{"id":2263,"date":"2009-11-27T00:54:46","date_gmt":"2009-11-26T23:54:46","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2263"},"modified":"2009-11-27T00:54:46","modified_gmt":"2009-11-26T23:54:46","slug":"vierzig-jahre-wespennest-preis-und-leseankundigung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2263","title":{"rendered":"Vierzig Jahre Wespennest, Preis-und Leseank\u00fcndigung"},"content":{"rendered":"<p>Die Aufregung und die Anfragen auf die Radiosendung lassen allm\u00e4hlich nach, daf\u00fcr hat mich heute das n\u00e4chste literarische Ereignis besch\u00e4ftigt und das ist der Ohrenschmaus &#8211; Literaturpreis f\u00fcr Menschen mit intellekuteller bzw. Lernbehinderung, der am ersten Dezember um neunzehn Uhr im Museumsquartier vergeben wird.<br \/>\nIch halte die Laudatio f\u00fcr den Prosapreis und habe da zwar kein IPhone, wie Cornelia Travnicek auf dem Grafenegger Advent zu vergeben, verlese aber eine sch\u00f6ne Laudatio auf einen sch\u00f6nen Text und Sarah Lutschaunig, die Verfasserin von &#8220;Nachrichten im Fernsehen&#8221; ist genau zehn Tage j\u00fcnger als die Anna, was ja ein besonderer Bezugspunkt ist. Es gibt einen Trommelwirbel, eine sch\u00f6ne CD und eine Zotter Schokolade mit dem Gedicht des Lyrik-Preistr\u00e4gers.<br \/>\nF\u00fcr alle, die es sich vormerken wollen, weil es sie interessiert, was und wie Menschen, die zum Beispiel ein Down-Syndrom haben, schreiben, am Dienstag, den 1. Dezember, um 19 Uhr in der Oval Halle des Museumsquartier in Wien und am Abend bin ich in die alte Schmiede zu vierzig Jahre Wespennest gegangen, denn das ist ja eine Zeitschrift, zu der ich meine biografischen Bezugspunkte habe.<br \/>\nIm September 1969 wurde von Peter Henisch und Helmut Zenker ein hektographiertes Heft mit einem Packpapierumschlag als erste Zeitschrift f\u00fcr brauchbare Texte zur Abgrenzung der elit\u00e4ren &#8220;Manuskripte&#8221; und den eher biederen &#8220;Protokollen&#8221;, die damals in der \u00f6stereichischen Literaturzeitschriftenlandschaft existierten, herausgebracht.<br \/>\nSp\u00e4ter sind Gustav Ernst, Franz Schuh und Josef Haslinger dazugesto\u00dfen und ich habe vor einiger Zeit Gustav Ernst in der alten Schmiede sagen h\u00f6ren, da\u00df sich die damals jungen Autoren mit dieser Literaturzeitschrift Raum und Geh\u00f6r verschaffen und die Produktionsmittel in die Hand nehmen wollten, um sich gegen das elit\u00e4r Vorhandene, wie zum Beispiel den Pen mit den faschistischen alten M\u00e4nnern abzugrenzen.<br \/>\nEs war eine realistische proletarische Zeitschrift, die mit ihren Texten die arbeitende Klasse erreichen wollten. Ob die sie gelesen haben, ist zu bezweiflen.<br \/>\nIch bin durch meine damalige Freundin Elfi, als ich noch in der Otto Bauergasse wohnte, auf ein Heft gesto\u00dfen, in dem Ausz\u00fcge aus Jura Soyfers &#8220;So starb eine Partei&#8221; enthalten waren.<br \/>\nKurt Neumann hat in seiner Einleitung auf die enge Verbindung der Wespennest Redakteure mit der etwas j\u00fcngeren alten Schmiede hingewiesen.<br \/>\nPeter Henisch hat in seinem Roman &#8220;Der Mai ist vorbei&#8221; dar\u00fcber geschrieben. Helmut Zenker ist inzwischen gestorben und hat mich sehr beeindruckt, weil ich ihn, als ich in dieser Zeit mit meiner im Mai verstorbenen Freundin Monika Jensen in Salzburg war und mit ihr nach Wien zur\u00fcck Auto stoppte, in dem Mann, der uns mitgenommen hat und uns von den Literaturveranstaltungen, die er in Salzburg besuchte, erz\u00e4hlte, den f\u00fcr mich ber\u00fchmten Dichter erkannte.<br \/>\nWow, war das ein Erlebnis f\u00fcr die schreibende sch\u00fcchterne junge Frau, die, glaube ich, noch Psychologie studierte.<br \/>\nIn den Siebziger und Achtzigerjahren war das Wespennest die Zeitschrift, der ich, sicherlich sehr patschert meine ersten Texte schickte und als ich zu den schreibenden Frauen gekommen bin, hatte Christa Stippinger gerade mit ihrem &#8220;Kress&#8221; den Max von der Gr\u00fcn Preis der ober\u00f6sterreichischen Arbeiterkammer gewonnen, der Text war in einem der fr\u00fchen Wespenneste abgedruckt.