{"id":2018,"date":"2009-10-05T01:25:46","date_gmt":"2009-10-04T23:25:46","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2018"},"modified":"2009-10-05T01:25:46","modified_gmt":"2009-10-04T23:25:46","slug":"futter-mich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2018","title":{"rendered":"F\u00fctter mich"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Titelbild des hundertsechzehn Seiten dicken Erz\u00e4hlbandes von Cornelia Travniceks &#8220;F\u00fctter mich&#8221; sind kitschig gro\u00dfe rosa gr\u00fcne wei\u00dfe und orange Schaumgummi oder Marzipanpastillen abgebildet. Elf Kurzgeschichten sind darin enthalten, die nicht nur, aber oft vom Essen  handeln. Die Autorin ist eine sehr junge Frau, E\u00dfst\u00f6rungen und die dazu passenden St\u00f6rungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern ect. ein immer gr\u00f6\u00dfer werdendes Thema unser stre\u00dfgeplagten krisengesch\u00fcttelten angstbesetzten Zeit, das uns alle, vor allem aber die jungen Frauen betrifft und so packt Cornelia Travnicek diese Themen auch gekonnt in ihre Geschichten ein.<br \/>\nNicht in allen, aber in sehr vielen. Es gibt auch Geschichten, die mit wenig Essen auskommen. Die packenden Themen von Liebe, Sehnsucht, Einsamkeit und unerf\u00fcllter Liebe sind aber in allen enthalten.<br \/>\nAus wechselnden Perspektiven werden intensive Szenen geschildert, die angestammte Grenzen \u00fcberschreiten, steht in der Buchbeschreibung und die kurzen Geschichten, die so viele Themen aufgreifen, tun das manchmal auch.<br \/>\nBizarr, geheimnisvoll, dann wieder realistisch. Erstaunlich, die Themenvielfalt und die verschiedenen Stilrichtungen.<br \/>\nDie Sprache ist sehr sch\u00f6n und kunstvoll, manchmal auch ein wenig distanziert.<br \/>\nDa gibt es die Geschichte von der jungen Frau, die mit der Pflege ihres Vaters und der Obsorge des autistischen Bruders, der wie eine Elster die bunten Plastikgegenst\u00e4nde in sich hineinstopft, \u00fcberfordert ist und  von der Schule alleingelassen wird, die die Psychologin nat\u00fcrlich sehr ber\u00fchrt.<br \/>\nDann die Titelgeschichte &#8220;Alere &#8211; f\u00fctter mich&#8221; von der Frau, die mit 178 Kilo gestorben ist, als sie ungeschickt das Bad besteigen wollte, weil sie ihr Liebster zu Tode gem\u00e4stet hat, um die Internetzuschauerzahl zu steigern, da er die Liebesspiele ins Netz stellte und sich von den Kommentaren anfeuern lie\u00df.<br \/>\nSehr modern und zeitgem\u00e4\u00df in einem anderen oder \u00e4hnlich brutalen Sinn, auch die, in der es zwar um mangelnde Liebe, aber weniger ums Essen geht, n\u00e4mlich der von dem Musterknaben, der als Kind nicht fernsehen durfte, daf\u00fcr mit dreizehn sowohl &#8220;Mein Kampf&#8221;, als auch &#8220;Das Kapital&#8221; gelesen hat, Wittgenstein interessant, Nietzsche d\u00e4mlich fand und dann mit der Waffe aus dem Schrank des Vaters, ein Blutbad in der Schule anrichtet.<br \/>\nErschreckend brutal, leider kennen wir solches aus unseren realen Fernsehbildern und k\u00f6nnen es immer wieder vor Schulschlu\u00df oder zu Weihnachten erleben.<br \/>\nZwei &#8220;leichtere&#8221; Geschichten zu Dr\u00fcberstreuen \u00fcber E\u00dfst\u00f6rungen,  dem sich Abwiegen und zu Tode hungern, folgen. Auch das kennen wir aus den Medien, den Psychotherapieberichten oder der eigenen Familie und dann die skurillste Geschichte, die von dem alten Mann, dessen Nase im Wirtshaus nach zwei Tee mit Rum und dreimal Bier rinnt, der daraufhin mit einem J\u00fcngeren in dessen Wohnung geht, sich bekochen l\u00e4\u00dft, um anschlie\u00dfend  freiwillig  die Tiefk\u00fchltruhe zu besteigen, um dort die eingefrorene Geliebte gl\u00fccklich zu k\u00fcssen und zufrieden stirbt, fast ein bi\u00dfchen l\u00e4cherlich und dann, wie ich von Cornelia Travniceks Blog wei\u00df, die sie ber\u00fchrendste Geschichte vom Tod der Urgro\u00dfmutter, die im Stil wieder ganz anders ist, in dem sich das kleine M\u00e4dchen, die unbegreifliche Vergangenheit begreiflich zu machen versucht.<br \/>\nEin geballtes Potential an Katastrophen, sprachlicher Sch\u00f6nheit und menschlichen Abgr\u00fcnden von einer hoffentlich nicht selbst so \u00fcberforderten jungen Frau in hundertsechzehn Seiten eingepackt, die den Leser, die Leserin sprachlos, ratlos machen m\u00fc\u00dften, w\u00e4ren wir ein solches \u00dcberangebot an unbegreiflichen Grausamkeiten nicht so gewohnt, da\u00df wir uns distanzieren und abschalten k\u00f6nnen, weil wir uns sonst wahrscheinlich \u00fcbergeben oder die kitschig geilen Schaumrollen in uns hineinstopfen m\u00fc\u00dften, umgeben von dem Elend dieser schillernd schaurig sch\u00f6nen Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Titelbild des hundertsechzehn Seiten dicken Erz\u00e4hlbandes von Cornelia Travniceks &#8220;F\u00fctter mich&#8221; sind kitschig gro\u00dfe rosa gr\u00fcne wei\u00dfe und orange Schaumgummi oder Marzipanpastillen abgebildet. 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