{"id":2282,"date":"2009-11-30T00:11:12","date_gmt":"2009-11-29T23:11:12","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2282"},"modified":"2009-11-30T00:11:12","modified_gmt":"2009-11-29T23:11:12","slug":"herzzeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2282","title":{"rendered":"Herzzeit"},"content":{"rendered":"<p>So hei\u00dft der Briefwechsel Ingeborg Bachmann-Paul Celan mit Briefen zwischen Paul Celan und Max Frisch, sowie Ingeborg Bachmann und Gisele Celan-Lestrange, herausgegeben und kommentiert von Bertrand Badiou, Hans H\u00f6ller, Andrea Stoll und Barbara Wiedermann, der 2008 erschienen ist und im Sommer in \u00d61 zu h\u00f6ren war.<br \/>\nDavon habe ich durch meine Sommerfrische nicht viel mitbekommen, mich aber die letzten Tage intensiv in das Buch hineinbegeben, denn Literatur und die F\u00fcnfzigerjahre, bzw. Sechzigerjahre interessieren mich sehr. Ein bi\u00dfchen wei\u00df ich auch dar\u00fcber, war 2006 ja ein gro\u00dfes Bachmann Symposium mit sehr vielen Veranstaltungen und da habe ich auch einige der Herausgeber kennengelernt.<br \/>\nTrotzdem ist es schwer dieses Buch zu besprechen und wird mir auch nicht gelingen, denn da m\u00fc\u00dfte ich in die Welt der F\u00fcnfzigerjahre und der beiden Dichter viel mehr eintauchen und es stellt sich auch die Frage, kann man, darf man, geht das \u00fcberhaupt?<br \/>\nIngeborg Bachmann hat Paul Celan jedenfalls 1948 in Wien kennengelernt und ihren Eltern geschrieben &#8220;Der surrealistische Lyriker hat sich herrlicherweise in mich verliebt!&#8221;<br \/>\nPaul Celan geht nach Paris, widmet Ingeborg, das Gedicht &#8220;In \u00c4gypten&#8221; und der Briefwechsel beginnt, der sich, wie die sogenannte Liebesbeziehung in einigen Phasen abspielen wird. Es wird immer von Besuchen geschrieben, die  meist nicht stattfinden, einmal ist Ingeborg Bachmann die Werbende und Zur\u00fcckgesto\u00dfene, sp\u00e4ter ist es umgekehrt.<br \/>\nDas Trauma des Krieges spielt seine Rolle und die Lebensgeschichten der beiden sind mehr als intensiv, vor allem die Celans, die der Bachmann klingt da etwas milder,  ist es wahrscheinlich aber nicht. B\u00fccher werden hin und hergeschickt, Gedichte gewidmet, Einladungen wie zum Beispiel zu der Gruppe 47 vermittelt. Die Bachmann schreibt Celan genau, welchen Autobus er nehmen soll, etc. und auch von ihrer Arbeits\u00fcberlastung, Krankheit und \u00dcberforderung ist sehr viel die Rede.<br \/>\nPaul Celan heiratet, die Bachmann lernt  Hans Werner Henze und Max Frisch kennen, zieht in die Schweiz, nach Rom, nach 1953 war sie kaum mehr in \u00d6sterreich, steht irgendwo, die Liebesbeziehung wird wieder aufgenommen und zerbricht neuerlich.<br \/>\nDie Plagiatsvorw\u00fcrfe von Claire Goll betreffs der &#8220;Todesfuge&#8221; spielen eine gro\u00dfe Rolle und die Kr\u00e4nkung, die ein Kritiker namens  Bl\u00f6cker mit seinem Artikel &#8220;Gedichte als graphische Gebilde&#8221; bei Paul Celan ausl\u00f6ste.<br \/>\nEs kam zu zwei Mordversuchen, die Paul Celan an seiner Gattin ver\u00fcbte, Psychiatrieaufenthalte und schlie\u00dflich Celans Selbstmord, der 1970 in die Seine ging.<br \/>\nDie Bachmann hat ihn um drei Jahre \u00fcberlebt und auch einen f\u00fcrchterlichen Tod gefunden.