{"id":1983,"date":"2009-09-26T23:18:56","date_gmt":"2009-09-26T21:18:56","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=1983"},"modified":"2009-09-26T23:18:56","modified_gmt":"2009-09-26T21:18:56","slug":"subjekt-des-erinnerns","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=1983","title":{"rendered":"Subjekt des Erinnerns?"},"content":{"rendered":"<p>Die Theodor Kramer Gesellschaft gibts 25 Jahre und aus diesem Grund  fanden in den letzten Tagen verschiedene Veranstaltungen statt. N\u00e4mlich am Donnerstag der Festakt im Palais Epstein bzw. Parlament, den ich ausgelassen habe, weil ich keine Sicherheitskontollen mag und am Freitag und am Samstag war ein Internationales Symposium in der alten Schmiede.<br \/>\nDie Theodor Kramer Gesellschaft kenne ich schon l\u00e4nger, als deren guten Geist, Konstantin Kaiser. N\u00e4mlich durch meine alte Freundin Hansi Berger,  die von Prag nach Israel emigrierte und nach dem Krieg nach Wien gekommen ist, die ich als sehr junge Studentin, im Club logischer Denker kennenlernte und die 1992, hochbetagt gestorben ist. In ihrer Wohnung in der Gie\u00dfaufgasse habe ich sie mit der kleinen Anna einmal besucht und da sie hat ein Prospekt von ihrem Tisch genommen und mir von der Theodor Kramer Gesellschaft erz\u00e4hlt, bei der sie Mitglied geworden ist.<br \/>\nDann kommt ein Schnitt und ich habe erst wieder 2001, in der GAV von der Theodor Kramer Gesellschaft geh\u00f6rt und Konstantin Kaiser kennengelernt mit dem ich bez\u00fcglich des Tags der Freiheit des Wortes  meine Troubles hatte. Da habe ich mich durchgesetzt. Die Organisation des 10. Mais inzwischen aber wieder verloren.<br \/>\nSeither bin ich eine regelm\u00e4\u00dfige Besucherin der Veranstaltungen der Theodor Kramer Gesellschaft und beziehe auch die Zeitschrift Zwischenwelt. Mit dem Thema des Erinnerns, des Holocaust und der Schoah habe ich mich auch intensiv auseinandergesetzt.<br \/>\nUnd das Symposium war auch sehr interessant. Es hat am Freitag Nachmittag mit einer Zeitzeugin, n\u00e4mlich Eva Kolisch, 1925 geboren, die 1939 mit einem Kindertransport in die USA gekommen ist und sich dort in der Friedens- Menschenrechts- und Lesbenbewegung engagierte, begonnen.<br \/>\nEine alte Dame, die mich an die Erika Danneberg erinnert hat und die in ihrem Referat, die Frage stellte, ob ihr Leben und ihr Schicksal interessant genug ist, davon zu erz\u00e4hlen und das hat mich wieder zu meiner Freundin Hansi Berger zur\u00fcckgef\u00fchrt, die in den fr\u00fchen Achtzigerjahren, als ich sie kennenlernte,  von der NS-Zeit und ihrer Verfolgung nicht viel erz\u00e4hlen wollte.<br \/>\nDas war das Thema des Symposiums. Das die erste Generation der Betroffenen von ihren Traumatisierungen nicht so gern sprechen wollte, obwohl mich das als junges M\u00e4dchen ja sehr interessierte.<br \/>\nDie erste Generation war aber traumatisiert und hat geschwiegen und die Kinder haben gefragt, bzw. sich das nicht getraut, um die Eltern nicht zu verletzen.<br \/>\nDieser zweiten Generation geh\u00f6rt auch Konstantin Kaiser  an.  Er ist 1947 geboren und hat sehr viel zu diesem Thema geforscht, die Theodor Kramer Gesellschaft gegr\u00fcndet, die inzwischen einen eigenen Verlag und die Zeitschrift hat und unz\u00e4hlige B\u00fccher zu diesem Thema herausgibt.