{"id":2051,"date":"2009-10-11T09:45:31","date_gmt":"2009-10-11T07:45:31","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2051"},"modified":"2009-10-11T09:45:31","modified_gmt":"2009-10-11T07:45:31","slug":"meilengewinner","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2051","title":{"rendered":"Meilengewinner"},"content":{"rendered":"<p>Ein rasantes Buch vom scheinbar nutzlosen sich Betrinken, \u00dcbernachten in Abbruchh\u00e4usern, Lammfleischkochen, idealististischen Halbe-Halbe Stehlen und Orangenpfl\u00fccken, um den Winter in Kreta \u00fcber die Runden zu bringen, das Roadmovie &#8220;Meilengewinner&#8221; von Stephan Alfare, \u00fcber den ich \u00f6fter  schon geschrieben habe.<br \/>\n1966 wurde er in Bregenz geboren, lebt nach wahrscheinlich ebensolchen Reisen, seit 1990 in Wien.<br \/>\n1992 habe ich seine sehr beeindruckenden Gedichte kennengelernt, dann sind ein paar B\u00fccher bei Selene herausgekommen, von denen ich einige gelesen habe.<br \/>\n2000 ist er beim Bachmann-Wettbewerb aufgetreten, &#8220;Meilengewinner&#8221; ist das zweite, bei Luftschacht erschienene Buch. Er hat eine sehr eigene, kr\u00e4ftig, originelle Sprache, die auch hier zu merken ist, vielleicht weniger als in den Selene B\u00e4nden, weil das hier scheinbar oder auch tats\u00e4chlich autobiografischer ist, vielleicht bin ich sie auch schon gewohnt.<br \/>\nDas Buch beginnt jedenfalls bei Michalis in Paleohora und endet in Toulouse an der Mauer vor dem Krankenhaus und der namenlose Ich-Erz\u00e4hler taumelt dazwischen ein-zwei Jahre auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer, wie poetisch im Klappentext steht, auf oben beschriebener Weise vor sich hin.<br \/>\nVon Bira, Harzwein,Tsikoudia zu billigen Ouzo, Marihuana spielt auch eine Rolle, ich w\u00fcrde es Selbstzerst\u00f6rung nennen. Von z\u00e4rtlichen, beil\u00e4ufigen Begegnungen mit merkw\u00fcrdigen Menschen und Landstrichen, wird im Klappentext geschw\u00e4rmt und eine Handlung gibt es nat\u00fcrlich auch, auch wenn man die bei soviel Saufen, Geldhaben, Geldausgeben und der Suche nach Gelegenheitsarbeiten gar nicht gleich erkennt.<br \/>\nEs beginnt also bei Michalis in Paleohora, da kommt ins Wirtshaus, wo der \u00f6sterreichische Erz\u00e4hler mit Casey Crab einem Engl\u00e4nder trinkt, eine so merkw\u00fcrdige vor Schmutz starrende Frau herein, die wie f\u00fcnfzig aussieht, drei\u00dfig ist und sich als die R\u00f6merin Gianna Maria Rossi entpuppt, die der namenlose Erz\u00e4hler in sein sch\u00f6nes Dreibettzimmer nimmt, in dem er schon mit Casey wohnt.<br \/>\nSp\u00e4ter verlassen sie es, um im Norden Arbeit zu suchen, die sie nicht finden, wohnen kurzfristig in einem Rohbau auf schmutzigen Decken dort, wo sich sp\u00e4ter das Klo und das Bad befinden werden und kochen das oben erw\u00e4hnte Chili, dann werden sie getrennt.<br \/>\nDer Erz\u00e4hler \u00fcbernachtet mit neuen Freunden in einem ehemaligen Lazarett, das aus World war II zur\u00fcckgeblieben ist, klaut einem besoffenen Schweden den Pa\u00df und der Frau, die durch einen U-Bahn Unfall ihren Sohn verloren hat, das Geld, wobei er ausnahmsweise einmal, sein edles Halbe-Halbe Prinzip verl\u00e4\u00dft. Schlie\u00dflich landet er mit dem Schweden auf einer Plantage, wo er eine Zeitlang Orangen pfl\u00fcckt und zwei Franz\u00f6sinnen kennenlernt, bevor es mit dem Schweizer Kunstmaler Beat Z\u00fcngli weitergeht, mit dem f\u00e4hrt er zuerst nach Athen, dann nach \u00d6sterreich, wo sie sich trennen, um in einem kleinen Dorf in Vorarlberg als Totengr\u00e4ber zu arbeiten. Stephan Alfare hat das auf dem Ottakringer Friedhof getan, aber dann kommt ein Brief von der Franz\u00f6sin Valerie und es geht zur\u00fcck nach Griechenland. Hier verschwindet der Held kurzfristig in einem Gef\u00e4ngnis oder einer Psychiatrie, weil er zuviel Stoff erwischte oder war das schon in der T\u00fcrkei oder anderswo?<br \/>\nWeiter gehts nach Frankreich, zu der Familie Valeries, ihrer dicken Schwester, dem Stiefvater und der Mutter, die als Putzfrau arbeitet, um Valerie ihr Geld zuzustecken.<br \/>\nDas Paar h\u00e4lt es dort nicht lang, sie reisen weiter zur Arbeitssuche in die Obstplantagen, um schlie\u00dflich vor dem bewu\u00dften Krankenhaus in  Toulouse zu landen, weil Valerie  ein Kind haben m\u00f6chte und sich nur in Toulouse untersuchen lassen will.<br \/>\nSo zerkr\u00fcmmelt der Held Marihuana an der Krankenhausmauer, wo er  einen Clochard triff, von dem er wissen will, ob er sich die Mutter halten soll?<br \/>\nEin bi\u00dfchen trostlos w\u00e4rs zu Lesen, die Geschichte vom sich zu Todesaufen, w\u00e4hrend man Gitarre spielt und von der ewigen Freiheit im sonnigen S\u00fcden auf schmutzigen Decken tr\u00e4umt, w\u00e4ren da nicht die wirklich sch\u00f6nen Bilder, die immer wieder auftauchen.<br \/>\nStephan Alfare, der wie ich sch\u00e4tzen w\u00fcrde, auch \u00f6fter Bier und Ouzo konsumiert, versteht zweifellos die Kunst des Schreibens und ist sicher ein originelles Talent, von dem ich hoffentlich noch viel lesen werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein rasantes Buch vom scheinbar nutzlosen sich Betrinken, \u00dcbernachten in Abbruchh\u00e4usern, Lammfleischkochen, idealististischen Halbe-Halbe Stehlen und Orangenpfl\u00fccken, um den Winter in Kreta \u00fcber die Runden zu bringen, das Roadmovie &#8220;Meilengewinner&#8221; von Stephan Alfare, \u00fcber den ich \u00f6fter schon geschrieben habe. &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2051\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2051","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2051","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2051"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2051\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2051"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2051"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2051"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}