{"id":2105,"date":"2009-10-25T23:39:27","date_gmt":"2009-10-25T22:39:27","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2105"},"modified":"2009-10-25T23:39:27","modified_gmt":"2009-10-25T22:39:27","slug":"wach-ich-oder-schlaf-ich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2105","title":{"rendered":"Wach ich oder schlaf ich"},"content":{"rendered":"<p>Isabel Boltons 1946 geschriebener Roman &#8220;Wach ich oder schlaf ich&#8221;, erschienen in der Brigitte- Edition-erlesen, ist offenbar eine Wiederentdeckung von Elke Heidenreich, habe ich bei Wikipedia doch gelesen, da\u00df die 1883 in Conneticut geborene und 1975 in New York verstorbene Autorin, nach ihrem Tod vergessen wurde. Sie wurde aber mit Henry James und Virginia Woolf verglichen und die  Dreiecksgeschichte vom Partyleben der New Yorker Boheme, im Fr\u00fchling 1939, w\u00e4hrend Krieg in Europa herrscht, Hitler Wien und das Sudentenland besetzt hat, ist sicher interessant zu lesen.<br \/>\nVerbringen doch die Dichterin Millicent, ihre Freundin Bridget und der Schriftsteller Percy ihren Tag zwischen dem Lunch im franz\u00f6sischen Restaurant, wo die Seezunge aus der Normandie im Salzwasser extra eingeflogen wird und Lenny Weeds Cocktailparty, mit Nichtstun, lockeren Seelenschmerzen, inneren Mologen und \u00e4u\u00dferlichen Philosophieren. Dazwischen wird zur Schneiderin gegangen und charmant geplaudert.<br \/>\nDabei hat Bridget ein behindertes Kind in Wien, das mit seinem gro\u00dfen Kopf, wie sie erz\u00e4hlt, von den Nazis im grotesken Kost\u00fcm und einem Schild um den Hals ausgestellt wird.<br \/>\nSie braucht also Geld, um das Kind aus dem besetzten Wien herauszubringen,  plaudert aber locker \u00fcber die europ\u00e4ische und die amerikanische Literatur und zieht Vergleiche zwischen Faulkner und Dostojewsky, w\u00e4hrend Millicent, von der der Titel, &#8220;Wach ich oder tr\u00e4um ich&#8221;, stammen k\u00f6nnte, weil sie oft nicht das tut, was sie eigentlich will und dar\u00fcber unzufrieden ist, ins Kino geht, wo sie bei der Wasserstoffpuppe an der Kasse, ihren Zehndollarschein l\u00e4\u00dft und w\u00e4hrend der Wochenschau, wo die deutschen Soldaten durch Wien marschieren, Gedichte auf einen Briefumschlag schreibt.<br \/>\nBei der Party wird der betrunkene Percy, der Millicent unbedingt helfen will, ihr Kind aus dem besetzten Wien herauszubringen und sich daf\u00fcr von seinen Verleger Vorsch\u00fc\u00dfe auf alle seine noch ungeschriebenen Bestseller auszahlen lassen m\u00f6chte, von einem jungen Mann namens Price niedergeschlagen und liegt, w\u00e4hrend die Party weitergeht, mit  Kopfverband im Nebenzimmer. Bridget verschwindet mit Price und seinen Millionen zu Kind oder Traualtar, w\u00e4hrend Millicent sich  \u00fcberzeugen geht, ob Percy heil in seinem Appartement angekommen ist, als ihr der nicht antwortet, will sie in ein Taxi steigen, erinnert sich aber, da\u00df sie kein Geld in der Tasche hat, so da\u00df sie sich schlie\u00dflich neben einer heruntergekommenen Irin auf einer Parkbank wiederfindet, versonnen auf die Zweige eines jungen Ahornbaumes blickt und die kleinen Sterne  leuchten sieht.<br \/>\n&#8220;Hochmodern und aktuell, denn tanzen wir nicht auch gern \u00fcber Wahres oder Wichtiges hinweg?&#8221;, schreibt Elke Heidenreich in ihrem Nachwort und man bleibt ein wenig betroffen zur\u00fcck, denn die starken Bilder des Symbolismus und des literarischen Stils einer Virginia Woolf sind sehr eindrucksvoll, geheimnisvoll und manchmal unverst\u00e4ndlich. Den Holocaust aus der Sicht der New Yorker Boheme zu beschreiben, die von dem Ganzen nicht viel versteht, sondern naiv und trunken ihr Partyleben feiert, erscheint mir aber auch ein bi\u00dfchen piet\u00e4tlos, wenn es auch sicher stimmt, da\u00df geliebt, geprasst und gedichtet wird, w\u00e4hrend tausend oder auch nur ein paar Kilometer weiter, die Fetzen und die Bomben fliegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Isabel Boltons 1946 geschriebener Roman &#8220;Wach ich oder schlaf ich&#8221;, erschienen in der Brigitte- Edition-erlesen, ist offenbar eine Wiederentdeckung von Elke Heidenreich, habe ich bei Wikipedia doch gelesen, da\u00df die 1883 in Conneticut geborene und 1975 in New York verstorbene &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2105\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2105","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2105"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2105\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}