Stephan Slupetzky &#8220;Lemmings Zorn&#8221;, ob das ein Zufall ist, wei\u00df ich nicht.<br \/>\nEs gab noch einen Krimi von einer Elisabeth Herrmann &#8220;Die letzte Instanz&#8221;, der in Berlin spielt, mehr wei\u00df ich nicht, denn da bin ich  weggeschlafen.<br \/>\nEs gab im Vorjahr eine Diskussion mit Otto Lambauer, ob man bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; schlafen darf?<br \/>\nIch darf nat\u00fcrlich, kann es aber erfahrungsgem\u00e4\u00df immer nur sehr kurz, jeweils f\u00fcr ein paar Minuten und meistens in der Nacht am wenigstens, das geht zu Mittag besser. Aber gestern war es nicht so kalt und jetzt sind auch die Erotik-N\u00e4chte interessanter. Da gibt es inzwischen ein paar junge Autoren, die sehr interessant schreiben. Am Anfang wurde  eher Herzmanovsky-Orlando gelesen, das habe ich, als fad in Erinnerung.<br \/>\nDiesmal begann Karin Rick in einem gl\u00e4nzend schwarzen Kleid und die ist ja sehr engagiert und hat fr\u00fcher ihre B\u00fccher im Milena Verlag gehabt. Da kam dann gleich die Entt\u00e4uschung, n\u00e4mlich Jan Kossdorffs &#8220;Sunnyboys&#8221;, denn Milena ist ja kein Frauenverlag mehr.<br \/>\nJan Kossdorff steht mit seinem Buch, wie er betonte, auf der Independent Liste und das ist mir ein R\u00e4tsel, denn so toll habe ich das Reihenv\u00f6geln nicht gefunden, aber ich habe eine eher konservative Sexualit\u00e4t.<br \/>\nEs folgte Ingrid Schramm mit &#8220;Die Liebespriesterin&#8221;, die hat Anni B\u00fcrkl schon in ihrem Blog vorgestellt, das hat mich auch nicht vom Sessel gerissen, daf\u00fcr waren aber Doris Lerches erotische Gedichte sehr originell.<br \/>\nDann kam Peter Gruber und hat mit seinem &#8220;Sommerschnee&#8221; ein Almtagebuch vorgelesen, weil er seit vierzehn Jahren im Dachsteingebiet Senner ist.<br \/>\nUm halb sechs kamen Mieze Medusa und Markus K\u00f6hle und die haben mir leid getan, da\u00df sie in einem leeren Zelt ihren Poetry Slam bzw. das ebenfalls bei Milena erschienene Buch &#8220;Doppelter Textpresso&#8221; vorstellen mu\u00dften.<br \/>\nNachher war es auch sehr interessant und leer, n\u00e4mlich die Literaturwerkstatt Holunder mit ihrem Theodor Kramer Gedichtprogramm.<br \/>\nDann habe ich Zdenka Becker im B\u00fccherzelt erkl\u00e4rt, da\u00df ich ein bi\u00dfchen verr\u00fcckt mit meinem Literaturmarathon bin, die ihr Buch &#8220;Taubenflug&#8221; \u00fcber eine Tochter, die nach dem Begr\u00e4bnis ihrer Mutter in die Bratislaver Wohnung kommt und dort eine Taube und im Kasten Briefe findet, die ihr ihr Jugendfreund zwischen 1960 und 1980 schrieb, die ihr die Mutter nie gegeben hat und daran kn\u00fcpft sich dann die Handlung, vorstellte.<br \/>\nUm neun kam Julya Rabinowitsch, da bin ich auch weggeschlafen, aber ihr Buch habe ich schon bei einigen Lesungen geh\u00f6rt.<br \/>\nDann kam mit Ina Wi\u00dfgott, eine pensionierte \u00c4rztin, die sich bei \u00c4rzte ohne Grenzen engagiert und nicht nur von dem Elend schrieb, das die Frauen in Afrika durch die Beschneidungen erleben, sondern auch davon erz\u00e4hlte, wie sie in die Pension gemobbt wurde.  Etwas Ber\u00fchrendes habe ich vergessen. N\u00e4mlich Uschi Fellner von der Zeitung News bzw. Woman, die hat eine junge Lehrerin vorgestellt, die voriges Jahr durch einen Unfall ihren Mann und ihre zwei kleinen Kinder verlor und das in sehr beeindruckenden Mails verarbeitet hat.<br \/>\nSamstag Mittag kommt immer eine Stunde die Schule f\u00fcr Dichtung, dann wirds wieder voll.<br \/>\nJulian Schutting war da und Vladimier Vertlieb und wieder ein paar Autoren f\u00fcr den Mainstream- und den Sachbuchgeschmack. Werner Schneyder, Harald Schume, Armin Thurnher.<br \/>\nAm Schlu\u00df gibts immer ein musikalisches Programm des Volkstheaters. Diesmal hat Maria Bill sehr gekonnt Edith Piaf vorgestellt.<br \/>\nWenn man im Zelt sitzt, vers\u00e4umt man zwar den Smalltalk drau\u00dfen. Ich habe aber ein paar interessante Gesp\u00e4che gef\u00fchrt und mich mit einigen Autorenkollegen unterhalten. Es gab wieder die &#8220;Edlen Tropfen&#8221; zu verkosten und ich habe viel gelernt. Die B\u00fccher mu\u00df ich mir dann gar nicht mehr kaufen. Au\u00dferdem habe ich beim Nach-Hause-Gehen zwei gefunden, n\u00e4mlich einen  alten Simmel  und Manuela Stefanis &#8220;Das Haus am Olivenhain&#8221;, was sehr gut zum Hugo Portisch passt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum achtzehnten Mal fand nun schon dieses Festival zwischen dem Cafe Landtmann und dem Burgtheater statt und ist, wie die Veranstalter betonten, ein gro\u00dfer Erfolg geworden, das vom literarischen Leben Wiens nicht mehr wegzudenken ist. 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