<br \/>\nAls ich 1987 in die GAV aufgenommen wurde, hat Josef Haslinger, die U-Bahngeschichten darin gebracht und mir noch von einem anderen Text erz\u00e4hlt, f\u00fcr den er gewesen w\u00e4re, aber in der Redaktionskonferenz \u00fcberstimmt worden war.<br \/>\n1995 hat Walter Famler das Wespennest \u00fcbernommen und Gustav Ernst ist in die &#8220;Kolik&#8221; abgewandert. Peter Henisch hat auch irgendwann aufgeh\u00f6rt, Franz Schuh ist, glaube ich, noch Mitarbeiter des Wespennests.<br \/>\nEr sa\u00df jedenfalls  am Podium und hielt das Er\u00f6ffnungsreferat.<br \/>\nZur Drei\u00dfgjahrfeier gab es ein gro\u00dfes Fest im Semperdepot, das im alte Schmiede-Programm angek\u00fcndigt war, die Elfriede Gerstl hat mich  mitgenommen, dort habe ich dann kapiert, welch gro\u00dfe Rolle die Alexandra Millner damals im Literaturbetrieb spielte, die Elfriede Gerstl hat mich dem Frederic Morton vorgestellt, es gab ein tolles Buffet und viele alte Wespenneste zur freien Entnahme, ich habe mir das mit den U-Bahngeschichten herausgezogen und entweder der Millner, dem Morton oder der Gerstl geschenkt.<br \/>\nJetzt gibt es das Wespennest im Hochglanzformat, essayistische Zeitschrift nannte es Franz Schuh in seinem  Referat, das immer ein bestimmtes Thema, sowie Gedichte hat, aber viel weniger Texte von realistischen Wiener Gegenwartsautoren, wie Thomas Northoff, Elfriede Haslehner, Christa Stippinger, Gustav Ernst, Eva Jancak etc.<br \/>\nWalter Famler, der vor zehn Jahren auch eine Connection mit dem Rettberg Libro hatte, ist jetzt Generalsekret\u00e4r der alten Schmiede, macht nicht mehr die Literatur im M\u00e4rz, sondern nur mehr die im Herbst, die Redakteure hei\u00dfen Ilya Trojanow und Jan Koneffke und die alte Schmiede war sehr voll.<br \/>\nThomas Northoff wurde von Walter Famler begr\u00fc\u00dft und auf einen reservierten Platz gelotst, Peter Henisch hatte einen Ehrenplatz und Friedrich Achleiter ein Portrait in der Vierzigjahrnummer, in der acht Achtzigj\u00e4hrige  ihr Leben erz\u00e4hlen.<br \/>\nGustav Ernst war nicht da, aber Evelyn Polt-Heinzl, Herbert J. Wimmer und der Kulturstadtrat, der allerdings nicht er\u00f6ffnet hat. Nachher gab es eine Ausstellung mit Polaroidfotos von Christoph Wilhelm Aigner und ein Buffet mit Br\u00f6tchen und Wein.<br \/>\nEine der Stammbesucherinnen hat sich beklagt, da\u00df sie nichts Neues erfahren hat und ihr die Bilder nicht gefallen. Ich fands  interessant. Es ist ein St\u00fcck meiner Vergangenheit und das Plagiat, das ich einmal im Augustin entdeckte, war  auch der bewu\u00dfte Christa Stippinger Text.  Robert Sommer vom Augustin war da und die Dame, die mich durch die anarchistischen Buchhandlungen f\u00fchrte. Robert Sommer hat mir zwei Nummern seiner Literaturzeitschrift 101 gegeben, die viermal im Jahr in 101 Exemplaren erscheint und das Wespennest ist vierzig Jahre viermal im Jahr erschienen, die n\u00e4chsten zwanzig Jahre erscheint es nur  zweimal, wie Walter Famler Kristina Pfoser erz\u00e4hlte, die ihn f\u00fcr das gestrige Morgenjournal interviewte.<br \/>\nUnd die dritte Pr\u00e4sentation der neuen Volksstimmeanthologie &#8220;Wir retten das System&#8221;, bei der ich mit Elfriede Haslehner, Lale Rodgarkia-Dara und Philip Hautmann lesen werde, wird  am Donnerstag den 14. 1. 2010, um 19.30 im <a href=\"http:\/\/www.e-zine.org\/\">read!!!ing room<\/a> in der Anzengrubergasse 19\/1, 1050 Wien sein.<br \/>\nVormerken, denn der erste, der mich dort auf das Literaturgefl\u00fcster anspricht, bekommt die Anthologie. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufregung und die Anfragen auf die Radiosendung lassen allm\u00e4hlich nach, daf\u00fcr hat mich heute das n\u00e4chste literarische Ereignis besch\u00e4ftigt und das ist der Ohrenschmaus &#8211; Literaturpreis f\u00fcr Menschen mit intellekuteller bzw. 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