{"id":2057,"date":"2009-10-12T00:30:34","date_gmt":"2009-10-11T22:30:34","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2057"},"modified":"2009-10-12T00:30:34","modified_gmt":"2009-10-11T22:30:34","slug":"das-haus-am-olivenhain","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2057","title":{"rendered":"Das Haus am Olivenhain"},"content":{"rendered":"<p>Das Wochenende zweimal, trotz der Samstag beschriebenen Programmdichte, lang in der Badewanne verbracht, um in Harland und in Wien, zwei sehr unterschiedliche B\u00fccher auszulesen.<br \/>\nLeselustfrust, das gerade Ilse Kilic besprach, hat mich dazu angestachelt, ein bi\u00dfchen auf meine SUBs zu achten, obwohl das nicht zu schaffen ist und ich den Rest des Monats wegen Frankfurt und Ohrenschmaus, wahrscheinlich nicht mehr viel zum Lesen komme.<br \/>\nAber ich habe, als ich von &#8220;Rund um die Burg&#8221; nach Hause gegangen bin, zwei B\u00fccher gefunden, eines war Manuela Stefanis &#8220;Das Haus am Oivenhain&#8221; und ist wahrscheinlich das, was lillyberry als Chick-lit bezeichnet.<br \/>\nDas Buch ist bei der Verlagsgruppe L\u00fcbbe 2008 erschienen und wird als  \u00fcberzeugendes Romandebut, der Redakteurin einer italienischen Fachzeitschrift, beschrieben. M\u00f6glicherweise ist Manuela Stefani ein Pseudonym, ich wei\u00df es nicht, lese nur gerade im Blog von Julia Kr\u00f6hn, wie sie f\u00fcr ihre diversen Sagas und Kunstkrimis, verschiedene Pseudonyme bastelt.<br \/>\nManuela Stefanis glutvolles Familiendrama spielt 1980 und beginnt damit, da\u00df die vierzigj\u00e4hrige Anna Rossi, Chefsekret\u00e4rin einer F\u00f6rderb\u00e4nderfirma zwei Monate Urlaub hat und daf\u00fcr in ein Dorf nach Kalabrien f\u00e4hrt. Sie quartiert sich in ein Zimmer eines Olivenhofs, der   Schwestern Theresa und Angela Famularo, beide zwischen f\u00fcnfzig und sechzig, ein und die Geschichte beginnt. Anna Rossi, deren Leben bisher ereignislos aber gut beh\u00fctet, mit einer einzigen m\u00e4nnlichen Beziehung, in der sie eine passive Rolle spielte, verlaufen ist, geht am Strand spazieren und verliebt sich in einen, um zehn Jahren j\u00fcngeren Mann, der wie sie lange Haare hat und mit Modellschiffen spielt.<br \/>\nW\u00e4hrenddessen werden die Schwestern Famularo von ihrer Vergangenheit eingeholt. Beschrieben wird die Bruatlit\u00e4t der M\u00e4nner in den italienischen D\u00f6rfern und die Passivit\u00e4t der Frauen, die sich aufs Kochen und Umsorgen beschr\u00e4nken und sich gegen die Gewalt nicht wehren k\u00f6nnen.<br \/>\nSo war Teresa vor drei\u00dfig Jahren mit dem sch\u00f6nen Fischer Rocco verlobt, der sie vor der Hochzeit verlassen hat. Seither tr\u00e4gt sie schwarz, spricht wenig und schimpft nur mit der Schwester, die \u00fcbergewichtig und gutm\u00fctig ist, aber vor drei\u00dfig Jahren von Rocco vergewaltigt wurde, der vorher schon Teresa geschw\u00e4ngert hat, als die das Kind, um nicht vor der Hochzeit in Schande zu geraten, abtreiben lie\u00df, f\u00e4llt er \u00fcber Angela her, die ihn Brot und Oliven bringt, um ihr das Kind nach der Geburt zu entrei\u00dfen und mit ihm, es ist der junge Mann mit den langen Haaren, nach Sizilien zu fl\u00fcchten.<br \/>\nDrei\u00dfig Jahren sp\u00e4ter kommt er zum Sterben mit Saro zur\u00fcck, weil der seine Mutter kennenlernen will. Teresa begr\u00e4bt Rocco prunkvoll und schw\u00f6rt der Schwester Rache, dabei regt sie sich so auf, da\u00df sie aus dem Fenster f\u00e4llt. Angela bleibt allein am Hof zur\u00fcck, bekocht Saro und w\u00e4scht ihm seine W\u00e4sche, w\u00e4hrend die selbst\u00e4ndige Anna, die in Mailand durchaus erfolgreich war und Gedichte von Neruda und Anna Achmatova  zu zitieren wei\u00df, mit Saro nach Sizilien f\u00e4hrt und dort in seinem \u00e4rmlichen Haus, die angebliche Haushaltshilfe Maria mit einem Kind am Arm anzutreffen.<br \/>\nSeit diesem Moment ist Saro, wie sein Vater, unausstehlich zu ihr. Er vergewaltigt sie am Strand, aber Anna geht zur Bank, hebt zwanzig Millionen, ihre Ersparnisse, ab, um sie ihm zu bringen, der schon l\u00e4ngst beschlo\u00dfen hat, sie um dieses Geld zu betr\u00fcgen. W\u00e4hrend er aus dem Zimmer geht, entdeckt sie das Hochzeitsbild mit der hochschwangeren Maria und sammelt ihr Geld wieder ein. Saro will es ihr zwar entrei\u00dfen, aber jetzt gelingt es ihr, ihm einen Wecker an den Kopf zu schmei\u00dfen und mit dem Geld nach Mailand zur\u00fcckzufahren, wo sie zehn Jahre sp\u00e4ter, im Corriere della Serra, von einem Eifersuchtsdrama in Kalabrien, liest, wo die achtundzwanzigj\u00e4hrige Maria, den Fischer Saro, der sie mit einer deutschen Touristin betrogen hat, der er vorher zwei Millionen Lire stahl, erstochen hat. Maria kommt ins Gef\u00e4ngnis, w\u00e4hrend, die beiden Kinder in die Obhut, der Gro\u00dfmutter Angela \u00fcbergeben werden.<br \/>\nMan k\u00f6nnte es als Kitsch bezeichnen, wenn nicht die Gewalt, der M\u00e4nner, die sich die Frauen einfach nehmen und die Passivit\u00e4t dieser, die sich das alles still gefallen lassen und trotzdem noch backen und kochen, ein beeindruckendes Sittenbild schildert, das in den kleinen kalabrieschen und sizilanischen D\u00f6rfern, vielleicht noch immer \u00fcblich ist. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wochenende zweimal, trotz der Samstag beschriebenen Programmdichte, lang in der Badewanne verbracht, um in Harland und in Wien, zwei sehr unterschiedliche B\u00fccher auszulesen. 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