{"id":2007,"date":"2009-10-03T00:16:16","date_gmt":"2009-10-02T22:16:16","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2007"},"modified":"2009-10-03T00:16:16","modified_gmt":"2009-10-02T22:16:16","slug":"schau-heimwarts-engel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2007","title":{"rendered":"Schau heimw\u00e4rts Engel!"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt hab ich endlich das Sommerbuch von Elke Heidenreich und Platz drei der ORF besten Liste  in der Manesse Neuauflage ausgelesen. Das hei\u00dft, nat\u00fcrlich die alte Rowohltausgabe von Thomas Wolfes Erstroman &#8220;Schau heimw\u00e4rts Engel, von 1954, die ich vor Weihnachten aus einer Bananenschachtel f\u00fcr zehn Cent gezogen habe und  vergessen h\u00e4tte, h\u00e4tte es nicht Elke Heidenreich zum Buch der Woche gemacht.<br \/>\nAber sie hat ein anderes Buch besprochen, n\u00e4mlich die siebenhundertachtzig Seiten dicke Neu\u00fcbersetzung, die sie als spritziger, klarer, leichter, als die Rowohlterst\u00fcbersetzung von 1932, die ich wahrscheinlich gelesen habe, bezeichnete.<br \/>\nMeine &#8220;Geschichte vom begrabenen Leben&#8221;, wurde jedenfalls von Hans Schiebelhuth \u00fcbersetzt und hat nur vierhundertsiebenundvierzig Seiten, keine Ahnung, wie das gehen kann?<br \/>\nAber es ist ohnehin die Frage, was der Sinn einer besseren, leichteren, moderneren \u00dcbersetzung sein soll?<br \/>\n&#8220;Schuld und S\u00fchne&#8221; hei\u00dft ja jetzt auch anders, aber ich \u00fcberlege mir  nat\u00fcrlich, wie ist das dann mit der Originalausgabe, sollte man die dann nicht auch ver\u00e4ndern, damit sie spritziger und leichter wird?<br \/>\nWogegen ich selbstverst\u00e4ndlich bin, deshalb ist es gut, da\u00df ich keine Neuausgabe hatte und das Buch ist auch so sehr interessant, obwohl und weil ich lang daran gelesen habe.<br \/>\nN\u00e4mlich der erste Roman, eines jungen Mannes, der 1900 geboren wurde und 1930 daf\u00fcr den Nobelpreis bekam.<br \/>\n&#8220;Das ist ein Erstlingsbuch!&#8221;, steht im Vorwort und ein autobiografisches , die Jugend des Eugen Gant, dem Sohn des Steinmetzes Oliver Gant und seiner Frau Eliza, das j\u00fcngste von acht Kindern, in einer amerikanischen Kleinstadt geboren, alles wie es auch bei Thomas Wolfe so war, der damit die Literaturgeschichte ver\u00e4nderte, 1935 einen zweiten dicken Fortsetzungsband vorlegte, bevor er 1938 an Tuberkulose starb.<br \/>\nEin amerikanisches &#8220;Buddenbrooks&#8221;, ich habe es eher als eine Familiengeschichte als ein Gesellschaftsportrait verstanden.<br \/>\nEin seltsames Buch, das von allem und nichts handelt und auf vierhundert oder siebenhundert Seiten genau, wiederholend,  dahinspringend, die ersten achtzehn Jahre eines jungen Mannes erz\u00e4hlt, der in dieser Familie aufw\u00e4chst, der Vater  S\u00e4ufer und  verkappter K\u00fcnstler, der an seiner Sensibilit\u00e4t zerbricht, wie Elke Heidenreich es nannte, schlie\u00dflich erzeugte er Engel f\u00fcr Gr\u00e4ber, die Mutter, eine ehemalige Lehrerin, die t\u00fcchtige, amerikanische Gesch\u00e4ftsfrau, die Land kauft, eine Pension f\u00fchrt und acht Kinder geboren hat, sechs Knaben, zwei M\u00e4dchen, von denen einige schon bei der Geburt starben, von den anderen Geschwistern wird der kleine Eugen aufgezogen,  geliebt oder auch tyrannisiert.<br \/>\nIn meiner \u00dcbersetzung kommt noch oft das Wort Neger vor, in der Neu\u00fcbersetzung wird es wohl politisch korrekter hei\u00dfen und so springen wir dahin in der Jugend des genialen jungen Mannes, der ein Jahr eine Privatschule besuchte, bevor er mit sechzehn von seinem Vater auf eine staatliche Universit\u00e4t geschickt wird und am Schlu\u00df des Buches auf eine andere zieht. Da hat er vorher noch ein deja vue Erlebnis mit seinem toten Bruder Ben, wird um sein Erbe geprellt und hat auch einige Liaisonen mit \u00e4lteren Damen, die ihn verlassen, um ihren Liebsten zu ehelichen.<br \/>\nNicht leicht zu lesen, aber trotzdem beeindruckend, vor allem, wenn man schon die sp\u00e4ter entstandenen &#8220;Buddenbrooks&#8221; kennt, wie die von Uwe Tellkamp und Jonathan Franzen vielleicht und es sind auch noch viele andere Amerikaner von Wolfes Stil gepr\u00e4gt worden.<br \/>\nMir gefallen die Stellen, die vom authentischen amerikanischen Leben handeln, dem Coca Cola, den Sozialgesetzen und der Diskussion dar\u00fcber und wenn man es mit dem Brunngraber vergleicht, ist es sicherlich viel lebendiger und moderner, auch wenn ich die verstaubte Kurzausgabe gelesen habe.<br \/>\nDer erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf den jungen Eugen kommt nat\u00fcrlich ebenfalls vor und ich finde es spannend, so ein altes Buch zu lesen, man lernt viel dabei und die Geschichte, sowohl, die der Literatur, als auch des Weltgeschehens, ist ja etwas was mich interessiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt hab ich endlich das Sommerbuch von Elke Heidenreich und Platz drei der ORF besten Liste in der Manesse Neuauflage ausgelesen. 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