<br \/>\nEs ging mit dem Psychiater David Vyssoki weiter, der \u00fcber die Therapiearbeit des Psychosozialen Zentrums Esra erz\u00e4hlte. Dann kam Hannah M. Lessing, die Generalsekret\u00e4rin des Nationalfonds f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus, die von ihrer Familiengeschichte und dem Sinn ihrer Arbeit sprach.<br \/>\nLiterarisch wurde es mit Ursula Seeber von der Exilbibliothek des Literaturhauses, die von den sechzig H\u00fcten der Mimi Grossberg, einer ebenfalls in Wien geborenen Schriftstellerin, deren Nachla\u00df sie im Literaturhaus betreut, referierte, mit Miguel Herz-Krestanek, der von seinem Vater, dem Haus in St. Gilgen und den Lederhosen, die er sich von den Nazis nicht nehmen l\u00e4\u00dft, erz\u00e4hlte und Georg Stefan Troller, dem Theodor Kramer Preistr\u00e4ger von 2005, der das Buch zur Axel-Corti-Trilogie &#8220;Wohin und zur\u00fcck&#8221; und seine Lebenserinnerungen pr\u00e4sentierte.<br \/>\nHeute ging es weiter mit Lebensgeschichten und wissenschaftlichen Beitr\u00e4gen zum Erinnern. Subjektiv und objektiv. Manfred Wieninger hat von seinen Forschungen zum Zwangsarbeiterlager beim Viehofner See, das er 2005 zuf\u00e4llig beim Schneegl\u00f6ckchensuchen entdeckte, berichtet.<br \/>\nLudwig Laher von seinem Roman &#8220;Herzfleischentartung&#8221;, in dem es um das Lager in St. Pantaleon im Innnviertel geht, das er ebenfalls zuf\u00e4llig entdeckte.<br \/>\nVladimir Vertlib las von der emotionalen Twilight Zone und das f\u00fchrt zu Hannah Lessing und dem Schweigen der ersten Generation, der Betroffenheit der zweiten Generation und den Enkelkindern zur\u00fcck, die viel unbefangener an das Thema herangehen. Sich auf der einen Seite f\u00fcr Zeitzeugen interessieren und sich in Gedenkdiensten engagieren, auf der anderen Seite aber auch im Sinne der Verleugnung  a la H. C. Strache reagieren.<br \/>\nEs war interessant und  sehr dicht. Viele Fragen und wenig Zeit f\u00fcr Antworten, bzw. wurden diese manchmal auch etwas  abgew\u00fcrgt. Es ist ja auch ein heikles Thema, das  Betroffeneit und Abwehr ausl\u00f6sen kann.<br \/>\nIch bin mir auch nicht sicher, ob das zu intensive Besch\u00e4ftigen der Betroffenen nicht die Traumatisierungen verst\u00e4rken kann und nat\u00fcrlich ist es wichtig nach vorne zu sehen und zu schauen, da\u00df das nicht mehr passiert!<br \/>\nMorgen gibts dann noch im Metrokino, die Axel Corti Filmtrilogie und Konstantin Kaiser wird am Mittwoch mit dem goldenen Verdienstzeichen der Stadt Wien ausgezeichnet.<br \/>\nBiografiearbeit und die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit ist aber sicher f\u00fcr jeden wichtig und da bin ich diese Woche im Internet auf einen Biografielotsen,  www.biografielotse.de, gesto\u00dfen, der die Besch\u00e4ftigung mit der pers\u00f6nlichen Lebensgeschichte jedem anzubieten versucht und daf\u00fcr auch einen eigenen Fragenkatalog ausarbeitet, mit dem man sich mit dem eigenen Leben f\u00fcr seine Kinder und Enkelkinder besch\u00e4ftigen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Theodor Kramer Gesellschaft gibts 25 Jahre und aus diesem Grund fanden in den letzten Tagen verschiedene Veranstaltungen statt. 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