<br \/>\nDer Band ist sehr gr\u00fcndlich kommentiert, es gibt Fotos und Originalabbildungen der Briefe und der Postkarten und wenn man sich vorstellt, da\u00df das alles auf Schreibmaschinen geschrieben wurde und in P\u00e4ckchen hin- und herging, merkt man, wieviel sich inzwischen in unserer Kommunikationskultur ge\u00e4ndert hat.  Es stellt sich auch die Frage, ob man die Mailwechsel, die die heutigen Dichter miteinander f\u00fchren, sp\u00e4ter so  gut dokumentieren und kommentieren kann oder ob dadurch nicht viel verloren geht, so wie es heute wahrscheinlich auch keine Originale oder andere Originale gibt?<br \/>\nDas ist interessant, vor allem aber  die Nachkriegsgeschichte, das Elend der traumatisierten Pers\u00f6nlichkeiten, die zu den starken lyrischen Erg\u00fcssen f\u00fchrte, w\u00e4hrend die Menschen dahinter zerbrochen sind.<br \/>\nDann gibt es noch die  verschiedenen Liebesbeziehungen der Bachmann, es gibt  ja auch den Hans Weigel mit seiner &#8220;Unvollendeten Symphonie&#8221;, der auch eine gewisse Rolle spielt.<br \/>\nDie Bachmann hat sich in ihren Werken auch mit ihren  Beziehungen auseinandergesetzt, die &#8220;Drei Wege  zum See&#8221;, lese ich in den Kommentaren, beziehen sich auf ihre schwierige Beziehung zu Paul Celan.<br \/>\nMan m\u00fc\u00dfte das alles viel genauer studieren und tut es aus Zeitmangel nicht, es geht einem auch gar nichts an und trotzdem haben wir durch den Briefwechsel  einen sehr intimen Einblick in die Psyche zwei sehr schwieriger Menschen bekommen, die in einer sehr schwierigen Zeit gelebt haben und von ihr nicht nur  gelobt, sondern auch \u00fcberfordert worden sind.<br \/>\nEs passt auch zu dem intensiven Lyrikseminar der letzten Tage, denn es ging  da auch um Briefe, wenn die von Fried vielleicht auch nicht so psychologisch intensiv sein m\u00f6gen und, da\u00df der Bachmann-Celan Briefwechsel, die jungen Dichterinnen animieren k\u00f6nnen, hat sich   auch gezeigt.<br \/>\nMich hat es nat\u00fcrlich auch betroffen und da ist mir eingefallen, da\u00df ich in den Siebzigerjahren mit einem Celan B\u00e4ndchen meiner Freundin Elfi mit dem Zug nach Hamburg gefahren bin und die &#8220;Todesfuge&#8221; nicht verstanden habe, weder den politischen noch den menschlich emotionalen Hintergrund.<br \/>\nJetzt wissen wir das alles besser und sollten wahrscheinlich anregen, mehr Bachmann und Celan zu lesen oder sich \u00fcberhaupt mit der Literatur der F\u00fcnfzigerjahre zu besch\u00e4ftigen und das kann man auch, gibt es ja gerade im Museum auf Abruf in der Felderstra\u00dfe eine Ausstellung zum Kunstverst\u00e4ndnis der F\u00fcnfzigerjahre mit einem literarischen Begleitprogramm \u00fcber das ich noch berichten werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So hei\u00dft der Briefwechsel Ingeborg Bachmann-Paul Celan mit Briefen zwischen Paul Celan und Max Frisch, sowie Ingeborg Bachmann und Gisele Celan-Lestrange, herausgegeben und kommentiert von Bertrand Badiou, Hans H\u00f6ller, Andrea Stoll und Barbara Wiedermann, der 2008 erschienen ist und im &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2282\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2282","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2282"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2282\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}